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3D vs. stereoskopisches Sehen

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  1. 3D vs. stereoskopisches Sehen

    Autor saffdf 04.09.09 - 08:27

    3D hört sich toll an und ist es auf den ersten Blick auch. Aber nach den bisherigen Erfahrungen (My Bloody Valentine, Ice Age 2) muß ich sagen: Haut mich nicht wirklich vom Hocker.

    Warum? Ein (großes) Problem bei 3D ist (scheinbar) - wenn man aber überlegt, logischerweise -, daß die Bilder zwar einen 3-dimensionalen Charakter erhalten, aber mit stereoskopischem Sehen trotzdem nicht viel zu tun haben, denn es fehlt die Fokussierbarkeit in die Tiefe des Raumes. Bei stereoskopischen Sehen (dem normalen also) kann man unterschiedliche Ebenen des Raumes fokussieren. Bei 3D-Kino jedoch wird zwar ein räumliches Bild dargestellt, das (sowohl von der Aufnahme als auch von der Projektion her) eine feste Fokussierung hat. D.h., die Räumlichkeit entsteht auch durch unterschiedlich scharfe (weil in einer anderen Fokusebene gelegene) Objekte. Und da kann man dann eben nicht zwischen den Ebenen individuell fokussieren.
    Deshalb ist die anfängliche Euphorie bei 3D-Filmen schnell vorbei.

    Außerdem ist die Drehweise bei 3D-Filmen eine etwas andere: Es wird viel in der Achse des Betrachters/der Kamera gearbeitet. D.h. Objekte bewegen sich nicht mehr v.a. von rechts nach links oder von oben nach unten, sondern vermehrt auf die Kamera zu oder von ihr weg. Damit wird der 3D-Effekt besser ausgenutzt. Diesselben Filme in 2D könnten allerdings etwas komisch wirken, weil es auf Dauer etwas nervt.

    Daher wird 3D wohl nur eine Durchgangsstation sein und irgendwann (hoffentlich) sich die Holographie durchsetzen. Die verspricht mir dem stereoskopischen Sehen, dem echten virtuellen räumlichen Erlebnis näherzukommen.

  2. Re: 3D vs. stereoskopisches Sehen

    Autor dsfdf 04.09.09 - 08:36

    Da hast du in allen Punkten recht.

    Für das normale was Filme erzählen hat die 3D-Information auch überhaupt keinen Mehrwert.

    Deswegen sind 3D-Filme auch immer so dass sie einem ständig zeigen: "Achtung, jetzt auf passen und staunen, sie sehen einen 3D-Film".

    Das ist dann immer irgendwas einfaches mit viel Gehampel.

    Ein kompletter Spielfilm der 3D bewust einsetzt (und nicht ständigt marktschreierisch damit angibt) würde vermutlich kaum auffallen. Das Gehirn taucht bei einem guten Film so oder so in seine Welt ein udn widmed sich der Geschichte. Räumliche Informationen spielen da eine untergeordnete Rolle.

    Deswegen wird das auch weiterhin floppen.

    Das ist was für den Rummel. Aber nichts für das was Kino macht.

  3. Re: 3D vs. stereoskopisches Sehen

    Autor Insider 04.09.09 - 08:43

    Ja genau, und dieses Stereo wird sich auch nicht durchsetzen, ich kauf mir jedenfalls keinens von diesen neumodernen Transistorradios

  4. Re: 3D vs. stereoskopisches Sehen

    Autor Outlaw 04.09.09 - 09:00

    Du warst auch der erste der den Virtual Boy gekauft hast, stimmts?

    http://www.youtube.com/watch?v=OyVAp0tOk5A

  5. Re: 3D vs. stereoskopisches Sehen

    Autor me2 04.09.09 - 09:55

    saffdf schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Außerdem ist die Drehweise bei 3D-Filmen eine etwas andere: Es wird viel in
    > der Achse des Betrachters/der Kamera gearbeitet. D.h. Objekte bewegen sich
    > nicht mehr v.a. von rechts nach links oder von oben nach unten, sondern
    > vermehrt auf die Kamera zu oder von ihr weg. Damit wird der 3D-Effekt
    > besser ausgenutzt. Diesselben Filme in 2D könnten allerdings etwas komisch
    > wirken, weil es auf Dauer etwas nervt.

    Dem würde ich nicht gerade zustimmen. Das mag vielleicht bei so billigen Horrorschockern der Fall sein, wo die Regisseure meinen, sie müssten das Publikum die ganze Zeit mit irgendwelchen Dingen bewerfen. Die c't hat es sehr treffend als pubertäre Phase des 3D-Kinos bezeichnet.

    Ich hab mir aber Ice Age 3 angeschaut und mein Eindruck war eher dass gerade Bewegungen in der Kameraachse fast komplett vermieden wurden. Das selbe galt auch Gegenstände mit einer starken solchen Ausrichtung. Das meiste spielte sich nur in der Bildebene ab, oder mit bis zu 45° drauf zu oder weg und war fast ausschließlich hinter der Leinwandebene positioniert. Das einzige was ich mitbekommen habe, was wirklich direkt auf die Kamera zuflog war ein winziger Steinchen, als jemanden an einer Klippe hängend von unten betrachtet wurde. Auch wenn sich die Kamera selbst vorwärts oder rückwärts bewegt hat, hatte man immer in der Bildmitte im Vordergrund ein halbwegs festen Bezugspunkt, zum Beispiel einen Flugsaurier in einer Luftkampfszene, oder bei der direkten Verfolgung von jemanden der irgendwo entlang rennt. Einfach nur damit die am rechten und linken Rand vorbeifliegenden Dinge nicht zu störend wirken.

    Aber ein anderes Problem hat sich schon offenbart: Der Schulterblick ist auch nur noch schwer möglich. Es gab eine Szene in der stand Manni am rechten Bildrand und die Kamera war links hinter ihm positioniert und schaute in die selbe Richtung wie er. Sein Körper allein hat also schon eine ziemliche Tiefe produziert. Dementsprechend ragte sein Rücken sehr weit auf den Betrachter zu bevor er vom rechten Rand der Leinwand abgeschnitten wurde. Aber das hat sehr vom eigentlichen Geschehen abgelenkt, das vor ihm in der Bildmitte gewesen wäre. Als 2D-Bild wäre genau das Gegenteil der Fall gewesen, und seine Anordnung hätte den Blick genau auf die Bildmitte geführt.

    Man muss mit dem Medium des 3D-Kinos schon sehr bewusst arbeiten. Und bewusst Arbeiten heißt sicher nicht, andauernd irgendwelche Gegenstände auf das Publikum zu werfen, sondern eher unter künstlerischen Aspekten darauf zu achten dass ich den Blick des Zuschauers auf das lenke, was er wahrnehmen soll und ihn nicht davon ablenke. Außerdem gilt es eben schnelle Tiefenwechsel zu vermeiden, denn das ist wirklich ein Nachteil der Technik da das Auge eben immer gerne den Fokus mitführen möchte, was es aber nicht darf. Ich glaube jedoch nicht, dass wir so bald auf eine vernünftige Holographietechnik hoffen dürfen.

    /me

  6. Re: 3D vs. stereoskopisches Sehen

    Autor toby3000 04.09.09 - 10:13

    +1 zu me2's und saffdf's Ausführungen!

    Der aktuelle Stand der Holographie ist weit weg von "sinnvoll nutzbar". Außerdem bezweifel ich, dass damit alle Probleme gelöst wären.

    Das entscheidende Problem bei Stereo ist in der Tat die fehlende Möglichkeit selbst zu fokussieren. Man bekommt durch diese 3D-Blick-Vorschrift schon Kopfschmerzen. Aber ich denke das liegt auch an anderen Faktoren (Verzögerung, falscher Augabstand, etc.). Im 2D-Film bekommt man die Fokussierung auch vorgeschrieben und wir haben uns damit abgefunden! ;-)

    Ein gutes Beispiel für dezenten Einsatz ist m.E. Coraline in 3D. Super Story, schöne Bilder und angenehm zurückhaltender 3D-Einsatz. Ein paar Wow!-Effekte gibt es sicherlich, aber insgesamt geht es hier in die richtige Richtung, 3D geschickt und nicht übertrieben einzusetzen. Der Trend bei Stereo orientiert sich eher am feeling von Theater-Bühnen: neue Objekte/Personen sollten z.B. die "Bühne" hinter der Leinwand betreten und auch verlassen, etc. So gibt es einige "Spielregeln" die gute Wirkungen erzielen werden, die aber viele Filmemacher noch lernen müssen... wie damals ja auch, als es auf einmal Farbfilm oder Tonfilm gab. Es dauert noch...

    Bin aber gespannt, ob wir wirklich schon 2010 mit Shutter-Brillen-Stereo rechnen können. Toll wäre es ja! Und das Generieren eines einzigen Videobildes mit Anaglyphenbrille übernimmt dann der bluray-Player? Sind die nicht zu schwachbrüstig? Wir werden sehen.

    Beste Grüße,
    Toby.

  7. Re: 3D vs. stereoskopisches Sehen

    Autor Z101 04.09.09 - 10:44

    dsfdf schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Da hast du in allen Punkten recht.
    >
    > Für das normale was Filme erzählen hat die 3D-Information auch überhaupt
    > keinen Mehrwert.
    >
    > Deswegen sind 3D-Filme auch immer so dass sie einem ständig zeigen:
    > "Achtung, jetzt auf passen und staunen, sie sehen einen 3D-Film".
    >
    > Das ist dann immer irgendwas einfaches mit viel Gehampel.
    >
    > Ein kompletter Spielfilm der 3D bewust einsetzt (und nicht ständigt
    > marktschreierisch damit angibt) würde vermutlich kaum auffallen. Das Gehirn
    > taucht bei einem guten Film so oder so in seine Welt ein udn widmed sich
    > der Geschichte. Räumliche Informationen spielen da eine untergeordnete
    > Rolle.
    >
    > Deswegen wird das auch weiterhin floppen.
    >
    > Das ist was für den Rummel. Aber nichts für das was Kino macht.


    Ich habe nun schon einige 3D-Filme gesehen, zu letzte Caroline, der überhaupt nicht mehr auf spezielle 3D-Effekte setzte. Es wertet die Darstellung einfach enorm wenn man in das Bild "hineinsehen" kann.

  8. Re: 3D vs. stereoskopisches Sehen

    Autor Lalaaaaaa 04.09.09 - 11:45

    Alles bei dem man sich irgendwelche Zusatzgeräte aufsetzen muss hat keine Zukunft. Da bin ich überzeugt von. Das wollen die Leute nicht. Zumindest nicht auf Dauer.
    Da muss die Forschungsabteilung halt noch ein wenig arbeiten und was anständiges präsentieren bevor jedenfalls ich anbeiße.

  9. Re: 3D vs. stereoskopisches Sehen

    Autor bd32fds 04.09.09 - 15:20

    Lalaaaaaa schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Da bin ich überzeugt von. Das wollen die Leute nicht.

    "Da bin ich überzeugt von.". Fuer so nen Satz haette mich mein Deutschlehrer erschossen. Zweimal.

  10. Holographie evtl. gar nicht nötig

    Autor ThadMiller 07.09.09 - 12:52

    Als ich das mit der fehlenden freien Fokussierbarkeit von euch gelesen habe, musste ich sofort an Call of Juarez 2 denken, das ich momentan spiele. Visiert man dort mit der Waffe, wird automatisch auf diese Tiefenebene fokussiert.

    Es bedarf also lediglich einem Eye-Traking-System und genug Rechenleistung. Bei mehreren Zuschauern wird die Sache natürlich kompliziert.

    Die Zeit wird's zeigen.


    gruß
    Thad

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