Hallo,
ich war auch bei der Jahrestagung und vereinzelt haben einige (aber m. E. zu wenige) Teilnehmer beklagt, dass die Stimme der Spieler zu wenig vertreten ist. Ich wäre interessiert an solchen Stellungnahmen von Spielern. Ich selbst bin Prof. für Medienpädagogik in Hamburg, Vater von vier Kindern und bin selbst seit meinem 12. Lebensjahr Computerspieler.
Inwiefern denkt ihr, dass "Computerspielesucht" eine eigenständige Krankheit ist?
(Wann) würdet ihr von "Sucht" sprechen?
Was wären alternative Erklärungen zu der These "Computerspiele machen süchtig"?
Welche Rolle spielt der familäre Hintergrund / Perspektive der Elterngeneration?
Rudolf Kammerl schrieb:
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> Inwiefern denkt ihr, dass "Computerspielesucht"
> eine eigenständige Krankheit ist?
> (Wann) würdet ihr von "Sucht" sprechen?
steht es denn wirklich zur diskussion, dass auch computer suchtverhalten auslösen können? ich denke nicht, dass dem so ist, sollte wohl jedem hier klar sein. allerdings wird hier analog zur kipo-debatte fast jeder spieler unter generalverdacht gestellt, das sogenannte "massenphänomen" eben. _das_ ist gegenstand der diskussion, nicht die handvoll spieler, die ernsthafte probleme haben...
offensichtlich hast du aber schon antworten auf deine fragen, die wären sicher auch mal interessant hier ;)
> Kammerl, R.: Du bist doch schon süchtig! - Aktuelle Befunde und
> Fragestellungen zu „Mediensucht“ aus medienpädagogischer Sicht.. In.
> Kirchmann, K. / Titel, V. (Hrsg.): Medien außer Kontrolle? (im Druck).
Computer und Sucht? Das ist doch lächerlich! Was ihr meint sind Nerds und Geeks, eine natürliche Spezies des IT Zeitalters, aber das hat doch nichts mit Sucht zu tun.
Alles kann zur Sucht werden, die Frage ist doch eher, womit sich die Menschen beschäftigen und in was sie sich verlieren. Wo früher Romane verpöhnt waren, wird jetzt die Lücke mit Computerspielen oder früher Fernsehen gefüllt.
Gefühlt würde ich sagen, dass vor allem Jugendliche die persönliche Kontakte meiden Computerspielaffiner sind als solche, welche sich mit Sport o. ä. beschäftigen. Das heißt aber nicht, dass sie über keine Sozialkompetenz verfügen, sogar das Gegenteil ist der Fall. Wo früher immer die Offlinespieler als Suchgefährdete eingestuft wurden sind die neue Generation jetzt diesem Altlasten entwachsen und organisieren sich in Gilden und Sozialen Netzwerken. Dabei gibt es klar Extremfälle, welche den Alltag vernachlässigen um sich nur einem Spiel zu widmen.
Ich würde von Sucht sprechen, sobald das Spielen anderen gesellschaftlichen Aktivitäten weicht und diese in den Hintergrund drängt.
Computerspiele machen nicht generell süchtig, es kommt auf das Individuum und dessen Empatie an.
Sicher spielt der Familiäre Hintergrund eine tragende Rolle. Hier ist natürlich zu wünschen, dass Eltern zu langes Spielen einschränken. Natürlich alles mit Augenmaß.
Rudolf Kammerl schrieb:
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> Inwiefern denkt ihr, dass "Computerspielesucht"
> eine eigenständige Krankheit ist?
Ist ja keine Sucht, sondern eine Abhängigkeit. In meinen Augen ist das ganz klar eine psychische Störung mit meist sehr tiefen Ursachen. Ich finde den Begriff Krankheit hier, wie auch in anderen Fällen, eher unangebracht, da es impliziert, dass ein Arzt das heilen könnte.
> (Wann) würdet ihr von "Sucht" sprechen?
Das kann man nicht so mit einer Faustregel umschreiben, da spielen mehrere Faktoren individuell zusammen. Indizien sind soziale Abschottung, Lügen um mehr seiner Sucht nachgehen zu können, Nervösität bei längerer Offline-Zeit, Online-Träume oder gar keine Träume wegen zu wenig Schlaf etc.. Vieles kann auf eine Abhängigkeit deuten, muss aber nicht, besonders, wenn's recht kurzfristig ist.
> Was wären alternative Erklärungen zu der These
> "Computerspiele machen süchtig"?
Menschen die zu Abhängigkeiten neigen, lassen leicht von Spielen in den Bann ziehen, da sie perfekt die Bedürfnisse befriedigen, die solche Menschen haben.
> Welche Rolle spielt der familäre Hintergrund /
> Perspektive der Elterngeneration?
Da sind sicher die Ursprünge und vielleicht auch Ursachen zu finden, aber mehr auch nicht. Was ein Mensch aus den Gegebenheiten macht, entscheidet er selber. Die Entscheidungen werden aber teilweise sehr stark beeinflusst, besonders wenn ein Kind lernt, gar nicht selbst zu entscheiden. Und genau da steckt für mich das Kernproblem. Dazu habe ich mich ja auch schon etwas ausgelassen: http://forum.golem.de/read.php?33521,1829887,1829887#msg-1829887
Meiner Ansicht nach fehlt in unser Gesellschaft irgendwie eine Art der Initiation, welche es in anderen Kulturen noch gibt. Viele leben einfach das Leben und die Ideal der Eltern weiter, statt sich selbst zu finden. Selbst Menschen, die stark gegen die Eltern angegangen sind, leben oft später dann doch die alten, von den Eltern aufgesogenen, Muster ungefragt weiter. Aber es gibt auch viele, die sich bewusst oder unbewusst selbst so eine Initiation verschaffen, z. B. mit einem Auslandjahr nach der Schule. Die meisten kommen mit neuem Selbstbewusstsein und deutlich klareren Lebensansichten wieder heim.
Man könnte das ganze Verhalten auch auf Liebesarmut runterbrechen, besonders mangelnde Liebe zu sich selbst. Denn letztendlich ist endloses Zocken eine Form von Liebesersatz. Wir haben gelernt, dass Liebe von außen kommt, durch Lob und Belohnung. Spiele bieten das im Überfluss. Die Spiele, die das nicht bieten, werden schnell gefrustet liegen gelassen. Bitte nicht falsch verstehen, gelegentliches Zocken stelle ich damit nicht infrage, erst wenn das Spiel zum Selbstzweck wird. Das ist leider schwierig zu erkennen, besonders von den betroffenen.
--
Tekl
redwolf schrieb:
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> Sicher spielt der Familiäre Hintergrund eine
> tragende Rolle. Hier ist natürlich zu wünschen,
> dass Eltern zu langes Spielen einschränken.
> Natürlich alles mit Augenmaß.
Das Einschränken bringt aber auch nur dann was, wenn die Eltern selber die gleiche Disziplin an den Tag legen. Kinder merken (unbewusst) schnell, wenn sie verarscht werden.
--
Tekl
da gebe ich dir Recht, die Einschränkung muss nachvollziehbar und nicht zu totalitär sein.
. . . wäre eine objektive, nach wissenschaftlichen Maßstäben geführte Untersuchung. Jeder, der sich eingehender mit der ganzen Thematik befasst, sieht doch das dieses ganze Thema zum Spielball der Politik, einerseits, und den Medien, andererseits, geworden ist.
Natürlich sind Fragen offen, gerade nach diversen Amokläufen der jüngsten Geschichte, aber diese offensichtliche und katastrophale Zweckentfremdung solcher Ereignisse von unserer Politk um Wählerstimmen zu ergattern und das bizarre ausschlachten unserer Medien um Quote und Auflage nach oben zu treiben, haben der ganzen Sache eine so groteske Dynamik gegeben, dass es unter gegebenen Umständen schlicht keinen Sinn macht die politische Seite ernst zu nehmen!
Eigenintersse und Machterhalt liegen einfach zu offen. In Wirklichkeit wird mittels dieser Medientaktik nichts anderes getan, als die ältere Bevölkerungsschicht Deutschlands zum wählen zu bringen auf dem Rücken einer jüngeren Generation, die eben nicht organisiert ist wie diverse grosse Lobbys á la Energiekonzernen, Auto- oder Rüstungsindustrie.
Dazu drängt sich ganz klar der Verdacht auf das hier eher die Strategie "Brot und Spiele für den Mob" gefahren wird, seitens unserer politischen Führung und der mit ihr verbandelten Interessensgruppen.
Ein Herr Pfeiffer scheint leider mehr als nur leidlich professionell und vorallem Wissenschaftler genug zu sein, um das wirklich nach eben wissenschaftlichen Gesichtspunkten zu beurteilen. Viele seiner Kollegen vom Fach, aber eben auch von Journalisten, die seine Tagungen und Veranstaltungen besuchten, kritisierten zu recht, dass das alles schon eher sehr einseitig als Sündenbockkampagne aufgezocken sei. Wen wunderts? Wenn ich als Wissenschaftler die Rahmenbediengungen einer wissenschaftlichen Studie nach Gutdüngen gestalte, so das sie mir das gewünschte Ergebnis, zumindest dessen Ausgang schon mal klar vorstellen kann, was hat das mit einer objektiven Studie zu tun? Die beiden Seiten neutral und vorallem unvoreingenommen sich gegenüberstellt?
Ganz abgesehen von der Tatsache das dieser ganze Theaternummer von einer unionsnahen Stiftung in Auftrag und finanziert wurde. Da fällt mir nur noch ein, traue keiner Studie, die du nicht selber in Auftrag, gefälscht, beeinflusst, oder sonstwie manipuliert hast, damit das gewünschte Ergebnis dem eigentlichen Auftraggeber am zweckdienlichsten ist.
Diese ganze Darstellung geht aber eben auch leider Hand in Hand mit unserer Zeit. Sprich wir haben Aushängeschilder der Parteien, eben Politiker, die irgendwas im Brustton der Überzeugung in jeder Kamera seiern, aber im Grunde von den wirklichen Gegebenheiten keine Ahnung haben. Aber bestens medial geschult sind, um die Multiplikationswirkung ja auch ganz, bei jedem noch so kleinem unwichtigem Furz, auszunutzen.
Ich nehm es diesen Persönlichkeiten nicht übel. Aber den drei Abteilungen von Dumschwätzern, die irgendwas querstudiert haben und sich mit ihrer, pardon, Arschkriecherei nach oben dienen und seit Jahren kein Sonnenlicht mehr gesehen und alles tun um im Eigeninteresse weiter zu kommen, aber nichts tun um ihrer Position als Berater nach Wissen und Gewissen, Moral und Verantwortung gerecht zu werden. Diesem Fehler im System, den pranger ich an.
Ich persönlich spiele Computerspiele, ja. Ich lese aber auch viel, aber immer weniger diesen medialen Dünnpfiff der bei jedem Thema wieder hochgequirlt wird. Aus jeder gottverfluchten Mücke wird ein Elefant gemacht, Hauptsache Quote und Auflage stimmen und dann wundert sich die ach so elitäre Schicht in unserem Land das eine Generation zwischen zwölf und sechzehn mehr von einem Dieter Bohlen hält als von einem unserer ach so tollen machiavellistischen Politiker? Also mich nicht. Mich wundert auch nicht, das diese Generation mehr Geld für JambaKlingeltöne ausgibt als sich für einen Bruchteil dieses Geldes auch nur mal geschichtlich, politisch, kulturell zu informieren. Aber das ist auch das Glück unserer Politik! Denn wenn die, sagen wir, fünfzehn bis zweiundzwanzig oder dreiundzwanzig Jährigen auf einen Schlag aufwachen würden, dann wäre wohl die legendäre 68er Generation und deren Aufstand ein Kindergeburstag mit Ronald McDonald dagegen. Das schlimme dabei ist, um so mehr man sich mit dieser ganze Situation befasst, umso mehr bekommt man das Gefühl, das diese Entwicklung absichtlich in die Wege geleitet wird. Um ja wieder ein Geselschaftsgefüge zu etablieren, wie man es aus dem 19. Jahrhundert kennt. Nur nicht zuviel eigenständig denkende Menschen, Hauptsache mit Konsum und der Droge Klotze in einem dauerbekifftem Zustand zu lassen - wehe dem, der diese Meute von der Leine läst und ihr den Kuss des Erwachens schenkt . . . .
Momentan stehen gibt es noch mehr Fragen als Antworten. Meinen Text reich ich noch nach.
Das Ende driftet etwas ab, ansonsten full ACK!
Ich glaube nicht, dass die Menschen zwischen 16 und 23 nicht "aufgewacht" , wenn Sie mir bitte die doppelte Verneinung verzeihen. Eher sieht man wachen Auges doch völlig erstarrt vor Entsetzen zu, was passiert. Ich gehöre zu der genannten Altersgruppe und jedenfalls mir und vielen, die ich kenne, geht es so. Die Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen scheinen einfach ausgeschöpft: Wahlen bringen nichts, weil die "Alten" eh in der überzahl sind (was zu geringer Wahlbeteiligung führt - auch nicht gerade gut!), Demonstrationen bleiben wirkungslos... und alles andere ist verboten.
Verzeih mir meine Unwissenheit, aber was ist ACK ?
Ich halte es im Grundsatz für "blödsinnig".
"Damals" haben die Jugendlichen eben etwas anders gemacht.
Hat man sie für Süchtig ernannt wenn sie den ganzen Tag im Wald waren und Bude bauen waren? Wenn sie täglich Fahrrad fahren gewesen sind.
Waren sie süchtig nach Sonnenschein?
Ich halte es für einen Wandel das heutzutage wesentlich mehr über Computer gemacht (gespielt) wird.
Von Sucht kann man (wie bei allem anderen) erst sprechen, wenn man nicht mehr davon wegkommt. Beispielsweise auf Essen oder Schule verzichtet weil man unbedingt spielen muss.
Solange man sich immer noch frei entscheidet ist man meiner Meinung nach nicht süchtig. Und ich denke das die meisten Spieler eben selbst diese Entscheidung treffen.
Grund warum es viele Jugendliche zu Computerspielen treibt ist leicht:
Man ist (zumindest im Onlinespile) im Kontakt mit anderen Menschen.
Man hat schnell erfolge (die vielleicht woanders fehlen?)
Es ist leicht zu spielen. (Man muss nicht extra irgendwohin fahren oder sich umständlich mit jemanden verabreden).
Verzeih mir meine Unwissenheit, aber was ist ACK ?
Mich wunderts überhaupt nicht, das jeder durchschnittlich intelligente Mensche bei dieser ganzen Diskussion aus Politik- und Mediensenf, sich nur noch zurücklehnen kann und der Katastrophe zusieht, wie sie der Titanic gleich auf einen Eisberg zusteuert. Anstatt auszuweichen, oder den Rückwärtsgang einzulegen, wird sogar noch auf Vollgas gegangen!
Ein Sinnbild unserer Zeit ist auch die Tatsache, das drei Monate nachdem Amoklauf in Erfurt das polizeilich-psychologische Gutachten veröffentlicht wurde, das Medienmonster sich aber schonlängst um die Unterwäsche von Paris Hilton gekümmert hat, anstatt diese ganze Diskussion wieder mit dem entsprechenden Interesse zu behandeln. Dieses Gutachten war äußerst interessant und zeigte ganz klar, dass Computerspiele á la Counter Strike nicht dafür verantwortlich waren für diese Tragödie! Aber das war uninteressant für Politik und Medien, stattdessen straft man diese wichtigen Informationen mit Nichtachtung, da das öffentliche Interesse schon längst wieder sonstwo hin ist und es natürlich nicht zweckdienlich ist wenn der einstige Sündenbock sich als mediales Mobopfer entpuppt.
Vergleichbares war und ist auch nach Winnenden zu beobachten. Politik und Medien nutzen dieses Ereignis um in ihrer eigenen Art Profit und Erfolg daraus zu schlagen. Mal ganz abgesehen davon, das Wahljahr ist und einige unserer hehren Volksvertreter vor lauter Glück ob dieser Gottesfügung, es gar nicht fassen konnten, was für Möglichkeiten ihnen dieser "heilige Krieg" gegen jeden der irgendwie seine Griffel an einem Computerspiel hatte, bringt.
Ich denke eher das die Menschen starr vor Entsetzen sind, wenn sie diese knallharte, alles verachtende Interessenspolitik sehen, diesen wirklich absolut morallosen Machiavelismus unserer Zeit, der sich durch so ziemlich alle Berreiche zieht. Politik, Medien, diverse Wirtschaftsbranchen und eben in den Hyrachien die diese Berreiche strukturieren. Diese ganzen Diskussionen, von Killerspielen und Onlinesucht, bis hin zu Finanzkrise sind davon geprägt. Jeder ist irgendwo verzweifelt und keiner hat eine Lösung. Aber bevor der eigene Kopf rollt, wird wild um sich geschlagen, damit sich die Meute, der Mob auf irgendwas einschiesst, nur nicht auf den einen oder die anderen selbst. Dabei ist es doch eine Krankheit unserer Zeit und jeder trägt seinen Teil dazu bei, solange er sich so verhält.
Anderes Beispiel: Banken haben einen historisch niedrigen Leitzins von der EZB bekommen. Anstatt diesen an die Kunten weiterzugeben sanieren sie sich erstmal selbst, dabei geht der Motor dieses Landes kaputt und vor die Hunde, die Wirtschaftskraft der Kleinst- und mittelständischen Betriebe. Die Menschen müssen quasi hilflos zuschauen, wie ihre jahrelange Arbeit einfach aufgrund von gierigen Bankern, Finanzstatistikern und Zahlenjongleuren absolut wert- und leidenschaftslos kaputt gemacht wird, sowohl die, der Angestellten, als auch die, der Inhaber.
Der Trugschluss dabei ist, wenn diese Schicht aus kleinen und mittelständischen Betrieben nicht mehr gross genug ist, beist sich die Schlange in den eigenen Schwanz. Soll heissen, dass dann gar nichts mehr anspringt. Konzerne wandern ab. Das haben sie in Zeiten der Globalisierung schon immer getan, und ihre Abschreibungen und Schulden in den Ländern geltend gemacht, in denen sie am besten davon profitieren und am meisten bekommen. Das dies, wenn es immer mehr machen, ein ganzes Land in den Ruin treibt, da schlicht die Einnahmen des Staates geschmählert werden und eben auch Steuereinnahmen der Bürger abnehmen, die könne sich ja auch dieses und jenes nicht mehr leisten, bzw. verdienen nicht mehr genug, da entweder kein Geld oder eben nicht die Entlohnung, die ihnen eigentlich zustehen würde für ihre Arbeit.
Also dreht sich dieser Teufelskreis höllisch weiter, da er schon vor Jahren begonnen hat durch diese outsourcing und Profitgier Moral.
Da ist es nicht verwunderlich, um den Kreis jetzt wieder zu schliessen zu Killerspiel und Onlinesucht Diskussionen, das es unserer Politik sehr genehm ist, dass sich unsere Gesellschaft lieber auf diese Hetzjagd begibt, anstatt sich wirklich mal hinzusetzen und sich ein eigenes Bild zu machen, was wirklich faul läuft in unserem Land. Wäre dem nämlich so, würden solche Parteien wie CDU/CSU und SPD ziemlich schnell unter dem Dauerfeuer der Kritik und dem eigenen Versagen flöten gehen. Was sie dieses Jahr, hoffe ich, auch tun werden. Der Ansatz war aber schon da, als verschiedene Vertreter die Gefahr von "sozialen Unruhen" in den Raum schmissen, wurden sie erstmal recht schnell entschärft. Man will ja keine schlafenden Hunde wecken und ein Schubs in diese Richtung kann ja da schon zuviel des Guten sein. Hauptsache die Wahlen sind vorbei, danach sieht die Welt wieder anders aus. Auch wenn Zocker dann erstmal als Exempel als erstes die Federn lassen werden - Hauptsache der Mob hat Blut gesehen, danach ist er besänftigt.
Mag ja sein 0099.
Ich geb dir vom Prinzip auch recht. Es gab Rock ´n Roll, die 68er, Comic´s. Damals haben auch alle, man mag mir den überspitzten und ironischen Ausdruck bitte verzeihen, auch alle auf die sogenannte "Negermusik" geschimpft.
Wir sind aber in einer etwas anderen Situation. Es ist ein Wahljahr und in der grössten Krise der Weltgeschichte und diese Amokläufe sind schon eine seltsame Erscheinung unserer Zeit. Allerdings können Computerspiele nur leidlich der Grund dafür sein. Verbieten wir Computerspiele, der nächste Amoklauf passiert und dann? Verbieten wir dann Fernsehen? Wird genauso viel Gewalt gezeigt. Verbieten wir Bücher? Da gibt es auch Gewaltdarstellungen der feinsten Güte, sogar noch dramatischer, minutiöser als in einem Spiel oder einem Film oder einer Serie. Die Ursache liegt doch woanders. Meiner Meinung nach in der kalten und schlichtweg verachtenden Zeit in der wir leben. Der Mensch ist nur noch eine Position in einer Bilanzierung und kostet Geld, diese Denke ist mittlerweile sogar in der kleinsten Einheit der Gesellschaft, der Familie, beim Einzelindividuum angekommen. Wie sonst kommt es das immer mehr Menschen für immer weniger arbeiten und immer mehr Menschen weg rationalisiert werden? Die Systematik greift von oben nach unten durch und die Menschen gehen reihenweise auf die Straße, aber nichts passiert. Wenn dann die Parole ausgegeben wird das wir alle Opfer bringen müssen in solchen Zeiten, frag ich mich, wenn man sich die letzten Jahre so umgehört und angeschaut hat, welche Opfer sollen die Menschen dieses Landes denn ncoh bringen? Eltern wissen nicht mehr wie sie über dem Existenzminimum bleiben, obwohl beide arbeiten. Kosten explodieren und die Schere zwischen Arm und Reich wächst mit atemberaubender Geschwindigkeit.
Nichtsdestotrotz halte ich es für absolut Gaga einem Menschen wie einem Pfeiffer, der schlicht zu tief in den Strukturen der Union verbandelt ist und daher natürlich aufgrund von Interessenspolitik für eben diese, die Verantwortung für eine solche Studie zu geben. Damit er die allgemeine Diskussion, die von der Politik initiert wurde und natürlich zweckdienlich von den Medien wie einem reudigen Köter, der seit Tagen nichts mehr zu fressen bekommen hat, aufgefangen und zerfleischt wird.
Dabei findet jeder hier sehr schnell die Quervermerke von Pfeiffer zu der unionsnahen Stiftung, die diese Studie finanziert hat - ergo liegt der wahre Beweggrund so offen, das es schon zum Himmel schreit. Aber egal, des Erfolges wegen, werden die Gesetze durchgepeitscht, auch wenn die Herrschaften in Berlin gemerkt haben, das sie da die Büchse der Pandorra geöffnet haben.
Mal ganz abgesehen, das jeder, der sich etwas mit dem aktuellen Zeitgeschehen befasst, sehr schnell drauf kommt, wie das wirklich in unserer Zeit läuft.
Ich denke das genau diese Zusammenhänge dafür verantwortlich sind.
Es geht hier nicht um Amokläufer -.-, es geht um Jugendliche die vor der Kiste dahinvegetieren.
Und ich glaube du hast Angst dein Spielzeug weggenommen zu bekommen.
Wird schon nicht passieren, keine Sorge.
Maßnahmen finde ich zwar auch nötig, aber doch bitte ohne die _Expertenmeinung_ eines Christian Pfeiffers (versucht sich wohl überall zu etablieren, wo er die Öffentlichkeit davon überzeugen kann, dass Spiele schlecht sind).
Es wird wohl jemanden geben der das nicht aus Eingeninteresse vorrantreibt und das - behaupte ich mal - ist diese Fr. Bätzing.
> Von Sucht kann man (wie bei allem anderen) erst sprechen, wenn man nicht
> mehr davon wegkommt. Beispielsweise auf Essen oder Schule verzichtet
> weil man unbedingt spielen muss.
Dem würde ich zustimmen. Sucht liegt IMHO dann vor, wenn die Wegnahme des Suchtobjektes zu Entzugserscheinungen führt (Aggression, Unruhe oder Schweißausbrüche etc.).
Das Gefährliche bei Computergames ist möglicherweise, daß durch irgendwelche Phänomene (Kombination aus mehreren extremen übersteigerten audiovisuellen und emotionalen Empfindungen) die Schutzmechanismen des Körpers ausgehebelt werden können, ohne daß es der Gamer bemerkt.
In Asien hat es schon Tote durch (bzw. bei) Computergames gegeben, die AFAIK 50h oder mehr nonstop und ohne Nahrungsaufnahme gespielt haben sollen. Wie ist das möglich, daß die Leute sich nicht mal 10 min Pause gönnen? Offenbar findet hier eine irrationale Änderung des Bewusstseinszustands statt, der zu der erwähnten Schwächung bzw. Abschaltung der Selbstschutzmaßnahmen des Körpers führt. Das ist ein Phänomen, das man auch bei anderen Suchtphänomenen (Alkohol, Drogen etc.) findet: Der unbewußte Drang zur Selbstzerstörung.
P.S. Dieser Thread ist der interessanteste, den ich bisher bei Golem gelesen habe. Endlich mal ein paar Statements mit Niveau!
http://www.weirdasianews.com/2007/09/16/online-gamer-dies-after-3-day-online-marathon/
http://news.bbc.co.uk/2/hi/technology/4137782.stm
http://search.yahoo.com/search?p=Gamer+dies+Asia&ei=UTF-8
@ Blubb
Mein Spielzeug ist mir herzlich wurscht. Ja ich hab wieder angefangen CS zu zocken, aber paradoxerweise eben nur wegen dieser ganzen Verbalonaniererei seitens diverser Politiker.
Es geht aber auch gar nicht um dieses oder jenes Spiel, oder das "Zocken" im allgemeinen. Alleine diese hirnrissige Argumentation bezüglich dieses Verbots im Internet mit diesem bekloppten STOP-Schild. Da fragt man sich was für Affen in Berlin sitzen und von unseren Steuergeldern ihre Familien ernähren. Würde einer von uns so arbeiten, wäre er morgen arbeitslos. So fadenscheinig mit diesem "click und weg" und "nein, das hat keine auswirkungen, deine ip und deine daten werden natürlich nicht gespeichert und ohne eine judikative kontrollinstanz direkt zum bka geschickt. kannst ja die jungs auf nen kaffee einladen während sie dir die bude auseinandernehmen!", so banal und plump können die noch nicht denken, das die deutsche Bevölkerung ist?!
Dieser Kipo-Dreck gehört ausm Netz! Das ist die Aufgabe dieser Leute in Berlin, nicht damit billigen Wahlkampf zu betreiben und drauf zu spekulieren, das der gemeine Bürger sowieso nach den Wahlen nichts mehr von dieser ganzen Diskussion weiss. Aber das tun sie nicht, sie interessiert es nicht mal, ob da so und soviel Kinder misshandelt werden, ist ihnen total schnuppe. Die wollen nur die Wahl gewinnen. Das ist das widerwärtige an diesen Menschen.
Vorallem wenn dann eine unabhängige Redaktion (das ist wichtig, denn so unabhängig sind die alle nicht mehr in diese schönen land ;0), da hat schon der gleiche Lobbyismus um sich gegriffen, wie es in x anderen Branchen und Wirtschaftsberreichen der Fall ist) diverse Provider anschreibt, nachdem sie die ip listen abgeglichen haben und mit einem Schlag das Medienargument "diese Seiten sind alle in rechtsfreien [Verzeihung] Bimbostaaten, da können wir echt nichts tun, selbst wenn wir wollten" ausgehebelt haben und über hundert Seiten vom Netz gehen innerhalb von zwölf Stunden und, Oh mein Gott, diese Seiten nicht in irgendwelchen Al Quaida infiltrierten Kleinststaaten sind, nein, in den USA, in Deutschland, in Australien. Da fragt man sich echt was für Fachkompetenzen in in Berlin sitzen, die wären doch ohne fremde Hilfe nicht überlebenfähig und genau das macht sie so gemein gefährlich für Demokratie, Freiheit, Verfassung und Rechtsstaatlichkeit in diesem Land.
Rudolf Kammerl schrieb:
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> Hallo,
> ich war auch bei der Jahrestagung und vereinzelt
> haben einige (aber m. E. zu wenige) Teilnehmer
> beklagt, dass die Stimme der Spieler zu wenig
> vertreten ist. Ich wäre interessiert an solchen
> Stellungnahmen von Spielern. Ich selbst bin Prof.
> für Medienpädagogik in Hamburg, Vater von vier
> Kindern und bin selbst seit meinem 12. Lebensjahr
> Computerspieler.
>
> Inwiefern denkt ihr, dass "Computerspielesucht"
> eine eigenständige Krankheit ist?
> (Wann) würdet ihr von "Sucht" sprechen?
> Was wären alternative Erklärungen zu der These
> "Computerspiele machen süchtig"?
> Welche Rolle spielt der familäre Hintergrund /
> Perspektive der Elterngeneration?
>
Zitat: "Er forderte, dass Wissenschaftler Kriterien aufstellen sollen, anhand derer Jugendschützer - etwa der USK - festlegen können, ob ein Spiel Elemente enthält, die zur Sucht führen könnten."
Jeder klar denkende Mensch, der sich ein wenig mit der Materie beschäftigt hat weiß, das ALLES was Spaß macht, süchtig machen kann. Wozu brauche ich da also noch die Frage nach Elementen stellen, die süchtig machen können?
Ob es denn tatsächlich süchtig macht, liegt alleine an den Vorliebe der Konsumenten.
Deswegen möchte ich die Frage "Wann spreche ich von Sucht" so beantworten: "Wenn man sich extrem von einem Spiel angesprochen fühlt, und sogar richtige Entzugserscheinungen hat, wenn man es nicht spielen kann, dann ist man süchtig." Wie halt bei jeder anderen Sucht auch.
Im Prinzip ist die Frage nach dem Suchtelementen so zu beantworten: "Je besser ein Spiel ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, das es mehr Personen süchtig macht, als andere Spiele"
Die Frage "Perspektive / famililärer Hintergrund" würde ich noch um "persönliche Perspektive / Zufriedenheit / unserere Gesellschaft" erweitern, da alles zusammenhängt. jemand der Unzufrieden mit seinem Leben ist, ist für Computerspiele besser "erreichbar" als andere. Es wird einem nicht nur eine andere Welt simuliert, nein, der Spieler bekommt hier auch entsprechende "Anerkennung" durch das Erreichen von Zielen.
im Prinzip ist also auch wieder ein Verbot völliger Unsinn, da auch hier, wie bei Amokläufen, am Thema vorbeidiskutiert wird. Nur wenn man die Rahmenbedingungen in der Gesellschaft positiv verändert, ist die Änfälligkeit für die Spielsucht veringerbar.
Da es allerdings einfacher ist bestimte Spiele zu verbieten, als an den Ursachen etwas zu verändern wird die Sucht wohl ein ständiger Begleiter der sogenannten "zivilsierten Welt" bleiben.
Und für diese Schlußfolgerungen brauche ich keine Riesenstudie. ;)
Um noch mal auf das Zitat von oben zurückzukommen:
/Zynismus an
Also, einfach alle Topspiele verbieten, und gut ist es.
/Zynismus aus
redwolf schrieb:
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> da gebe ich dir Recht, die Einschränkung muss
> nachvollziehbar und nicht zu totalitär sein.
Man kann nur durch eigenes Vorbild erziehen. Wenn das nicht in Ordnung ist, wie kann man dann etwas glaubwürdig vermitteln?
Ich z.B. würde reichlich komisch daherkommen, wenn ich meinen Kindern Computerspielen verbieten wollte.
Ich kann ihnen nur vermitteln, welche Spiele ich für wirklich Müll und moralisch verwerflich halte, und warum.
Und natürlich sind Kindern nicht dumm. Stammen ja von ihren Eltern ab, nicht wahr. :)
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