Jetzt soll ich in einen Papierbuchladen gehen, um ein kostenloses E-Book zu bekommen? Soll ich da mit der Kutsche hinfahren?
Ich kaufe meine E-Books online und die Papierbücher auch. In den Buchladen gehe ich nur, wenn ich nicht weiß was ich will. Ein E-Book dort abholen zu wollen ist schon recht bizarr.
Wenn ich mir die kostenlosen Titel so ansehe, komme ich auf:
Zielgruppe sind Roman-Leser. Die potenziell doch in Buchhandlungen gehen.
Oder deren Verwandten, die für die Oma das Ebuch "einkaufen" sollen.
Wer Bücher liest, sollte eigentlich vorurteilsfreier sein.
Es ist eine Werbemaßname die bestimmte Ziele erreichen soll. Vermutlich soll man Buchhandlungen besuchen und daran erinnert werden, welches Angebot die haben.
Die meisten Mainstream-Bücher kriegt man innerhalb eines Tages auch über Buchhandlungen. Von daher muss man Amazon nicht unbedingt fördern, wenn es geht. Wenn Amazon anständig wäre, bekäme man alle (in Deutschland legalen) Amazon-Weltweit-Produkte problemlos über amazon.de. China-DVDs, Anime-Artbooks aus Japan und US-Bücher sind gemeint. Selbst-Import ist blöd, wenn keine Zollstation in der Nähe ist. Dafür kann man Amazon ruhig bestrafen. Auch wenn ich sonst gerne dort bestelle. Und dank Marketplace braucht man eigentlich kaum Bücher neu kaufen.
EReader/Ebooks werden bald drastische Verringerungen an Buchhandlungen und Druckereien und Verlagen volbringen. Leider plant das keiner ein und wir müssen es dann bezahlen. Das ist ein vorhersehbare Print-(Wirtschafts-)Krise. Und weil es vorhersehbar ist, kann man Maßnahmen treffen, damit es möglichst neutral verläuft. Stattdessen werden dann innerhalb von 6-12 Monaten viele Druckereien und Buchhandlungen geschlossen. Und das hätte man vermeiden können, wenn man den Abbau plant und vorbereitet.
oder anders rum, welcher buchladen gibt freiwillig deratige gutscheine raus um den kunden zu zeigen, dass er nicht erwünscht ist und seine bücher gefälligst online kauft? bzw. seine kunden, die das ein oder andere buch bisher im laden gekauft haben jetzt in den ebookshop mit einem gutschein bedient und dann den kunde nie wieder sieht?
Das ist nicht bizarr, sondern logisch.
Für dich zur Erklärung: Du gehörst, wenn du dir Ebooks online kaufst, ohnehin schon zum Kundenkreis. Man muss dich also nicht mit solchen Schmankerln locken.
Den Anbietern geht es ganz offensichtlich darum, dem konventionellen Buchleser, der seinen Lesestoff ganz traditionell im Buchhandel kauft, mit den neuen Möglichkeiten vertraut zu machen.
Der Einwand stimmt zwar irgendwie - aber: Auch im CD-Laden bekomme ich ab und an Gutscheine für mp3s aus dem Netz, ohne dass schlagartig alle CD-Läden verschwinden würden. Zumindest für einen guten Teil ist die mp3 aus dem Netz nur eine Ergänzung zur "guten alten" CD mit Textheft und Cover... Ich schätze, im Verlagswesen wird es ähnlich sein.
Dein Zeitraum von 6-12 Monate erscheint mir höchst unrealistisch. Noch ist das Ebook weit davon entfernt, das analoge Buch zu verdrängen. Und zwar aus vielerlei Gründen: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, Lesegeräte sind noch nicht sonderlich etabliert und befinden sich noch in der ersten Generation, ...
Oder anders argumentiert: Beim CD-Handel habe ich auch x Jahre nach Napster kein nennenswertes Schrumpfen feststellen können. In meiner Umgebung gibt es dieselben Musikläden wie vor zehn Jahren - nur eine kleine Klitsche wurde vom Saturn verdrängt/einverleibt, der allerdings nun ein größeres Angebot hat - insofern ist in meinem Umfeld der "herkömmliche" Handel eher gewachsen. Warum sollte das bei Bücher anders sein - zumal es beim Lesen im Gegensatz zum Musikhören wirklich einen greifbaren Unterschied macht, ob ich ein Buch oder ein Lesegerät in Händen halte...
> Beim CD-Handel habe ich auch x Jahre nach
> Napster kein nennenswertes Schrumpfen
> feststellen können. In meiner Umgebung gibt
> es dieselben Musikläden wie vor zehn Jahren
Bist du sicher? Das sieht die Musikindustrie ganz anders, wenn es darum geht, neue Gesetze gegen Raubmordkopierkinderschänderverbrecher durchzusetzen.
Mit "CD-Handel" meinte ich hier die Läden - siehe Kontext. Über den Umsatz und Gewinn kann ich nichts sagen - aber offensichtlich reicht es für Saturn, riesige Flächen für CD-Regale einzuplanen und auch winzige Läden können sich weiterhin mit Vinyl, CDs, Eintrittskartenverkauf und Shirts über Wasser halten...
Welcher Penny, Real usw. verkauft Itunes-Gutscheine/Guthaben-Karten ? Alle.
Das payment ist nicht ganz so einfach weil deutsche Boni-Banken zu dumm sind. Über Pay-Karten/Provision in Buchhandlungen könnte man eine sinnvollere Situation schaffen bzw. den Verfall dämpfen.
Oder Reading-Points in Buchhandlungen wo ich alle Bücher des jeweiligen "Anbieters"("E_Stores") als Ebooks ansehen kann und dort kaufe und aufs Handy/Reader downloade und der Buchhandler Provision kriegt.
Und wegen 6-12 Monate ? Ich meinte nicht ab heute 6 Monate. Aber irgendwann wird die Erosion beginnen. Und das läuft dann sehr schnell. Weil die Buchleser/Bildungsbürger all ihre Prospekte und Zeitschriften und ADAC-Mitglieds-Zeitschrift und ct und Welt und Handelsblatt und Wirtschafts-Woche und Angel-Magazin und Merian und Geo als E-Version kaufen. Nur das Prekateriat hat dann noch echtes Papier für Print.
Wenn die Reader 200 kosten, ist die Erosion am beginnen. Bei 150 Euro ist es real und die Erosion wird wohl stattfinden. Bei 100 ist der Normalo-Preis und schon vorbei. Denn ein ct-Abo kostet 84 Euro. Dann als E-Version nur die Hälfte oder weniger und alle werden wechseln.
Und Erosion=Bergrutsch. So wie damals als die CD-Brenner unter 1000 DM kosteten. Dann waren die Rohlinge ein paar Monate lang kaum zu haben und sehr teuer.
Jaaa. Ein Artbook in Print ist natürlich nett. Aber es aus Japan importieren ist Porto-Mäßig unbezahlbar. Und einen Comic in Djvu kann man auch auf einem 30"-Display gut ansehen. Da muss man keine Bart-Simpson-Handschuhe und -Tüten haben. Und das Buchregal wird zum 999"-Leinwand oder 999"-TV.
Ich würde viele Bücher in E-Versionen umtauschen und mich über den Platz freuen.
ABer die Regierung weigert sich ja, virtuelle Besitztümer zu definieren. Weiterverkauf usw. zu definieren. Eine Art Grundbuch für virtuelle Gegenstände einzurichten usw.
Es ist schon noch ein unterschied, ob in Saturn-Märkten Gutscheine für Onlineshops der Metrogruppe verteilt werden oder ob der normale Buchhändler für irgend einen Onlineshop mit dem er nicht direkt in Verbindung steht einen Gutschein raus gibt. Am Ende hat der Konzern, also Metro sehr viel davon. Denn sie brauchen nicht mehr so viel CDs vorrätig halten und in den laden zu stellen. Das kostet viel Geld. Also will man die Kunden lieber Online dem Kunden die Musik verkaufen.
Wenn du bei Thalia gutscheine für deren Onlinestore bekommst, bei Weltbild gutscheine für den Onlineshop bei Weltbild ist das alles noch verständlich.
Wenn aber ein unabhängiger Buchhändler sagt, nimm den Gutschein und hol dir das ebook auf Libreka, dann hat er persönlich nichts davon. Der Kunde kauft eventuell wieder bei Libreka und der umsastz für den unabhängigen Buchhändler ist pfutsch, denn er gehört eben nicht zum Konzern.
Libreka ist sowieso eine sehr komische konstruktion von Onlineshop. Finanziert wird das durch Zwangsbeiträge der Verlage und Buchhändler. Der Kunde kann am Ende eines Bestellvorgangs einen Shop auswählen, so kann man wohl hinten herum dem Shop seiner Wahl noch eine Provision gönnen.
Die aktuellen Strukturen gehen nicht mehr lange gut, wenn EReader bezahlbar werden. Und das werden sie in 1-2 Jahren.
Vielleicht auch schon im Sommer mit den Archos-Pads für 150/180 Euro. Dann nicht für Romane am Strand, aber für Zeitschriften und Zeitungen in der Bahn.
Von daher finde ich diese Provisionsstrukturen gut. Man muss den Buchhandel downgraden/abwickeln bzw. einen Plan dafür in der Tasche haben. Und Provision und Beratung durch Buchhändler halte ich für eine mögliche Idee. Die Kapitalbindung für die Bücher entfällt ja dann.
Und weil Libreka dem Börsenverein und damit auch dem Buchhandel gehört, sind das vielleicht die einzigen, die Buchhändlern eine Überlebenschance gönnen.
Spezial-Fahrräder bekommst Du normalerweise auch nicht als Bausatz. Sondern über entsprechende Händler.
Bei Libri kannst Du online bestellen, das Buch holst Du aber in einer Buchhandlung ab. Durch HERA und andere Dienste hast Du es oft auch am nächsten Tag. Und die Buchhandlung hoffentlich etwas Provision.
Als Übergangsform zum Downgrade ist sowas besser als nur noch Online bei zig Shops Accounts haben zu müssen oder nur bei Amazon und Ebay.
Und Weltbild und Weltbild-Plus sind eigenständige Gesellschaften. Die stehen auch in gewisser Konkurrenz zueinander.
Orte wo man in alle Ebooks reingucken kann (natürlich nicht abfotografieren oder downloaden oder ohne Geld ausdrucken) halte ich auch für sinnvoll. Das ginge auch provisionsbasiert.
nicoledos schrieb:
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> oder anders rum, welcher buchladen gibt freiwillig deratige gutscheine raus
> um den kunden zu zeigen, dass er nicht erwünscht ist und seine bücher
> gefälligst online kauft? bzw. seine kunden, die das ein oder andere buch
> bisher im laden gekauft haben jetzt in den ebookshop mit einem gutschein
> bedient und dann den kunde nie wieder sieht?
Du siehst das falsch. Welcher Buchhändler ist so dumm, freiwillig Gutscheine rauszugeben, die sein Kerngeschäft in Zukunft nachhaltig schädigen könnten.
Das ist genauso dumm, wie der Verkauf der PSP Go! in Spieleläden. Die sind auch unheimlich bemüht, das zu einem Flop werden zu lassen, weil ansonsten keine Spiele über sie verkauft werden. ;)
Alleine die Idee die Gutscheine in Buchläden auszugeben zeugt doch von der ungeheuren Inkompetenz der Planer dieser Aktion, die es durch restriktives DRM, viel zu teure Reader und eBooks mit Buchpreisbindung bis jetzt erfolgreich geschafft haben zu verhindern das ebooks verkauft werden.
Davon abgesehen gibt es nichts, was einfacher vom Korsett des DRM zu befreien ist, als ein eBook. Es ist NUR TEXT! Somit kann man Geld das in DRM für eBooks gesteckt wird prinzipiell auch direkt verbrennen. ;)
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