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Gedankenspiel

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  1. Gedankenspiel

    Autor heeen. 24.07.12 - 19:30

    Hier wird ja mehr über Gendern an sich geredet als dieses Programm was dies vereinfachen soll. Nun gut.
    Vielleicht können wir an einem Gedankenspiel den Sinn des Genderns erörtern.

    Wenn du mir erzählst was du am Wochenende gemacht hast, und sagst du warst mit einem Bekannten im Kino oder mit einer Bekannten auf ein Bier, so ist es doch ganz natürlich das Geschlecht der dritten Person zu spezifizieren. In meinem Kopf entsteht dann das Bild wie du mit dieser Person eben in einer Kneipe sitzt oder an der Kinokasse anstehst.

    Wenn es nun aber um eine Stellenauschreibung oder ähnliches geht und es steht da nun "Jeder Bewerber kann bei uns zum Chef werden!" dann entsteht nun in den Köpfen der Menschen des Betriebes sowie in den Köpfen der Leser eine Schlange von Bewerbern - doch seid nun ehrlich - tragen die nicht zumeist einen Hut oder einen Dreitagebart oder zumindest eine Kravatte?

    Wie sieht es denn mit folgendem Satz aus: "Jeder Bewerber und Bewerberin kann bei uns zu Chef und Chefin werden!"
    Wer steht nun in der Schlange in eurem Kopf? Ich wette es sind nun mehr Frauen dabei.

    Gegenbeispiel: euer Arzt hat euch verschrieben mehr Sport zu unternehmen, also geht ihr in das nächstgelegene Fitnessstudio unnd schaut euch um. Yoga - das habt ihr noch nie gemacht, soll aber ganz gut sein. "Anfängerinnenkurs Yoga jeden Montag 17:00" steht da. Fühlt ihr euch eingeladen? Vielleicht lieber nicht? "Anfängerkurs Rückengymnastik" hört sich besser an?

    Und wie habt ihr euch den Arzt im obigen Text vorgestellt? Haettes es auch eine Ärztin sein können? oder Ist durch die Art wie es geschrieben war sofort diese Möglichkeit unterbewusst ausgeklammert worden?

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  2. Re: Gedankenspiel

    Autor pool 24.07.12 - 20:27

    Tja. Gedankenexperiment geglückt. Für mich. Für deine Zwecke ist es wahrscheinlich fehlgeschlagen.

    Ist von Bürgern die Rede, sieht die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung, eine geschlechtsneutrale Masse vor sich und fühlt sich vorbehaltlos angesprochen. Will ich explizit von männlichen Bürgern reden, brauche ich ein gesondertes Adjektiv. Will ich ausschließlich von weiblichen Bürgern reden, brauche ich nur ein kleines Suffix.

    Der aggressive Versuch dem *generischen* Maskulinum (ein GENUS!) fest in den Köpfen mit dem männlichen Sexus(!) zu verknüpfen ist selbstverständlich die Grundlage für diese unbedachten Eingriffe in unsere Sprache. Es ist also logisch nachvollziehbar, dass Menschen, die auf diese Art und Weise in unsere Sprache eingreifen, versuchen diese Geschlechtertrennung künstlich zu befeuern.

    Fakt ist, dass die gesellschaftliche Realität (oder fachlicher: die außersprachliche Wirklichkeit) die Sprache formt. Nicht andersherum.

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  3. Re: Gedankenspiel

    Autor Dadie 24.07.12 - 20:43

    pool schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Fakt ist, dass die gesellschaftliche Realität (oder fachlicher: die
    > außersprachliche Wirklichkeit) die Sprache formt. Nicht andersherum.

    George Orwell ist anderer Meinung!

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  4. Re: Gedankenspiel

    Autor Mingfu 24.07.12 - 20:48

    heeen. schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wie sieht es denn mit folgendem Satz aus: "Jeder Bewerber und Bewerberin
    > kann bei uns zu Chef und Chefin werden!"
    > Wer steht nun in der Schlange in eurem Kopf? Ich wette es sind nun mehr
    > Frauen dabei.

    Also auf mich wirkt dieser Satz in dieser Kombination vollkommen lächerlich. Die erste Frage, die sich mir stellt, wie hoch die Transvestitenrate unter dem Führungspersonal dieser Firma wohl sein muss, wenn auch jeder Bewerber zur Chefin werden kann...

    > "Anfängerinnenkurs Yoga jeden Montag 17:00" steht da. Fühlt ihr euch
    > eingeladen?

    Siehst du - das ist genau der Punkt, warum man derartiges Gendern unterlassen sollte und das generische Maskulinum der bessere, weil sprachlich klarere Weg ist. Wer ausschließlich die weibliche Form verwendet, will offenbar betonen, dass es sich ausschließlich an Frauen wendet. Bei einem "Anfängerkurs" ist dagegen klar, dass er sich standardmäßig auf jedes Geschlecht bezieht, ansonsten würde man einen entsprechenden Hinweis dazusetzen ("Anfängerkurs (Herren)" oder etwas in der Art).

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  5. Re: Gedankenspiel

    Autor Benjamin_L 25.07.12 - 06:57

    Mingfu schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Siehst du - das ist genau der Punkt, warum man derartiges Gendern
    > unterlassen sollte und das generische Maskulinum der bessere, weil
    > sprachlich klarere Weg ist. Wer ausschließlich die weibliche Form
    > verwendet, will offenbar betonen, dass es sich ausschließlich an Frauen
    > wendet. Bei einem "Anfängerkurs" ist dagegen klar, dass er sich
    > standardmäßig auf jedes Geschlecht bezieht, ansonsten würde man einen
    > entsprechenden Hinweis dazusetzen ("Anfängerkurs (Herren)" oder etwas in
    > der Art).

    Herzlichen Glückwunsch, du hast erkannt warum sich Frauen bei vielen Sachen ausgeschlossen fühlen. Und warum verwenden wir völlig normal immer Erzieherinnen und Kindergärtnerinnen, wenn wir von diesen Berufen sprechen? Sprache ist eben diskriminierend und nicht nur für Frauen, deswegen sollte man meiner Meinung nach schon ein wenig nachdenken, bevor man offizielle Texte schreibt, die sich an alle richten sollen.

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