Ich behaupte mal die meisten „Raubkopierer“ besorgen sich aus folgenden Gründen Musik und Filme
- Erhöhung des „gesellschaftlichen Werts“: Klar habe ich das Album, kann ich dir gerne kopieren.
- Vermeiden des Außenseitertums: Die anderen machen’s auch, habe ich den Film schon gesehen
- Kein Geld um sich mal eben 10 Alben zu leisten (ca. 100 €): Ein Album pro Monat ist zu wenige
- Mitreden können: Klar habe ich den Film schon gesehen
- Sich beweisen, Bewunderung einholen: Mein Freund hat immer die aktuellsten Filme und Musik; Ich habe 2 TB Musik
- Besitz und Krempel anhäufen: Wie im echten Leben müllen sich Leute gerne zu, die psychologischen Ursachen sind ja schon vielfach diskutiert worden
- Beglückung von Mitmenschen/Aufwertung des Egos: Welche Band möchtest du hören, habe alles da.
Nun stellt sich die Frage, ob bei erfolgreicher Blockierung von Raubkopien die Industrie wirklich großartig mehr Gewinne einfährt. Bei höheren Summen fangen die Menschen schneller an den Kopf einzuschalten und fragen sich, ob sie das wirklich brauchen oder wie sie günstiger ihre „Bedürfnisse“ befriedigen können.
Die Alben sind mit 7-10 € noch zu teuer, um häufig als Spontankauf über die digitale Ladentheke zu gehen. Das sieht man ja bei den iPhone-Apps. Die sind vor allem wegen dem Preis so erfolgreich. Wenn über den Preis nachgedacht wird, steht natürlich auch die Qualitätsfrage an, und da schießt sich die MI selbst ins Knie. Ich denke nicht mal ein Zehntel der raubkopierten Musik würde legal gekauft werden, mangels Qualität.
Fehlt eigentlich nur noch, dass die Umweltsau Bono fordert, Raubkopierer zu vergasen oder den Mausklickfinger abzuhacken, falls ihm die fernöstlichen Methoden lieber sind.
--
Tekl
1 mal bearbeitet, zuletzt am 05.01.10 09:27 durch Tekl.
> Fehlt eigentlich nur noch, dass die Umweltsau Bono fordert, Raubkopierer zu
> vergasen oder den Mausklickfinger abzuhacken, falls ihm die fernöstlichen
> Methoden lieber sind.
Eigentlich wollte ich eine ausführliche Antwort schreiben, aber bei dem unqualifizierter Blödsinn lass ich es dann besser.
Hallo Tekl; ich glaube, daß viele Deiner Gründe, wieso Musik kopiert wird, tatsächlich zutreffen. Und das, obwohl es wie Dr. Rooney schreibt "Blödsinn" ist. Trotzdem verhalten sich die Leute so.
Ich mach selber Musik und seh das ganz anders:
- 2 TB Musik überlebt kein Mensch; selbst wenn Du Dein Leben lang nur Musik hören würdest, könntest Du das alles nicht 1x anhören
- Ein normaler, berufstätiger Mensch schafft in seiner Freizeit ca. 2 bis 3 Alben pro Monat - und die 20-30 Euro dafür verdient er in seiner Arbeit. Ich weiß auch, daß es Leute gibt, die nicht arbeiten, kein Geld haben und viel mehr Unterhaltung brauchen, als andere. Aber wenn die eine kritische Masse erreichen, haben wir ganz andere Probleme - da interessiert Musik kein Mensch mehr...
- Gesellschaftlich schätze ich jemanden mit 2 TB Musik genausowenig wie einen Bank-Manager, der gerade jetzt wieder Top-Gewinne einfährt oder jemand, der sich an 'nen Polo einen Sport-Auspuff ranschweißt
Mir geht's bei meinem Kommentar auch nicht um die Musik-Industrie, die Verlage, die GEMA, die GEZ, GVL und auch nicht um die Mega-Stars, die noch in der "guten alten Zeit" zu ihrer Karriere kamen. Mir geht's einzig und allein um meine Existenz als Musiker. Neben dem, was die "Industrie" an einer CD verdient, bleiben mir als Musiker ca. 5% vom Ladenpreis. Dafür muß ich die kompletten Kosten für die Produktion tragen - die eigene Arbeitszeit mal nicht gerechnet. Für 'nen Fernsehauftritt muß jemand in meiner Liga eine Schweine-Kohle hinblättern - und die Leute zuhause denken: Der hat's geschafft - der iss stinkreich...
Was mich in der heutigen Zeit auch extrem stört, ist dieses wahllose Konsumieren. Wenn ich meine CD-Sammlung anschau, dann ist die sehr gut ausgesucht; das ist Musik, die ich liebe. Ich hör diese CD's immer wieder an, kenne die Texte und würde mich auch als "Fan" dieser Bands bezeichnen. Sei mal ehrlich, Tekl: Hast Du wirklich Spaß an der Musik, die Du mit so viel Arbeit "gesammelt" hast?
Bevor ich jetzt aufhöre, möchte ich noch eines sagen: Die Qualität der Musikproduktionen wird in Zukunft bestimmt nicht besser werden. Das liegt meiner Meinung nach daran:
a) Die alten Künstler sterben irgendwann mal weg
b) Neue "richtige" Künstler kommen nicht nach (daran trägt auch die Musikindustrie eine große Schuld)
c) Den Konsumenten ist es egal - gibt man ihnen Dreck, fressen die meisten den genauso; und die Musikindustrie weiß das...
d) Leute, die keinen Cent für Musik übrig haben, brauchen sich über die Qualität überhaupt nicht beschweren - die sind keinen deut besser als die Musikindustrie...
In diesem Sinne: Kill Your Idols
Stimmt, die alten Musiker sterben weg, weil sie einmal Musik gemacht haben, aus Liebe zur Musik. Sie haben musik gemacht, weil es ein beduerfnis war und weil sie moeglicherweise eine botschaft hatten.
Kuenstler betreiben Kunst weil sie sich dazu berufen fuehlen und kaum anders koennen. sie lassen sich zwar gerne dafuer bezahlen, da es das kuenstlersein leichter macht, aber es ist nicht der grundantrieb.
heute ist es leider so das man musiker werden will um bekannt beruehmt aber besonders um reich zu werden (was im allgemeinen eh nicht funktioniert).
danke fuer jeden der weiter musik macht weil es sein leben ist, auch ohne grossen finanziellen gewinn.
diese leute gehoeren belohnt, sie jammern auch nicht dauernd (es sei denn sie singen den 'armer musiker blues' ;-))
Sehr schön, endlich mal ein Beitrag, bei dem es sich lohnt ihn zu lesen. Bin übrigens voll und ganz Deiner Meinung.
>heute ist es leider so das man musiker werden will um bekannt beruehmt aber besonders um reich zu werden (was im allgemeinen eh nicht funktioniert).
Das ist imho eine typische "Früher war alles besser" Sicht der Dinge, die schon unser Eltern, Großeltern und Urgroßeltern mit fast den gleichen Worten über ihre Nachfolgegeneration gesagt haben. Es hat seit der Verbreitung des Radios schon immer die einen (Ruhmsüchtigen) und die anderen (Künstler) gegeben (und das ganze Spektrum zwischen den beiden).
Ich habe mal von einem Onkel ein paar alte Hit-LPs mit Top10-Stücken aus den Siebzigern geerbt - und mal ehrlich, wenn man mal den "Kult" und "Retro" Charme beiseite läßt, waren auch damals schon 80-90% der Chartmusik miese Fließbandware. Heute fällt das durch DSDS & Co vielleicht noch mehr auf, und ist dank moderner Software auch noch einfacher geworden, aber einen großen Paradigmenwechsel hat es da imho nicht wirklich gegeben.
> - 2 TB Musik überlebt kein Mensch; selbst wenn Du Dein Leben lang nur Musik
> hören würdest, könntest Du das alles nicht 1x anhören
2 TB war natürlich überspitzt. Wer besonders viel Musik besitzt hat sie vermutlich auch für Parties, um Wünsche erfüllen zu können. Ich habe mir z. B. neulich auch ein NDW-Album aus eben diesem Grund gekauft, obwohl ich das selber sonst nicht höre.
> - Ein normaler, berufstätiger Mensch schafft in seiner Freizeit ca. 2 bis 3
> Alben pro Monat - und die 20-30 Euro dafür verdient er in seiner Arbeit.
Sicher, bei so diszipliniertem Konsum funktioniert das. Aber nicht jeder kann so gut mit Geld umgehen. Als ich Porcupine Tree entdeckt hatte, habe ich ziemlich impulsiv eine Menge Alben von denen gekauft. Ich hätte es auch auf Monate verteilen können, aber irgendwie konnte ich nicht genug kriegen. Am Monatsende kam dann die Überraschung. ;-)
> - Gesellschaftlich schätze ich jemanden mit 2 TB Musik genausowenig wie
> einen Bank-Manager, der gerade jetzt wieder Top-Gewinne einfährt oder
> jemand, der sich an 'nen Polo einen Sport-Auspuff ranschweißt
Nun, es ist nicht wichtig wie du es schätzt, sondern sein Umfeld und da gibt’s sicher auch Bewunderung für eine umfassende Musiksammlung.
> Was mich in der heutigen Zeit auch extrem stört, ist dieses wahllose
> Konsumieren.
Ich höre recht selten bewusst Musik, sondern sie begleitet mich z. B. bei der Arbeit am Computer. Allerdings ist das meist Musik, die ich sonst eher nicht bewusst höre wie Philip Glass oder gute alte SID-Musik.
> Wenn ich meine CD-Sammlung anschau, dann ist die sehr gut
> ausgesucht; das ist Musik, die ich liebe. Ich hör diese CD's immer wieder
> an, kenne die Texte und würde mich auch als "Fan" dieser Bands bezeichnen.
Bei mir ist viel Musik dabei, welche ich nicht mehr höre oder immer nur in großen Abständen hören kann, dazu ist mein Musikgeschmack zu vielschichtig und wechselhaft. Richtig Fan bin ich nur bei recht wenigen Bands (Tool, Riverside, Porcupine Tree, Muse, Rotterdam Ska-Jazz Foundation …), dennoch kann ich keinen einzigen Text, da mich alleine die Musik als Klang interessiert.
> Sei mal ehrlich, Tekl: Hast Du wirklich Spaß an der Musik, die Du mit so
> viel Arbeit "gesammelt" hast?
Sicher doch, sonst würde ich sie ja nicht kaufen. Habe im letzten Jahr vermutlich so viel Geld im iTunes Store gelassen wie die gesamten 10 Jahre davor.
Es gibt einfach verschiedene Hörtypen. Du und andere genießen ausgiebig eine überschaubare Sammlung. Ich erweitere gerne mal meinen Horizont und kaufe mir sogar Alben, die mich beim Vorhören nicht immer ganz überzeugen. Sonst wäre ich z. B. nie zu Porcupine Tree oder Riverside gekommen.
> Bevor ich jetzt aufhöre, möchte ich noch eines sagen: Die Qualität der
> Musikproduktionen wird in Zukunft bestimmt nicht besser werden. Das liegt
> meiner Meinung nach daran:
> a) Die alten Künstler sterben irgendwann mal weg
Denkst du nur alte Musiker legen Wert auf Qualität? Die neuen geldgeilen Quantitätsmusiker verwässern halt die Zunft, Qualität gibt es weiterhin.
> b) Neue "richtige" Künstler kommen nicht nach (daran trägt auch die
> Musikindustrie eine große Schuld)
Das stimmt so nicht. Man findet sie in der Masse nur schwieriger oder sie bewegen sich bewusst fernab das Mainstreams.
> c) Den Konsumenten ist es egal - gibt man ihnen Dreck, fressen die meisten
> den genauso; und die Musikindustrie weiß das…
Meiner Beobachtung nach, hören viele einfach das, was in ihrer Peer-Group gerade angesagt ist, meist wird das nur von wenigen bestimmt, der Rest macht’s nach.
> d) Leute, die keinen Cent für Musik übrig haben, brauchen sich über die
> Qualität überhaupt nicht beschweren - die sind keinen deut besser als die
> Musikindustrie…
Du meinst, welche kein Geld für Musik ausgeben wollen, oder? Einen Unterschied gibt’s. Die Machenschaften der MI sind legal, die der Raupkopierer nicht.
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Tekl
Dr. Rooney schrieb:
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> > Fehlt eigentlich nur noch, dass die Umweltsau Bono fordert, Raubkopierer
> zu
> > vergasen oder den Mausklickfinger abzuhacken, falls ihm die
> fernöstlichen
> > Methoden lieber sind.
>
> Eigentlich wollte ich eine ausführliche Antwort schreiben, aber bei dem
> unqualifizierter Blödsinn lass ich es dann besser.
Das war Sarkasmus und bezog sich auf Bonos Bewunderung der chinesischen Zensur und die damit zusammenhängende Menschenverachtung.
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Tekl
Klar wird die Produktion von Musik immer besser werden. Die technischen Möglichkeiten werden im Heimbereich immer besser. Immer mehr Leute produzieren Musik. Und Musik-Produzieren ist kein Voodoo-Zauber für einige Auserwählte, die lange Jahre als Tontechniker oder Arschkriecher verbringen mussten. Musik ist heute mit nem guten Micro und nem Mac Book und Cubase oder Live für fast jedermann, der nen Rechner einschalten kann, machbar.
Gute Musik findet sich bei diversen Indy-Labels seit Jahren unverändert. Interessant ist auch, dass gerade die Indy-Labels sich nie über Raubkopien beschweren, sondern sogar diejenigen waren, die MP3s als erste ohne DRM verkauft haben (z.B. via Bleep.com). Wenn man heute Vinyl (ja das sind diese schwarzen Dinger, die auf nen Plattenspieler gelegt werden) von dem Indy-Label Ninja Tune kauft, ist häufig ein Download-Code dabei, der es erlaubt, die Muzaq noch dazu kostenlos als MP3s herunterzuladen - damit man sie eben auch noch digital hat.
Dass kopiert wird, bis die Schwarte kracht, wird durch kein Gesetz der Welt verhindert werden können. Bono wird daran nichts ändern. Er macht sich nur immer unglaubwürdiger, was seine Mission für Afrika immer mehr zu einem billigen PR-Gag verkommen lässt. Schade. Aber wer seine Gelder aus Irland nach Niederlande transferiert, um weniger Steuern zu zahlen und danach öffentlich den Irischen Staats-Chef Ahern kritisiert, nicht genug (Steuer-) Gelder für Entwicklungshilfe nach Afrika zu pumpen, der muss definitiv mal zum Arzt.
Zum Thema Musik ist meine absoluten Empfehlungen:
=> Tim Renner "Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm – Über die Zukunft der Musik- und Medienindustrie"
=> Dieter Bohlen zum Thema Filesharing http : //www. youtube.com/watch?v=hGEsNq8NRgE
In diesem Sinne: lasst die Major-Labels sterben, gell Dieter Gorny. Die haben eh nichts kapiert. Die Indy-Labels werden aus dieser Transformation ohnehin gestärkt hervorgehen.
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