Ich lebe unter der Woche in einer Mio Stadt und am Wochenende auf dem Land (Kleinstadt, so ca 40'000 Einwohner) - d.h. ich bin einer der wenigen Leute, die täglich am eigenen Leib den Unterschied erleben, denn schließlich will ich überall Internet haben.
Erst einmal: Wie sieht der Status Quo aus?
An beiden Orten habe ich einen DSL Vertrag mit 16 MBit/s. In der Großstadt bekomme ich die auch fast; ein typischer DSL Sync liegt bei 16,xx MBit/s, wobei das Bruttorate ist. ADSL hat einen sehr großen Protokoll Overhead: PPPoE + Ethernet + LLC + SNAP + AAL5 + ATM (IP und TCP zähl ich hier nicht mit, weil die hätte jede andere Technik natürlich auch). D.h. Netto kommt da höchstens 14,5-15 MBit/s raus. Eigentlich dürfte mein Modem bis 18 MBit/s synchronisieren, was dann netto wirklich 16 MBit/s wäre; nur das schafft das Modem nicht (Leitung ist zu schlecht bzw. zu lang).
In der Kleinstadt, naja, da liegt der Sync so zwischen 10-11 MBit/s, faktisch kommen da nur so um die 9 MBit/s Nettobandbreite heraus. Hier ist die Leitung deutlich schlechter (viel höhere Dämpfungswerte werden im Modem angezeigt) und auch viel mehr gestört (ein paar Frequenzen sind komplett ausgeblendet, da nicht benutzbar aufgrund von Störungen. Außerdem habe ich nur Interleaved in der Kleinstadt (die wollen mir kein Fast Path geben), aber Fast Path in der Großstadt. Zahlen muss ich in beiden Fällen etwa das Gleiche; sind aber unterschiedliche Anbieter (und beide sind nicht die Telekom).
Was tut sich für die Zukunft?
In der Metropole viel. VDSL2+ könnte ich haben, von der Telekom, will ich aber nicht. Dieser Pissverein soll dahin gehen, wo die Sonne nie scheint. Brauch ich aber auch nicht, denn: Unser Viertel dort bekommt noch dieses Jahr Glasfaser, und zwar nicht bis zur Straße (wie bei der sch... Telekom), nein, wir bekommen Glasfaser bis in den Keller unseres Mietshauses! Darüber werden dann wahlweise 25, 50 oder 100 MBit/s angeboten. VDSL2 kommt nur im Haus zum Einsatz (also nur auf dem Stück vom Keller bis in die Mietwohnung). Preis? Kaum mehr als ich derzeit für ADSL zahle. Natürlich Flatrate und Telefonflat ist auch dabei, usw. Das ganze Paket.
In der Kleinstadt tut sich... gar nichts. VDSL2 gibt es auch da, wenn man in direkter Nachbarschaft zur Vermittlungstelle wohnt und nur von der Telekom. Na toll. Die Vermittlungstelle ist in der Ortsmitte und ich wohne ziemlich am Orstende. So viel dazu. Alternativen zu ADSL? Sieht schlecht aus. Abgesehen von UMTS (was ich nicht eine Alternative nennen würde, weil die Zellen bei uns zu groß sind) gibt es nur eine: Internet über Kabelfernsehen. Ob ich das machen will bin ich mir noch nicht sicher. Hier ist die Entfernung egal - das Signal wird ja immer wieder aufbereitet; und auch die Kabel sind viel besser als eine Telefondoppelader. Das Problem ist: Ich schätze mal in dieser Kleinstadt gibt es nur eine Kabelkopfstation und vielleicht 2-3 Hubs. Alle Leute, die Internet über Kabel haben und am gleichen Hub hängen, teilen sich die Gesamtbandbreite (die zwar über der eines einzigen Anschlusses liegen kann, aber wenn dann liegt sie nicht deutlich drüber). D.h. was zu Spitzenlastzeiten noch an Nettobandbreite dabei rum kommt... ich weiß ja nicht. Glasfaser? Nicht geplant. Weitere Vermittlungsstelle? Nicht geplant. Outdoor DSLAMs der Telekom? Geplant, aber es gibt noch keinen Zeitplan (dieses Jahr auf keinen Fall, nächstes Jahr eher unwahrscheinlich, usw.). Aufrüstung des Kabelnetzes (mehr Hubs, somit weniger Sharing)? Nicht geplant.
Und dabei haben wir's noch gut! Nachbar Dorf, ca. 10 Minuten mit dem Auto entfernt (ca. eine Stunde zu Fuß, wenn man normal geht): Gar nichts. ISDN, wer will. Nicht mal UMTS abgedeckt, GPRS, wer will. Endlich Breitbandinternet? Geplant seit 3 Jahren. Bishehr passiert? Nichts. Konkrete Pläne für die nächsten 2 Jahre? Nicht vorhanden. Wollen ja, wissen wie oder konkret in Angriff nehmen, Fehlanzeige. Es hat ja schon zwei Jahre gedauert sich darauf zu einigen, dass man es überhaupt gerne haben wollen würde. Dort wohnen Bekannte, daher kriege ich diesen Spaß seit längeren mit. Die hängen bei uns mit an der Vermittlungstelle und das auf die Entfernung ADSL nicht machbar ist, das ist schon klar.
Und so ein Gefälle gibt es bestimmt überall in Dtl. Wenn die Großtädte irgendwann 1 GBit/s anbieten, dann haben die Kleinstädte vielleicht 50 MBit/s erreicht und dann gibt es vielleicht 16 MBit/s auch auf dem Dorf. Das wird sich nie ändern, weil es hier um Geld geht. Großstadt bringt am meisten, Kleinstadt bringt deutlich weniger, Dorf bringt fast gar nichts.
/Mecki
/mecki78 schrieb:
> Und so ein Gefälle gibt es bestimmt überall in Dtl. Wenn die Großtädte
> irgendwann 1 GBit/s anbieten, dann haben die Kleinstädte vielleicht 50
> MBit/s erreicht und dann gibt es vielleicht 16 MBit/s auch auf dem Dorf.
> Das wird sich nie ändern, weil es hier um Geld geht. Großstadt bringt am
> meisten, Kleinstadt bringt deutlich weniger, Dorf bringt fast gar nichts.
Ich würde eher sagen, in den Großstädten gibt es irgendwann 1GBit/s, die restlichen nicht mehr als jetzt auch.
Ich bin langsam auch der Meinung es sollte die Regelung eintreten, dass sich das Entgelt sich nach der tatsächlichen Bandbreite richtet.
Den Unternehmen ja egal ob ich nun 384kbit oder 6mbit habe, solange ich den teuren Tarif für 6mit zahle!
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