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Das Todesurteil der Musik

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  1. Das Todesurteil der Musik

    Autor Graf Porno 20.11.08 - 18:35

    Die Klage von Kraftwerk und die Rechtsprechung durch dieses Gericht ist einfach weltfremd. Seit eh und je ist Musik u.a. und besonders bei moderner die Interpretation. Es gibt tausende von Beethovens Aufnahmen. Und immer klingt es anders und immer war und ist es Kunst. Und Kunst definiert sich durch Schöpfung.

    Selbst ganze Musikrichtungen, wie Hiphop, Reggae, Techno und daraus abgeleitete Subgenres basieren darauf, bestehende Musik auseinander zu nehmen und neu zusammen zu setzen. Explizit gibt es Sampling seit Beginn der elektronischen Musik. Die Anfänge des Hiphop und Breakbeat liegen gar darin, Platten ineinander zu mixen und über die daraus entstehenden Beats zu reimen. Ohne dies wären diese bedeutenden Musik- und Gesellschaftskulturen nicht das, was sie heute sind und seit Jahrzehnten waren.

    Kraftwerk hat sich nur angepisst gefühlt, dass die Flachpfeifen Pelham und Haas ihren Sound gesamplet haben. Ja, zwei Sekunden ohne Einverständnis des Urhebers sind krass. Normaler Weise samplet man nur 1-2 Takte und verhackt die dann. Am meisten hat es sie aber gekränkt, dass es der doofe Pelham war. Also holt man die große Urheberrechtskeule raus und zieht ihm aus trotz eins rüber. Dass sie damit aber viele andere Musiker, ganze Genres und Kulturen treffen, ist den Kraftwerk-Opas anscheinend nicht eingefallen. Tragisch. Manchmal ist Gehirn einschalten und mal kräftig durch die Hose atmen schon besser. Danke Kraftwerk, ihr Looser! Btw: Wann kommt das nächste Album raus? Ach, machen die ja gar nicht mehr. Nur noch Best-Ofs. *lol*

  2. Re: Das Todesurteil der Musik

    Autor richtigsteller 20.11.08 - 18:44

    Falsch!

    Das Gesetz erhöht den Schutz geistigen Eigentums, auch wenn Dir das anscheinend ein Fremdwort ist oder nicht in deine Birne will!

    Ich hoffe nur, dass auch das Strafmass bei Zuwiderhandlungen erhöht werden, damit auch nur der Gedanke an Unrecht unterbunden wird!

  3. Re: Das Todesurteil der Musik

    Autor FranUnFine 20.11.08 - 18:48

    Graf Porno schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Die Anfänge
    > des Hiphop (...) liegen gar darin, Platten
    > ineinander zu mixen und über die daraus
    > entstehenden Beats zu reimen.

    *hust* Naja, eigentlich waren MCs Anheizer, da wurde erstmal nicht unbedingt gemixet...

    http://www.youtube.com/watch?v=UcTP4cvXSP0

    __________
    Whisky, Ferraris and gambling; aren't they rather more amusing than knitting, housekeeping and one's savings.
    - Francoise Sagan

  4. Re: Das Todesurteil der Musik

    Autor erretter 20.11.08 - 19:02

    Dir ist schon klar, dass Musik keine festen "patentierbaren" Strukturen aufweißt? Würdest du dich auch nur einen Funken mit Musik auskennen, müsste dir klar sein, dass Musik immer das Neuschaffen aus Altem also das Abwandeln des bereits Vorhandenen ist. Musik ist/war und soll auch nicht statisch sein sondern ist ein ständiger Fluss von Neuinterpretation bereits vorhandener oder leicht abgewandelter Themen. Dieses Urteil ist weltfremd, tut mir leid das so sagen zu müssen.

  5. Re: Schutz wovon?

    Autor Anon 20.11.08 - 19:02

    Wie entartet ist das denn? Da muss du schon selbst ein gutes Stück Krebsgeschwür sein um den Schutz desselben zu fordern.

    Eventuell ist bei dir ja noch nicht alles verloren und selbst wenn, -statt die Krankheit zu predigen könntest du noch würdevoll sterben.

  6. Glaubt dem Dieter nicht!

    Autor Rock It 20.11.08 - 19:27

    erretter schrieb:

    > dass Musik immer das Neuschaffen aus Altem
    > also das Abwandeln des bereits Vorhandenen ist.

    Nicht alles, was Dieter Bohlen von sich gibt,
    sollte man auch glauben.

  7. Re: Schutz wovon?

    Autor Rock It 20.11.08 - 19:38

    Anon schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Wie entartet ist das denn?

    Gar nicht.

    > Da muss du schon selbst
    > ein gutes Stück Krebsgeschwür sein um den Schutz
    > desselben zu fordern.

    Eigentlich nicht, denn wenn man mal darüber
    nachdenkt, kommt man vielleicht darauf, daß
    ein Werk zu schöpfen genauso eine Arbeit ist
    wie jede andere auch.

  8. Re: Das Todesurteil der Musik

    Autor richtigsteller 20.11.08 - 19:41

    Natürlich lebt das Neue vom Alten... das streitet doch keiner ab...
    Aber nicht als Kopie, sondern als inspirierender Faktor.

  9. Re: Das Todesurteil der Musik

    Autor LinuS 20.11.08 - 20:29

    Und wo fängt hört der inspirierender Faktor auf und wo fängt Kopie an? ;)

  10. Re: Schutz wovon?

    Autor Anon 20.11.08 - 22:28

    Von dem ganzen Müll der die Bedeutung von Kunst und kreativer Schöpfung in frage stellt will ich erst gar nicht anfangen.

    Aber soweit stimme ich zu, auch der Kommerzdreck der erfahrungsgemäß die Zeit nicht wert ist die man ihm widmet sollte nicht unbedingt von jedem dritten zu Geld gemacht werden dürfen.

    Das schließt aber nicht die Endkonsumenten nicht ein. Wenn die Ware es wert ist gekauft zu werden wird sie auch gekauft. Schaden entsteht durch kopieren kaum. Wer damit nicht Leben kann das seine Sachen vervielfältigt werden können soll halt einer anderen Arbeit nachgehen und nicht rumjammern.

    Geistiges Eigentum u.a. kapitalistische Konzepte gehen so was von an der Natur vorbei und werden dadurch ganz natürlicherweise von den meisten immer ignoriert werden. Da kann die Industrie noch so Laut klagen und nach dem Staatsanwalt brüllen.



    Rock It schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Anon schrieb:

    > > Da muss du schon selbst
    > ein gutes Stück
    > Krebsgeschwür sein um den Schutz
    > desselben zu
    > fordern.
    >
    > Eigentlich nicht, denn wenn man mal darüber
    > nachdenkt, kommt man vielleicht darauf, daß
    > ein Werk zu schöpfen genauso eine Arbeit ist
    > wie jede andere auch.

    Hab ich ja nicht abgestritten. Die Künstler sollten vielleicht zuerst vor dem Moloch der Industrie geschütz werden der ihnen allzu oft schon die Rechte an ihren Werken durch Knebelverträge ganz aus der Hand nimmt.

  11. Re: Das Todesurteil der Musik

    Autor choddy 21.11.08 - 06:26

    Gut, dass es um Musik geht und nicht um Hip Hop oder Breakbeat :o)

    (Und ja, das musste jetzt sein!)

  12. Re: Das Todesurteil der Musik

    Autor Der Musik 21.11.08 - 08:35

    > Dir ist schon klar, dass Musik keine festen "patentierbaren" Strukturen aufweißt? Würdest du dich auch nur einen Funken mit Musik auskennen, müsste dir klar sein, dass Musik immer das Neuschaffen aus Altem also das Abwandeln des bereits Vorhandenen ist.
    Ist das nicht mit allem so?

    Zwerge auf den Schultern von Riesen
    http://de.wikipedia.org/wiki/Auf_den_Schultern_von_Giganten

  13. Re: Das Todesurteil der Musik

    Autor TheTank 21.11.08 - 09:14

    Graf Porno schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Die Klage von Kraftwerk und die Rechtsprechung
    > Selbst ganze Musikrichtungen, wie Hiphop, Reggae,
    > Techno und daraus abgeleitete Subgenres basieren
    > darauf, bestehende Musik auseinander zu nehmen und
    > neu zusammen zu setzen.

    Und dein letzter Satz ist genau das was ich unter einer 'eigenen Komposition' verstehe.
    Wenn du Samples von Kraftwerk nimmst um ein Lied zu machen das sich an das von Kraftwerk anlehnt, ist es keine Neukomposition.
    Quasi die Remixes.

    Nimmst du aber, wie eben die aus dem HipHop Genre, die Samples von Kraftwerk um mit den Samples neue Kompositionen zu erstellen, kann Kraftwerk da nix machen.

    Ich finde das Urteil ok. Das Ursprungswerk wird geschützt und man darf die Samples benutzten um neue Stücke zu kreieren.

    Sehr empfehlenswertes Video:
    http://www.youtube.com/watch?v=5SaFTm2bcac

  14. Re: Schutz wovon?

    Autor klemme61 21.11.08 - 09:21

    Kann ich nur zustimmen.
    Der "Schütze meinen Dreck" Wahn wird langsam anstrengend. jeder will seinen Müll schützen lassen nur um damit darzustellen "Das ist schützenswert, daß ist Kunst".

    Hätte man schon vor 100 Jahren alles so plemplem geschützt. Wir hätten weder Autos, Flugzeuge noch Tiefkühltruhen.

  15. Re: Das Todesurteil der Musik

    Autor graf porno 26.11.08 - 12:15

    Wie oft wurde der Amen-Beat benutzt? Oder die Beat-Struktur bei Dancehall. Ganz zu schweigen von Gesang- oder Melodie-Samples aus dem Funk und Jazz für andere Musikrichtungen.

    Klar ist immer die Frage, inwieweit es eine eigene schöpferische Leistung ist. Ich kenne das besagte Lied nicht. Auf der anderen Seite möchte ich diese Einschätzung auch keinem deutschen Richter in die Hände legen. Der Punkt ist einfach, dass man das seit Jahrzehnten macht. Die Musik lebt davon. Wenn man jetzt die klagefreudige Musikindustrie und exzentrische Alt-Musiker auf solche Gedanken bringt, dann kann das nur nach hinten losgehen. Siehe Metallica, Prince & Co.

  16. Re: Das Todesurteil der Musik

    Autor graf porno 26.11.08 - 12:16

    Deshalb nenne ich ja auch von Hiphop als Beispiel und nicht MCs! Unterschied erkannt? Klassische MC ist was ganz anderes, als Hiphop oder Rap.

  17. Re: Das Todesurteil der Musik

    Autor amp amp nico 27.07.10 - 14:02

    richtigsteller schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Falsch!
    >
    > Das Gesetz erhöht den Schutz geistigen Eigentums, auch wenn Dir das
    > anscheinend ein Fremdwort ist oder nicht in deine Birne will!
    >
    > Ich hoffe nur, dass auch das Strafmass bei Zuwiderhandlungen erhöht werden,
    > damit auch nur der Gedanke an Unrecht unterbunden wird!

    Du darfst soviel an Unrecht denken wie du willst, du darfst mich sogar in deinem Kopf töten. Solange du dieses Unrecht nicht ausführst. Wir leben nämlich nicht in China.

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