In diesem Bericht werden zahlreiche stilistische Elemente benutzt, die ich als unsachlich und unfair empfinde. Der Autor hat natürlich das Recht dazu, allerdings frage ich mich schon, ob das so beabsichtigt war oder ob ich das als Betroffener (schutzalter) vielleicht nur überinterpretiere.
Die stilistischen Elemente, die ich meine, sind:
* "Auch Strafverteidiger Vetter betonte im Gespräch mit Golem.de, dass sich Kritiker von Internetsperrungen mit der Veröffentlichung der dazu noch verlinkten Sperrlisten zu Kinderpornografie keinen 'Gefallen getan haben'."
Diese sicherlich verkürzende Hervorhebung einer einzelnen Aussage von Herrn Vetter suggeriert, dass die Betroffenen sich der Strafverfolgung aus Tölpelhaftigkeit ausgesetzt haben. Tatsächlich tut man sich bei politischem Engagement "keinen Gefallen" in materiellem Sinne. Und so wie man dabei Zeit und Geld investiert, wurde zumindest von mir hier durchaus bewusst auch das Risiko einer Strafverfolgung und der damit verbundenen Schwierigkeiten und Kosten investiert. Wie singt Reinhard Mey so treffend in "Sei wachsam": "Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt".
* "Der Pforzheimer Blogbetreiber hatte in einem Beitrag auf einen Artikel des zweifelhaften Blogs Schutzalter verlinkt."
"Zweifelhaft" ist eine persönliche Wertung, die in einer sachlichen Berichterstattung an sich schon recht seltsam ist. Es bleibt aber auch völlig unklar, worin diese Wertung begründet liegt. Das wurde ja auch von anderen Lesern als merkwürdig wahrgenommen: http://forum.golem.de/read.php?31593,1705429,1705429
* "Donald Buczek, der Betreiber des Blogs Schutzalter..."
Da ich keine Person des öffentlichen Lebens bin, ist eine Nennung des vollen Namens für den Zusammenhang nicht wichtig und journalistisch aus guten Grund nicht üblich. Mein Name ist natürlich kein Geheimnis, er steht im Impressum des Blogs mit Anschrift und Telefonnummer und ich schreibe nur, wohinter ich auch stehen kann. Dennoch empfinde ich die Art, den Namen - noch dazu unmittelbar hinter einem negativen Wertungszusammenhang - auf einer Webseite mit hoher Reichweite und von Suchmaschinen indiziert ohne erkennbaren Grund zu veröffentlichen, als heftigen Affront. Es geht mit "Geschmäckle" weiter: distanzierende, Zweifel streuende Formulierung ("...bezeichnet sich selbst...") und rhetorische Abwertung durch Verzicht auf Personalpronomen oder Titel ("Buczek wird von Vetter vertreten"). Na, vielleicht macht Sawall das ja auch gar nicht mit Absicht und ist sich der Rhetorik nicht bewusst?
Inhaltlich werden bewusst oder unbewusst auch einige merkwürdige Aussagen zwischen den Zeilen gemacht:
"Diese geheimen Listen enthalten hauptsächlich tausende Links zu Seiten, deren Titel klar und eindeutig auf kinderpornografisches Material hindeuten."
Der sichtbaren Sachaussage würde ich sowieso widersprechen: Die meisten der Linktitel enthalten keine Versprechung von Kinderpornografie. Aber auch wenn man das anders sieht, wäre anschließend zumindest nun auch die Klarstellung angebracht gewesen, dass nach verschiedenen Untersuchungen der ganz überwiegende Teil der Links tatsächlich aber eben nicht zu kinderpornografischen Angeboten führt, unabhängig davon, was die Titel suggerieren mögen.
Statt dessen wird ein einzelnes Beispiel angeführt ("Wikileaks argumentiert, dass die Listen auch zu Unrecht gesperrte Adressen, wie die eines dänischen Transportunternehmens, enthielten und daher der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müssten"), was suggeriert, es gäbe nur ausnahmsweise einzelne Fehler in den Listen.
* "Kinderschutzgruppen kritisieren die Veröffentlichung..."
Dadurch, dass diese "Kinderschutzgruppen" hier nicht konkret benannt oder wenigstens quantifiziert (mehrere, einige, viele, alle?) werden, wird suggeriert, dass die Meinung unter "Kinderschutzgruppen" (whatever...) einhellig wäre und daher die Veröffentlichung dem Kinderschutz grundsätzlich entgegen stehen würde. Allgemein von "Kinderschutzgruppen" zu reden ist bemerkenswert unkonkret für einen Tatsachenbericht. Zumal sich viele unterschiedliche Gruppen als "Kinderschutzgruppen" bezeichnen, unter denen auch viele sind, deren tiefer liegende Motivation keineswegs der Sorge um das Wohl von Kindern entspringt.
Anfügen möchte ich noch, dass die Untersuchungen, die mit den auf Wikileaks veröffentlichten Sperrlisten gemacht wurden, erheblichen Einfluss auf die jetzt stattfindende politische Diskussion über die Zensurbestrebungen haben und manche der vielen populistische Fehlinformation der Regierung dadurch sachlich wiederlegt werden können. Hier zeigt sich, dass die Verfügbarkeit der Listen für den öffentlichen Diskurs in unserer Demokratie wichtig sind, auch wenn es die Regierung vermutlich letztendlich doch nicht aufhalten wird.
Schädlich ist die Verfügbarkeit der Listen meiner Meinung nach nicht, da ich es lächerlich finde zu glauben, dass Konsumenten von Kinderpornografie auf diese Listen angewiesen wären, um ihr Material zu finden oder dass Menschen, die nicht ohnehin entsprechend veranlagt sind, durch das Betrachten von Kinderpornografie zu potentiellen Vergewaltigern von Kindern werden würden.
Gruß
Donald
Die Nato ist auch nicht aus einem EI geschlüpft. -. -
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