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Echt so naiv?

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  1. Echt so naiv?

    Autor Endwickler 03.05.12 - 12:38

    "In so einer utopischen Gesellschaft wären Menschen frei, alle Handlungsoptionen stünden offen, keine Gesetze und keine Staatsgewalt wären vorhanden. Wo niemand aus innerem Antrieb etwas Schlechtes tue, nicht aus Zwang oder Angst, da müsse auch niemand bestraft werden, erklärte Semken."

    Es gibt genug, die immer einen Grund für Schlechtes finden oder denen es danach drängt. Und auch denen stehen ALLE Optionen offen. Wie kann man so naiv sein, davon auszugehen, dass Menschen gut sind?

    Ach, nein, das tut er ja nicht. Innerer Antrieb ist der einzige Grund, den er ausschließt, vermutlich gibt es diese gar nicht. Niemand tut irgend etwas aus innerem Antrieb. Also gibt es auch keine psychischen Krankheiten und die Wölfe und Schafe vertragen sich. Alle anderen Gründe sind ok, aus denen kann man Schlechtes tun, da gibt es keine Bestrafungen, Zwang und Angst sind super. Bestrafungen gibt es sowieso nie, da man ja gegen nichts verstoßen kann. Was für den einen schlecht ist, findet der andere wieder gut. Also tut man, egal, was man macht, immer jemandem etwas Gutes?

    Ich glaube, mir wird gerade übel.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 03.05.12 12:40 durch Endwickler.

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  2. Re: Echt so naiv?

    Autor DerKleineHorst 03.05.12 - 12:49

    ... in einer UTOPISCHEN Gesellschaft ...

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  3. Re: Echt so naiv?

    Autor jelissei 03.05.12 - 13:13

    @Endwickler: Als Arznei gegen die Übelkeit würde ich dir mal empfehlen ein paar Anarchisten aus dem 19. und frühem 20. Jahrhundert zu lesen.

    Ihre Einwände begründen sich in Unwissen und Vor-Urteilen.
    Als Beispiel: Natürlich kennen Anarchisten natürlich auch Bestrafung. In der Regel aber nicht durch Einsperren oder Tötung, sondern durch Aussperrung. Ausgrenzung aus der Gemeinschaft, der geschadet wurde. Vor allem aber, kann jede Gemeinschaft selbst und gemeinschaftlich entscheiden, wie sie mit Menschen umgeht, die der Gemeinschaft schaden.
    Das macht natürlich auch die Todesstrafe möglich (es gibt ja kein Gesetz, dass es verbietet), aber wenn man sich mit Anarchisten beschäftigt, sieht man zumindest, dass sie in der Regel Pazifisten waren und sind.

    Als die Münchner Räterepublik z.B. von deutschen Truppen angegriffen wurde, wurden haben die Verantwortlichen der Münchner Räterepublik die Gefangenen Soldaten einfach zurückgeschickt, also freigelassen. Das schien ihnen der richtige Umgang mit "feindlichen" Soldaten zu sein.

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  4. Re: Echt so naiv?

    Autor Vollstrecker 03.05.12 - 13:28

    leider geil.

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  5. Re: Echt so naiv?

    Autor admin666 03.05.12 - 13:49

    Vollstrecker schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > leider geil.


    +1 ;)

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  6. Das ist

    Autor Endwickler 03.05.12 - 14:32

    Vollstrecker schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > leider geil.

    ein schönes Lied.

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  7. Re: Echt so naiv?

    Autor Trockenobst 03.05.12 - 15:46

    jelissei schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Aussperrung. Ausgrenzung aus der Gemeinschaft, der geschadet wurde. Vor

    Wie man aus alten Sagen und Geschichten lernen kann, kehrt der Ausgegrenzte
    gerne mit 100 anderen sehr wütenden, de-emotionalisierten Ausgegrenzten
    zurück, um denen die das Urteil gesprochen haben zu zeigen dass *dies*
    keine gute Idee gewesen ist. Deswegen unterscheidet sich der EU-Strafvollzug
    stärker von dem Rachestrafvollzug der Amerikaner, der bei übermäßig harten
    Strafen praktisch nur Soziopathen unterschiedlicher "Qualität" produziert.

    Es wird immer Leute geben die auf Regeln pfeifen, Strafen ignorieren ("absitzen")
    und keinerlei Interesse an "Sozialisierung" haben. Etwa leben Rockerbanden
    gerne mal etwas anders als der Normalo. Und häufig lässt sich dieses Leben
    *nur* durch illegale Tätigkeiten bezahlen. In deren Sichtweise zwingt sie das
    System illegale Dinge zu machen; das ist nicht deren primäre Motivation
    Verbrecher zu sein. Somit werden die Strafen auch nicht als Korrektiv empfunden,
    sondern als Gängelei, als Stolperstein in ihrer eigenen Lebenswelt.

    In alten Kulturen gab es immer mal wieder Gruppen die friedliche Bauern um
    ein Teil ihrer Ernte gebracht haben - dafür sorgten diese dafür, dass andere
    Gruppen nicht in ihrem Bereich brandschatzten. Erst als sie selber anfingen
    übermäßig "böse zu handeln" hat man Ritter, Gesetze etc. gebraucht.

    > allem aber, kann jede Gemeinschaft selbst und gemeinschaftlich entscheiden,
    > wie sie mit Menschen umgeht, die der Gemeinschaft schaden.

    Dazu muss man dann Leute "finden" die mit diesen Leuten umgehen wollen.
    Wer steht denn "heute" in der Früh auf und denkt sich: Ja, osteuropäische
    Menschenhändler, mit den ich mich nachher auf einem verlassenen Bahnhof
    eine Schießerei geben, "ja dass finde ich notwendig". Nur wenige Leute wirklich
    bereit für Ordnung zu sorgen und ggf. mit ihrem Leben dafür einzustehen.

    Wenn der Nachbar zum zehnten Mal mit immer mehr Nachdruck vorbei kommt
    um zu Fragen ob er deine Frau "beglücken darf" wird irgendwann halt doch
    die Pumpgun als "finales" Argument heraus geholt.

    > wurden haben die Verantwortlichen der Münchner Räterepublik die Gefangenen
    > Soldaten einfach zurückgeschickt, also freigelassen. Das schien ihnen der
    > richtige Umgang mit "feindlichen" Soldaten zu sein.

    In "korrekten" Kriegen kommen Soldaten in Lager bis der Krieg vorbei ist. Während
    der Krieg noch läuft ist das etwas absurd sie zurückzuschicken.

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  8. Re: Echt so naiv?

    Autor jelissei 03.05.12 - 16:00

    Trockenobst schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > jelissei schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    >
    > In "korrekten" Kriegen kommen Soldaten in Lager bis der Krieg vorbei ist.
    > Während
    > der Krieg noch läuft ist das etwas absurd sie zurückzuschicken.

    auf jeden Fall :D
    Ich finde es auf vielen Ebenen eine bezeichnende Anekdote.

    Was mir bei der Diskussion um Anarchie immer missfällt ist allerdings folgendes:
    Es wird davon ausgegangen, dass man von heute auf morgen Anarchie hätte. Überall. Und alle wüssten wie man dann lebt.
    So funktioniert das natürlich nicht. Anarchistische Ideen durchdringen aber jetzt schon die Gesellschaft. Fraktale Unternehmensstruktur, flache Hierarchien, der freie Markt (sofern er nicht vom Staat beeinflusst wird) sind so einige Schlagwörter.

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  9. Re: Echt so naiv?

    Autor Trockenobst 03.05.12 - 16:14

    jelissei schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > jetzt schon die Gesellschaft. Fraktale Unternehmensstruktur, flache
    > Hierarchien, der freie Markt (sofern er nicht vom Staat beeinflusst wird)
    > sind so einige Schlagwörter.

    Jepps. Es wurde erst kürzlich in einer Studie bewiesen, dass jemand der
    jeden Tag ein kleines bisschen Durchwuschelt und lose einem großen Plan
    folgt besser, erfolgreicher ist und weitaus weniger Fehler macht - als der, der
    alles straff durchorganisiert und kleine Fehler bestraft.

    Das organische "Wuseln" ist eigentlich die einzige Antwort auf eine unüberschaubar
    komplexe Welt, die immer komplexer wird.

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  10. Re: Echt so naiv?

    Autor Endwickler 03.05.12 - 18:05

    Ich möchte dazu nur schreiben, dass dieser Mensch nicht von der Anarchie sprach.

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  11. Re: Echt so naiv?

    Autor jelissei 03.05.12 - 18:23

    Endwickler schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich möchte dazu nur schreiben, dass dieser Mensch nicht von der Anarchie
    > sprach.

    meinst du wegen An-archeia?
    So wie er die An-archeia beschreibt, kommt sie dem Anarchieverständnis des 19. Jhd schon sehr nahe. Ich vermute, dass er einfach klug genug war nicht das Wort Anarchie zu benutzen, weil es zum einen mit Anomie verwechselt wird und zum anderen im 20. Jhd sehr negativ vorbelastet ist. Von wegen Bombenbastler, Chaot und so.

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  12. Re: Echt so naiv?

    Autor Pierre Dole 03.05.12 - 18:30

    Endwickler schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wie kann man so
    > naiv sein, davon auszugehen, dass Menschen gut sind?

    Äääähm, ein klassischer Fall von "nicht zu ende gedacht".

    Was regst du dich so über die Anarchisten auf? Dasselbe, nur in Verbindung mit der Bibel, läuft schon lange unter uns rum und nennt sich "die Christen". Die glauben genau an den selben Scheiß, an ein Paradies, wo alles friedlich frei, und froh ist. Am besten noch kunterbunt. Und die Predigen das jeden Sonntag. Andere Abspaltungen missionieren sogar höchst aktiv. Versuche mal dagegen vorzugehen und öffentlich was gegen Gott zu sagen. Dann merkst du erst, in was für einer Gesellschaft du lebst.

    Jetzt kommt einer mit demselben Gedanken daher, nur halt ohne die Verbindung zur klassischen Religion. Und auf einmal fallen alle aus den Wolken und empören sich. Na, Glückwunsch! Jetzt wisst ihr was für ein Scheiß in der Kirche gelehrt wird, den ihr womöglich auch noch tolleriert.

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  13. Re: Echt so naiv?

    Autor Endwickler 04.05.12 - 07:49

    Nein, ich vermute schon, dass er einfach von der griechischen Wortherleitung ausging. Und das, was er beschreibt, hat in meinen Augen nichts mit Anarchie gemeinsam, denn alle sind gut und es gibt kein Recht des Gewaltbereiteren und Stärkeren. :-)

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  14. Re: Echt so naiv?

    Autor Endwickler 04.05.12 - 07:51

    Äh, naja, die Christen sagen aber, dass die Menschen, auch die Christen, schlecht sind und ihr Himmelreich ist eben nicht von dieser Welt. Und auch in ihrem Himmel werden sie regiert, in seiner Rede regiert niemand.

    Wo du da die selben Gedanken siehst, entzieht sich mir. Allerdings, wenn du das als Gleich ansiehst, ist es auch verständlich, dass du die Kirchenlehren allgemein für Scheiß hälst. :-)

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