"In so einer utopischen Gesellschaft wären Menschen frei, alle Handlungsoptionen stünden offen, keine Gesetze und keine Staatsgewalt wären vorhanden. Wo niemand aus innerem Antrieb etwas Schlechtes tue, nicht aus Zwang oder Angst, da müsse auch niemand bestraft werden, erklärte Semken."
Es gibt genug, die immer einen Grund für Schlechtes finden oder denen es danach drängt. Und auch denen stehen ALLE Optionen offen. Wie kann man so naiv sein, davon auszugehen, dass Menschen gut sind?
Ach, nein, das tut er ja nicht. Innerer Antrieb ist der einzige Grund, den er ausschließt, vermutlich gibt es diese gar nicht. Niemand tut irgend etwas aus innerem Antrieb. Also gibt es auch keine psychischen Krankheiten und die Wölfe und Schafe vertragen sich. Alle anderen Gründe sind ok, aus denen kann man Schlechtes tun, da gibt es keine Bestrafungen, Zwang und Angst sind super. Bestrafungen gibt es sowieso nie, da man ja gegen nichts verstoßen kann. Was für den einen schlecht ist, findet der andere wieder gut. Also tut man, egal, was man macht, immer jemandem etwas Gutes?
Ich glaube, mir wird gerade übel.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 03.05.12 12:40 durch Endwickler.
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... in einer UTOPISCHEN Gesellschaft ...
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@Endwickler: Als Arznei gegen die Übelkeit würde ich dir mal empfehlen ein paar Anarchisten aus dem 19. und frühem 20. Jahrhundert zu lesen.
Ihre Einwände begründen sich in Unwissen und Vor-Urteilen.
Als Beispiel: Natürlich kennen Anarchisten natürlich auch Bestrafung. In der Regel aber nicht durch Einsperren oder Tötung, sondern durch Aussperrung. Ausgrenzung aus der Gemeinschaft, der geschadet wurde. Vor allem aber, kann jede Gemeinschaft selbst und gemeinschaftlich entscheiden, wie sie mit Menschen umgeht, die der Gemeinschaft schaden.
Das macht natürlich auch die Todesstrafe möglich (es gibt ja kein Gesetz, dass es verbietet), aber wenn man sich mit Anarchisten beschäftigt, sieht man zumindest, dass sie in der Regel Pazifisten waren und sind.
Als die Münchner Räterepublik z.B. von deutschen Truppen angegriffen wurde, wurden haben die Verantwortlichen der Münchner Räterepublik die Gefangenen Soldaten einfach zurückgeschickt, also freigelassen. Das schien ihnen der richtige Umgang mit "feindlichen" Soldaten zu sein.
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leider geil.
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Vollstrecker schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> leider geil.
+1 ;)
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Vollstrecker schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> leider geil.
ein schönes Lied.
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jelissei schrieb:
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> Aussperrung. Ausgrenzung aus der Gemeinschaft, der geschadet wurde. Vor
Wie man aus alten Sagen und Geschichten lernen kann, kehrt der Ausgegrenzte
gerne mit 100 anderen sehr wütenden, de-emotionalisierten Ausgegrenzten
zurück, um denen die das Urteil gesprochen haben zu zeigen dass *dies*
keine gute Idee gewesen ist. Deswegen unterscheidet sich der EU-Strafvollzug
stärker von dem Rachestrafvollzug der Amerikaner, der bei übermäßig harten
Strafen praktisch nur Soziopathen unterschiedlicher "Qualität" produziert.
Es wird immer Leute geben die auf Regeln pfeifen, Strafen ignorieren ("absitzen")
und keinerlei Interesse an "Sozialisierung" haben. Etwa leben Rockerbanden
gerne mal etwas anders als der Normalo. Und häufig lässt sich dieses Leben
*nur* durch illegale Tätigkeiten bezahlen. In deren Sichtweise zwingt sie das
System illegale Dinge zu machen; das ist nicht deren primäre Motivation
Verbrecher zu sein. Somit werden die Strafen auch nicht als Korrektiv empfunden,
sondern als Gängelei, als Stolperstein in ihrer eigenen Lebenswelt.
In alten Kulturen gab es immer mal wieder Gruppen die friedliche Bauern um
ein Teil ihrer Ernte gebracht haben - dafür sorgten diese dafür, dass andere
Gruppen nicht in ihrem Bereich brandschatzten. Erst als sie selber anfingen
übermäßig "böse zu handeln" hat man Ritter, Gesetze etc. gebraucht.
> allem aber, kann jede Gemeinschaft selbst und gemeinschaftlich entscheiden,
> wie sie mit Menschen umgeht, die der Gemeinschaft schaden.
Dazu muss man dann Leute "finden" die mit diesen Leuten umgehen wollen.
Wer steht denn "heute" in der Früh auf und denkt sich: Ja, osteuropäische
Menschenhändler, mit den ich mich nachher auf einem verlassenen Bahnhof
eine Schießerei geben, "ja dass finde ich notwendig". Nur wenige Leute wirklich
bereit für Ordnung zu sorgen und ggf. mit ihrem Leben dafür einzustehen.
Wenn der Nachbar zum zehnten Mal mit immer mehr Nachdruck vorbei kommt
um zu Fragen ob er deine Frau "beglücken darf" wird irgendwann halt doch
die Pumpgun als "finales" Argument heraus geholt.
> wurden haben die Verantwortlichen der Münchner Räterepublik die Gefangenen
> Soldaten einfach zurückgeschickt, also freigelassen. Das schien ihnen der
> richtige Umgang mit "feindlichen" Soldaten zu sein.
In "korrekten" Kriegen kommen Soldaten in Lager bis der Krieg vorbei ist. Während
der Krieg noch läuft ist das etwas absurd sie zurückzuschicken.
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Trockenobst schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> jelissei schrieb:
> ---------------------------------------------------------------------------
> -----
>
> In "korrekten" Kriegen kommen Soldaten in Lager bis der Krieg vorbei ist.
> Während
> der Krieg noch läuft ist das etwas absurd sie zurückzuschicken.
auf jeden Fall :D
Ich finde es auf vielen Ebenen eine bezeichnende Anekdote.
Was mir bei der Diskussion um Anarchie immer missfällt ist allerdings folgendes:
Es wird davon ausgegangen, dass man von heute auf morgen Anarchie hätte. Überall. Und alle wüssten wie man dann lebt.
So funktioniert das natürlich nicht. Anarchistische Ideen durchdringen aber jetzt schon die Gesellschaft. Fraktale Unternehmensstruktur, flache Hierarchien, der freie Markt (sofern er nicht vom Staat beeinflusst wird) sind so einige Schlagwörter.
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jelissei schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> jetzt schon die Gesellschaft. Fraktale Unternehmensstruktur, flache
> Hierarchien, der freie Markt (sofern er nicht vom Staat beeinflusst wird)
> sind so einige Schlagwörter.
Jepps. Es wurde erst kürzlich in einer Studie bewiesen, dass jemand der
jeden Tag ein kleines bisschen Durchwuschelt und lose einem großen Plan
folgt besser, erfolgreicher ist und weitaus weniger Fehler macht - als der, der
alles straff durchorganisiert und kleine Fehler bestraft.
Das organische "Wuseln" ist eigentlich die einzige Antwort auf eine unüberschaubar
komplexe Welt, die immer komplexer wird.
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Ich möchte dazu nur schreiben, dass dieser Mensch nicht von der Anarchie sprach.
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Endwickler schrieb:
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> Ich möchte dazu nur schreiben, dass dieser Mensch nicht von der Anarchie
> sprach.
meinst du wegen An-archeia?
So wie er die An-archeia beschreibt, kommt sie dem Anarchieverständnis des 19. Jhd schon sehr nahe. Ich vermute, dass er einfach klug genug war nicht das Wort Anarchie zu benutzen, weil es zum einen mit Anomie verwechselt wird und zum anderen im 20. Jhd sehr negativ vorbelastet ist. Von wegen Bombenbastler, Chaot und so.
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Endwickler schrieb:
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> Wie kann man so
> naiv sein, davon auszugehen, dass Menschen gut sind?
Äääähm, ein klassischer Fall von "nicht zu ende gedacht".
Was regst du dich so über die Anarchisten auf? Dasselbe, nur in Verbindung mit der Bibel, läuft schon lange unter uns rum und nennt sich "die Christen". Die glauben genau an den selben Scheiß, an ein Paradies, wo alles friedlich frei, und froh ist. Am besten noch kunterbunt. Und die Predigen das jeden Sonntag. Andere Abspaltungen missionieren sogar höchst aktiv. Versuche mal dagegen vorzugehen und öffentlich was gegen Gott zu sagen. Dann merkst du erst, in was für einer Gesellschaft du lebst.
Jetzt kommt einer mit demselben Gedanken daher, nur halt ohne die Verbindung zur klassischen Religion. Und auf einmal fallen alle aus den Wolken und empören sich. Na, Glückwunsch! Jetzt wisst ihr was für ein Scheiß in der Kirche gelehrt wird, den ihr womöglich auch noch tolleriert.
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Nein, ich vermute schon, dass er einfach von der griechischen Wortherleitung ausging. Und das, was er beschreibt, hat in meinen Augen nichts mit Anarchie gemeinsam, denn alle sind gut und es gibt kein Recht des Gewaltbereiteren und Stärkeren. :-)
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Äh, naja, die Christen sagen aber, dass die Menschen, auch die Christen, schlecht sind und ihr Himmelreich ist eben nicht von dieser Welt. Und auch in ihrem Himmel werden sie regiert, in seiner Rede regiert niemand.
Wo du da die selben Gedanken siehst, entzieht sich mir. Allerdings, wenn du das als Gleich ansiehst, ist es auch verständlich, dass du die Kirchenlehren allgemein für Scheiß hälst. :-)
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