Ich bin für freie Software, also für Software wo ich entscheide was ich damit mache und diese Möglichkeit bietet die GPL leider nicht. Ich kann also den Schritt vieler Firmen durchaus verstehen, jeder sollte selbst entscheiden ob er den Quellcode veröffentlicht oder nicht, auch wenn er freie Software anderer dazu einsetzt.
Nur Schmarotzer aind gegen die GPL
Ich verstehe was du meinst; du sprichst den Konflikt zwischen absoluter Freiheit und, vorsichtig formuliert "wehrhafter Freiheit" an. Das ist eine philosophische Frage, denn es geht letztlich darum ob Freiheit allgemein (nicht nur bei Software) bedeutet, dass man diese Freiheit auch abschaffen darf. Man könnte da lange darüber diskutieren und letztendlich müsste man sehr tief philosophisch einsteigen um die Frage zu klären. Ich denke es geht in dem Fall aber auch einfacher, ganz pragmatisch:
GPL gibt alle Freiheiten, außer die, die Freiheit wegzunehmen, auch für daraus entstandene Software. Ergebnis: Softwarekomponenten, die einmal frei sind, bleiben immer frei, egal von wem man sie bezieht. Aus Nutzersicht vereinfacht das die Sache und erhöht die Wahlfreiheit.
Freizügigere Lizenzen geben alle Freiheiten der GPL und zusätzlich die Freiheit, die Freiheit für daraus entstandene Software wegzunehmen. Auf den ersten Blick sieht das nach mehr Freiheit aus, weil es ja sozusagen "GPL+" bedeutet. Aber diese Freiheit wird für Softwarekomponenten eben nicht aus allen Quellen garantiert. Das heißt für den Nutzer am Ende, dass er weniger Wahlfreiheit hat.
Wenn man die Frage endgültig klären möchte, muss man aber wie gesagt tiefer einsteigen. Das mache ich aber immer lieber persönlich bei einem Bier als schriftlich, weil schriftlich oft an kleinen Missverständnissen durch andere Begrifflichkeiten hängen bleibt.
Und ich möchte nicht, das meine Software unfrei wird, nur weil irgendeine Firma zu stolz ist, um das zurückzugeben, was sie sich genommen hat.
Es ist eine Frage der dahinterstehenden Philosophie, was man jeweils erreichen will.
Freie Software entstand ursprünglich als sozusagen Nachbarschaftshilfe unter Programmierern. "Du hast eine komplizierte Aufgabe? Hey, ich hab hier was für dich! Vielleicht hast du später ja auch mal was für mich oder andere." Ein Hacker half dem anderen, egal ob es um private Projekte ging, Zeug für Wissenschaft und Lehre oder auch kommerzielle Aufträge vom Arbeitgeber.
Dann kam die FSF mit dem Dogmatiker Stallman mit einem vollkommen anderen Ansatz. "Freie Software macht die Welt besser. Jeder soll sie einsetzen, aber nur zu unseren Bedingungen. Wenn du dich nicht an die Bedingungen halten kannst, hast du halt Pech gehabt."
Da ich selbst Entwickler bin und nunmal aus vertraglichen Gründen höchstens Teile meines Quellcodes freigeben darf, sagt mir die ältere Philosophie sehr viel mehr zu. Ich kann mir meine Kunden und deren Einstellung zu freier Software nunmal nicht aussuchen. Ein Stallman würde mir einfach den Stinkefinger zeigen und mir sagen, wenn ich meine Kunden nicht überzeugen kann, muss ich halt alles selbst machen oder es am besten ganz bleiben lassen.
Dabei schaden wirklich freie Lizenzen den Projekten offenbar nicht: FreeBSD z.B. steht Linux in wenig bis nichts nach (ist IMO in einigen Bereichen sogar weiter), während z.B. NetBSD auf so ziemlich jeder denkbaren Hardware läuft. Laut den GPL-Heinis dürfte das schlichtweg nicht möglich sein, da ja alle nur Code aus den BSD-Projekten klauen und nie mehr etwas zurückgeben.
Yeeeeeeeeha - Nur echt mit 2^3 e
Perl-Monk, Java-Trinker, Objective-C Wizard, PHP-Kiddie, unfreiwilliger FreeBSD-/Linux-Teilzeitadmin
Wieso wird im GPL-Umfeld eigentlich immer behauptet dass die Benutzer die "Wahlfreiheit" haben wollen?
Nur Geeks wollen die Wahlfreiheit - alle anderen wollen bloß, dass es mit minimalem Aufwand funktioniert. Deshalb ist das iPhone ja so erfolgreich -das könnte man bestimmt das "Anti-GPL-Phone" nennen - oder?
Und da die Anzahl der Gadgets eher zunimmt als abnimmt haben Nutzer immer weniger Nerven ihre "Wahlfreiheit" zu nutzen.
GProfi schrieb:
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> Wieso wird im GPL-Umfeld eigentlich immer behauptet dass die Benutzer die
> "Wahlfreiheit" haben wollen?
Ich behaupte das nicht. Ich werde dir sogar gerne bestätigen, dass es den meisten Menschen scheißegal ist. Ich denke auch nicht, dass irgendwer in der FSF was anderes behaupten würde. Wenn es den Leuten nicht egal wäre, würde die FSF ja nicht versuchen sie zu überzeugen, dass freie Software wichtig ist.
Mir ging es in meinem Beitrag nur darum verschiedene Lizenzmodelle zu vergleichen. Und dass Freiheit eine gute Sache ist, ist hoffentlich unbestritten. Deswegen ging die Diskussion auch nur darum wie diese Freiheit aussehen soll, absolut, oder mit der Einschränkung die Freiheit nicht abschaffen zu dürfen. Letztlich freue ich mich aber über jede freie Software, egal unter welcher freien Lizenz sie steht.
Man sollte viel eher dazu verpflichtet werden, den Quellcode anderen auf Anfrage zukommen zu lassen, anstatt ihn zwingend anbieten zu müssen. Dann würde GPL bestimmt viel stärker genutzt, mehr Software würde Code, der unter GPL steht, mitverwenden und Leute, die gerne etwas an der Software, die sie verwenden, verändern wollen, hätten dann die Möglichkeit, dies bei vielen Anwendungen zu tun.
GProfi schrieb:
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> Wieso wird im GPL-Umfeld eigentlich immer behauptet dass die Benutzer die
> "Wahlfreiheit" haben wollen?
>
> Nur Geeks wollen die Wahlfreiheit - alle anderen wollen bloß, dass es mit
> minimalem Aufwand funktioniert. Deshalb ist das iPhone ja so erfolgreich
> -das könnte man bestimmt das "Anti-GPL-Phone" nennen - oder?
>
> Und da die Anzahl der Gadgets eher zunimmt als abnimmt haben Nutzer immer
> weniger Nerven ihre "Wahlfreiheit" zu nutzen.
Der Durschnittsnutzer hat nunmal eine Scheißegal-Mentalität. Hauptsache es ist bunt und man kann damit angeben. Dieses Verhalten kotzt mich an, wird aber toleriert. Was will man auch dagegen machen?
Im Gegensatz zu diesen Nutzern möchte ich meine Freiheit aber nicht freiwillig aufgeben. Von anderen Nutzern oder Unternehmen möchte ich mir auch nichts vorschreiben lassen. Dieser Freiheit nehme ich mir, ob es dir gefällt oder nicht.
TheWesleyCrushers schrieb:
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> Wenn es den Leuten nicht egal wäre,
> würde die FSF ja nicht versuchen sie zu überzeugen, dass freie Software
> wichtig ist.
Ganz ehrlich: Schön langsam glaube ich, dass es der FSF (zumindest Dogmatikern wie Stallman) primär um das Durchsetzen an sich geht und Freie Software halt nur das Thema der Wahl ist.
Gerade solche Aussagen wie "Besser auf der Console hacken als proprietäre Grafiktreiber benutzen" lassen mich denken, dass es nicht (mehr) darum geht, Software oder die Welt besser zu machen, sondern einzig "ums Prinzip".
Yeeeeeeeeha - Nur echt mit 2^3 e
Perl-Monk, Java-Trinker, Objective-C Wizard, PHP-Kiddie, unfreiwilliger FreeBSD-/Linux-Teilzeitadmin
Diese Möglichkeit, Quellcode auf Anfrage zur Verfügung zu stellen, bietet die GPL. Es ist den meisten Anbietern nur schlicht zu aufwendig, auf Anfragen zu reagieren, also wird der Prozess vereinfacht und der Quellcode auf der Internetseite zum Runterladen angeboten.
Yeeeeeeeeha schrieb:
> Gerade solche Aussagen wie "Besser auf der Console hacken als proprietäre
> Grafiktreiber benutzen" lassen mich denken, dass es nicht (mehr) darum
> geht, Software oder die Welt besser zu machen, sondern einzig "ums
> Prinzip".
Das denkst du nicht nur, das ist so. Es ging der FSF nie darum bessere Software zu schreiben, das ist nur ein Nebeneffekt. Es ging schon immer darum zu sagen, dass Software frei sein soll und deswegen wird von der FSF und vielen anderen Programmierern freie Software erstellt. Es ging also schon immer ums Prinzip. Und das wäre dann auch der Unterschied zu Open Source. Dort geht es darum bessere Software zu entwickeln, nicht um Freiheit als Prinzip. Und damit will ich nicht behaupten, dass Programmierern, die sich mit Open Source identifizieren, die Freiheit immer egal ist, aber Open Source als Bewegung setzt den Schwerpunkt mehr auf ein Entwicklungsmodell zur Verbesserung von Software und Freiheit als Mittel dazu und bei Freier Software geht es in erster Linie um Freiheit als Prinzip und gute Software ist ein positiver Nebeneffekt.
Das ist totaler Unsinn, Yeeeeeeh hat das hier gut begründet:
Zitat:"Dabei schaden wirklich freie Lizenzen den Projekten offenbar nicht: FreeBSD z.B. steht Linux in wenig bis nichts nach (ist IMO in einigen Bereichen sogar weiter), während z.B. NetBSD auf so ziemlich jeder denkbaren Hardware läuft. Laut den GPL-Heinis dürfte das schlichtweg nicht möglich sein, da ja alle nur Code aus den BSD-Projekten klauen und nie mehr etwas zurückgeben."
__destruct() schrieb:
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> Man sollte viel eher dazu verpflichtet werden, den Quellcode anderen auf
> Anfrage zukommen zu lassen, anstatt ihn zwingend anbieten zu müssen.
Man muss den Quellcode nur auf Anfrage herausgeben, und zwar NUR an Leute die die compilierte Version haben.
Was genau sagt dir da nicht zu?
Freiheit hört für mich da auf, wo andere meine Freiheit einschränken wollen, darum ist alles was ich privat veröffentliche AGPL!
Wenn man Neonazis unwidersprochen rumbrüllen lässt, dass alle Ausländer Untermenschen sind ist das ja auch nicht Toleranz, jedenfalls nicht für mich!
wenn programmierer ihre software unter der gpl freigeben und dann firmen neiden, die diese software gewinnbringend einsetzen, dann sagt das leider auch nicht viel gutes über den programmierer aus. ich bin gelassener, ich veröffentliche unter zlib/png lizenz, damit kann jeder machen was er will. kopieren, verkaufen, soll mir alles egal sein.
Das liegt daran das jeder der deine Software einsetzt, dir Feedback auf irgendeiner Weise gibt, sich irgendwie mit einbringt und wenn es nur ist Bugs zu melden oder Bestätigungen zu melden das ihre Software auf best. Hardware läuft. So werden andere angehalten das ebenfalls zu testen, Geld/Code zu spenden und/oder sich mit der Materie auseinander zu setzen.
Frag' doch mal die Busybox Leute wieviel Code die durch die Klagen bereits bekommen haben, nichts. Das meiste sind eben Strafzahlungen/Spenden an Anwälte und die FSF.
--
http://www.heise.de/open/meldung/Linux-auf-dem-Desktop-Europa-fuehrt-1243708.html
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Immer-mehr-Linux-auf-dem-Desktop-1404775.html
Wenn Firmen die Software legal einsetzen ist das ja OK! Wenn die aber GPL-Code in ihren Produkten nutzen und den Quellcode nicht freigeben ist das schlicht Diebstahl! Was würde wohl Microsoft machen, wenn ich meine Software mit einem gecrackten Windows dabei verkaufe???
H.Brecht schrieb:
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> Das ist totaler Unsinn, Yeeeeeeh hat das hier gut begründet:
>
> Zitat:"Dabei schaden wirklich freie Lizenzen den Projekten offenbar nicht:
> FreeBSD z.B. steht Linux in wenig bis nichts nach (ist IMO in einigen
> Bereichen sogar weiter), während z.B. NetBSD auf so ziemlich jeder
> denkbaren Hardware läuft. Laut den GPL-Heinis dürfte das schlichtweg nicht
> möglich sein, da ja alle nur Code aus den BSD-Projekten klauen und nie mehr
> etwas zurückgeben."
Ach tatsächlich, ist das so? Versuch doch mal BSD ohne GPL Software zu nutzen, was bleibt denn da noch über außer einem (zugegeben, guten) ConsolenPC? Nenn mir doch mal eine gute und bekannte Desktopumgebung die etwas anderes als GPL nutzt? Bei GPL kann ich dir gleich über vier Stück nennen: KDE, Gnome, Xfce, Lxde, enlightenment
Ich kenne keine die unter BSD lizensiert ist. Ohne GPL ist BSD auch nur n besserer DOS Rechner
Ok, das wusste ich nicht. Ich dachte, man müsse den Quellcode extra anbieten und immer aktuell halten. Wenn das wirklich nur die vereinfachte Form davon ist, die Masse zu erreichen, und nicht die Pflichtform, die aber aufwändiger einzurichten ist, als den wenigen Interessenten den Code zukommen zu lassen, dann passt das ja wunderbar.
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