Abo
  1. Foren
  2. Kommentare
  3. Politik/Recht
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › IT-Anwalt: Arbeitgeber darf…

Praxistauglichkeit?

Anzeige
  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. Praxistauglichkeit?

    Autor: Himmerlarschundzwirn 11.12.12 - 08:05

    Selbstverständlich bin ich grundsätzlich ein Befürworter von Datenschutzbelangen. Aber wie praxistauglich ist denn dieses "Schnüffelverbot". Es gibt immer noch viele AN, die betriebliche Daten lokal auf ihren Rechnern bearbeiten (ich sag nur Desktop) und dort liegen lassen. Bei Nichtverfügbarkeit des MA gibt es doch dann keine andere Möglichkeit, an die benötigten Daten zu kommen, als den Rechner anzuwerfen und die Daten zu suchen. Und es kommen leider auch nicht in jedem Bereich Thinclients in Frage. Muss sich der AG dann der Gefahr einer Schadensersatzforderung eines missgestimmten AN aussetzen, um an SEINE Daten auf SEINEN Arbeitsmitteln zu kommen, oder gibt es eine Möglichkeit, solche Fälle per Betriebsvereinbarung zu lösen?

    Benutzer wird von Ihnen ignoriert. Anzeigen

  2. Re: Praxistauglichkeit?

    Autor: Phreeze 11.12.12 - 09:05

    Laut Gesetz darf der Arbeitgeber selbst die Daten einer Person nicht einsehen, die den Betrieb verlassen hat. Es sind nicht "seine" Daten.

    Benutzer wird von Ihnen ignoriert. Anzeigen

  3. Re: Praxistauglichkeit?

    Autor: frischmilchpups 11.12.12 - 09:28

    Wenn diese Daten so wichtig sind, hätten man sie ja mal vorher anfordern können

    Benutzer wird von Ihnen ignoriert. Anzeigen

  4. Re: Praxistauglichkeit?

    Autor: Himmerlarschundzwirn 11.12.12 - 11:26

    Die Entstehung dieser Daten (nehmen wir als Beispiel eine Kalkulationstabelle) ist sehr wohl Eigentum des Betriebs. Für diese Leistung wurde der AN nämlich vom AG entlohnt. Wenn ich für eine Firma eine Software in meiner Arbeitszeit programmiere, ist diese Software auch Eigentum der Firma. Oder meist du, bei Microsoft gehört Windows jedem Programmierer so n bisschen?

    Benutzer wird von Ihnen ignoriert. Anzeigen

  5. Re: Praxistauglichkeit?

    Autor: Himmerlarschundzwirn 11.12.12 - 11:26

    Was weiß denn der AG, ob der AN Müller morgen vor'n Bus läuft?

    Benutzer wird von Ihnen ignoriert. Anzeigen

  6. Re: Praxistauglichkeit?

    Autor: ibsi 11.12.12 - 12:10

    Himmerlarschundzwirn schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Was weiß denn der AG, ob der AN Müller morgen vor'n Bus läuft?
    Dann stört es den AN Müller auch nicht wenn sein PC durchsucht wird :D
    (ich weiß schon was Du meinst, vielleicht wäre "Krank" ein besseres Beispiel gewesen)

    Benutzer wird von Ihnen ignoriert. Anzeigen

  7. Re: Praxistauglichkeit?

    Autor: Himmerlarschundzwirn 11.12.12 - 12:34

    Ich bin optimistischerweise davon ausgegangen, dass er den Zusammenstoß gerade so überlebt, aber länger als 3 Tage ausfällt ;-)

    Benutzer wird von Ihnen ignoriert. Anzeigen

  8. Re: Praxistauglichkeit?

    Autor: martinr 11.12.12 - 13:02

    Himmerlarschundzwirn schrieb:
    > --------------------------------------------------------------------------------
    > Selbstverständlich bin ich grundsätzlich ein Befürworter von
    > Datenschutzbelangen. Aber wie praxistauglich ist denn dieses
    > "Schnüffelverbot". Es gibt immer noch viele AN, die betriebliche Daten
    > lokal auf ihren Rechnern bearbeiten (ich sag nur Desktop) und dort liegen
    > lassen.

    Das können per Definition keine wichtigen Daten sein, welche (a) nur auf dem PC dieses Mitarbeiters liegen und (b) in einem Verzeichnis das gegen unbefugten Zugriff besonders gesichert ist -- also eine Access Control List auf Dateien oder Directories, und Zugriffsberechtigung nur für diesen speziellen Mitarbeiter, Zugriffsschutz über persönliches Useraccount-Passwort. Dass sich ein Administrator so einem Zugangsschutz umgehen kann, beeinträchtigt die Vertraulichkeit der Daten nicht.

    Das vom BVerwG schreibt hierzu in seiner Entscheidung:
    Die Daten lagen nicht für jedermann offen zu Tage, sondern konnten neben dem
    Kläger nur von den Mitarbeitern der IT-Abteilung des BND eingesehen werden.


    Soweit es etwa Software oder Dokumente betrifft, muss die Firma selbst eine geeignete
    zentrale Datenablage und Datensicherung organisieren, die dann auch genutzt wird.
    Im Hinblick auf die Gefahr von Datenverlusten durch den technischen Aufall von
    Speichermedien oder Malware-Befall, sowie die Gefahr von versehentlichem Löschen
    wäre es offensichtlich verantwortungslos (seitens des Arbeitgebers), wenn sich
    unbekannte Mengen von betriebsrelevanten Informationen ausschliesslich in
    persönlichen Datenablagen von Mitarbeitern befinden die gegen unbefugten
    Zugriff besonders gesichert sind und damit in den Schutzbereich des Rechts
    auf informationelle Selbstbestimmung fallen.


    Soweit es sich um tatsächliche Geschäfts- und Handelsbriefe nach HGB handelt, ist die Firma verpflichtet zum Zwecke der ordentlichen Buchführung eine zentrale Ablage bereitzustellen, die Handels- und Geschäftsbriefe mit eindeutigen Belegnummern zu versehen, und gemeinsam so zu archivieren, so dass diese weder nachträglich geändert noch gelöscht werden können. EMails in persönlichen EMail-Accounts könnten aufgrund der gesetzlichen Anforderungen von HGB und AO an die ordentliche Buchführung den Status eines Geschäfts- oder Handelsbrief höchstens bei einem Selbstständigen erlangen, bei Angestellten ist es schlicht unmöglich. Diesen Status können nur solche Kopien(!!) von EMails erlangen, welche korrekt mit Beleg-Nummer versehen, verbucht (d.h. cross-referenziert) und gegen nachträgliche Änderungen geschützt archiviert wurden.

    >
    > Bei Nichtverfügbarkeit des MA gibt es doch dann keine andere
    > Möglichkeit, an die benötigten Daten zu kommen, als den Rechner anzuwerfen
    > und die Daten zu suchen.

    Daten, Dokumente oder Software, an welchen man zusammen mit anderen arbeitet, kann man durchaus bewusst so auf einem PC oder Speichermedium ablegen, dass auch andere regulären darauf Zugriff haben. Das gilt selbst für eine gemeinsam benutzten Arbeitsplatz-PC. Das naheliegende sind jedoch Source-Code-Versionsverwaltung und Dokumenten-Versionsverwaltung, üblicherweise auf zentralen Servern, mit Gruppen-basierten Zugriffsberechtigungen.


    >
    > Und es kommen leider auch nicht in jedem Bereich
    > Thinclients in Frage.

    Ein Thin-client hat auf die Art und Wirksamkeit des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung überhaupt keine Auswirkungen.

    Grundrechte habe die Eigenschaft, dass sie von der Verfassung garantiert werden, und nicht etwa vom Arbeitgeber eingeräumt werden. Es würde dem Schutzzweck des Grundrechts zuwiderlaufen, wenn sich das Grundrecht durch technische Implementierungsdetails
    aushebeln liesse.


    >
    > Muss sich der AG dann der Gefahr einer
    > Schadensersatzforderung eines missgestimmten AN aussetzen,
    > um an SEINE Daten auf SEINEN Arbeitsmitteln zu kommen,

    Die Formulierung "Seine Daten" auf "Seinen Arbeitsmitteln" weisst auf zwei grundlegende Missverständnisse hin. Die Eigentümerschaft am Spechermedium oder Computersystem ist komplett irrelevant bei der Beurteilung der Verfügungs- bzw. Bestimmungsbefungnis
    and den Daten. Ebenso ist komplett irrelevant, wen die Daten betreffen. Massgeblich ist, wer die Daten erstellt oder gesammelt hat.

    So kennt auch das deutsche Urheberrecht das sogenannte "Veröffentlichungsprivileg" als Urheberpersönlichkeitsrecht. Solange der Urheber einer Veröffentlichung eines Werkes noch nicht zugestimmt hat, hat auch noch KEINE Übertragung von Nutzungs- und Verwertungsrechten auf den Arbeitgeber stattgefunden. Selbst wenn der Arbeitgeber die Zeit bereits bezahlt hat, welche für die Erstellung eines noch unveröffentlichten Werkes aufgewendet wurde, kann der Arbeitgeber eine Veröffentlichung nicht einklagen -- das Veröffentlichungsprivileg garantiert dem Arbeitnehmer, einen Entwurf _vor_ Veröffentlichung vernichten zu dürfen. Der Arbeitgeber könnte nur die Zahlung von Arbeitslohn für die aufgewendete Zeit verweigern bzw. zurückfordern, oder eine Kündigung wegen Arbeitsverweigerung anstreben.


    > oder gibt es eine Möglichkeit, solche Fälle per
    > Betriebsvereinbarung zu lösen?

    Eine Betriebsvereinbarung kann niemals einen Eingriff in Grundrechte ermächtigen. Als Eingriffsermächtigung ist zwingend eine formelle gesetzliche Regelung des parlamentarischen Gesetzgebers notwendig, welche den verfassungsrechtlichen Anforderungen an Normenklarheit
    und Normenbestimmtheit genügt. Mittels BV kann nur ein per Gesetz ermächtigter Grundrechtseingriff im Rahmen der Mitbestimmung ausgestaltet und verfahrenstechnisch begleitend gesichert werden.

    Benutzer wird von Ihnen ignoriert. Anzeigen

  9. Re: Praxistauglichkeit?

    Autor: Himmerlarschundzwirn 11.12.12 - 13:12

    Danke für den ausführlichen Hinweis. Ich werde ihn noch 1 oder 2 mal lesen müssen, um ihn vollumfänglich zu begreifen, aber ich wollte schon mal danke sagen :-)

    Benutzer wird von Ihnen ignoriert. Anzeigen

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Zum Login

Anzeige
Stellenmarkt
  1. Daimler AG, Stuttgart
  2. Robert Bosch GmbH, Plochingen
  3. Accenture, Stuttgart, Düsseldorf, Frankfurt, München
  4. dSPACE GmbH, Paderborn


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (u. a. Asus GTX 1070 Strix OC, MSI GTX 1070 Gaming X 8G und Aero 8G OC)
  2. (Core i5-6600K + Geforce GTX 1070 OC)
  3. (Core i5-6500 + Geforce GTX 1060)


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Elementary OS Loki im Test: Hübsch und einfach kann auch kompliziert sein
Elementary OS Loki im Test
Hübsch und einfach kann auch kompliziert sein
  1. Linux-Distribution Ubuntu diskutiert Ende der 32-Bit-Unterstützung
  2. Dells XPS 13 mit Ubuntu im Test Endlich ein Top-Notebook mit Linux!
  3. Aquaris M10 Ubuntu Edition im Test Ubuntu versaut noch jedes Tablet

Wolkenkratzer: Wer will schon 2.900 Stufen steigen?
Wolkenkratzer
Wer will schon 2.900 Stufen steigen?
  1. Hafen Die Schauerleute von heute sind riesig und automatisch
  2. Bahn Siemens verbessert Internet im Zug mit Funklochfenstern
  3. Fraunhofer-Institut Rekord mit Multi-Gigabit-Funk über 37 Kilometer

Festplatten mit Flash-Cache: Das Konzept der SSHD ist gescheitert
Festplatten mit Flash-Cache
Das Konzept der SSHD ist gescheitert
  1. Ironwolf, Skyhawk und Barracuda Drei neue 10-TByte-Modelle von Seagate
  2. 3PAR-Systeme HPE kündigt 7,68- und 15,36-TByte-SSDs an
  3. NVM Express und U.2 Supermicro gibt SATA- und SAS-SSDs bald auf

  1. Kartendienst: Daimler-Entwickler Herrtwich übernimmt Auto-Bereich von Here
    Kartendienst
    Daimler-Entwickler Herrtwich übernimmt Auto-Bereich von Here

    Der Kartendienst Here hat für seinen Automotive-Bereich einen renommierten Chef gefunden. Dieser will "das vollständigste virtuelle Abbild unserer Welt in Echtzeit erschaffen".

  2. Killerspiel-Debatte: ProSieben Maxx stoppt Übertragungen von Counter-Strike
    Killerspiel-Debatte
    ProSieben Maxx stoppt Übertragungen von Counter-Strike

    Eigentlich wollte ProSieben Maxx mit der Übertragung von E-Sport-Turnieren auch "Vorbehalte ausräumen". Stattdessen räumt der Sender jetzt Counter-Strike keinen Platz mehr ein - die Mehrheit der Zuschauer reagiert verärgert.

  3. Mehr Breitband für mich (MBfm): Telekom-FTTH kostet über 250.000 Euro
    Mehr Breitband für mich (MBfm)
    Telekom-FTTH kostet über 250.000 Euro

    Glasfaser für den Preis eines Grundstücks mit großem Eigenheim: Das kann das Selbstbauer-FTTH "Mehr Breitband für mich" (MBfm) der Deutschen Telekom sein. Ein Golem.de-Leser berichtet von seinen Erfahrungen.


  1. 15:58

  2. 15:42

  3. 15:31

  4. 14:42

  5. 14:00

  6. 12:37

  7. 12:29

  8. 12:00