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Wem gehört eigentlich was

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  1. Wem gehört eigentlich was

    Autor Friedrich.Thal 11.12.12 - 11:11

    Im Prinzip kann der Arbeitgeber im Arbeitsvertrag entsprechende Einschränkungen verfügen. Das z.B. nur in Pausen chatet wird oder Online bestellt werden kann.

    Wenn ein Arbeitgeber Computerequipment zur Verfügung stellt, tritt er es nicht an den Arbeitnehmer ab. Folglich sind alle Daten die darauf erarbeitet und gespeichert werden Firmeneigentum. Richterentscheidungen hin oder her.

    Viele Arbeitgeber lassen ihren Mitarbeiter dennoch genug Freiraum, außer die Gesamtleistung leidet darunter. Meist dann rennen dann die Gekündigten oder Abgemahnten zum Gericht und fühlen sich ungerecht behandelt wenn sie nicht spielen dürfen wie gewohnt.

    Es gab Admintools aus den guten Zeiten von Novell, lange her, die bequem überall hin recherchieren konnten, ebenso sich aus dem Datensumpf einen einzelnen PC greifen konnten. Ich kenne Firmen da schalten sich die Personaler und Vorgesetzte heimlich remote auf den Bildschirm, um zu sehen was der Untergebene so treibt. Die Admins benutzen das Remotetool offiziell mit Genehmigung und Anfrage beim Kollegen um den Anwender bei Programm fragen beizustehen. Die anderen tun das nicht, sonst könnten sie heimlich keine Beweisfotos anfertigen.
    Die heutigen Webcams der Notebooks wären auch geeignet um häufige Besinnungspausen und Büroschläfchen aufzudecken.

    Heute und in der Zukunft ist fast keiner mehr auf Firmenrechner für die private Nutzung angewiesen, weil die meisten ein Smartphone oder iPad einstecken haben.

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  2. dem Urheber/Erzeuger/Sammler gehörts.

    Autor martinr 11.12.12 - 14:57

    Friedrich.Thal schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Im Prinzip kann der Arbeitgeber im Arbeitsvertrag entsprechende
    > Einschränkungen verfügen. Das z.B. nur in Pausen chatet wird oder Online
    > bestellt werden kann.

    das gilt fast ausnahmslos auch dann, wenn es im Arbeitsvertrag
    nicht gesondert erwähnt wird.


    >
    > Wenn ein Arbeitgeber Computerequipment zur Verfügung stellt, tritt er es
    > nicht an den Arbeitnehmer ab.

    Der Arbeitgeber bleibt zwar Eigentümer, ein Teil der System-Resourcen wird jedoch zweifelsfrei dem Arbeitnehmer zur Nutzung überlassen.

    >
    > Folglich sind alle Daten die darauf erarbeitet und gespeichert werden
    > Firmeneigentum. Richterentscheidungen hin oder her.

    Das ist Quatsch mit Sosse. Die Eigentümerschaft des Speichermediums ist komplett irrelevant im Hinblick auf die Verfüngungs- bzw. Bestimmungsbefugnis über die enthaltenen Daten. Auch das UrhG schliesst aus dass das Besitztum an einem Speichermedium sich auf die enthaltenen Daten überträgt -- dafür ist immer eine seperate ausdrückliche Willenserklärung zwingende Voraussetzung. Fänden Content-Provider sicherlich nicht prickelnd, wenn das Abspeichern eines Urheberrechtlich geschützten Werkes (Software, Audio, Video, Bild, Text, etc.) einen Eigentumsübergang des Werkes an den Eigentümer des Speichermediums zur Folge hätte..

    Aufgrund des Veröffentlichungsprivilegs als Urheberpersönlichkeitsrecht im deutschen Urheberrecht findet für die von Arbeitnehmern erstellten oder gesammelten Daten die Werke im Sinne des Urheberrechts darstellen eine Rechtsübertragung (von Nutzungs- und Verwertungsrechten) an den Arbeitgeber im Rahmen eines Arbeits- oder Dienstleistungsvertrages frühestens dann statt, und für jedes Werk seperat, wenn der Arbeitnehmer sein Veröffentlichungsprivileg explizit ausübt.

    Wenn der Arbeitnehmer es so wünscht, findet für manche Werke niemals eine Rechteübertragung statt.



    >
    > Viele Arbeitgeber lassen ihren Mitarbeiter dennoch genug Freiraum, außer
    > die Gesamtleistung leidet darunter. Meist dann rennen dann die Gekündigten
    > oder Abgemahnten zum Gericht und fühlen sich ungerecht behandelt wenn sie
    > nicht spielen dürfen wie gewohnt.

    Die geben sich oft wenig. Aber einer gewissen Zahl von Mitarbeitern wirst Du regelmäßig mehr Rechtsmissbrauch auf Arbeitgeberseite finden als auf Arbeitnehmerseite.
    Was regelmäßig daran liegt, dass das (Prozess-)Kostenrisiko sich für einen Arbeitnehmer ganz anders darstellt als für einen größeren Arbeitgeber.


    >
    > Es gab Admintools aus den guten Zeiten von Novell, lange her, die bequem
    > überall hin recherchieren konnten, ebenso sich aus dem Datensumpf einen
    > einzelnen PC greifen konnten. Ich kenne Firmen da schalten sich die
    > Personaler und Vorgesetzte heimlich remote auf den Bildschirm, um zu sehen
    > was der Untergebene so treibt.

    Zweifelsfrei illegale Beweiserhebung. Wenn sich ein "ertappter" Arbeitnehmer und sein Anwalt sich nicht allzu dumm anstellen, und der Mitarbeiter nicht grad goldene Löffel klaut, dann werden derartig massiv illegal erhobene Beweismittel mit einem Beweisverwertungsverbot belegt.


    >
    > Die Admins benutzen das Remotetool offiziell
    > mit Genehmigung und Anfrage beim Kollegen um den Anwender bei Programm
    > fragen beizustehen. Die anderen tun das nicht, sonst könnten sie heimlich
    > keine Beweisfotos anfertigen.


    Damit durch heimliche Beweiserhebung die Grundrechte nicht immer, komplett und folgenlos ausgehebelt werden können, hat das BVerfG das Konzept des verfassungsrechtlich gebotenen Beweisverwertungsverbots erschaffen, u.a.:

    http://www.bverfg.de/entscheidungen/rs20021009_1bvr161196.html

    Infolge Verfassungsgerichtlicher Entscheidungen hat der Gesetzgeber Beweisverwertungs-beschränkungen und -verwertungsverbote in mehrere Rechtsnormen aufgenommen, speziell die Regelungen in §100 ff. der Strafprozessordnung (StPO) zur Telekommunikationsüberwachung, aber auch §100 TKG.


    >
    > Die heutigen Webcams der Notebooks wären auch geeignet um häufige
    > Besinnungspausen und Büroschläfchen aufzudecken.

    Das wäre rechtswidrig, strafbar und wird regelmäßig zum Beweisverwertungsverbot
    führen. Mit einem passenden "Verhüterli" (Abdeckung der Linse) auch einfach
    und wirksam zu verhindern.

    http://juris.bundesarbeitsgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bag&Art=en&pos=0&nr=16002&linked=pm&titel=_K%FCndigung_wegen_Entwendung_von_Zigarettenpackungen_-_Verdeckte_Video%FCberwachung

    >
    > Heute und in der Zukunft ist fast keiner mehr auf Firmenrechner für die
    > private Nutzung angewiesen, weil die meisten ein Smartphone oder iPad
    > einstecken haben.

    Genau das zieht auch der Begründung den Teppich unter den Füssen
    weg, dass mit einer heimliche Überwachung von Arbeitsplatzrechnern
    wirkungsvoll irgendein schützenswertes Ziel erreicht werden könnte.

    Informationen lassen sich mit einem privaten Foto-handy
    vom Bildschirm abfotographieren oder abfilmen ohne dass
    auf dem Firmenrechner digitale Spuren darüber anfallen
    das Informationen optisch vom Bildschirm kopiert wurden,
    und ob und an wen diese Informationen weitergegeben wurden.

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  3. Re: Wem gehört eigentlich was

    Autor der-dicky 11.12.12 - 15:28

    Friedrich.Thal schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Wenn ein Arbeitgeber Computerequipment zur Verfügung stellt, tritt er es
    > nicht an den Arbeitnehmer ab. Folglich sind alle Daten die darauf
    > erarbeitet und gespeichert werden Firmeneigentum. Richterentscheidungen hin
    > oder her.

    Einfach mal nen Spind durchsuchen ist auf dem Bau auch kein Problem, der Spind gehört ja schließlich dem Arbeitgeber Folglich sind alle Gegenstände die darin gelagert werden Firmeneigentum.

    Wenn ein Arbeitgeber Telekommunikationsequipment, z.B. ein Firmenhandy zur Verfügungstellt ... problemlos telefonate ausserhalb der geschäftszeiten ... mitgehört ...

    Ich glaub du verstehst was ich dir sagen möchte :)

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  4. Re: Wem gehört eigentlich was

    Autor martinr 11.12.12 - 16:34

    der-dicky schrieb:
    >
    > Einfach mal nen Spind durchsuchen ist auf dem Bau auch kein Problem, der
    > Spind gehört ja schließlich dem Arbeitgeber Folglich sind alle Gegenstände
    > die darin gelagert werden Firmeneigentum.

    Das ist zwei Rechtsirrtümer. Wird ein Spind einem Mitarbeiter zur Nutzung
    überlassen, ergibt sich daraus keinerlei Eigentumsanspruch auf Dinge die ein Arbeitnehmer im Spind aufbewahrt, noch ergibt sich daraus ein Rechts des Arbeitgebers auf eine Durchsuchung.


    >
    > Wenn ein Arbeitgeber Telekommunikationsequipment, z.B. ein Firmenhandy zur
    > Verfügungstellt ... problemlos telefonate ausserhalb der geschäftszeiten
    > ... mitgehört ...
    >
    > Ich glaub du verstehst was ich dir sagen möchte :)

    Hier bestehen scheints massive Wissenslücken bzw. Missverständisse zur tatsächlichen Rechtslage.

    Ein einem der Kommunikationsteilnehmer nicht bekannte Mithören von Telefongesprächen ist regelmäßig so massiv rechtswidrig, dass es ein Beweisverwertungsverbot nach sich zieht.

    Das heimliche Mithören (=Abhören) eines Telefongesprächs hat nicht nur ein Beweisverwertungsverbot zur Folge, es erfüllt auch eindeutig den Straftatbestand nach §206 StGB bzw. §88/89 TKG, und bringt eine Geldstrafe oder bis zu 5 Jahre Knast mit sich.

    BVerfG: 1 BvR 1611/96 vom 9. Oktober 2002
    http://www.bverfg.de/entscheidungen/rs20021009_1bvr161196.html

    BAG: 6 AZR 189/08 vom 23. April 2009
    http://juris.bundesarbeitsgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bag&Art=en&nr=13433&linked=pm&titel=_Mith%F6ren_von_Telefongespr%E4chen_-_Beweisverwertungsverbot

    Dass es bei der Telekom-Spitzelaffäre eine Strafrechtliche Verurteilung auch wegen der Verletzung des Fernmeldegeheimnisses gab auch wegen der rechtswidrigen Zugriffe auf die Verbindungsdaten von Mitarbeitern auf dienstlichen Mobilfunktelefonen (die Einzelverbindungsnachweise und nicht etwa Gesprächsinhalte)
    ist Dir vielleicht auch entgangen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberwachungsaff%C3%A4re_der_Deutschen_Telekom

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  5. Re: Wem gehört eigentlich was

    Autor der-dicky 11.12.12 - 16:38

    martinr, ich glaub da hat deine ironieerkennung kurz nicht aufgepasst :)

    natürlich darf mein arbeitgeber "mein" spind nicht durchsuchen, natürlich darf auch mein arbeitgeber meine gespräche auf "meinem" arbeitshandy nicht mithören, und natürlich darf mein arbeitgeber "meinen" arbeitspc nicht durchsuchen...

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  6. Re: Wem gehört eigentlich was

    Autor volkskamera 11.12.12 - 20:58

    Hier ist Obacht geboten, wenn jemand der Meinung ist der Rechner dürfe in keinem Fall durchsucht werden.

    Es ist üblich und auch rechtlich abgesegnet, dass Inventarisierungen von Software auf allen Firmenrechnern durchgeführt werden. Das Unternehmen schützt sich dadurch vor Lizenzverletzungen weil jemand ggf. nicht für die Firma lizensierte Software installiert hat und zum anderen um Software zu ermitteln, die den in der Regel standardisierten Rechner von diesen Standards abweichen lassen und ggf. ein Sicherheitsrisiko darstellen.

    Sollten hier dann ungerechtfertigt installierte Programme entdeckt werden, darf der AG durchaus angemessene Maßnahmen ergreifen.

    Also bitte nicht einfach denken, der AG darf gar nichts.

    Desweiteren darf er zumindest in Deutschland auch nicht einfach so ermitteln, wie lange ein Anwender an einem Dokument gearbeitet hat, um dessen Produktivität zu ermitteln. Das gilt auch für Daten, die sich im Netzwerk befinden und somit dem Arbeitgeber "gehören".

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  7. Re: Wem gehört eigentlich was

    Autor martinr 12.12.12 - 20:03

    volkskamera schrieb:
    >
    > Hier ist Obacht geboten, wenn jemand der Meinung ist der Rechner dürfe in
    > keinem Fall durchsucht werden.
    >
    > Es ist üblich und auch rechtlich abgesegnet, dass Inventarisierungen von
    > Software auf allen Firmenrechnern durchgeführt werden.

    Üblich JA (leider).

    Rechtlich abgesegnet: NEIN (Rechtsbeugung)

    Fakt ist, dass es KEINE Rechtsgrundlage dafür gibt.

    Soweit ein Arbeitgeber nur Lizenzen von Software bestimmer Hersteller zählen möchte um seine Lizenzgebühren für Volumen-Lizenzen korrekt zu ermitteln und die in Volumen-Lizenz-Verträgen von US-amerikanischen Software-Firmen enthaltenen Audits machen zu können ohne alle PCs einzeln abklappern zu müssen, ist dagegen auch überhaupt nichts einzuwenden.

    Wenn jedoch ein Arbeitgeber anlassloses flächendeckendes und ständiges Monitoring auch von Computer-Systemen macht, welche er Arbeitnehmern zur Nutzung überlassen hat (Arbeitsplatz-PC, Laptop, Tablet, Smartphone) um nach "Beweismaterial" gegen den Mitarbeiter zu suchen, dann ist das zweifelsfrei illegal.

    Von den 4 höchsten Gerichten in Deutschland, welche sich zu diesem Thema überhaupt äußern würden, haben das bereits drei (BVerfG, BGH, BVerwG) amtlich festgestellt.
    Aufgrund von Art.3 Abs. 1 GG ist es nicht zu erwarten, dass das BAG versuchen würde ein Paralleluniversum mit einer anderen Realität zu erschaffen.

    Auszug aus der BGH-Entscheidung 3 BGs 31/06, mit welcher das BVerwG u.a. seine eigene Entscheidung begründet:

    b) Das Bundesverfassungsgericht sieht es als Ausprägung des rechtsstaatlichen Grundsatzes des Gesetzesvorbehalts (Art. 20 Abs. 3 GG) an, dass alle Maßnahmen mit Grundrechtsrelevanz einer formell-gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage bedürfen (Wesentlichkeitsprinzip; BVerfGE 47, 46, 78f.; 80, 137, 161; 98, 218, 251f.; 101, 1, 33f.; Mangoldt/Klein/Starck, GG, 5. Auflage 2005, Art. 20 Rdnr. 275ff.). Danach unterliegen grundsätzlich alle für die Grundrechtsverwirklichung wesentlichen Fragen dem Gesetzesvorbehalt. Der parlamentarische Gesetzgeber muss die wesentlichen Voraussetzungen für Grundrechtseingriffe sowie ihre Reichweite selbst festlegen. Dem ist im vorliegenden Fall durch die Eingriffsregelung in §§ 102ff. StPO Genüge getan. Die angeordnete Maßnahme bedeutet kein Aliud zur klassischen Durchsuchung.


    >
    > Das Unternehmen
    > schützt sich dadurch vor Lizenzverletzungen weil jemand ggf. nicht für die
    > Firma lizensierte Software installiert hat.

    Zu dieser Frage gibt es viele mögliche Lösungen, insbesondere viele die ganz
    ohne rechtswidrige Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts funktionieren.


    >
    > und zum anderen um Software zu
    > ermitteln, die den in der Regel standardisierten Rechner von diesen
    > Standards abweichen lassen und ggf. ein Sicherheitsrisiko darstellen.

    Und genau hier werden in vielen Firmen anlasslose, ständige und flächendeckende
    rechtswidrige Überwachungen und rechtswidrige Durchsuchungen von
    Daten und Dateien von Mitarbeitern gemacht.


    >
    > Sollten hier dann ungerechtfertigt installierte Programme entdeckt werden,
    > darf der AG durchaus angemessene Maßnahmen ergreifen.

    Für Beweismittel die anlasslos und ohne gesetzl. Rechtsgrundlage durch einen schwerwiegenden Eingriff in das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung erhoben wurden, gebietet die Verfassung nach Rechtsprechung des BVerfG ein Beweisverwertungsverbot. Bei einigen Arbeitsgerichten scheint der moralische Kompass etwas aus dem Ruder gelaufen zu sein.


    >
    > Also bitte nicht einfach denken, der AG darf gar nichts.

    Bei vielen Arbeitgeber arbeitet die IT tief in der rechtlichen Grauzonen, und teilweise im im rechtswidrigen Bereich. AGs dürfen jedenfalls viel weniger als sie üblicherweise tun
    und leider lassen sich die meisten, äußerst schlecht beratenen Betriebsräte regelmäßig zu Komplizen beim massenhaften Rechtsbruch machen.

    Im deutschen Arbeitsrecht leider eher die Regel als die Ausnahme.

    Nimm folgende BAG-Entscheidung als Bespiel:
    http://lexetius.com/2004,2335#7

    Wie an dieser Entscheidung sehen kann, wurden bei dieser BAG-Entscheidung bereits in 50 von 83 Betrieben desselben Konzern bereits illegale Videoüberwachungen praktiziert (und bestimmt noch vielen anderen Betrieben von anderen Konzenen auch). Wenn man die Juristen zusammenzählt die bei diesen vielen Überwachungen involviert waren, und nachzählt wie wenige von denen die Rechtslage _korrekt_ beurteilt haben, bekommt man die Tränen in die Augen. Selbst die Richter vom Landesarbeitsgericht Berlin lagen daneben. Von 10 Arbeitsrechlern haben Dir also vor 2004 mindestens 9 die falsche Antwort zur Rechtslage bei der Videoüberwachung am Arbeitsplatz gegeben.

    Eine ähnliche Situation haben wir heute bei Computersystemen. Mindestens 9 von 10 Arbeitsrechtlern beurteilen die Rechtslage falsch, einiges davon sind amtierende Arbeitsrichter.


    >
    > Desweiteren darf er zumindest in Deutschland auch nicht einfach so
    > ermitteln, wie lange ein Anwender an einem Dokument gearbeitet hat, um
    > dessen Produktivität zu ermitteln.

    Jedenfalls nicht durch automatisierte Überwachung am Arbeitsplatz,
    weil es dafür keine Rechtsgrundlage gibt.

    Was viele Arbeitsrechtler, sowie die von diesen schlecht beratenen Betriebsräte nicht auf die Reihe bekommen: §87 (1) 6. BetrVG ist selbst keine Rechtsgrundlage für Grundrechtseingriffe. Das ist schon deshalb unmöglich, weil diese Rechtsnorm den verfassungsrechtlichen Anforderungen an Normenklarheit und Normenbestimmtheit nicht genügt. Es gestattet den Betriebparteien nur, die Verwendung solcher Informationen zu regeln, die aufgrund einer anderen, Normenklaren und Normenbestimten Rechtsnorm mit diesem Verwendungszweck erhoben werden dürfen, sowie solcher Daten, deren Erhebung keine verfassungsrechtlichen Bedenken entgegenstehen (erforderlich, unvermeidlich und nicht unangemessen im engeren Sinne).


    >
    > Das gilt auch für Daten, die sich im
    > Netzwerk befinden und somit dem Arbeitgeber "gehören".

    Schonwieder eine Spekulation frei ins Blaue.

    Nur weil sie "im Netzwerk liegen" gehören sie noch lange nicht dem Arbeitgeber (ebensowenig wird der Dienst-Laptop zu Deinem rechtmäßigen Eigentum, wenn Du ihn mit nach Hause nimmst).

    Für Werke im Sinne des Urheberrechts garantiert das Veröffentlichungsprivileg des Urhebers als Urheberpersönlichkeitsrecht (§12 UrhG), dass der Urheber selbst und weisungsfrei darüber bestimmt, ob und zu welchem Zeitpunkt die Nutzungs- und Verbreitungsrechte nach §43 UrhG oder §69b UrhG auf den Arbeitgeber übertragen werden.

    http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/BJNR012730965.html#BJNR012730965BJNG000701377



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 12.12.12 20:06 durch martinr.

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