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Frei?

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  1. Frei?

    Autor Margot 27.11.09 - 15:03

    "Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen [...]" - soweit ich es erkennen kann, steht in der Menschenrechtserklärung nichts von "gratis".

    Das alte Problem, dass viele Leute auch beim Lesen einer Open-Source-Lizenz haben: "Frei" bedeutetet "ungehindert", nicht "gratis" wie beim Freibier.

    So hat jeder freien - also ungehinderten - Zugang zum städtischen Hallenbad. Aber Eintritt zahlen muss man trotzdem. Die Freibier-Interpretation von Robert A. Gehring würde letztlich bedeuten, dass es gegen die Menschenrechte verstößt, wenn für Konzerte, Kino oder Museen Eintritt erhoben wird. Oder wenn Zeitungen und Bücher - oh Schreck - verkauft würden. Das deucht mich nun doch ein wenig verquer.

    Oder kurz (ich bin so frei): Der letzte Absatz des Artikels ist ausgesprochener, polemischer Quark - breit, aber nicht stark.

  2. Re: Frei?

    Autor Django79 27.11.09 - 19:44

    Margot schrieb:
    --------------------------------------------------------------
    > So hat jeder freien - also ungehinderten - Zugang zum
    > städtischen Hallenbad. Aber Eintritt zahlen muss man
    > trotzdem.

    Gutes Beispiel. Nur: Darum geht es hier nicht. Es geht darum, dass ich ein von mir erworbenes Medium eventuell bald nicht für meinen privaten Gebrauch vervielfältigen darf.

    Das ist - Dein Beispiel aufgreifend - in etwa so, als ob ich gegen Entgelt in städtische Hallenbad, aber dort nicht nass werden darf.

  3. Re: Frei?

    Autor Flitzo 27.11.09 - 21:39

    Django79 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Margot schrieb:
    > --------------------------------------------------------------
    > > So hat jeder freien - also ungehinderten - Zugang zum
    > > städtischen Hallenbad. Aber Eintritt zahlen muss man
    > > trotzdem.
    >
    > Gutes Beispiel. Nur: Darum geht es hier nicht.

    Doch, darum geht es auch, denn Neumann bezieht sich ausdrücklich auch auf die Gratismentalität im Netz:

    "Die Informationsfreiheit gebietet auch nicht etwa einen kostenlosen Zugang zu Kulturgütern"

    Dazu nahm er bereits vor zwei Wochen Stellung:

    http://www.golem.de/0911/71130.html

    Margot hat sogar extra eine weitere Passage, auf die sie sich bezog, aus dem Artikel in ihrem Beitrag zitiert. Du sprichst also von etwas ganz anderem als sie.

  4. Re: Frei?

    Autor M.Kessel 28.11.09 - 08:50

    In meinen Augen fehlt ein wesentlicher Punkt.

    Man müsste nämlich definieren, was in unserer Kultur zum "Kulturgut" geworden ist, und dieses müsste dann tatsächlich für die Bürger völlig frei zur Verfügung stehen.

    Die Vergütung der Urheber müsste dann über staatliche Subventionen erfolgen.

    Nicht alles, was an Müll erscheint ist automatisch "Kulturgut".

  5. Re: Frei?

    Autor Sooooooooooo 28.11.09 - 10:10

    M.Kessel schrieb:

    > Man müsste nämlich definieren, was in unserer Kultur zum "Kulturgut"
    > geworden ist, und dieses müsste dann tatsächlich für die Bürger völlig frei
    > zur Verfügung stehen.

    Weil?

  6. Re: Frei?

    Autor h3Rb 28.11.09 - 13:05

    Weil es unsere Kultur ist, diese ist eines der wenigen Güter, die keinem privaten Eigentum unterliegen können, ohne aufzuhören zu existieren.

    Warum bezweifelst Du es?

  7. Re: Frei?

    Autor Sooooooooooo 28.11.09 - 15:19

    h3Rb schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Weil es unsere Kultur ist,

    Dass unsere Kultur unsere Kultur ist, habe ich nie bezweifelt.

    Ich möchte nur wissen, warum alles kostenlos sein muss, was sich zur Kultur zählt.

    > diese ist eines der wenigen Güter, die keinem
    > privaten Eigentum unterliegen können, ohne aufzuhören zu existieren.

    Warum sollte ein Buchbestseller aufhören zu existieren, nur weil er privater Autorenschaft unterliegt?

    > Warum bezweifelst Du es?

    Ich bezweifle nicht. Ich lese eine Behauptung bzw. Forderung und möchte eine Begründung dafür wissen.

  8. Re: Frei?

    Autor Rondol 28.11.09 - 17:00

    Sooooooooooo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > h3Rb schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Weil es unsere Kultur ist,
    >
    > Dass unsere Kultur unsere Kultur ist, habe ich nie bezweifelt.
    >
    > Ich möchte nur wissen, warum alles kostenlos sein muss, was sich zur Kultur
    > zählt.

    Um für eine möglichst große Menge Menschen erreichbar zu sein und deren Horizont zu erweitern, ihnen Anreize, Ideen, Kreativität nahezubringen und sie letztlich dazu ermutigen und zu inspirieren selbst Dinge einzubringen und damit der Gemeinschaft weiterzuhelfen und die Entwicklung voranzutreiben.

  9. Re: Frei?

    Autor lolz 28.11.09 - 17:10

    Es erscheint mir so:
    Ich kaufe eine Tageskarte fürs Hallenbad darf aber nur einmal ins Wasser. Oder konkret, Ich darf eine Sofware oÄ kaufen aber es ist eben Pech wenn diese kaputt geht und ich nichts dagegen tun kann außer erneuter Kauf.
    Also brauch ich jedesmal beim ins Wasser gehen eine Tageskarte.
    Daraus folgt: Mehr Gewinn um die Piraterie auszugleichen. Eine Eindämmung is sie nicht.
    Man hat zwar das Internet, aber die Industrie wundert sich wenn man diesen benutzt. Die Industrie hat das online-geschäft verschlafen! Ist zu spät eingestiegen, nachdem sich schon Filesharing gebildet hat. Wer zu spät kommt...

  10. Re: Frei?

    Autor Rnt1Uk 28.11.09 - 21:33

    > Ich lese eine Behauptung bzw. Forderung und möchte eine
    > Begründung dafür wissen.

    Genau so geht es mir mit Deiner Position: Ich lese in Deiner Frage implizit die Forderung, die Teilhabe an bestimmten Bereichen unserer Kultur vom Geldbeutel abhängig zu machen, und ich möchte ebenfalls eine Begründung dafür. Wie rechtfertigst Du diese faktische Ausgrenzung? Wohlgemerkt, ausschließlich auf die Werte unserer Kultur bezogen.

  11. Ja, Frei und kostenlos!

    Autor NUDabgLörtz 29.11.09 - 14:43

    Nun... Ich hab mal darüber Nachgedacht und kam zu den Schluss, dass Kultur tatsächlich mehr oder weniger als gratis anzusehen wäre.

    Der Grund ist folgender: Kultur ist eben nicht das, was einer einem erzählt dass es Kultur ist, sondern die Art und Weise wie man sein eigenes Leben gestaltet als einzelne Person. Kurz, der Lebensstil. Natürlich ist jetzt eine Person noch keine Kultur, aber wenn Elemente der Lebensführung auch bei vielen anderen Personen zutreffend sind, dann bilden diese zusammen eine Kultur. Wenn nun diese Lebensgestaltung z.B. in Hinsicht Wissens- und Freizeitgestaltung nicht nur Frei im Sinne von Freiheit oder der Verfügbarkeit sondern auch noch im Sinne von Gratis ist, dann denke ich hat niemand das Recht dieses zu verneinen.

    Also... wenn viele Menschen der Meinung sind, das sie für ihre Kultur nichts bezahlen wollen, dann ist das eben so.

    Auch das bezahlen für Kultur an sich ist schon mal falsch. Ein Eingeborener im Dschungel nimmt ein Stück Holz das wo herumliegt oder einen Knochen, bohrt Löcher hinein, erhält somit ein Instrument und Lebt anschließend seine kostenlose musikalische Kultur, und wahrscheinlich hat er noch nie was von dem Begriff Geld gehört. Natürlich kann er sich ein spezielles Holz von jemandem bringen lassen und für das bringen eine Entlohnung in Form einer Handwerklichen Leistung, eine Mahles geben oder das Instrument gegen etwas anderes Eintauschen, das ist aber Handel und Handwerk bzw. um konkreter zu sein, der Wert einer Dienstleistung. Somit bezahlt man, insofern der Wert angemessen erscheint, für eine Dienstleistung nicht aber für Kultur an sich.

  12. Re: Ja, Frei und kostenlos!

    Autor Kaugummi 30.11.09 - 04:12

    Wenn Medien, Kunst, Filme, Musik usw. nicht zur Bewusstseinserweiterung, Gedankenmanipulation und Meinungsmache eingesetzt würden.
    Aber so ...

    Es gibt eben Leute, die poltische Ziele durch Medien, Film & Kunst usw ... durchsetzen wollen und die zahlen dann auch die Filme und denen ist es meistens auch recht egal ob der Film raubkopiert wird oder nicht und ob der Umsatz die Kosten gedeckt hat.
    Hauptsache das gewünschte Verhalten geht über die Menschen über.

    Und dann gibt es eben echte Künstler, die nicht megareich sind (Vermögen kann ganze Finanzströme in Millarden oder Millionenhöhe generieren) und die Menschen irgendwie beeinflussen wollen und die sind dann die Leidtragenden.
    Diese Menschen müssen investieren und bekommen ihr Geld oft gar nicht mehr rein.

    So sehen wir fast nur noch die falschen Filme und die Kultur wird verzehrt je mehr Zeit verstreicht.

  13. Re: Ja, Frei und kostenlos!

    Autor kjghiugj 30.11.09 - 08:25

    Ist das nicht Teil von Freiheit? Ich meine, die manipulative Natur von heutigen Filmen und ähnlichem ist auch aus meiner Sicht eine schlechte Sache, aber am Ende sollte jeder für sich selber Entscheiden ob man das trotzdem Konsumieren will. Es ist eine frage der persönlichen Mündigkeit. Es gibt durchaus Menschen, die sich das nicht antun, also dieses nicht kaufen oder kostenlos aus dem Netz laden und damit gut fahren.

  14. Re: Frei?

    Autor vulkman 30.11.09 - 11:20

    M.Kessel schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > In meinen Augen fehlt ein wesentlicher Punkt.
    >
    > Man müsste nämlich definieren, was in unserer Kultur zum "Kulturgut"
    > geworden ist, und dieses müsste dann tatsächlich für die Bürger völlig frei
    > zur Verfügung stehen.

    Und wer definiert, was Kulturgut ist und was nicht? Wer hat das Recht dazu, etwas als "Un-Kultur" zu definieren?

    > Die Vergütung der Urheber müsste dann über staatliche Subventionen
    > erfolgen.

    Schöne Idee, scheitert aber leider an der Umsetzung. Dieses Modell wird ja schon lange diskutiert und endet immer wieder an der Frage "Wie soll bemessen werden, wer wieviel von dem Kuchen bekommt?". Da es über P2P-Netze keine wirklich verlässlichen Statistiken gibt, gibt es auch keine Messwerte, an denen sich der Erfolg von Werken zuverlässig ablesen ließe, was dazu führen würde, dass erfolgreiche Künstler genau so viel (oder wenig) wie nicht erfolgreiche Künstler bekommen, und dass das die großen in diesem Bereich akzeptieren, kannst Du gerade mal vergessen...

    > Nicht alles, was an Müll erscheint ist automatisch "Kulturgut".

    Ja, sicher, nur leider gibt es die unabhängige, objektive Instanz, die diese Unterscheidung Müll/Kultur vornehmen kann und darf, in einer Demokratie nicht, und das ist gut so. Mein Müll ist Deine Kultur und umgekehrt, sowas nennt man kulturelle Vielfalt.

    Alles nicht so einfach.

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