Da wir ja scheinbar ohnehin mit immer neuen Begründungen (Verbreitung rechter Propaganda, Terror, Kinderpornografie, Urheberrechtsverletzungen etc.) die Netzsperren als ultimative Lösung untergeschoben bekommen sollen sie den Kram doch endlich etablieren.
Dann hätten die Rechteverwerter mit Hilfe der Raubkopierer wohl letztendlich das geschafft, worauf schon viele Interessensgruppen jahrelang hingearbeitet haben: Eine der gößten Errungenschaften der Menschheit, die der freien Meinungsbildung wegen vielen Regierungen und Mächtigen dieser Welt ein Dorn im Auge ist, in Ketten zu legen. Unter welchen Vorwänden Netzsperren auch immer eingeführt werden, eines ist Sicher: Damit wird die Zensur im Internet auch bei uns Einzug halten (abgesehen davon, dass es sie z.B. in NRW schon gab, wo schon in der Vergangenheit durch DNS-Manipulation der Landesregierung Seiten aus dem Internet für Normalnutzer nicht mehr erreichbar gemacht wurden) und die ganzen scheinheiligen Drohgebärden gegenüber der chinesischen Internetzensur können sich Politiker und Presseleute dann in Zukunft auch sparen.
Da die Zensur meinungsbildender Medien ein deutliches Charakteristikum einer Diktatur ist, brauche ich ja wohl nicht zu erwähnen, auf welche Art der Regierungsform wir mit der Internetzensur und dem nicht wirklich grunddemokratischen Europarat zusteuern. Das mit der dank Irland gescheiterten europäischen Verfassung das scharfe Schiessen auf Demonstranten ermöglicht worden wäre, zeigt auch in welche Richtung es in Europa mal wieder geht. Demokratien haben es nicht nötig Andersdenkende zu erschiessen.
Zudem wirft es ein interessantes Licht auf unsere Gesellschaft, wenn die Anti-Kinderpornografie-Bewegung an Netzsperren scheitert und die Content-Industrie diese nun durchgedrückt bekommt. Aber was soll man von einem Volk auch schon erwarten, dass es zulässt, dass hierzulande jährlich tausende Tonnen Agrarerzeugnisse vernichtet werden um den Marktpreis hochzuhalten, während in der von uns ihrer Rohstoffe wegen ausgebeuteten sog. 3. Welt an die 30.000 Menschen TÄGLICH verhungern. Da sind auch diverse Kinder darunter und wenn man die bereitwillig für unseren finanzielle Interessen verhungern lässt, dann sind für Kinderpornos vergewaltigte Kinder natürlich erst recht kein Grund Netzsperren zu etablieren. Finanzielle Verluste der Content-Industrie durch Raubkopierer aber offenbar schon.
Im Gegenzug erwarte ich dann aber, dass nach Einführung der Netzsperren auch die Abgaben auf Kopiergeräte und Speichermedien wegfallen werden, da die Rechteverwerter dann die Raubkopienquellen ja versiegen lassen können und somit keinen Grund mehr haben, Leuten wie mir, die keine Raubkopierer sind, Geld aus der Tasche zu ziehen um die Verluste durch Raubkopien auszugleichen.
Fazit:
Einen Glückwunsch an alle Raubkopierer, wenn wegen euch nun Netzsperren etabliert werden. Freiheit scheint für eindimensional denkende Leute offenbar nur schwer zu ertragen zu sein, da sich, überall wo Freiheit herrscht, solche Leute finden, die sie so lange zum Schaden anderer missbrauchen bis alle sie verlieren. Ihr Raubkopierer könnt wirklich Stolz auf euch sein. Eine der grössten Errungenschaften der Menschheit geht zugrunde, weil Dummköpfe es nicht lassen können banalen Entertainment-Schrott wie Kinofilme und Musik zu stehlen. An fehlender Dummheit kann es jedenfalls nicht liegen, dass wir unsere Rasse immer noch nicht mit ein paar Atomsprengköpfen von der Erde gefegt haben. Dummheit haben wir scheinbar immer noch im Überfluss.
Einen schönen Tag noch
NeverDefeated schrieb:
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> Einen Glückwunsch an alle Raubkopierer, wenn wegen euch
> nun Netzsperren etabliert werden.
So sehr ich Dir im Prinzip auch beipflichte, hier bedienst Du Dich der gleichen Argumente wie die, gegen die Du berechtigt wetterst und Du beschuldigst die gleiche diffuse Gruppe.
Außerdem machst Du imho den Fehler, alle wirtschaftlichen und politischen Interessen in einen Topf zu werfen, in den sie - möglichen starken Schnittmengen zum Trotz - einfach nicht gehören. Es gibt Wirtschaftszweige, die ein berechtigtes Interesse daran haben, größere Bandbreite zu verkaufen und es gibt welche, die dadurch geschädigt werden, dass diese Bandbreiten zur Verfügung stehen. Es gibt politische Denkrichtungen, die das Internet als unkontrollierbares Kommunikationsmedium fürchten, während es andere politische Agenden gibt, die ein weiteres "Brot & Spiele"-Medium neben dem Fernsehen begrüßen, welches die Leute mit seichter Unterhaltung bei Laune hält und ihnen die Zeit stiehlt, damit sie sich ja nicht zu sehr in die reale Politik des echten Lebens einmischen.
Außerdem: Stell' Dir einfach mal vor, es gäbe das Internet und es wäre auch frei, aber die Bandbreite pro Haushalt wäre so stark limitiert, dass sich zwar Websites problemlos und flott anzeigen lassen. Größere Datenpakete müssten über ein spezielles Protokoll übertragen werden, dass zwar mehr Bandbreite bereit stellt, aber nur zertifizierte Datenpakete durchlässt. Dann gäbe es keine nennenswerte Software- und Medienpiraterie und entsprechende Gruppen würden TROTZDEM Argumente finden, es noch stärker zu reglementieren und zu überwachen. Es wären dann nur andere Argumente.
Jetzt zu versuchen, ihnen krampfhaft keine Argumente zu liefern, käme einer Kapitulation gleich. Da könnte man ja beispielsweise auch gleich zustimmen, dass der eigene Kommunikationsverkehr überwacht werden darf, nur damit nicht irgendwann Netzsperren kommen. Das kann's ja wohl nicht sein.
Wer Freiheit will, der hat zu akzeptieren, dass eine Minderheit diese Freiheit missbrauchen kann und muss - sei es auch mit Bauchschmerzen - auch die Freiheit dieser Minderheit mit bewahren, um die eigene nicht einzuschränken.
Ganz genau....Dummheit haben wir immer noch im Überfluss ! Davon konnte ich mich auch überzeugen als ich deinen Artikel gelesen habe !
Ebenfalls einen schönen Tag noch....
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