Zunächst mal möchte ich mich hier vorstellen (first time here): betreibe mit meiner Frau eine kleine Facharztpraxis, sie der Doc, ich der Administrative. Verfolge das Thema eGK seit ca. 4 Jahren, wie übrigens auch andere relevante Aspekte der Gesundheitspolitik der letzten Ulla-Jahre.
Insgesamt stelle ich in diesem Forum, wie auch woanders (z.B. im 'echten' Leben, offline), eine diffuse und in alle denkbaren politischen Richtungen/Meinungen abstrahlende Unzufriedenheit mit unserem Gesundheitssystem fest. Hierzu fällt mir kein anderer vernünftiger Grund ein, als die von der bisherigen Gesundheitspolitik immer wieder kommunizierte mangelnde Transparenz (die dann mit der eGK geheilt werden soll). Ja: es mangelt im System der Gesetzlich Versicherten erheblich an Transparenz, und im Gegensatz zu den Verlautbarungen aus dem bisherigen Hause Ulla Schmidt wurde von politischer Seite alles, aber auch alles dafür getan, dass diese Transparenz auch nie stattfindet. Also fange ich mal an.
Die auch hier von einigen Foristen unterstellte Raffgier der Ärzte: ja, sie mag existieren, und noch nichtmal als Ausnahme, und wenn es dafür sogar eine gewisse Begründung gibt - früher wurde auch ohne Raffgier im ambulanten/niedergelassenen Sektor halt wirklich sehr gut verdient, heute NICHT (Zahlen: als vollausgelastete Facharztpraxis erwirtschaften wir bei ärztlich geleisteten 50-60 Wochenstunden mit etwa 35% mehr Patienten als die sog. Vergleichsgruppe der fachgleichen Praxen um die 90 bis 110T€ p.a., brutto, also Umsatz - die Schwankungen sind abhängig von immer wieder neuen unvorhersehbaren Budgetänderungen -, vor allen Kosten und Steuern und alles bei den gesetzlich Versicherten; es waren vor 8 Jahren mit der Hälfte der Patienten mal 470TDM p.a.) - so bleibt ein solches Verhalten dennoch unentschuldbar. Die fleißigen und korrekten Ärzte müssen zusammen mit ihren Patienten leider für so ein Verhalten büßen, siehe nächster Absatz.
Was aber immer wieder klargestellt werden muss: Eine solche Raffgier funktioniert nicht im gesetzlich versicherten System. Dafür sind bereits jetzt die Kontrollmechanismen zu stark, und zwar so stark, dass oft vernünftige Therapien gar nicht mehr möglich sind. Wenn ich jetzt im einzelnen damit anfangen wollte, dies Elend en Detail zu beschreiben, all die sog. Leistungsbegrenzungen, incl. dem mit irrationalen Strafen (Regressforderungen von 60kEuros bis über 1 Mio) bedrohten Verbot, bei bestimmten schweren Erkrankungen wirksame, aber teure Medikamente zu verordnen, brauche ich 20 Seiten. Fakt ist: Doppeluntersuchungen werden honorartechnisch betraft. Punkt. Jede Veranlassung einer kostenintensiven Spezialität (sagen wir CT oder MRT) wird v.d. Kassen gegengecheckt, und, ach ja: der Radiologe bekommt auch nur noch Peanuts, die zur Finanzierung teurer Apparate nicht reichen, weshalb es auch fast keine kleinen Radiol. Praxen mehr gibt, sondern große Praxisgemeinschaften, damit die Geräte rund um die Uhr laufen können. Weil sie's müssen.
Also, verdient wird nur noch mit den Privatpatienten und mit dem Zusatztaler, den man dem GKV-Patienten aus der Tasche zieht, genannt Igel-Leistung (ärztl. Leistung, die NICHT von den Kassen übernommen wird, und die sinnvoll sein KANN, es meist aber nicht ist). Der Privatpatient wird ausgenommen, indem man unter dem Vorwand der besonderen Schwierigkeit einen besonders hohen Hebefaktor wählt.
Auch hier sicher historisch begründbar: die GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) ist in ihrer Gebührenhöhe fast 20 Jahre alt; sie wurde zum 1.1.1996 wirksam, nachdem damals jahrelang darüber gestritten wurde. Die einzelnen Abrechnungspunkte sind bis heute nie der Weiterentwicklung in der Medizin angepasst worden (was ebenfalls die Abrechnungsphantasie einiger Docs beflügelt, im übrigen aber ihre medizinische Leistung nicht schmälert) und halt noch nichtmal inflationsbereinigt worden (vgl. bitte Supermarkt, Restaurant, Kfz.-Werkstatt, IT-Dienstleistung 1996 ./. 2009). Aber auch hier gilt: Egal, wie unangemessen gering die ärztl. Honorierung auch im Privatbereich sein mag, es berechtigt nicht zu einer halblegalen großzügigen Auslegung.
Hier MUSS übrigens zwingend den privaten Versicherern eine Mitschuld zugesprochen werden, denn sie haben viele Jahre lang klaglos überhöhte Abrechnungen gelöhnt. Was mittlerweile übrigens auch vorbei ist: Inzwischen werden auch berechtigte Abrechnungspositionen herausgestrichen, die Bestimmungen der GOÄ ebenfalls halblegal ausgelegt - nach unten. Die Beihilfe-Erstattungsstellen haben's vorgemacht.
Was das mit der eGK zu tun hat? Alles.
Es geht um Geld, viel Geld. Es geht um insgesamt deutlich über 250Mrd.€ jedes Jahr, die die Beitragszahler in die gesetzlichen und privaten Systeme einzahlen, und es geht um Player, die von Schmidt, Lauterbach und Co. an diesen Trog geholt wurden. Bereits jetzt fließen nur noch 10% der GKV-Beiträge in die ärztlichen Honorare der Praxen, welche aber 50% aller in D arbeitenden Ärzte stellen und 95% (!!) aller in D stattfindenden Arzt-Patienten-Kontakte.
Alterpyramide? Humbug! Die tatsächlichen Kosten im Gesundheitssystem sind ja in den letzten Jahren nachweislich gesunken, auch in den Krankenhäusern, und die Kassen schreiben dennoch Verluste. Nachdem dank Fonds die Beiträge um bis zu 30% gestiegen sind (von z.B. 11,1% auf 15,7% ist NICHT 4,6% !!!). Warum? Bürokratie, Kontrolle, Dokumentation, Qualitätsmanagement, Disease-Management, Chroniker-Programme, Krankentagegeld für 1 1/2 Jahre (!!!), eine hohe Anzahl Versicherter, die nie eigene Beiträge zahlen, Gesundheitsfonds (geisteskranker Verwaltungsaufwand bei geisteskranker Idee des Risikostrukturausgleiches, der Heilen straft und Dauerbehandeln belohnt, auch + gerade für die Kassen, aber auch für die Ärzte), Wellnessprogramme auf Kassenkosten ('Gesundheits'kasse), Vorsorgeprogramme, Impfprogramme (bin absoluter Impfbefürworter, aber nicht für H1N1 und nicht für die Virgin-Spritze), etc. pp.
Das alles gibt es übrigens bei den privaten Versicherungen NICHT. Sie sind im Mittel auch deutlich preisgünstiger als die gesetzlichen Kassen. Jetzt mag man als vernünftig denkender Mensch vielleicht kalkulieren: das wäre was für mich! Falsch. Ulla hat's ja verhindert durch mehrere Anhebungen der Beitragsbemessungsgrenze UND den Zwang, diese Höchstsumme (akt.ca.49T€ p.a.) mindestens schon 3 Jahre zu verdienen, bevor man wechseln kann. Tritt für einen bisher Privatversicherten (Sohn, Tochter, Selbständiger) eine theoretische GKV-Pflicht ein (neuer Job als Angestellter), so konnte er bisher weiterhin P-versichert bleiben (solang das Gehalt über der Grenze 49T€ lag), geht jetzt als eine der letzten Amtshandlungen von Ulla auch nicht mehr: erst 3 Jahre Höchstbeiträge in die GKV latzen! Dass dabei seine Altersrückstellung in der PKV verloren geht bzw. zumindest leidet, interessiert nicht.
Nochmal: Was hat das mit der eGK zu tun? Nochmal: Alles.
Von der Politik wird eine fragwürdige Diskussion angestoßen bzw. Fakten geschaffen, die die Probleme in der Gesundheitsversorgung nicht lösen können, und nur bestätigen, was der Treibstoff der Politik ist: Populismus, Wählerstimmen. Und alles, was zur Machterhaltung dazugehört: Verquickung mit industriellen Maxiplayern und Schaffung neuer Spielfelder. Nicht umsonst ist Deutschland das EINZIGE Land (der entwickelten Welt), in welchem Abgeordnetenbestechung nicht strafbar ist. Für die Abgeordneten. Fakt.
Nicht umsonst sitzt der größte "2-Klassen-Medizin"-Schreier Lauterbach im Aufsichtsrat der Rhön-Kliniken, die (wie auch Helios) systematisch städtische und konfessionelle Krankenhäuser aufkauft, um sie für die Dividende ihrer Aktionäre zu Profit-Centern umzubauen, zu Lasten der Kassenpatienten.
Wenn die nur wechseln dürften!!! Nein: lieber wird der Privatpatient als sinngemäß Bonze diskreditiert. Der Kassenpatient ist ne liebe arme Sau, weil der Privatpatient besser behandelt wird, also muss man den Privatpatienten abschaffen. So Lauterbachs verlogenes Reden. Denn dann ginge es auch Rhön, Helios und Co. AG schlechter.
Die Wahrheit ist, dass die gesetzlichen Versorgungssysteme (und die Krankenkassen sind auch nur ein Teil des Problems, allerdings der größte) mit Wohltaten angefüllt sind, die in der bisherigen Weise nicht mehr finanzierbar sind. Also müssen neue Geldquellen her, die aber nur Löcher stopfen können, aber das Problem nicht lösen. Abschaffung der PKV, Steuererhöhungen etc. verzögern den Crash vielleicht ein wenig. Dies weiß ja jeder, der denken kann, aber es sei angesichts der mühevollen neuen Regierungsbildung in Berlin nochmal in Erinnerung gerufen.
Hier mal ne These:
Der mündige Bürger sollte ein mündiger Bürger sein. Er sollte Wahrheiten zugemutet bekommen. Er sollte in möglichst vielen Bereichen frei entscheiden dürfen. Beginnend mit Sprachregelungen für die Politik (einem zu vielfältigen Zwangsabgaben Verpflichteten immer mehr abzunehmen und an einem Posten etwas weniger, ist KEIN 'Geschenk', Thema Steuern z.B.).
Hier nochmal der Begriff Transparenz: Basis einer echten Demokratie.
Im Gesundheitssystem hieße das, dass sich ziemlich sicher bei Vermittlung der Wahrheit (und nicht politischer Polemik), eine Mehrheit ein privates Versicherungssystem wünschen würde, weil es für alle fairer wäre und für viele übrigens auch preisgünstiger.
Was natürlich nie kommen wird.
Aber dann, käme es, hätten wir echte Transparenz und echten Wettbewerb. Ach so, Transparenz: Die Ärzte haben NICHTS dagegen!!!! Fragt welche: die allermeisten befürworten ein P-System für alle! Es gibt nichts transparenteres, weil man ne Rechnung ausstellt, die der Patient in Händen hält und seiner Versicherung einreicht. In einer Informationsgesellschaft dürfte es kein Problem sein, selber die Richtigkeit zu überprüfen, spätestens die Versicherung analysiert eventuelle Abrechnungsfehler, für die der Doc dann geradezustehen hätte (im Gegensatz zu heute): Missbräuche müssten selbstverständlich konsequent geahndet werden. Die Diskussion, die hier erst noch zu führen wäre, ist über eine Honorarreform, die den Arzt endlich wieder gut verdienen ließe und er sich ganz seinen Patienten widmen könnte, vor dem Hintergrund, dass ein fehlender Heilungserfolg ja trotzdem honoriert werden muss, und andererseits eine bessere Behandlung ja eigtl. auch mehr wert ist, aber wie definiert man 'besser'? Dies ist sehr schwierig, aber lösbar.
Verschiedene Behandlungsstrategien könnten auch im Hinblick auf Kosten/Nutzen mit dem Patienten diskutiert werden - zu einer gemeinsamen Entscheidungsfindung.
Also, ein ECHTES Versicherungssystem für alle, was übrigens immer auch ein solidarisches ist, denn der gesunde Beitragszahler finanziert ja den Kranken mit. Allerdings müssten dann bestimmte selbstverschuldete Risiken (Rauchen etc.) in die Prämiengestaltung mit einfließen, was im Sinne einer Solidargemeinschaft doch fair wäre, oder? Alternativ müsste ALLEN ALLES verboten werden.... ach so, hamm wer ja schon, Rauchverbot.
Hier käme dann auch eine individuelle elektronische Datenspeicherung ins Spiel. Warum auch nicht? Ein Versicherter würde sich einen USB-Stick besorgen oder beim Arzt/Versicherung bekommen. Falls er möchte. Weil es für ihn Vorteile hätte. Falls nicht, lässt er es eben.
Eine solche Lösung gibt es übrigens schon, für die ich KEINE Werbung mache, aber die genial ist, weil die Daten auf dem Stick so verschlüsselt sind, dass niemand sie auslesen kann (ok: beim Thema "absolut" spiele ich nicht mit), aber ein Programm implementiert ist, mit dem man sie am PC (Mac, Linux) weltweit lesen kann, wenn der Patient die PIN dazu eingibt. Wenn man sich als Arzt beim Hersteller verifiziert + registriert hat, geht auch Beschreiben. Zu Hause kann der Patient auch seine Daten einsehen (aber nicht verändern).
Auch hier: freier Markt, Wettbewerb, Transparenz, Einfachheit, gute Lösung.
Das alles kann die eGK nicht.
- Sie ist zwar sicher. Sicherer als auch von Arztseite immer wieder falsch vorgetragen wird. Nicht nur, dass jeder einzelne Datensatz einzeln verschlüsselt ist, er ist auch nicht auf EINEM Server, sondern gesplittet auf 5 Server verteilt (Zukunftsmusik: das alles käme erst mit der Online-Implementierung, ab 2010/11 - bis dahin NUR Basisdaten wie bisher auf der eGK plus das sog. e-Rezept).
- Ein Datenmissbrauch innerhalb einer Arztpraxis ist somit NICHT möglich ("Praktikantin kopiert 'aus Versehen' Patientendaten und verkauft sie dann")
- Die hohe Datensicherheit wird aber mit einer völlig praxisuntauglichen Betriebssicherheit erkauft. Was, wenn nur 1 Server incl. seiner Backups ausfällt? Ist sowas völlig undenkbar?
- In den bisherigen Feldversuchen ist ALLES an der PIN und am (Pflicht-) E-Rezept gescheitert. Alle Feldversuche sind von den ursprünglich begeisterten Ärzten entweder vorzeitig abgebrochen oder niederschmetternd beurteilt worden.
- Verhackt sich der Patient, ist die Karte gesperrt, zack. Kann mit einem Telefonanruf bei der Gematik wieder entsperrt werden, aber das dauert. Bei vielen alten oder zittrigen, halt hauptsächlich KRANKEN Patienten ist das NICHT die Ausnahme! (und um den völlig unpassenden Vergleich zur EC-Karte zu widerlegen, 1. entscheidet jeder selbst, ob und wie er sie benutzt, und 2. ist er meistens guter Dinge, wenn er sich Kohle damit orgelt!, und nicht mit Angst, Schmerzen, Gebrechen beim Arzt)
- Verhackt sich der Arzt (denn geplant und in den Tests eingesetzt war ja der elektronische Heilberufeausweis als besonderes Datensicherheitsmerkmal, weil nämlich NUR in der Praxis/KH/Apotheke Zugriff auf die Basis-Kartendaten dank dieser Doppel-Verifizierung Patient UND Arzt möglich ist), ist die Praxis dicht. Das zu resetten, dauerte länger als 1 Tag.
- Eben jener Heilberufeausweis ist zum bisherigen Einführungsstand der eGK im Kassenbezirk Nordrhein daher schon vom Tisch - eines der wichtigsten Datenschutzargumente der Politik und der Gematik damit auch.
- Nebenbei, liebe Mitforisten Assistenzarzt und AndererAssitenzarzt: wenn ihr glaubt, mit Einführung der eGK käme weniger Dokumentationsarbeit auf euch zu, dann muss man euch als naiv bezeichnen. Es wird MEHR (was ja erklärtermaßen Sinn der Übung ist), plus die o.g. PIN-Problematik. Das Dilemma der Schwerstkranken oder Alten ohne Begleitung ist somit auch und gerade mit der eGK nicht lösbar! Aber es hilft, wie immer, wenn die Gesellschaft am individuellen Sozialverhalten festhalten würde und der Einzelne Blinden über die Straße hülfe, statt überall Knicke-knacke-Ticker in die Ampeln zu bauen. Sprich: Das Problem ist nicht eine Karten- oder Stick-Lösung, sondern der Angehörige, der nicht begleitet, obwohl er es sollte (aber doch eher selten, oder?).
- Ein Mitforist hier arbeitet bei einer Kasse, und insidert, die hätte kein Interesse an individuellen Krankheitsverläufen. Da muss ich doch lachen, denn wenn das stimmte, wäre eine solche Kasse betriebswirtschaftlich noch schlechter aufgestellt, als ich schon immer vermutete: Nein, im Gegenteil. Die Kassen werden endlich eine präzisen Überblick über ihre größten Kostentreiber auf Patientenseite verschaffen können, was sie bisher nur konnten, wenn Rezepte oder AUs ausgestellt werden. Das ist auch legitim, aber siehe weiter oben: besser in der Privatwirtschaft aufgehoben (bzw. verleiht den Kassen Merkmale wie den privaten Versicherern: freie Vertragsgestaltung, Beitragsrückerstattung etc., gegen Rechnungsvorlage).
- "Transparenz": Auch wenn Politik und Gematik das immer wieder betonen, die eGK ist im Sinne des Versicherten eben NICHT transparent. Immer wieder zu behaupten, der Patient könne ja dank PIN selbst entscheiden, ob der Doc und was der Doc zu lesen bekommt, ist doch nix anderes als bisher jetzt schon: Man bringt eben die Behandlungsunterlagen / Medikamentenlisten mit, die man zeigen will oder nicht vergessen hat. Hier beißt sich also die Argumentationskatze der Gematik selbst in den Schwanz: Die eGK sei geil, weil der Arzt jetzt Fehler vermeiden kann, da er ja alles vom Pat. sieht (was der Pat. sonst vergessen würde, zu sagen). Aber nur, wenn der Pat. dem Arzt eben genau diese Informationen selektiv freigibt!!
- Genauso verhält es sich mit den sog. Notfalldaten, all dies freiwillige Angaben auf der eGK bzw. online, aber wie schon von anderen hier perfekt argumentiert: die entsprechenden Risikogruppen haben ihre Allergiker-/Tranplantations-/Diabetiker- etc.-Ausweise als lesbare Karten am Mann: schneller im Notfall geht's nunmal nicht!
- Dies alles wie schon weiter oben erwähnt ist aber Zukunftsmusik - im Kassenbezirk Nordrhein sollte ja das "Rollout" stattfinden, und da die Docs so gar nicht mitspielen wollten, sollte ihnen der Ankauf der neuen Lesegeräte finanziell schmackhaft gemacht werden, indem man (durchaus kostendeckende) Pauschalen auslobte, allein, bei Ablauf der Frist 31.7.09 hatten sich erst 25% bestechen lassen, jetzt zum Ablauf der Verlängerung 31.10.09 sind's immerhin schon 43% (sehr peinlich für die betr. Ärzte!), aber eben NICHT die von den Kassen zum 31.7. erwarteten mindestens 85-95%, die zur Einführung der eGK realistischerweise nötig gewesen wären. Die eigene Kassenvertretung der Ärzte, die KVNO, hat diesen "Rollout" gegen mehrere Beschlüsse der Mitgliederversammlungen dennoch durchgepeitscht, und einen maximalen Beschaffungsdruck aufgebaut, bis hin zu der Behauptung, die geförderten onlinefähigen Lesegeräte müssten denn dann in ferner Zukunft, wenn die Onlineanbinding käme, gar nicht online gehen, das sei dann eine freiwillige Entscheidung der Docs.
- Bestandteil der dann onlinefähigen eGK ist aber die Echtzeitverifizierung des Versicherungsverhältnisses, ohne das wird dann keine Behandlung möglich sein. Freiwillig Online heißt dann: freiwillig nicht-Online = Praxis zu.
- Guten Morgen, Ihre Gesundheitskasse! Sie waren heute schon bei 3 Docs! Gute Besserung!
- biometrisches Foto zur Abwendung des Kartenmissbrauchs (der durchaus eine Rolle spielt). Aber, hey: einsenden? Die entsprechenden Gruppen lachen sich doch ins Fäustchen, jetzt wird der Kartenbetrug sogar mit Foto abgesichert!
- eRezept wg. Doktors unzumutbarer Handschrift: Vollkäse. Seit 15 J. werden Rp.s in genormter maschinenlesbarer Schrift ausgedruckt, funktioniert einwandfrei und sekundenschnell, auch beim Apotheker, da braucht keiner eine Mehrfach-Pin-Eingabe!
- Das beste zum Schluss, diese beiden Dinge bitte genau verstehen!!!!
1.) Das interessanteste Gimmik der eGK, welches bei obigem USB-Stick kostenlos ist, nämlich die Einsicht in bisherige Behandlungsaufzeichnungen incl. Röntgenbildern etc., wird EIN SOGENANNTER MEHRWERTDIENST, für den Doc oder Patient oder beide pro Zugriff ZAHLEN müssen. Hier steckt auch der Grund für das Beharren seitens der Gematik auf Onlineanbindung - ohne die Hoffnung auf zukünftige Einkünfte hieraus würde sich das Ganze eh nicht rechnen. Um den äh Zigarrenmann zu zitieren: It's the economy, stupid. Eigentlich ja gute Idee (Economy als solche), aber dann auch mit Wettbewerb und nicht politisch verordnet.
2.) de-facto-Wegfall der ärztlichen Schweigepflicht. Tatsächlich wendet die Gematik einen juristischen Winkelzug an, der bei Einführung der eGK sicher vom BVG zu prüfen gewesen wäre: Nicht der Arzt bringt mehr (unter Verletzung seiner Schweigepflicht) Patientendaten in Verkehr (Verlassen der vertraulichen Daten aus der Praxis in die Gematik-Server), sondern der Patient selbst, und zwar mit dem Akt des Karteneinsteckens und PIN-Eintippens. EINE WAHL HAT ER SOMIT NICHT. Dies bedeutet einen Paradigmenwechsel, der in seiner Tragweite noch gar nicht zu überblicken ist.
So, endlich fertig. Ich glaube nicht, dass die eGK noch verhindert werden kann, kommt sie dann halt später. Meine lange Vorrede hier diente dazu, aufzuzeigen, dass jeder Bürger sich entscheiden muss, wieviel Freiheit er sich noch nehmen lassen will, für die Bequemlichkeit, dass ihm die Politik sagt, wie er sein Leben gestalten soll.
Fortbestand des bisherigen GKV-Systems der Zwangskassenmitgliedschaften bedeutet, dass die eGK kommen wird. Da ich sicher bin, dass ein anderes, privates, besseres Versicherungssystem hier nie kommen wird, sondern, Rösler hin oder her, weiter so gemurkst wird wie bisher, haben wir auch die eGK. Später, aber sie kommt.
Eine sehr lesenswerte Meinung noch, wenn auch mit anderem Fazit
wurscht schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> (...)
> Als ich vor Jahren hörte, dass die selben Verantwortlichen, die damals
> wissentlich und daher wohl absichtlich Fiskus in den Dreck gefahren haben,
> heute die Verantwortung bei der Entwicklung der Gesundheitskarte tragen,
> war mir sofort klar, dass es nie eine Gesundheitskarte geben wird.
> (...)
Ich hoffe ich irre mich und Sie haben recht.
.
Kommentare: 222 | letzter Beitrag 26.05. 23:51
Kommentare: 169 | letzter Beitrag 15:11 Uhr
Kommentare: 94 | letzter Beitrag 26.05. 19:45
Kommentare: 68 | letzter Beitrag 14:48 Uhr
Kommentare: 64 | letzter Beitrag 26.05. 17:51
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