Für schlechte Arbeitsbedingungen o.ä. wäre sowas sinnvoll.
Von Gewerkschaften oder Arbeits-Rechtlern wie Wallraff.
Die Gewerkschaft kann vorher ja beim jeweiligen Parlament fragen, wie man es legal aufsetzen darf um legal zu bleiben wenn man beispielsweise Arbeitsbedingungen oder Gehälter erfassen will oder um zillionen Bewerbungsbedindungen jährlich zu optimieren.
Oder eine wichtige Zeitung willl ja aktuell wohl die Arbeits-Bedingungen bei TV-Sendungen und Reality-Sendungen herausfinden.
Da würden hunderte Teilnehmer sicher gerne Infos rausrücken. Speziell bei Formaten die vor Jahren gedreht wurden oder beendet wurden, sollten Insiderteilnehmerberichte je kein Problem mehr sen.
Von Openleaks und Diaspora hört man auch nur noch wenig.
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Und was hätte man davon, wenn es eine anonyme Aufstellung über Arbeitsbedinungen und Gehälter gäbe (wie es hier über Pastebin realisiert wurde)? Gar nichts, das hilft null.
Es ist doch längst bekannt, dass z. B. im Einzelhandel oder in der Zeitarbeitsbranche prekäre Arbeitsverhältnisse vorherrschen, die aus niedrigster Bezahlung, unbezahlten Überstunden und absolut flexiblen Arbeitszeiten ohne Planungssicherheit bestehen (im Einzelhandel meist auch nur Minijobs). Hinzu kommt oft eine schikanöse Mitarbeiterbehandlung und -überwachung. Wobei das bei einer derart schlechten Bezahlung kein Wunder ist, dass man Angst vor schwarzen Schafen unter den Mitarbeitern haben muss.
Aber interessiert das noch jemanden? Nein. Selbst wenn eine Zeitung oder ein Fernsehmagazin mal wieder ein besonders schlimmes Beispiel von Ausbeutung ans Tageslicht zieht, ruft das nur noch ein müdes Gähnen hervor. Ein großes Echo findet das nicht. Und auch die Verbraucher stören sich nicht daran und kaufen weiterhin ganz normal bei diesen Firmen ein - sie sind ja auch so schön billig.
Wallraff oder die Gewerkschaften sollen das nun richten? Nunja, Wallraff ist kein Arbeitsrechtler, wie du schreibst, sondern Journalist. Und so löblich oft seine Themenwahl ist - er lebt davon, dass er Artikel schreibt und dass ihm eine Zeitung die Artikel abkauft. Nicht mehr und nicht weniger. Die Vorstellung, dass er nun den Kampf der Arbeiterklasse anführt, ist völlig abwegig. Er kann als Journalist das Augenmerk auf ein Thema lenken - aber das war es. Und wie wir schon gesehen haben, interessieren diese Themen einfach niemanden mehr.
Und die Gewerkschaften? Die sind im letzten Jahrhundert stehen geblieben. Man kann es ihnen auch nicht verübeln. Sie kämpfen für ihre Mitglieder. Das sind aber meist die, die noch Arbeitsverhältnisse aus "der guten alten Zeit" haben. Gerade bei den neuen prekären Arbeitsverhältnissen bekommen sie keinen Fuß in die Tür. Zum einen müssen die Leute dort jeden Euro zweimal umdrehen - da würde selbst der Gewerkschaftsbeitrag weh tun - zum anderen ist man mit "Gewerkschaft" und "Betriebsrat" schneller vor der Tür als man denkt (auch schmutzige Tricks und Mobbing sind durchaus üblich, um die Gewerkschaftsmitgliedschaften unattraktiv zu machen). Hinzu kommt das Problem, dass der Gewerkschaft auch die Hebel fehlen, um dort etwas zu ändern. Streiken? Macht man einmal, dann braucht man nicht mehr wieder kommen - hat der Arbeitgeber sofort einen neuen Mitarbeiter als Ersatz prekär angestellt. Nebenbei können sich die Beschäftigten einen Streik auch nicht wirklich leisten, weil die Streikkasse der Gewerkschaft nur einen Teil des Lohnausfalls zahlt. Da überlegt man sich dreimal, ob man streikt.
Geradezu aberwitzig aber der Vorschlag, das Parlament nach einer "legalen Lösung" zu fragen. Welches Parlament denn? Meinst du etwa das Parlament, welches seit 2002 fraktionsübergreifend den Gesetzen zur "Reformierung des Arbeitsmarktes" zugestimmt hat, welche die Ausweitung der Zeitarbeit, die Aufsplittung regulärer Arbeitsverhältnisse in mehrere Minijobs, die einfache Befristung von Arbeitsverhältnissen, die Zumutbarkeitsregelungen von ALG-I-und-II-Empfängern usw. verabschiedet hat? Kurz: Das Parlament, welches die breite Einführung prekärer Arbeitsverhältnisse erst ermöglichte. Dieses Parlament wird sicher sehr daran interessiert sein, dass die Auswirkungen seiner Beschlüsse im vollen Umfang bekannt werden. Oh, Moment...
Sorry, aber gerade die Politik ist froh, dass die prekäre Beschäftigung boomt. Die Arbeitslosenstatistik sieht toll aus und es gibt viel weniger Leute, die aus Langeweile oder Unterforderung über die politischen Zustände nachdenken können. Wer gerade so über die Runden kommt und sich halb kaputt arbeitet dabei, dem bleibt in der verbleibenden Zeit nur noch Abschalten mit Alkohol und Verblödungsfernsehen, um nicht am eigenen Elend zu zerbrechen. Und auch wer in der Arbeitswelt noch nicht ganz unten ist, der wird im Angesicht dieser Gosse doch gleich viel gefügiger. Endlich wieder richtige Abstiegsängste bei "normal" Beschäftigten. Wer traut sich da z. B. noch mehr Lohn zu fordern? Da passt, dass das DIW erst gerade wieder bestätigt, dass die Reallöhne im letzten Jahrzehnt teilweise sogar extrem gesunken sind - trotz Wirtschaftsboom.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 19.07.11 22:20 durch Mingfu.
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Das ist kein vollständiger Plan sondern nur Ansätze von Ideen.
Die Presse Interessiert es recht wenig wie Du schon korrekt bemerkst. Doch wer sind die Opfer ? Die Bewerber. Und die sind extrascharf auf solche Infos.
Gleiches für "ich habe FOO in BAR studiert und bin jetzt Taxifahrer". Davon eine Statistik und viele überflüssige Studiengänge können aufgeben und die Taxifahrer können ihren auf Steuerkosten erlernten Beruf fair bezahlt ausüben.
Wallraff schreibt auch Bücher und dreht Filme. Er ist kein Lohnlakai und würde auf irgendetwas (Crowdsourcing per Internet ist gemeint) durchaus anspringen, was man oft auch schnell realisiert bekäme. Michael Moore hat Sklaventum auch nicht mehr nötig.
Gewerkschaften sollten die Löhne ihrer Mitglieder steigern wollen. Das macht man nicht durch Überfüllung der Branche mit ausgebildeten Berufsanfängern die als Taxifahrer arbeiten oder sich gegenseitig im Lohn unterbieten.
Du hast prinzipiell Recht. Aber es ist profi-mäßiger, Wege zu suchen als zu resignieren oder (wie Kiddies gerne machen) mit Gewalt und Steinen und Ersetzung einer Regierung durch eine neue die überwiegend auch nicht besser oder schlauer ist zu bewirken.
Für wahre Verbesserung braucht es keine Revolution. Kleine Dinge würden auch wirken.
Siehe die beiden Plagiatoren-Sites. 4 Dr.Titel sind schon gefallen. Man müsste Leute melden können, die ihren Titel nicht mehr tragen.
Arbeitsbedingungen waren nur ein Beispiel.
Gestern bei ZDF die Mehltransporter sind was sehr klares was jeder Mehltransporter-(Zeitabeits-Aushilfs)-Fahrer melden könnte.
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Du hast recht, wenn du sagst, dass das die Bewerber interessieren würde. Es gibt nur ein Problem: Sie haben gar keine Wahl. Wer sich bei derartigen Arbeitgebern bewirbt, der macht das meist aus einer mehr oder weniger Notlage heraus oder wird von der Arbeitsagentur dazu verpflichtet. Spätestens schon beim Vorstellungsgespräch ist klar, wie der Hase in der Firma läuft, weil diese Firmen sich gar keine Mühe geben ihre Arbeitsbedingungen großartig zu verschleiern. Müssen sie auch gar nicht.
Wer z. B. lange genug ALG I oder schon II bezieht, für den ist praktisch jeder Job zumutbar. Er darf gar nicht ablehnen. Er darf beim Vorstellungsgespräch auch keinen Anlass geben aus dem heraus der Arbeitgeber ihn dann ablehnt - also auch kein Ablehnen des Jobs hinten herum durch "blöde Fragen" o. ä. Beides führt spätestens im Wiederholungsfall zu einer Sperre beim ALG (die Agentur fragt genau deshalb beim Arbeitgeber nach, warum er einen Bewerber nicht genommen hat). Du kannst dir also überlegen, was dir das Wissen um die Arbeitsbedingungen nützt, wenn du ohnehin zum Ja-Sagen unter allen Bedingungen verpflichtet bist. Und die Firmen wissen um diese nicht vorhandene Verhandlungsposition deinerseits - die einzige noch vorhandene Grenze ist die Sittenwidrigkeit und das war es. Es geht nur noch darum, so knapp wie möglich über dieser Minimalgrenze zu bleiben, da man ansonsten teuer auf Tariflohnniveau nachzahlen muss, was man ansonsten bis kurz über die Sittenwidrigkeit unterschreiten könnte.
Was die Mehltransporter angeht (ich habe es nicht gesehen, nur jetzt kurz gegoogelt - ich würde das jetzt spontan auch gar nicht ganz so kritisch sehen, weil vermutlich die Konzentration des Schimmels bezogen auf die transportierten Mengen dann doch wieder sehr gering ist, so dass das vielleicht eklig, aber nicht wirklich schädlich ist): Wem soll er es denn melden? Den Behörden? Wenn die sich denn dafür interessieren, wie lange wird derjenige wohl noch seinen Job haben? Vermutlich nicht sehr lange (selbst wenn man ihn formal nicht deswegen entlassen dürfte, so lässt sich das durch gezielte Überforderung in Zusammenhang mit ein paar Abmahnungen schnell erledigen). Und welcher Arbeitgeber mag wohl solche Missstandsaufklärer danach einstellen? Leute mit Rückgrad sind leider ganz und gar nicht gesucht. Da ist es verständlich, dass man lieber die Klappe hält anstatt absehbar in Hartz IV zu rutschen - oftmals existiert ja auch noch eine Familie, bei der man das vor allem auch den Kindern nicht zumuten will.
Schön, dass dir die Aufdeckung des Betrugs mit den Doktortiteln gefällt. Ich würde allerdings eher sagen, dass es sich um Opium fürs Volk handelt. Das mit einer "wahren Verbesserung" in Zusammenhang zu bringen, finde ich abwegig. Viel mehr als Häme über "die da oben" kann man daraus leider nicht ziehen. Was ändert das denn konkret an wirklichen Problemen? Gar nichts. Das lenkt höchtens ab - und das auch noch äußerst billig. Was sind denn die konkreten Ergebnisse? Bis auf Guttenberg praktisch ohne ernste Konsequenzen bisher - das wird jetzt einfach ausgesessen, die treten nichteinmal mehr aus Scham oder Anstand zurück. Das soll jetzt nicht die Arbeit der Plagiatsprüfer schlecht reden - die machen wirklich eine gute und wichtige Arbeit mit viel Ausdauer und Akribie. Aber man darf das nicht überbewerten oder sich irgendwelchen Illusionen hingeben, dass das doch ein tolles Modell zum Retten der Welt wäre.
Natürlich hast du recht, wenn du sagst, dass Gewalt und Steine auch keine Lösung sind und auch nur Unfug hervorbringen (wobei in den meisten Fällen ja auch gar keine Änderung eintritt). Im Moment hilft nur warten, dass der Kapitalismus an sich selbst scheitert - nur dann kann er beerdigt werden. Lange dauert es nicht mehr: Einige Leute haben dessen Spielregeln inzwischen perfekt verinnerlicht und gehen virtuos damit um. Dagegen kommen nun selbst die Staaten mit ihren Regelungsversuchen nicht mehr an und damit ist das Spiel zu Ende, weil der Gewinner feststeht. Wir brauchen ein neues Spiel!
1 mal bearbeitet, zuletzt am 20.07.11 01:56 durch Mingfu.
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Thread-Anzeige schrieb:
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> Oder eine wichtige Zeitung willl ja aktuell wohl die Arbeits-Bedingungen
> bei TV-Sendungen und Reality-Sendungen herausfinden.
> Da würden hunderte Teilnehmer sicher gerne Infos rausrücken. Speziell bei
> Formaten die vor Jahren gedreht wurden oder beendet wurden, sollten
> Insiderteilnehmerberichte je kein Problem mehr sen.
Auja! Ich habe mich immer schon gefragt was man an Entschädigung (monetärer Art) bekommen muss um sich im Nachmittags-Verblödungsfernsehen als Depp hinstellen zu lassen.^^
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Meine Erziehung mag nicht vollständig sein. Dennoch betrachte ich sie als abgeschlossen.
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