Das Video "IBM Watson - Wie geht es nach Jeopardy weiter" ist wirklich haarsträubend. Nicht nur wird da viel Bullshit erzählt, sondern auch eine besorgniserregende Richtung aufgezeigt.
Mehrmals wird wiederholt, die Mehrzahl aller Daten heute bestünde aus natürlichsprachlichem Text. Das ist natürlich Unfug. Die Detektoren im CERN erzeugen in Millisenkunden mehr Daten als die Bibliothek von Alexandria enthält.
Und die gezeigten IBM-Leute weisen alle auf Aufgabenstellungen aus der Finanzwelt hin. Es wird sogar angedeutet, dass Watson die Immobilienkrise hätte verhindern können. Das Gegenteil ist richtig. Je schneller automatische Entscheidungen getroffen werden, denen die Investoren vertrauen, desto dramatischer eskalieren Entwicklungen auf den Finanzmärkten.
Natürlich ist Watson eine tolle Sache und natürlich könnte es gewaltigen Nutzen bringen. Aber offenbar ist das System so teuer, dass IBM es zunächst an Börsen-Zocker vermarkten will, die es als Orakel für Geschäfte nutzen wollen.
Das mit den Finanzen ist nur der erste Teil. Der erscheint auch für mich sehr unwahrscheinlich, denn hinter den Texten und Informationen stecken Menschen, die der Computer einfach mal nicht kontrollieren kann. Dementsprechend wird es auch nicht möglich sein vorherzusagen, was richtig ist für die Wirtschaft. Die Frage ist ja auch, wessen Wissen verwertet wird und wie hoch dieses freigegebene Wissen letztendlich gewertet werden kann. Dazu gibt es immer eine Kehrseite der Medaille, was die vorgeschlagenen Ideen und Aktionen angeht. Ob diese dann auch von Watson analysiert werden können, wage ich zu bezweifeln.
Im zweiten Teil des Videos gibt es aber eine Nützlichkeit, die ich persönlich für gut heiße. Der Arzt gibt Symptome, Krankheitsbilder und ähnliches Material in eine Datenbank und erhält Behandlungsmöglichkeiten. Aber da stellt sich mir wiederum die Frage, wie verlässlich die zusammengetragenen Informationen von Watson sind und ob Watson auch Wahrheit und Lüge voneinander unterscheiden kann. Denn nur weil viele Quellen die gleichen Informationen liefern, heißt das noch lange nicht, dass diese alle wahr sein müssen, womit ich meinen Kreis schließe: Hinter den Texten stecken Menschen.
> Das mit den Finanzen ist nur der erste Teil. Der erscheint auch für mich
> sehr unwahrscheinlich, denn hinter den Texten und Informationen stecken
> Menschen, die der Computer einfach mal nicht kontrollieren kann.
Richtig. Dann gibt es statt Google-Bombing dann Watson-Bombing, statt der Hommingberger Gepardenforelle fingierte Aktienkurse. Man kann sich leicht vorstellen, was ein in Sekundenbruchteilen entscheidendes automatisches System mit den Meldungen über Steve Jobs Gesundheit anstellen würde.
Und natürlich ist das nicht unwahrscheinlich. In diesen Kreisen bedeuten Verbesserungen um 0.1% immer noch viele Millionen, also ist jede tatsächliche oder vermeintliche Verbesserung sehr willkommen. Scharlatanerie fällt hier auf nahrhaften Boden und in völliger Abwesenheit von Verantwortungsbewusstsein sind die Broker sehr experimentierfreudig.
> Im zweiten Teil des Videos gibt es aber eine Nützlichkeit, die ich
> persönlich für gut heiße. Der Arzt gibt Symptome, Krankheitsbilder und
> ähnliches Material in eine Datenbank und erhält Behandlungsmöglichkeiten.
Das findest Du gut? Wann immer Computer Menschen unterstützt haben ("Assistenzsysteme"), hat es nur sehr kurze Zeit gedauert, bis sich diese Menschen vollständig und blind auf diese Systeme verlassen haben. Bei einfachen Fragen mit wenigen Parametern ("Welches Rad muss gebremst werden, um das Auto zu stabilisieren?") geht das ganz gut, bei komplizierten ("Wie groß ist die Auswirkung von CO2-Ausstoß auf den Klimawandel?") klappt das weniger gut.
> Denn nur weil viele Quellen die gleichen Informationen liefern, heißt
> das noch lange nicht, dass diese alle wahr sein müssen.
Auch das kann man bei der Klimadiskussion gut sehen. In den Medien sind sog. Klimaskeptiker weit mehr vertreten als unter den Klimatologen oder in anerkannten Studien. Das kommt u.a. von der Doktrin der Medien, immer auch die Gegenseite darzustellen, auch wenn sie dafür einen durchgeknallten Proffessor am Ende der Welt ausgraben müssen. Und natürlich gibt es dicke Lobbys, die Medien und Publikationen massiv beeinflussen. Man kann sich daher absolut sicher sein, dass diese Lobbys auch systematisch Watson-Bombing betreiben würden.
> Mehrmals wird wiederholt, die Mehrzahl aller Daten heute bestünde aus natürlichsprachlichem Text. Das ist natürlich Unfug.
Er spricht von Internetseiten.
> Natürlich ist Watson eine tolle Sache und natürlich könnte es gewaltigen Nutzen bringen. Aber offenbar ist das System so teuer
Da geb ich dir recht.
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Die ganz grossen Wahrheiten sind EINFACH!
Wirkung und Gegenwirkung.
Variation und Selektion.
Wie im grossen, so im kleinen.
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