Also wenn alles gleich eine Sucht ist, was ich mehr als eine Stunde pro Tag tue, dann bin ich neben internetsüchtig (gut, auf eine Stunde Computerspielen täglich komme ich leider nicht) auch noch schlafsüchtig, arbeitssüchtig, familiensüchtig, bewegungssüchtig, ein- und ausatmungssüchtig, esssüchtig, lesesüchtig und wohl noch einiges mehr.
Apropos "Lesesucht": Es soll auch schon zu Prä-Internet-Zeiten Menschen gegeben haben, die ihr menschliches Umfeld etwa zugunsten des Lesens von Büchern oder des Bastelns oder eigenen Forschungen im stillen Kämmerlein vernachlässigt haben. Darunter sind viele noch heute bekannte Wissenschaftler, die die Menschheit wirklich weitergebracht haben. Waren die alle "süchtig" und somit krank, weil sie ihr soziales Umfeld und oft sogar ihren Haushalt und sich selbst zugunsten ihrer Forschungen vernachlässigt haben?
Oder fragen wir mal andersherum:
Ist ein Familienvater, der 40 Stunden die Woche schuftet damit Frau und Kinder was zu Futtern, einen Platz zum Schlafen und eine halbwegs sichere Zukunft haben und der sich in seiner Freizeit dann auch noch mit seiner Familie, Freunden und Verwandten herumschlagen muss, so dass er garkeine Zeit mehr für sich hat, und irgendwann Midlife-Crisis und Erschöpfungssymptome entwickelt nicht vielleicht das weit kränkere Lebensmodell? Wer definiert, was "normal" und was Suchtverhalten ist?
Selbst ein schwer Drogenkranker kann aus seiner Sucht entfliehen. Ein normaler Familienvater kann sich maximal eine Kugel in den Kopf jagen um seinem selbstgewählten Elend zu entfliehen, wenn ihm sein Leben nicht mehr gefällt. Da stellt sich für mich dann die Frage, ob Leute, denen familiäre und sonstige soziale Bindungen "völlig am A..... vorbeigehen" und die ihre Freizeit mit Internetrecherchen (und nicht nur mit blödem Chatten, wie die "Soziale-Bindungen"-Fraktion) verbringen, nicht mehr lernen und mehr aus ihren Fähigkeiten machen als ein Familienvater mit seinem in Stahl gegossenen Leben. Sie haben auf jeden Fall die Chance ihr Leben von heute auf morgen zu ändern.
Wer definiert, dass es im Leben auf soziale Bindungen ankommt und wieso gelten Verliebte, die am liebsten 24 Stunden am Tage aufeinanderhocken würden als gesund, jemand der ein paar Stunden am Tag am Internet verbringt aber als potenziell suchtgefährdet?
Sorry, aber aus psychologischer Sicht würde ich eher die meisten verliebten Paare als süchtig (wenn nicht sogar als geisteskrank) bezeichnen als jemanden, der ein paar Stunden am Tag am Internet verbringt und dafür auf einen grossen Freundeskreis mit den daraus erwachsenen, zeitintensiven Verpflichtungen verzichtet.
Ich selber wollte nie eine Familie und habe auch nur deshalb eine, weil meine seit weit mehr als 10 Jahren bei mir lebende Freundin mich eben auch mal in Ruhe lassen und sich selbst beschäftigen kann, wenn ich gerade an etwas tüftel oder eben auch nur mal einen Tag mit Internet-Recherchen zu einem meiner Hobbys/privaten Projekte verbringe.
Es gibt Leute, die sind von Natur aus gerne alleine mit sich. Im Gegensatz zu meinen Geschwistern haben bei mir schon von Kindesbeinen an Erziehungsmethoden, die auf Entzug von Aufmerksamkeit, Anerkennung oder Anwesenheit der Eltern beruhen nie gewirkt. Wo andere Kinder heulend gegen ihren Willen den Spielplatz verlassen, weil ihre Eltern ihnen bedeutet haben "Wenn Du jetzt nicht kommst, gehen wir ohne Dich!" hatten meine Eltern bei mir nie eine Chance.
Ich habe dann als Jugendlicher alleine Bergwanderungen und Free-Solo-Sportklettertouren unternommen und bin alleine mit dem Windsurfbrett nach Kompass über Stunden zu Inseln gesurft und mache das auch heute noch. Ich bin schon beim Klettern abgestürzt, habe mir einige Knochen gebrochen und mich damit teilweise selber abseilen und zur nächsten Klinik schaffen müssen, habe Platzwunden selber zusammengenäht und verbunden und habe mich schon einmal bei einem Sturm zwischen 6 Meter hohen Wellen ziemlich unterkühlt nach einem Materialbruch mit einem notdürftig zusammengeflicktem Surfbrett einige Kilometer bis zur Küste geschleppt.
Angst davor verlassen zu werden oder mich irgendwo ganz alleine zurechtfinden zu müssen kenne ich trotzdem nur aus Beobachtungen anderer Personen. Ich selber habe etwas Vergleichbares nie erlebt. Nach meinen Beobachtungen müssen einige Leute ja wirklich Panik davor haben irgendwann ohne Partner und ohne Freunde dazustehen und mit sich selber klarkommen zu müssen. Muss schlimm sein so auf die Aufmerksamkeit anderer Personen angewiesen zu sein.
Wenn ich dann von Frauen lese, die von ihrem Partner über Jahre immer mal wieder verprügelt werden und trotzdem bei dem A....loch bleiben oder von Beziehungsdramen, wo der eine Partner den anderen aus Eifersucht umbringt, dann fällt mir da nichts mehr zu ein.
Wenn meine Freundin nach der ganzen Zeit mit ihr morgen ankäme und mir eröffnen würde sie hätte einen neuen Mann kennengelernt und wolle mit dem zusammenleben, wäre das völlig O.K. für mich. Das passiert alle Tage auf der Welt. Kein Grund sauer zu sein oder auszurasten. Das wäre vielleicht nicht unbedingt optimal für unsere kleine Tochter, aber wenn meine Freundin einen solchen Schritt geht, dann wird sie das schon bedacht haben. Sie ist eine kluge Frau und plant ihr Leben selbst.
Ich finde man muss es jedem selbst überlassen, ob er nun Freundschaft und Anerkennung anderer Menschen braucht oder seine Zeit halt lieber mit anderen und vielleicht sogar ihn persönlich weiterbringenden Dingen verbringen möchte. Ich kenne Familienväter, die sich Frau, Haus und Kind (in dieser Reihenfolge ;-) ) zugelegt haben und seit ihrer Ausbildung über Jahre nur noch Geld verdient und nahezu nichts mehr dazugelernt haben in einer Zeitspanne, in der ich mir eine Hand voll neue Sportarten antrainiert und auch was meine geistgen Fähigkeiten, Erfahrungen und Kenntnisse angeht einen Quantensprung hingelegt habe. Wer so leben möchte, der soll das eben tun. Aber von meiner Warte aus betrachtet ist so ein Leben auch nicht weniger krank als das einer Person, die 15 Stunden am Tag im Internet surft.
Das Problem bei solchen Beurteilungen ist halt immer die Definition von "Normalität" und dann die Grenze zu finden an der etwas pathologisch wird. Da weit weniger Leute an ihrem übersteigerten Internetkonsum verrecken als Drogensüchtige an ihrer Droge (laut WHO sterben von den jährlichen Toten auf der Welt 25% alleine an den Folgen ihres Alkoholkonsums) und die Mortalitätsrate des als gesund betitelten übergewichtigen Fernseh-, Bier- und Chipsliebhabers mindestens ebenso hoch liegt, wie die von ebenfalls übergewichtigen Vielsurfern, sollte man mit der Definition von Normalität vorsichtig sein.
Nur weil ein 55-jähriger Politiker oder ein möglicherweise ebenso alter Leiter einer Suchtstudie sich nicht vorstellen können so lange am Internet zu sitzen, da er schon beim Beantworten seiner eMails die Krise kriegt, weil ihm eigentlich die Zeit fehlt sich mit dem Computer zu beschäftigen, heisst das noch lange nicht, das jeder als suchtgefährdet einzustufen ist, der da mehr Ausdauer an den Tag legt.
Spätestens wenn ein Vielsurfer oder Gamer keine Zeit mehr zum Essen oder für den Toilettengang hat ist allerdings meiner Ansicht nach die Frage nach der Sucht definitiv geklärt. ;-)
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Nicht schlecht, der Ansatz...
TV-Konsum war doch in den 50ern auch mal so ein Sucht-Thema.
Die Frage ist immer noch die Akzeptanz in der Gesellschaft - und die ändert sich eben auch mal.
Was ist mit der Sucht nach "Wachstum" (dem Allheilmittel der Wirtschaft), "Konsum", "Schönheit" (bzw. Jugend), "neuester Technik" etc.?
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Ein sicheres Anzeichen für Internetsucht ist es jedenfalls, bei Golem einen 7000-Zeichen-Kommentar zu verfassen. ;-)
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...oder die Zeichen zu zählen ;-)
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glaba schrieb:
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> TV-Konsum war doch in den 50ern auch mal so ein Sucht-Thema.
Ja, und das würde ich auch tatsächlich als Sucht bezeichnen, eine der schlimmsten sogar.
Ich kenne Leute, die nur noch arbeiten und Fernsehen... echt traurig.
Bei der Definition der Normalität bin ich auch der Meinung, dass diese aktuell unhaltbar ist. Ich kenne Beispielsweise einige Leute mit ADS und diese sind tatsächlich äusserst intelligent und kreativ. Trotzdem werden diese von der Gesellschaft als "krank" angesehen. Warum?
Wenn jemand schwächen in einem Bereich hat, und dafür stärken in einem anderen, ist das dann krank? hoffentlich nicht.
Ich persönlich würde Sucht folgendermassen definieren. "massloses Verhalten, welches der Person selbst oder dritten schadet", und unter "schaden" meine ich einen körperlichen oder mentalen schaden für die Zukunft.
- Gamesucht kann also nur insofern eine Sucht sein, wenn das Spiel verblödend wirkt.
- Fernesehsucht ebenso
- Drogensucht bewirkt natürlich eine Schädigung des eigenen Körpers und teilweise von dritten.
- Internetsucht wirkt nicht direkt negativ auf den Körper, kann also nur eine Sucht sein, wenn es eine verblödende Wirkung hat.
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OdinX schrieb:
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> - Gamesucht kann also nur insofern eine Sucht sein, wenn das Spiel
> verblödend wirkt.
Verblödend ist sicherlich kein gutes Kriterium, wenn man täglich eine Stunde so ein stupides Casualgame zockt, ist man sicherlich noch nicht süchtig ;-). Gedanken sollte man sich machen, wenn man *permanent*:
- Schule, Studium oder Beruf zugunsten eines Spieles vernachlässigt
- Sich aus seinem sozialen Umfeld zunehmend zurück zieht ( Ich habe zwar auch einige online Freundschaften aber es ersetzt imho die realen nicht)
- Seinen Körper vernachlässigt z.B. zu wenig Schlaf, mangelnde Hygiene oder sonstige Mangelerscheinungen.
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+1 mehr gibts da nicht zu sagen
ok der Fortpflanzungs und Überlebenstrieb sollte in den Genen verankert sein ^^
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NeverDefeated schrieb:
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tl;dr
> Selbst ein schwer Drogenkranker kann aus seiner Sucht entfliehen. Ein
> normaler Familienvater kann sich maximal eine Kugel in den Kopf jagen um
> seinem selbstgewählten Elend zu entfliehen, wenn ihm sein Leben nicht mehr
> gefällt.
Ja, "maximal". Minimal kann er Burnout als Krankheitssymptom gelten lassen, er kann sich einen anderen Job suchen, Arbeitslosengeld beantragen etc.
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Oder copy & paste in ein Textverarbeitungsprogramm, welches die Zeichen automatisch zählt, dann das Ergebnis hier zu veröffentlichen. How nerdy :O
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Oder mittels Konsole und wc.
PS: Ich muss gestehen, wer soviel Text schreibt, braucht nicht damit zu rechnen, dass ich den mir noch freiwillig durchlese.
--
http://www.heise.de/open/meldung/Linux-auf-dem-Desktop-Europa-fuehrt-1243708.html
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Immer-mehr-Linux-auf-dem-Desktop-1404775.html
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+1, gefällt mir
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glaba schrieb:
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> Nicht schlecht, der Ansatz...
>
> TV-Konsum war doch in den 50ern auch mal so ein Sucht-Thema.
In der Tat. Ich denke das solche Sucht-Diskussionen immer aufkommen, wenn die schon in meinem ersten Kommentar von mir erwähnten Personen, die Partnerschaften und Freundschaften als zentrales Lebensziel ansehen, plötzlich einen grösseren Teil der Aufmerksamkeit einer oder mehrerer ihrer Bezugspersonen verlieren, weil beispielweise im Extremfall der Partner sich plötzlich scheinbar mehr für den Fernseher/Computer/ein Hobby etc. interessiert als für sie.
Zudem tritt gerade wenn es um neue Technik geht natürlich auch der Generationen-Konflikt zutage: Die ältere Generation, die den Grossteil ihres Lebens ohne die neue Technik gelebt hat und sich nun von der jüngeren Generation vormachen lassen muss wie man damit umgeht, hat das Gefühl alt zu sein und nicht mehr gebraucht zu werden und die junge Generation, die eigene Betätigungsfelder entdeckt auf denen sich Eltern und Grosseltern nicht mehr auskennen, wird dadurch selbstbewusster und lässt sich von den "Alten" nichts mehr sagen.
Im Grunde genommen ist das ebenfalls eine Verschiebung von Aufmerksamkeit, die hier zu Problemen führt: Wo vorher die älteren Generationen den Kurs vorgaben und im Mittelpunkt standen, grenzen sich nun die jungen Leute mit ihren "neumodischen" Interessen von ihnen ab und widmen ihnen nicht mehr die gewohnte Aufmerksamkeit. So ein Verhalten erscheint der älteren Generation als nicht normal und krankhaft und der Schuldige ist dann die "neumodische" Technik mit der die Jungen nun ihre Zeit verbringen. Diese wird dann verteufelt und ihr "Suchtpotenzial" unterstellt um die eigenen Minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren.
Die Beziehungen zu meinen früheren Freundinnen habe ich z.B. ausnahmslos deshalb beendet, weil die nicht nur auf andere Frauen im Freundeskreis bzw. im Umfeld meiner Hobbys, sondern selbst auf die Zeit die ich mit meinen sportlichen Hobbys alleine oder mit männlichen Kameraden verbrachte eifersüchtig waren und ständig versucht haben meine Freizeitaktivitäten durch Nörgeln und Liebes- bzw. Sexentzug einzuschränken. Bei Männern, die auf Sex stehen und die Aufmerksamkeit/Liebe ihrer Freundin brauchen funktioniert sowas (das konnte ich schon bei vielen Freunden beobachten, die durch eine Frau zum "Couchpotatoe" wurden). Bei mir steht eine Frau mit sowas auf verlorenem Posten, da mir jedes meiner Hobbys mehr Spass macht als Sex.
Meine derzeitige Partnerin ist da offenbar die Ausnahme von der Regel. Ich habe sie allerdings, obwohl sie schon kurz nach unserem Kennenlernen mal versucht hat mit mir zu Flirten, auch fast ein Jahr nur als Windsurfkumpel behandelt bis ich mir relativ sicher war, dass sie anders als meine früheren Freundinnen war und ich sie nicht nach kurzer Zeit wieder in die Wüste schicken muss, weil sie nur noch über meine Aktivitäten nörgelt.
> Die Frage ist immer noch die Akzeptanz in der Gesellschaft - und die ändert
> sich eben auch mal.
Allerdings. Ich denke in spätestens 20 Jahren ist das Thema "Internetsucht" auch durch, weil dann die Leute in der Politik und der Gesellschaft das Sagen haben, die mehr oder weniger mit dem Internet aufgewachsen sind.
> Was ist mit der Sucht nach "Wachstum" (dem Allheilmittel der Wirtschaft),
> "Konsum", "Schönheit" (bzw. Jugend), "neuester Technik" etc.?
Die Sucht nach Wachstum kam und kommt mir als privatem Börsenhändler immer sehr gelegen. ;-)
Aber ganz im Ernst: Wachstum, Konsum, Schönheit und selbst neueste Technik zu besitzen sind im Grunde genommen keine eigenständigen Süchte, sondern logische Folgen der Sucht der meisten Menschen nach Aufmerksamkeit, Anerkennung, Lob und Beachtung und das ist, meiner Meinung nach, die dominierende Sucht in unserer Gesellschaft überhaupt (Schon paradox, dass sowohl Drogensüchtige als auch Internetsüchtige genau von dieser Sucht befreit zu sein scheinen und sich gerade deshalb alle Anerkennungssüchtigen über sie aufregen. ;-) ). Aufgrund dieser Sucht nach Anerkennung zur Stärkung des eigenen Egos ist es für die meisten Menschen so wichtig viele Freunde zu haben und Eindruck beim anderen Geschlecht zu hinterlassen.
Jedes Kind lernt schon früh worauf es seinen Eltern im Leben ankommt und übernimmt deren Einstellung für gewöhnlich oder es geht im Sinne einer Trotzreaktion in genau die entgegengesetzte Richtung.
Das Prinzip der Erregung von Aufmerksamkeit bei anderen Menschen und die Unterordnung des eigenen Verhaltens und sogar des eigenen Aussehens unter dieses Prinzip haben die meisten Menschen (auch die Trotzköpfe) trotzdem derart verinnerlicht, dass sie mit Leuten absolut nicht klarkommen, die diesem Prinzip in keinster Weise folgen.
Einige meiner Bekannten haben bis heute Probleme mit meiner Sicht der Dinge klarzukommen, weil sie einfach nicht kapieren, dass nichts was ich tue dazu dient die Aufmerksamkeit anderer Leute zu erregen, sie selbst aber eine Menge Zeit und Energie darauf verschwenden durch Befolgen gesellschaftlich anerkannter Lebensziele (Familie, Job, das Kaufen anerkannte Statussymbole) entsprechende Aufmerksamkeit für die eigene Person zu erregen.
Ich habe Szenen erlebt, wo Bekannte vom Sport das erste Mal zu mir nach Hause eingeladen waren, auf meinen grösstenteils in Eigenregie umgebauten ehemaligen Bauernhof gefahren kamen und mich völlig ernst gemeint (sinngemäss) gefragt haben, warum ich dreimal die Woche mehrere Kilometer zum Training in die nächste Ortschaft zu Fuss laufe oder mit Skateboard/Inlineskates fahre, kein Handy besitze, kein Auto fahre und die Jeanshosen meiner Freundin auftrage, wenn ich mir einen Bauernhof mit eigenem Wald und Ackerflächen "leisten kann".
Zu der Jeanhosen-Sache muss man wissen: Ich bin als Kletterer ziemlich schlank und habe daher Damengrösse 38-40 bei Hosen (in Jacken und T-Shirts von meiner Freundin komme ich wegen meiner Schultern im Leben nicht rein, die Hosen passen aber) und meine schlanke Freundin ist zwar 17cm kleiner als ich, hat aber recht lange Beine und einen recht ausgeprägten Beckenknochen (Ich mag bei Frauen kein knabenhaftes Becken. Alles was heute so als Model angesehen wird sieht für mich mehr nach männlichen Teenagern mit Brüsten aus als nach Frauen.), so dass ich kein extremes "Hochwasser" in ihren Hosen habe und auch sonst hineinpasse. Ich hasse es einfach Zeit damit zu verschwenden Kleidung einkaufen zu gehen und bevor meine Freundin die Hosen zur Altkleidersammlung gibt, trage ich sie lieber und spare mir einen "Einkaufsbummel" der mich nur nerven würde. Auch wenn ihr das nicht unbedingt immer recht ist, weil es mich dabei auch nicht stört, wenn die Hose irgendwelche "damenhaften" Nähte, Aufdrucke oder Strasssteine hat. Ist ja nur eine Hose und wer mich darin für eine Frau hält, der sollte sich mal eine neue Brille zulegen.
Aber alleine die Frage meiner Bekannten zeigt schon wie tief verwurzelt das Streben nach Konsum, Schönheit und für jeden sichtbarem Wohlstand bei den meisten Menschen ist und wie merkwürdig es für sie sein muss jemandem zu begegnen der sich weder um Kleidung noch um andere Statussymbole schert, da er kein Interesse daran hat sich bei andere Leuten zu "präsentieren". Wenn sie jemanden sehen, der in Klamotten rumläuft, die schon seit Jahren aus der Mode sind und der, wenn sie ihm im im Alltag begegnen kein Auto fährt, sondern weite Strecken zu Fuss läuft zerstört es offenbar ihr Weltbild, wenn sie entdecken, dass dieser "arme Schlucker" finanziell möglicherweise besser dasteht als sie.
ZENTRALE ERKENNTNIS DES GANZEN:
Wenn Leute, die Wert auf einen gesellschaftlich anerkannten Lebenstil, Konsum, Schönheit und Statussymbole legen ehrlich mit sich wären, würden sie sich eingestehen müssen, dass sie im Grunde genommen mit ihrem ganzen Tun nur eines bezwecken: Bei anderen Leuten und speziell beim anderen Geschlecht möglichst viel Eindruck schinden um möglichst viel Aufmerksamkeit bzw. Liebe und Sex zu erhaschen. Solche Leute sind im Grunde genommen primitive Tiere geblieben, die alles tun um in ihrer Gruppe den höchsten Status zu erlangen und die besten Weibchen abzubekommen.
Statussymbole und deren ganzer Lebensstil sind in gewisser Weise eine Art "Schrei nach Liebe" bzw. Beachtung.
Da ich im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen kein Anerkennungs-Junkie bin fällt mir dieses "Suchtverhalten" bzw. die Statusvernarrtheit dieser Leute besonders auf. Einfach weil ich auf Statussymbole wie Kleidung, Autos, die neueste Technik, schönes Aussehen etc. keinen Wert lege, auch wenn ich "es mir leisten" könnte. Viele meiner Bekannten gehen davon aus, dass ich nicht besonders vermögend bin und ich lasse sie gerne in dem Glauben, da ich entdeckt habe, dass man ohne den Neid der Mitmenschen weniger Scherereien mit ihnen hat. Sie sehen einen offenbar als ohnehin unterlegenen Konkurrenten um die Gunst anderer Menschen und lassen einen deshalb in Ruhe.
Ob es nun ein Trainings-Kollege ist, der mich bisher nur als jemanden kannte, der in teilweise 10 Jahre alter Kleidung mehrere Kilometer zum Training läuft oder ein Bankangestellter, der erst beim Blick auf meine Konten scheissfreundlich wird und mich plötzlich ins Hinterzimmer einlädt und mit Kaffee und Kuchen bewirtet, nachdem er den vermeintlichen "Penner" mit 2,50EUR auf dem Konto vorher am Schalter abfertigen wollte. Alle leiden an der heutzutage vorherrschenden Sucht: Der Sucht nach Beachtung und Anerkennung durch andere Menschen. Wer dieser Sucht nicht verfallen ist, wie ich, kann sich über diese von der Sucht nach Anerkennung bzw. Liebe und Sex ferngelenkten Kreaturen nur kaputtlachen und deren vorhersagbares Verhalten für seine Zwecke nutzen.
Das ist vermutlich auch ein Grund, wieso ich an der Börse ganz "erfolgreich" bin: Für mich sind die emotionalen Reaktionen dieser Menschen vorhersagbar und damit verdiene ich mein Geld. Ich selber brauche das Geld eigentlich nur um mir mehr Freizeit zu kaufen und habe keine wirkliche Angst davor es zu verlieren, da ich mir damit eben keine Statussymbole kaufen muss um die Aufmerksamkeit meiner Mitmenschen zu erregen. Ich habe schon als "armer" Student mit viel Freizeit meinen Traum gelebt und würde ohne meine Freundin und meine Tochter heute auch keinen ehemaligen Bauernhof haben, sondern allenfalls einen grossen Schuppen mit meinen Sportgeräten und Computern drin, ohne Land drum herum. Besitz macht nämlich nur Arbeit und ich kann nicht behaupten, dass ich gerne Zeit für die Instanthaltung meines Hofes verschwende. Aber ich hasse fremde Leute in meinem privaten Lebensbereich, weil es mich einschränkt, wenn ich im Sommer z.B. nicht einfach nackt an meiner Kletterwand an und in einer ehemaligen Scheune auf meinem Grundstück trainieren kann, weil irgendwelches Personal daran Anstoss nehmen könnte. Daher kann ich nicht einfach Personal einstellen, was meinen Hof in Ordnung hält, wie das andere Leute tun, sondern muss eben selber die Botanik und die Gebäude in Ordnung halten.
OdinX schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> glaba schrieb:
> ---------------------------------------------------------------------------
> -----
> > TV-Konsum war doch in den 50ern auch mal so ein Sucht-Thema.
> Ja, und das würde ich auch tatsächlich als Sucht bezeichnen, eine der
> schlimmsten sogar.
> Ich kenne Leute, die nur noch arbeiten und Fernsehen... echt traurig.
>
> Bei der Definition der Normalität bin ich auch der Meinung, dass diese
> aktuell unhaltbar ist. Ich kenne Beispielsweise einige Leute mit ADS und
> diese sind tatsächlich äusserst intelligent und kreativ. Trotzdem werden
> diese von der Gesellschaft als "krank" angesehen. Warum?
Weil die Gesellschaft jeden als krank ansieht, der nicht ihren vorgegebenen und allgemein anerkannten Lebenszielen folgt, sondern seine eigenen verfolgt. Es gibt durchaus Leute, die andere schon deshalb am liebsten steinigen würden, weil diese ihr Design-Smartphone oder ihren Design-Tablet (vornehmlich Erzeugnisse eines bekannten Konzerns, der seinem Firmenlogo nach mit Gebraucht-Obst handelt) nicht als Statussymbol, sondern als Spielzeug mit simplifizierter Bedienung für geistig Minderbemittelte ansehen.
> Wenn jemand Schwächen in einem Bereich hat, und dafür Stärken in einem
> anderen, ist das dann krank? Hoffentlich nicht.
Die Frage ist, ob die Schwächen nicht eher auf Seiten der angeblich "Gesunden" liegen, die scheinbar absolut nicht damit klarkommen, wenn jemand ihre Art zu Leben und ihre Werte in Frage stellt und die darauf mit Ablehnung und teilweise sogar mit Hass reagieren.
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> glaba schrieb:
> ---------------------------------------------------------------------------
> -----
> Ich persönlich würde Sucht folgendermassen definieren. "massloses
> Verhalten, welches der Person selbst oder dritten schadet", und unter
> "schaden" meine ich einen körperlichen oder mentalen Schaden für die
> Zukunft.
D'accord.
> - Gamesucht kann also nur insofern eine Sucht sein, wenn das Spiel
> verblödend wirkt.
> - Fernesehsucht ebenso
Während Spiele doch gelegentlich das Denkvermögen (Sammel- und Aufbauspiele z.B., obgleich man sicher sinnvollere Dinge lernen kann, als wie man den nächsten Level eines völlig fiktionalen Spiels erreicht) oder zumindest die Reaktions- und Koordinationsfähigkeit verbessern (Ich konnte immer schon mit linker und rechter Hand schreiben und auch beide Hände für Präzisionsarbeiten einsetzten, aber erst seitdem ich mit gebrochenem Bein mal eine längere Ego-Shooter-Spielphase eingelegt habe, kann ich mit der linken Hand sogar problemlos schnelle präzise Bewegungen, wie z.B. zum Fangen von Fliegen oder unvermittelt herunterfallenden Gegenständen ausführen.), verdummen das Sehen von Hollywood-Filmen oder das Hören von Liedtexten, die sich zu 99% um die beschränkte Erlebniswelt der Drehbuch- bzw. Songwriter (Liebe, Sex, Beziehungen, Drogen) ranken, die Bevölkerung zusehends.
Über die verblödende Wirkung der Nachmittags-Talkshows (falls es die noch gibt, ich sehe seit weit über 10 Jahren kein Fernsehen mehr, daher weiss ich das nicht) brauche ich ja wohl nicht zu diskutieren. Da traf sich schon in den 90ern der ungebildete Abschaum der Gesellschaft und protzte mit Schimpfwörtern und Beleidigungen, die normalerweise schon Kindern und Jugendlichen mit fortschreitender mentaler Entwicklung langweilig werden sollten. Scheinbar gibt es Leute, die bis ins Erwachensenalter nicht genug Bewusstsein entwickeln um zu erkennen, dass sie mit Beleidigungen, Schimpfwörtern und "schmutzigem" Vokabular aus dem sexuellen Bereich mehr über ihre eigene, offenbar fehlende Intelligenz preisgeben als das sie ein intelligentes Gegenüber damit beleidigen könnten.
> - Drogensucht bewirkt natürlich eine Schädigung des eigenen Körpers und
> teilweise von dritten.
> - Internetsucht wirkt nicht direkt negativ auf den Körper, kann also nur
> eine Sucht sein, wenn es eine verblödende Wirkung hat.
Im Falle von Leuten, die irgendwelche verblödenden Gesellschaftsspielchen auf Facebook zocken und sich in kindischer Weise darüber freuen, dass ihre neue Online-Bekanntschaft die Radieschen auf ihrem virtuellen Bauernhof giesst oder jenen, die freudig "Ich sitze gerade auf der Toilette" in ihren Blog oder ihre Statusmeldungen tippen, hat "Internetsucht" scheinbar durchaus eine verblödende Wirkung. ;-)
Fizze schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> NeverDefeated schrieb:
> ---------------------------------------------------------------------------
> -----
>
> tl;dr
>
> > Selbst ein schwer Drogenkranker kann aus seiner Sucht entfliehen. Ein
> > normaler Familienvater kann sich maximal eine Kugel in den Kopf jagen um
> > seinem selbstgewählten Elend zu entfliehen, wenn ihm sein Leben nicht
> mehr
> > gefällt.
>
> Ja, "maximal". Minimal kann er Burnout als Krankheitssymptom gelten lassen,
> er kann sich einen anderen Job suchen, Arbeitslosengeld beantragen etc.
...und somit weiter mit leicht geänderten Randbedingungen in seiner Tretmühle rotieren.
Den Gedanken sich durch blindes Verfolgen gesellschaftlicher Leitlinien, wie ein glückliches Leben auszusehen habe, ins persönliche Abseits manöveriert zu haben und nun in einer vorgegebenen Weise "funktionieren" zu müssen wird er bei einem neuen Arbeitgeber oder als Arbeitsloser mit Familie auch nicht los. Die einzige Chance, die er auf einen wirklichen Neuanfang hat ist seine Familie zu verlassen und sich ins Ausland abzusetzen und das tun garnicht so wenige.
Wenn ich noch arbeiten oder als Arbeitloser Anträge wälzen müsste um meine kleine Familie zu ernähren, gäbe es bei mir keine Familie. Ich mag das Gefühl nicht in meinem Leben gefangen zu sein. Wenn ich morgen am Berg oder auf dem Meer tötlich verunglücke oder einfach nur entscheide mich mit einem kleinen Teil meiner finanziellen Mittel in einen Teil der Welt abzusetzen in dem mich niemand kennt und meine Familie mich nie finden wird, dann kann ich das mit gutem Gewissen tun, da meine Freundin und selbst meine Tochter bei ihrem aktuellen Lebensstandard mit meinem Haus und meinem Geld, was im Falle meines Todes oder meines spurlosen Verschwindens per Testament an sie fällt, bis an ihr Lebensende versorgt sind.
Bei einer Familie, die finanziell nicht so gut dasteht sässe ich als Versorger in der Falle wie vermutlich einige Millionen Familienväter in Deutschland und müsste das Spiel entweder weiter mitspielen oder damit klarkommen meine Familie dem Wohlwollen des deutschen Staates überlassen oder meine Freundin dazu gezwungen zu haben sich und unsere Tochter alleine durchzubringen.
Für Familienväter mit normalem Einkommen und einem Rest von Verantwortungsgefühl ist das Leben also spätestens mit der Geburt ihres ersten Kindes festgelegt und die werden in ihrem Leben nicht einmal mehr annähernd die Chance haben "Internetsüchtig" zu werden, da sie gezwungen sein werden 8 Stunden am Tag zu arbeiten und ihre restliche Freizeit für eine Internetsucht garnicht mehr ausreicht, da viel davon auch noch an die Familie fällt. Wer zu spät feststellt, dass die Ziele der Gesellschaft nicht seine eigenen sind ist "geliefert", wie man so schön sagt.
P.S. Wer glaubt, dass ich solche Texte mal eben nur für golem aus dem Arm schüttel, dem darf ich versichern, dass das meiste davon schon bei Diskussionen mit Freunden per Chat/per eMail oder auf dem Forum meines Webservers gepostet worden ist. Ich selektiere oft nur Textbausteine meiner vorherigen Kommentare und passe sie gegebenenfalls an das aktuelle Thema an. Der Sinn dahinter ist es zu sehen, ob schlagkräftige Gegenargumente zu meinen Thesen kommen oder sich andere Kommentatoren nur darauf verlegen den von vorneherein sinnlosen Versuch zu unternehmen mich persönlich anzugreifen (Jemanden der auf den Respekt und die Anerkennung anderer Leute nichts gibt, kann man nämlich nicht angreifen oder beleidigen, weil es ihn nicht kümmert, wenn er von anderen Leuten Ablehnung erfährt. ;-) ), sprich zu "trollen".
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> Selbst ein schwer Drogenkranker (...) [hat] auf jeden Fall die Chance
> ihr Leben von heute auf morgen zu ändern.
aber eben nicht mehr allein. ich setze mal voraus, daß du suizid nicht wirklich als ausweg betrachtest.
> Es gibt Leute, die sind von Natur aus gerne alleine mit sich.
richtig, zu denen zähle ich mich auch ab und an, und ich behaupte sogar, es tut mir gut. um diese leute geht es aber überhaupt nicht, sondern um die, die sich damit eben nicht mehr wohl fühlen - und hier auch nicht mehr aus eigener kraft rauskommen.
> Ich finde man muss es jedem selbst überlassen, ob er nun Freundschaft und
> Anerkennung anderer Menschen braucht
genau das können abhängige eben nicht mehr einschätzen. sie sind hier nicht zurechnungsfähig. das ist für menschen, die das nicht am eigenen leib erlebt haben im prinzip nie ganz nachvollziehar. abhängige sind (psychisch) *krank*!
psychisch kranke sind *nicht* herr ihrer sinne; das gehört zum krankheitsbild.
> heisst das noch lange nicht, das jeder als suchtgefährdet einzustufen ist,
> der da mehr Ausdauer an den Tag legt.
nein, natürlich nicht jeder. unterhalte dich mal mit einem (internet-)süchtigen und du wirst merken, wie verdreht ihr normalitätsempfinden ist.
klar hast du recht damit, daß sich im endeffekt alles um die definition von "normal" dreht...das machts ja ethisch/moralisch so schwer, jemanden als geisteskrank einzustufen.
aber der versuch, eine für alle altersgruppen und weltanschauungs-gemeinschaften einheitliche definition von "normal" (als abgrenzung zum "unnormalen") zu finden, ist per definition unmöglich. sonst gäbs ja nurnoch normale(s).
also ist vielleicht die klärung "normal für wen?" dabei in jedem kontext notwendig. um mich nicht zu weit aus dem fenster zu lehnen, bleibe ich bei mir selbst, und stelle zur debatte:
ich betrachte leute als gesund und normal, die
- im zusammenleben mit ihrer jeweiligen altersgruppe in ihrer region
- "ihr leben auf die kette bekommen" (achtung, interpretationsbedürftig)
- ohne mehr unterstützung zu benötigen, als sie geben können
- und sich dabei mindestens ausgewogen glücklich fühlen
Benutzer wird von Ihnen ignoriert. Anzeigen
uuurmele schrieb:
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> > Selbst ein schwer Drogenkranker (...) auf jeden Fall die Chance
> > ihr Leben von heute auf morgen zu ändern.
>
> aber eben nicht mehr allein. ich setze mal voraus, daß du suizid nicht
> wirklich als ausweg betrachtest.
Doch, sogar eigentlich nur alleine. Gegen einen Drogenkranken, der von seiner Droge nicht weg will ist auch das beste Ärzte/Psychologenteam machtlos. Der wird sich sofort wieder Drogen besorgen, sobald er wieder "auf freiem Fuss" ist.
Suizid ist vielleicht sogar der ultimative Ausweg. Er wird nur nicht als das bezeichnet, weil an einem Toten kein Psychologe mehr etwas verdienen kann und ein Toter auch keine Steuern mehr zahlt. Daher schadet er der Gesellschaft und wird deshalb wenig geschätzt. ;-)
> > Es gibt Leute, die sind von Natur aus gerne alleine mit sich.
>
> richtig, zu denen zähle ich mich auch ab und an, und ich behaupte sogar, es
> tut mir gut. um diese leute geht es aber überhaupt nicht, sondern um die,
> die sich damit eben nicht mehr wohl fühlen - und hier auch nicht mehr aus
> eigener kraft rauskommen.
Wer soll die Kraft aufbringen seine ihn unglücklich machenden Gewohnheiten zu durchbrechen, wenn nicht der Süchtige selbst? Ich habe Bekannte, die vermutlich nahezu alle Arten ausprobiert haben um mit dem Rauchen aufzuhören. Nikotinpflaster, Hypnose, Psychologen etc. Am Ende war es meistens ein gesundheitlicher Schicksalsschlag oder eine bewusste Entscheidung, die sie wirklich davon losgebracht hat. Ein langjähriger Freund von mir hat sogar nach über zehn Jahren Rauchen eines Abends auf meine Vorraussage hin, dass er nie mit dem Rauchen aufhören wird bis er tot umfällt mit mir um einen Kasten Bier gewettet, dass er fortan keine Zigarette mehr raucht und der Typ steht derart auf Wetten, dass ich ihm nicht nur damals einige Monate später den versprochenen Kasten ausgeben musste, sondern ihm zum zehnten Jahrestag seiner "Rauchfreiheit" vor kurzem einen weiteren Kasten seines Lieblingsbiers kaufen durfte, weil ich es damals nach dem Erfolg mit der ersten Wette für günstig hielt mit ihm zu wetten, dass er das keine 10 Jahre lang durchhält. Manchmal verliere ich Wetten irgendwie unheimlich gerne. ;-)
> > Ich finde man muss es jedem selbst überlassen, ob er nun Freundschaft
> und
> > Anerkennung anderer Menschen braucht
>
> genau das können abhängige eben nicht mehr einschätzen. sie sind hier nicht
> zurechnungsfähig. das ist für menschen, die das nicht am eigenen leib
> erlebt haben im prinzip nie ganz nachvollziehar. abhängige sind (psychisch)
> *krank*!
> psychisch kranke sind *nicht* herr ihrer sinne; das gehört zum
> krankheitsbild.
Sorry, aber Leute die nicht einschätzen können, ob sie Freundschaften oder Anerkennung andere Menschen brauchen, werden andere Menschen in ihrem Leben auch nicht vermissen. Warum sollten sie also mit ihrem Leben deshalb unzufrieden sein? Es gibt sicher eine Menge solche Leute, denen andere lange genug einreden, dass sie unbedingt viele Freunde und eine Familie haben müssten um glücklich(er) zu sein. Bevor ich meiner heutige Freundin traf habe ich jahrelang weder Sex, noch eine Freundin und erst Recht keine Familie haben wollen und ich habe mir fast ein Jahr Zeit gelassen bis ich auf die Flirtversuche meiner jetzigen Freundin, die ich lange nur als Windsurfkumpel behandelt habe, eingegangen bin, weil ich einfach keinen Bock auf so eine mich einengende Beziehungskiste hatte. Glücklicherweise habe ich in ihr aber jetzt eine Freundin, die mich auch mal ein paar Tage in Frieden an einem meiner Projekte arbeiten oder auch mal ein paar Wochen in einen Sporturlaub fliegen lässt, ohne das hinterher der Haussegen schief hängt. Sonst wäre ich auch längst wieder ein glücklicher Single ohne Frauenbekanntschaften. Da ich nicht auf Sex und schon garnicht auf Beziehungsrangeleien stehe, ist das nämlich nicht das Übelste was mir passieren kann.
> > heisst das noch lange nicht, das jeder als suchtgefährdet einzustufen
> ist,
> > der da mehr Ausdauer an den Tag legt.
>
> nein, natürlich nicht jeder. unterhalte dich mal mit einem
> (internet-)süchtigen und du wirst merken, wie verdreht ihr
> normalitätsempfinden ist.
>
> klar hast du recht damit, daß sich im endeffekt alles um die definition von
> "normal" dreht...das machts ja ethisch/moralisch so schwer, jemanden als
> geisteskrank einzustufen.
> aber der versuch, eine für alle altersgruppen und
> weltanschauungs-gemeinschaften einheitliche definition von "normal" (als
> abgrenzung zum "unnormalen") zu finden, ist per definition unmöglich. sonst
> gäbs ja nurnoch normale(s).
>
> also ist vielleicht die klärung "normal für wen?" dabei in jedem kontext
> notwendig. um mich nicht zu weit aus dem fenster zu lehnen, bleibe ich bei
> mir selbst, und stelle zur debatte:
>
> ich betrachte leute als gesund und normal, die
> - im zusammenleben mit ihrer jeweiligen altersgruppe in ihrer region
> - "ihr leben auf die kette bekommen" (achtung, interpretationsbedürftig)
> - ohne mehr unterstützung zu benötigen, als sie geben können
> - und sich dabei mindestens ausgewogen glücklich fühlen
Angesichts der Tatsache, dass sich hierzulande Leute für Geldbeträge von denen eine Familie in Äthiopien jahrelang gut leben könnte Fett absaugen lassen, weil sie zu dumm sind sich richtig zu ernähren aber "gut aussehen" (was immer das auch heisst) wollen und wir um den Marktpreis hochzuhalten jedes Jahr hunderttausende Tonnen von Lebensmitteln vernichten, finde ich, dass wir in den Augen an Hunger sterbender Menschen in der sog. 3. Welt so ziemlich die "geisteskrankste" Gesellschaft überhaupt sind. Da halten an Irrsinn weder die Kannibalen noch sonst irgendein Volk mit uns merkwürdig erscheinenden Sitten und Gebräuchen mit. Das die reichen Europäer und Amerikaner sich angesichts dieser Zustände überhaupt trauen, das Wort "Normalität" oder "Moral" in den Mund zu nehmen oder sich anmaßen andere Menschen als geisteskrank einzustufen wäre eine absolute Lachnummer, wenn es nicht so entsetzlich unglaublich wäre.
Ich werde mich also an einer Definition von "Normal" nicht versuchen und wenn mir jemand glaubhaft versichert, dass es das höchste Glück seines Lebens ist nach 100 Stunden Dauerzockens in seinen eigenen Fäkalien sitzend an Erschöpfung und Dehydrierung vor seinem Monitor zu sterben, dann würde ich das vielleicht als suchtbedingt, aber durchaus nicht nicht als unnormal bezeichnen, denn das fügt höchstens einen bis zu seinem Tod absolut glücklichen "Luxustoten" zu den täglich 30.000 unglücklichen Hungertoten an denen wir alle die Schuld tragen hinzu. Der Typ ist also mitnichten irrer als wir alle, die wir passive Massenmörder sind.
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bstea schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> Oder mittels Konsole und wc.
>
> PS: Ich muss gestehen, wer soviel Text schreibt, braucht nicht damit zu
> rechnen, dass ich den mir noch freiwillig durchlese.
Eben. Warum soll man sich die wohl begründete Meinung durchlesen, wenn man sich mit wenigen Worten als jemand darstellen kann, der mit Informationen nicht umgehen kann.
Recht hast Du.
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bstea schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> Oder mittels Konsole und wc.
>
> PS: Ich muss gestehen, wer soviel Text schreibt, braucht nicht damit zu
> rechnen, dass ich den mir noch freiwillig durchlese.
Wer soviel Text nicht ließt, sollte auch schon gar nicht auf den Kommentar antworten. Denn eine Antwort auf einen Kommentar setzt eine Gemeinsamkeit oder eine Uneinigkeit voraus. Wie bekommt man heraus, welche Meinung jemand hat, wenn man den Text nicht gelesen hat?
Ich schrecke zwar auch vor langen Texten zurück, aber wenn man wie der Verfasser hier, die Shift-Taste zu benutzen weiß, den Text mit Absätzen versieht und verständliche, grammatikalisch korrekte Sätze schreibt, dann fällt es einem schon sehr leicht einen solchen Text zu lesen.
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Also was ich aus eigener Erfahrung sagen kann, ist:
ja, es gibt Internetsucht. Aber: es hat nicht unbedingt was mit Facebook oder Youtube oder Twitter zu tun, denn dort sozialisieren sich die Menschen lediglich auf eine andere Weise. Internetsucht ist eine temporäre Erscheinung - ich hatte sie etwa ein halbes Jahr nachdem ich mir meinen Internetanschluss geleistet habe. Da habe ich sowohl Schule als auch vieles andere vernachlässigt - das legte sich aber, sobald ich quasi das meiste, was mich interessiert hat, gesehen und ausprobiert habe.
Natürlich gibt es mit Sicherheit auch die Langzeitabhängigen - aber was nicht hilft ist das Internet zu verteufeln und eben als Gefahr für Leib und Leben darzustellen. Das wäre ja fast so als würde man den Schulhof kriminalisieren wollen... Moment mal xD das tut man ja.. naja egal.
Ich zum Beispiel kann mich mit meinen Freunden (die ich von der Schule bzw. Arbeit her kenne) nicht immer treffen, da sie teils einige Tausend Kilometer weit weg sind. Zur Kommunikation über E-Mail oder Facebook muss man nicht gleichzeitig on sein - ein weiterer Vorteil wenn es um verschiedene Zeitzonen geht. Also kommuniziere ich mit ihnen über das Internet weils viel bequemer ist als Telefon (wobei ich auch dieses nutze).
Normalität verändert sich ständig - wie alle anderen Dinge des Lebens auch. Es wäre falsch die Normalität immer im Vergleich zur Vergangenheit zu sehen, denn dann kann man unter Umständen die falschen Schlüsse ziehen. Vor allem aber wäre es verkehrt Politiker diese Schlüsse ziehen zu lassen, denn sie kennen sich meistens weder mit dem Medium noch mit den Jugendlichen aus - ihr Wissen beruht auf Beratern oder (bestenfalls) irgendwelchen Studien und ihrer "Erfahrung", die sie gemacht haben bevor sie als Politiker tätig wurden und aus normalen sozialen Kreisen abgehoben sind. Kurz: Politiker haben oftmals keine Ahnung wovon sie reden.
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lolig schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> OdinX schrieb:
> ---------------------------------------------------------------------------
> -----
> > - Gamesucht kann also nur insofern eine Sucht sein, wenn das Spiel
> > verblödend wirkt.
>
> Verblödend ist sicherlich kein gutes Kriterium, wenn man täglich eine
> Stunde so ein stupides Casualgame zockt, ist man sicherlich noch nicht
> süchtig ;-). Gedanken sollte man sich machen, wenn man *permanent*:
> - Schule, Studium oder Beruf zugunsten eines Spieles vernachlässigt
> - Sich aus seinem sozialen Umfeld zunehmend zurück zieht ( Ich habe zwar
> auch einige online Freundschaften aber es ersetzt imho die realen nicht)
> - Seinen Körper vernachlässigt z.B. zu wenig Schlaf, mangelnde Hygiene oder
> sonstige Mangelerscheinungen.
Genau DAS ist der Knackpunkt!!! Danke!
Und jetzt kommt bitte nicht mit:
"aaaber es förder doch die Fingerfertigkeit und Taktisches Denken".....bitte...
Stichwort: -Generation "Online" oder soll ich lieber sagen Generation "Einsam" ?!
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Nach dem ich mir eure ganzen Meinungen durchgelesen habe
erst mal Respekt NeverDefeated.
Und IceCub da wären wir wieder bei dem Knackpunkt "Normal".
Da bleibt halt nur zu sagen:
- Jeder das seine -
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