"The internet is the medium of the vocal minorities".
Zu deutsch: "Das Internet ist das Medium der lautstarken Minderheiten".
Praktisch IMMER, wenn es irgendwo Streit gibt, dann liegt es an einem oder mehreren (freiwilligen oder unfreiwilligen) Trollen mit extrem(istisch)en Positionen, die schlicht einen Unsinn verzapfen, auf den die Mehrheit der anderen Nutzer eigentlich nur aggressiv reagieren *kann*.
Beispiele? Massig.
Im Kölner Zoo fällt ein Tiger eine Wärterin an, woraufhin der Tiger vom Zoodirektor aus Sicherheitsgründen erschossen wird, da das Vieh droht, auf Fußwege und andere Freigelände mit Besuchern zu gelangen.
Daraufhin mehrere Postings bei faz.net und anderswo: "Dieses Schwein von Zoodirektor, wie konnte er nur den armen Tiger erschießen, wir verlangen Aufklärung, außerdem sind Zoos scheiße und um die Wärterin ist es eigentlich ned schad (letzteres nur implizit, aber deutlich)."
Ein Elektronikhersteller bringt ein Smartphone auf den Markt, das völlig neuartige Bedienkonzepte und völlig neues Design einführt. Kurz darauf bringt ein anderer Hersteller ein weiteres Smartphone raus, das selbst in Details ganz offensichtlich vom ersteren Modell inspiriert ist. Später gibt´s ne Gerichtsverhandlung, in der zutage tritt: Hersteller B hat bewusst und zielgerichtet von Hersteller A abgekupfert.
Daraufhin massig Beschwerden in Foren: "Booahh, scheiß Hersteller A, der hat doch kaum was geleistet, Hersteller B hat doch gar nicht abgekupfert."
Oder: "Yay, Hersteller B macht alles richtig, abkupfern is da bomb yeah!! Sollten viele andere auch noch machen!!111!!!"
Es findet ein Jahrestag zu einem Gewaltereignis statt, das Ausländer zum Ziel hatte. Der Bundespräsident benennt das Ereignis zutreffend als "Schande" und spricht zugleich den größeren Zusammenhang an: Integration von Ausländern, Asylrecht.
Daraufhin empörte Aufschreie von Trollen (?) in einschlägigen Foren: Wie man denn hier das Thema "Asylrecht" und "Ausländer" mit rein bringen könne (äääh, weil es um Ausländer GEHT?), das sei doch total rechts, der Präsi ein verkappter Nazi.
Eine Gruppe selbsternannter "Aktivistinnen" stört die Ruhe einer Kirche mit einer schülerbandähnlichen "Peformance" (als angebl. politische Protestaktion, die selbst von anderen Oppositionellen verurteilt wird), mit der sie andere Gläubige stört, Obszönitäten von sich gibt und einsschlägiges inländisches Recht bricht. Sie wird also folgerichtig verurteilt.
Daraufhin Aufschreie in den Foren: Was für ne Sauerei, das bisschen Kirchenschändung, wer an die Kirche glaubt, ist ein Idiot, Religionsfreiheit ist was für Trottel und gehört abgeschafft etc.pp.
Ich kann noch weitermachen, oder reicht das erstmal.....?
Alles Ansichten, die die Mehrheit der vernünftig denkenden Menschen da draußen nur mit dem Kopf schütteln lässt (oder minimum zu einer sehr differenzierten Betrachtung veranlasst), aber die selbsternannten Linken, Experten-Cracks, Markenfanbois etc. rülpsen fröhlich ihren Blödsinn in die Lande.
Ist doch klar, dass es da Stunk gibt.
Ist doch *auch* klar, dass die Mehrzahl von Internetnutzern gar keine Foren liest, weil da eh nur Quark drinsteht und diejenigen, di mit der Stimme der Mäßigung und Vernunft sprechen und extremen Positionen konsequent entgegen treten, fertig gemacht werden.
Warum wohl herrscht da ein rauher Ton....?
1 mal bearbeitet, zuletzt am 27.08.12 17:54 durch eiischbinsnur.
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Ich glaube ja fast, du hast ein eigenes Beispiel gebracht. ;-)
Richtig ist wohl, dass Menschen bei Meinungen gerne zur Polarisierung greifen. Einfach auch weil die meisten Menschen keine sonderliche Diskussionskultur erfahren konnten, sie selbst nicht wirklich argumentieren können oder sich mit dem eigentlichen Inhalt gar nicht erst beschäftigen bzw. ihn nicht erfassen.
Genauso gut kann man die Verwendung von Totschlagsargumenten und Killerphrasen untersuchen. Denn dies ist eine ebens probates Mittel sich einer Diskussion oder einem Argument nicht zu stellen.
Dass Emotionalisierung eine reine Angelegenheit der "Trolls" ist, ist mir doch etwas zu kurz gegriffen. Viel zu häufig haben wir prominente Beispiele in allen Bereichen öffentlicher Diskussion. Darüber hinaus ist das reduzieren auf Trollen ebenso eine Emotionalisierung der Thematik.
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Wenn ich mir den ersten Post durchlese, dann kommt mir der Gedanke, dass diese extrem(istischen)en Meinungen vor allem durch zu wenig Wissen über das Thema entstehen. Was ja auch verständlich ist. Viele haben schon eine feste Meinung zu einem Thema, nach dem sie auch nur eine Quelle darüber gelesen haben. Eigentlich sollte man sich selbst zwingen weiterhin offen zu dem Thema zu stehen und erst nach wirklich eindringlichen Beschäftigung _wirklich_ hinter eine Seite zu stellen.
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Man bildet sich eine Meinung über ein Thema nur unter Berücksichtigung teilweiser Information. Im Internet trifft man dann auf andere Meinungen und schaltet quasi in den Verteidigungsmodus für die eigene Meinung, weil Hinterfragen eben dieser ja offenbar für die meisten keine Option ist.
Das erlebe ich fast tagtäglich.
Das Beispiel mit dem Prozess zwischen Apple und Samsung ist so eines:
Apple-Fans sehen nur die ihrer Meinung nach offensichtliche Ähnlichkeit der Samsnug-Geräte mit den Apple-Geräten und schliessen auf "Kopieren". Diese Meinung steht dann fest, egal was für Fakten nachgereicht werden - Sei dies die Trivialität des Apple-"Designs" oder seien das die Umstände der Gerichtsverhandlungen.
Festgefahrene Meinungen sind der Brennstoff der meisten Internet-Streitereien. Anonymität spielt eine eher untergeordnete Rolle, IMHO.
Gruss, Ice
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