Da die meisten Nutzer hier im Forum groben Unfug schreiben, möchte ich doch mal mit einigen grundlegenden Missverständnissen aufräumen:
Missverständnis Nr. 1: Mit der Urheberrechtsabgabe ist das Kopieren künftig uneingeschränkt legal...
Nein, das ist es nicht. Mit der Pauschalabgabe werden legale Privatkopien entschädigt. Darunter fällt beispielsweise, wenn man sich von einem Freund, eine nicht kopiergeschützte CD für den privaten Gebrauch kopiert. Oder ein Kapitel aus einem Buch, usw. Nicht legal ist beispielsweise eine Kopie aus illegaler Quelle (ein aktueller Kinofilm aus einem Filesharingnetz ist praktisch immer illegal, weil es offensichtlich ist, dass der Anbieter den Film selbst nicht rechtmäßig gekauft haben kann, wenn er noch gar nicht zu kaufen ist).
Missverständnis Nr. 2: Die Abgabe stellt Nutzer unter einen Generalverdacht und ist somit rechtswidrig.
Das sieht das Bundesverfassungsgericht anders. Schon in den 70ern haben unsere obersten Richter eine solche Abgabe für zulässig erklärt.
Zumal das mit dem Generalverdacht auch nicht so ganz stimmt. Denn, wie gesagt, gilt die Abgabe für Privatkopien, die erlaubt sind. Es geht hier also nicht darum, die Nutzer prinzipiell zu verdächtigen, illegale Kopien anzufertigen. Und dass eine Pauschale erhoben wird, und nicht individuell je nach Nutzung abgerechnet, ist nun wahrlich nichts ungewöhnliches.
Missverständnis Nr. 3: Die Urheberrechtsabgabe bezieht sich nur auf Filme und Musik...
Nein, in der Zentralstelle für private Überspielungsrechte, die die Abgabe erhebt, sind nicht nur Verwertungsgesellschaften für Film und Musik vertreten, sondern auch für Texte, Bildwerke, usw.
Missverständnis Nr. 4: Die Urheberrechtsabgabe ist nur der Anfang von weiteren Forderungen der bösen Verwertungsgesellschaften.
Die Urheberrechtsabgabe ist nichts neues. Es gibt sie bereits für viele Produkte (Rohlinge, Drucker, MP3-Player, uvm.). In der Tat gibt es sie auch schon lange für ältere Produkte, wie. z.B. die VHS-Kassette. Von daher kann vom "Anfang des Bösen" nicht die Rede sein. Allerdings wird der Kreis der Produkte, auf die eine Abgabe erhoben wird, tatsächlich immer wieder erweitert, um mit dem technischen Fortschritt mitzuhalten. Wenn also irgendwann mal der Nachfolger von Blueray auf den Markt kommt, können wir davon ausgehen, dass die Abgabe nicht lange auf sich warten lässt.
Missverständnis Nr. 5: Wenn ein PC keinen Brenner hat, kann ich auch keine DVD oder Musik-CD kopieren. Warum muss man für PCs ohne Brenner dann trotzdem eine Abgabe bezahlen?
Zum einen, weil, wie in 3) beschrieben, nicht nur Filme und Musik mit dem PC vervielfältigt werden können. Zum anderen, weil nicht nur mit dem Brenner Kopien erstellt werden können, sondern z.b. auch mittels des Internets oder einer externen Festplatte.
Missverständnis Nr. 6: Die Urheberrechtsabgabe wird rückwirkend eingeführt. So etwas ist doch unzulässig.
Das ist so nicht ganz richtig. Dass es eine Urheberrechtsabgabe geben wird, wurde schon vor Jahren entschieden. Die Computerhersteller und die Verwertungsgesellschaften konnten sich bisher nur auf keinen Betrag einigen. Daher zahlen die Hersteller jetzt zwar auch für bereits verkaufte Geräte der letzten Jahre, aber dass sie das müssen, wussten sie bereits.
Vielleicht liest das ja der ein oder andere bevor er einen unqualifizierten Beitrag schreibt und sich aufregt.
Wem weitere Missverständnisse ein-/auffallen, darf sie gerne beim Namen nennen.
P.S.: Es geht nicht darum, ein Loblied auf die Urheberrechtsabgabe zu singen. Ich wollte lediglich auf die vielen unhaltbaren Argumentationen in diesem Zusammenhang hinweisen.
Und nach welchem Schlüssel wird die Abgabe dann verteilt?
Wie will die VGWort denn nachweisen vom welchem Autor was kopiert wurde - was im Gegensatz zur allgemein beliebten GEMA ziemlich schwer fallen dürfte.
Was wenn der Urheber nicht in der VG Wort ist? Bekommt er dann trotzdem auf Anfrage einen Anteil?
Sollte sich dann jeder mal schnell bei der VG Wort anmelden (so ein Groschenroman ist ja schnell geschrieben ;) ), damit er auch etwas von der Kohle abbekommt?
... von den Künstlern, die damit unterstützt werden? Oder geht das Geld 1:1 doch direkt an die Künstlersozialkasse, was ja die einzig logische Schlussfolgerung wäre?
Blablablublub schrieb:
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> Und nach welchem Schlüssel wird die Abgabe dann verteilt?
> Wie will die VGWort denn nachweisen vom welchem Autor was kopiert wurde -
> was im Gegensatz zur allgemein beliebten GEMA ziemlich schwer fallen
> dürfte.
> Was wenn der Urheber nicht in der VG Wort ist? Bekommt er dann trotzdem auf
> Anfrage einen Anteil?
> Sollte sich dann jeder mal schnell bei der VG Wort anmelden (so ein
> Groschenroman ist ja schnell geschrieben ;) ), damit er auch etwas von der
> Kohle abbekommt?
Die VG Wort berechnet die Zuteilung nach einem komplizierten Verteilungsschlüssel. Da spielen unter anderem Auflage, Länge der Beiträge etc eine Rolle. Natürlich kann die VG Wort nicht ermitteln, welcher Beitrag wie oft kopiert wird.
Aber die GEMA kann ja auch nicht ermitteln, wie oft ein Party-Veranstalter welches Lied spielt und kann entsprechend auch keine genaue Abrechnung machen.
Eine gerechte Abrechnung gibt es also nicht.
Und nur zu, jeder, der veröffentlicht, kann sich bei der VG Wort melden. Viel Spaß beim Schreiben des Groschenromans und dann beim Feststellen, wie wenig Geld am Ende von der VG Wort kommt.
Lichtgestalt schrieb:
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> Missverständnis Nr. 5: Wenn ein PC keinen Brenner hat, kann ich auch keine
> DVD oder Musik-CD kopieren. Warum muss man für PCs ohne Brenner dann
> trotzdem eine Abgabe bezahlen?
>
> Zum einen, weil, wie in 3) beschrieben, nicht nur Filme und Musik mit dem
> PC vervielfältigt werden können. Zum anderen, weil nicht nur mit dem
> Brenner Kopien erstellt werden können, sondern z.b. auch mittels des
> Internets oder einer externen Festplatte.
Das stimmt zwar, aber in solchen Fällen handelt es sich afaik nicht mehr um eine rechtmäßige Kopie und kann demnach nicht als Quelle für weitere (allein dieses Wort impliziert es ja schon) Privatkopien fungieren.
Also geht man eben nicht nur von der Kompensation der Privatkopie aus.
Vielen Dank für Deine Mühe. Ich fand diesen Text sehr nützlich.
Danke, gute Quelle.
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