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Zeitarbeit nicht verteufeln und intelligent suchen

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  1. Zeitarbeit nicht verteufeln und intelligent suchen

    Autor FlawlessFlow 29.07.12 - 10:38

    Ich arbeite festangestellt in bei einem großen Münchener Automobilhersteller. 80% aller Kollegen sind Zeitarbeiter, zu 40% Türken und 50% Polen, zwei oder drei Deutsche.

    Sie werden nach Tarif bezahlt (14 Euro die Stunde), ein großer Teil wird langfristig übernommen wenn sie sich anstrengen, bei 4 schon geschehen.

    Komischerweise sind nur die Ausländer so schlau dort zu arbeiten, die meisten Deutschen würde sich niemals für 14 Euro und große Übernahmechancen "Ausbeuten" lassen. Weil man Zeitarbeit (die ich übrigens im Grundsatz ablehne!) immer scheiße ist.

    Meine Anstrengungen im Beruf haben sich auch ausgezahlt. Anstrengend ein Jahr jeden Tag 100% zu geben, aber Bald Steig ich die Leiter hoch. Weil ich nich aufgegeben habe.

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  2. Re: Zeitarbeit nicht verteufeln und intelligent suchen

    Autor fiesemoepps 29.07.12 - 12:34

    Ja, und die Erde ist eine Scheibe sagt die Kirche.

    Eine Firme die 2/3 auf Zeitarbeit beschäftigt spielt doch nur mit Deinen Hoffnungen.

    Bestimmt sind die auch über den Fachkräftemangel am jammern udn so, oder?

    Wenn die gerade dazu "genötigt" sind auch welche fest einzustellen, dann liegt das eher an der aktuell etwas knappen Lage auf dem Arbeitsmarkt

    sobald das wieder anders wird, werden die auf 100% Zeitarbeit umstellen:P

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  3. Widerspruch in sich selbst

    Autor Mingfu 29.07.12 - 13:21

    FlawlessFlow schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > ein großer Teil wird langfristig übernommen wenn sie sich anstrengen, bei 4 schon
    > geschehen

    Aha. Der "große Teil" sind also offenbar ganze 4 Leute. Ich wusste gar nicht, dass unsere Automobilproduktion inzwischen so automatisiert ist, dass bestenfalls noch 10 Leute dort arbeiten. Denn anders lässt sich deine Aussage "80 % Zeitarbeiter von denen der große Teil übernommen werden soll", mathematisch nicht sinnvoll interpretieren.

    > Komischerweise sind nur die Ausländer so schlau dort zu arbeiten, die
    > meisten Deutschen würde sich niemals für 14 Euro und große Übernahmechancen
    > "Ausbeuten" lassen.

    Große Übernahmechancen können ja kaum stimmen, siehe oben. Und falls der Produktionsort ebenfalls in oder in der Nähe von München liegen sollte, dann kann sich diese Arbeit zu diesem Preis dort kaum jemand leisten. 14 Euro pro Stunde machen - je nach Arbeitszeit - ca. 2000 bis 2200 Euro brutto. Netto wird da kaum mehr als 1500 Euro übrig bleiben. Und das muss man mal in die Relation zu den Mietpreisen in München und Umgebung setzen, die - auch für einfachste Wohnungen - ab 10 Euro / m² kalt beginnen. Und das Problem eine Wohnung überhaupt zu finden, ist auch alles andere als trivial dort. Man kann natürlich auch weiter in die Umgebung ziehen, da sinken die Mieten etwas - allerdings verfährt man dann deutlich mehr Geld auf der Fahrt zum Arbeitsplatz, das ist oft ein Nullsummenspiel.

    Wenn man also Familie hat, ist es, ohne dass auch der andere Partner vollzeit arbeiten geht, überhaupt nicht finanzierbar. Und damit hat man - selbst wenn man deutschlandweit flexibel ist - immer das Problem, dass zwei Leute in der gleichen Gegend einen Job finden müssen. Natürlich könnte man auch eine Wochenendbeziehung führen - nur wenn man Kinder hat, ist es natürlich für den Partner, der ebenfalls vollzeit arbeitet und sich zusätzlich noch um die Kinder kümmern soll, eine Zumutung. Und ganz nebenbei bemerkt: Für eine Wochenendbeziehung mit den Kosten für zwei Haushalte, Fahrtkosten fürs Pendeln usw. ist das Geld auch schon wieder deutlich zu wenig. Das mag für Lebenshaltungskosten in Polen vielleicht noch akzeptabel sein - in Deutschland dagegen nicht möglich.

    > Weil man Zeitarbeit (die ich übrigens im Grundsatz ablehne!) immer scheiße ist.

    Gegen den eigentlichen Gedanken hinter Zeitarbeit wäre ja nichts einzuwenden. Es ist klar, dass es gewisse saisonale Schwankungen gibt, dass es gewisse Auftragsschwankungen gibt und dass deshalb ein vorübergehender zusätzlicher Bedarf an Arbeitskräften existieren kann. Und dort erst immer ein Bewerbungsverfahren zu starten, um dann jemanden für wenige Wochen zu suchen, wäre Blödsinn. Dort ist das Ausleihmodell eine interessante Alternative.

    Aber die Perversion des Modells sieht man ja genau in deinem Unternehmen. 80 % der Arbeitskräfte sind angeblich Zeitarbeiter. Da kann doch was nicht stimmen - so starke Schwankungen kann es gar nicht geben. Hier ist offenbar ein Zeitarbeiter eine deutlich attraktivere Alternative zu einem regulären Arbeitsplatz.

    Und das hat Gründe: Ein Zeitarbeiter ist extrem flexibel einsetzbar. Nur komischerweise kostet diese Flexibilität - im Gegensatz zu jedem anderen Markt - sogar weniger oder zumindest nicht mehr als ein regulärer Arbeitsplatz. Das Gegenteil müsste aber der Fall sein: Flexibilität und damit der Zeitarbeiter müsste für das leihende Unternehmen deutlich teurer kommen.

    Die Löhne für Zeitarbeiter sind einfach viel zu niedrig. Trotz des Gewinnaufschlags der Zeitarbeitsfirma ist der Zeitarbeiter immer noch billiger. Eigentlich müsste bereits der Lohn des Zeitarbeiters über dem Lohn der regulär in der Firma beschäftigten Arbeitnehmer liegen. Denn vom Zeitarbeiter wird deutlich mehr Flexibilität erwartet - ein paar Wochen hier, wenige Monate da, jeweils verbunden mit dem Einlernen in das jeweilige Tätigkeitsfeld... Und wenn auf diesen höheren Lohn dann noch der Gewinnaufschlag des Zeitarbeitsunternehmens sowie der Risikoaufschlag (schließlich kann es sein, dass es mal ein paar Wochen keinen Arbeitsplatz für den Zeitarbeiter gibt, er aber natürlich trotzdem entlohnt werden muss) käme, dann wäre Zeitarbeit genau dort, wo sie im Wettbewerb hingehören würde. Konkurrenzfähig, aber nur, wenn es darum geht, einen vorübergehenden Mehrbedarf zu decken - bei dauerhaftem Bedarf sind reguläre Arbeitsverhältnisse dagegen im Vorteil.

    > Meine Anstrengungen im Beruf haben sich auch ausgezahlt. Anstrengend ein
    > Jahr jeden Tag 100% zu geben, aber Bald Steig ich die Leiter hoch. Weil ich
    > nich aufgegeben habe.

    Was ist denn das für eine Firma, bei der man mit 100 % Leistung für ein Jahr schon als Überperformer gilt? Normalerweise wird 100 % als Standard erwartet und ist nichts mit dem man irgendwie herausstechen kann.

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  4. Re: Widerspruch in sich selbst

    Autor d-tail 29.07.12 - 15:01

    Mingfu schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Große Übernahmechancen können ja kaum stimmen, siehe oben.

    Es stimmt auch nicht. Die Übernahmechance aus der Zeitarbeit heraus ist gleich null. Und selbst wenn man übernommen wird, hat man ja erst einmal wieder eine Probezeit, aus der heraus man auch schnell gekündigt werden kann.

    Das ist sowieso paradox. Ein Mitarbeiter, der fest übernommen wird, hat sich ja bewährt, trotzdem bekommt er noch mal eine gesetzliche Probezeit, aus der heraus er schnell "entsorgt" werden kann. Und gesehen habe ich sowas schon.

    > Und falls der
    > Produktionsort ebenfalls in oder in der Nähe von München liegen sollte,
    > dann kann sich diese Arbeit zu diesem Preis dort kaum jemand leisten. 14
    > Euro pro Stunde machen - je nach Arbeitszeit - ca. 2000 bis 2200 Euro
    > brutto.

    Ich hatte mal für eine Zeitarbeitsfirma in München gearbeitet. Man wollte mir 2200 Brutto in den Arbeitsvertrag knallen. Nach dem ich etwas (ok, ziemlich) interveniert hatte, hatte ich immerhin 3000 Brutto. Trotzdem, für München immer noch viel zu wenig.

    > Netto wird da kaum mehr als 1500 Euro übrig bleiben. Und das muss
    > man mal in die Relation zu den Mietpreisen in München und Umgebung setzen,
    > die - auch für einfachste Wohnungen - ab 10 Euro / m² kalt beginnen.

    Yepp. Das ist echt Wahnsinn. München ist nicht New York, aber es hält sich für New York.

    > Und
    > das Problem eine Wohnung überhaupt zu finden, ist auch alles andere als
    > trivial dort.

    Sagen wir so, in München regiert bekanntlich die Spezlwirtschaft. Man braucht dort zwei Dinge: Geld und/oder Beziehungen. Aber besser ist es, Geld zu haben und die Vermieter zu bestechen.

    > Man kann natürlich auch weiter in die Umgebung ziehen, da
    > sinken die Mieten etwas

    Hahahaha, guter Witz. Die Bayern halten sich ja für so schlau und überlegen, dass man selbst 50km ausserhalb von München praktisch das gleiche zahlt wie für eine "Schnäppchenwohnung" IN München.

    Mittlerweile darf man da unten bei den Hillbillies auch überall (zumindest im Umkreis 25 KM) die volle Maklerprovision abdrücken, selbst wenn der Makler sich überhaupt gar nicht erst blicken lässt. Aber wir ahnen ja eh alle wofür bzw. für wen die "Maklerprovision" in Wirklichkeit ist.

    > Gegen den eigentlichen Gedanken hinter Zeitarbeit wäre ja nichts
    > einzuwenden. Es ist klar, dass es gewisse saisonale Schwankungen gibt, dass
    > es gewisse Auftragsschwankungen gibt und dass deshalb ein vorübergehender
    > zusätzlicher Bedarf an Arbeitskräften existieren kann.

    Grundsätzlich ja.

    > Und dort erst immer
    > ein Bewerbungsverfahren zu starten, um dann jemanden für wenige Wochen zu
    > suchen, wäre Blödsinn. Dort ist das Ausleihmodell eine interessante
    > Alternative.

    Ja.

    > Was ist denn das für eine Firma, bei der man mit 100 % Leistung für ein
    > Jahr schon als Überperformer gilt? Normalerweise wird 100 % als Standard
    > erwartet und ist nichts mit dem man irgendwie herausstechen kann.

    Na, eine Firma, die nach dem Peter-Prinzip befördert. Wo Lüger und Blender hochbefördert werden und die wahren Performer auf der Strecke bleiben.

    Ich bin in der IT-Branche und ich hab echt keinen Bock mehr. Permanent nen 10-12 Stunden-Tag, nie ein Danke, nur Druck... ganz ehrlich, wenn das 100% sein sollen, dann stelle ich mich lieber beim Arbeitsamt an. Oder gehe bei McDonalds Burger braten.

    d-tail

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