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Mal wieder eine neue Form der Sklaverei

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  1. Mal wieder eine neue Form der Sklaverei

    Autor NeverDefeated 20.01.12 - 23:40

    Angesichts der Tatsache, dass ein iPad aufgrund des reinen Fingertouch-Displays weder zum ernsthaften Verfassen von Texten und erst recht nicht zum schnellen Eingeben von mathematischen Formeln und Zeichnungen/Skizzen taugt, ist es in der Schule maximal als besserer E-Book-Reader zu gebrauchen. Da aber ohnehin viele Schüler inzwischen mit einem Notebook/Stift-Tablet arbeiten und damit auch Aufgaben für die Schule erledigen, ist es völliger Unsinn auch noch ein zum Mitschreiben im Unterricht nutzloses iPad zusammen mit dem Notebook in die Schule schleppen zu müssen, nur um dort auch mit elektronischen Lehrbüchern arbeiten zu können.

    Vielmehr sollten sich die Schulbuchverlage mal zusammensetzen um eine einheitliche, offene Plattform zu schaffen, die das Kaufen und Arbeiten mit Lehrbüchern auf diversen Betriebssystemen möglich macht. Eine proprietäre Lösung wie die von Apple ist grundsätzlich abzulehnen, da sie Schülern eine Markenorientierung und zusätzlich ein nicht optimal für den Unterricht geeignetes Gerät aufzwingt.

    Selbst als reiner "iBook-Reader" ist das iPad wegen seines fest eingebauten Akkus nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Ist der leer kann er eben nicht in zehn Sekunden gegen einen geladenen aus der Schultasche gewechselt und danach im Unterricht mit einem elektronischen Lehrbuch weitergearbeitet werden, wie bei einem Notebook, sondern er muß erst langwierig an einer Steckdose wieder aufgeladen werden. Wenn also in Schulen weiterhin mit freiverschiebbaren Sitzordnungen bzw. Tischen (z.B. für Gruppenarbeiten etc.) gearbeitet werden soll, dann wird es weiterhin keine Steckdose am Tisch geben und ein leerer Akku eines iPads führt dann notgedrungen dazu, dass ein Schüler kein Buch mehr hat bis er sein iPad wieder irgendwo geladen bekommt.

    Hinzu kommen Datensicherungs- und Verfügbarkeitsprobleme: Was ist z.B. bei einem Defekt eines iPads? Ist dann kein Arbeiten mehr möglich bis das Teil ersetzt/repariert ist und was ist mit den darauf gespeicherten Büchern und eventuellen Notizen zu diesen Büchern? Bei einem konventionellen Notebook kann man die gesamte Festplatte z.B. auf einer externen USB-Festplatte sichern. Mir hat so eine Sicherungskopie im Studium mehr als einmal "den Arsch gerettet". Portable Geräte können nämlich ausfallen, geklaut werden, herunterfallen, mit Getränken überschüttet werden etc. und wenn man sie jeden Tag braucht ist es günstiger eine Sicherungskopie und ein altes Notebook in der Ecke liegen zu haben, als ein iPad mit dessen Ausfall/Diebstahl man möglicherweise ausser dem einzigen Geraet im Haushalt auch noch Daten/Bücher verliert.

    Die Sicherung eines iPads über iCloud und iTunes ist jedenfalls langsam, sichert nur bestimmte Daten und kein ganzes funktionsfähiges System und hat zudem den Nachteil, dass man auch private Daten übermittelt, die Apple eigentlich nichts angehen. Die Praxis zeigt, dass alleine eine langsame Sicherung den meisten Menschen schon so unbequem ist, dass sogar die meisten erwachsenen Leute auf regelmäßige Backups verzichten. Schulkinder werden also sicher nicht regelmässig ihre Daten in Sicherheit bringen, was ein defektes/geklautes iPad zu einem echten Problem werden lässt, wenn man es für den täglichen Unterricht braucht.

    Fazit:
    Diese Schulbuchaktion ist ein Trick von Apple neue Kunden an sich zu binden. Da die meisten Menschen nicht gerne etwas Neues lernen, wenn sie etwas mit ihrem bisherigen Wissen auch schon auf irgendeine Art hinbekommen haben, werden Schulkinder durch solche "Bildungsprogramme" unbewußt an die proprietäre Technik von Apple gewöhnt um eine frühe Kunden- bzw. Produktbindung zu erzeugen. Wenn man an die simplifizierte Bedienoberfläche von iOS gewöhnt ist, fällt es diesen Kindern, wie auch Erwachsenen, schwer auf Unix, Linux, Solaris, Windows, FreeBSD oder andere Betriebssysteme umzusteigen und solange sie nicht dazu gezwungen werden sind sie williges Konsumvieh für Apple. Wer lernunwilligen Leuten zuerst seine Produkte unterschiebt, hat sie danach an der Konsum-Kette solange er nicht zu heftig daran zerrt.

    Dieselben Absichten verfolg(t)en z.B. auch schon Autodesk mit AutoCAD oder Microsoft mit Windows und Office. Mit Studenten und Schülerprogrammen bei denen früher sogar AutoCAD und heute noch Windows an Studenten und Lehrkräfte VERSCHENKT wurde, versuchte man mit Erfolg die Studenten als spätere Entscheidungsträger in Betrieben auf diese Produkte zu konditionieren. Wer im Studium immer nur mit der geschenkten Software gearbeitet hat, verlangt eben auch später im Betrieb nach ihr, auch wenn sie dann Geld kostet und möglicherweise gleichwertige Software billiger zu haben wäre.

    Mein Kind käme an keine Schule an der irgendwelche Lifestylespielzeuge ohne wirklichen Nutzwert für die gesamte Ausbildung zwecks Markenkonditionierung günstig verteilt werden. Meine Tochter kann heute im Vorschulalter schon mit Windows und Linux auf einem alten Tablet von mir umgehen. Sie spielt, zeichnet und malt darauf und kann ihre "Kunstwerke" auch abspeichern und wieder öffnen. Lesen lernt sie dabei mal eben nebenbei und mit einem simplen, da funktionsreduzierten System wie iOS wird sie wohl nie Bedienungsprobleme haben. Sie wird dort nur die Möglichkeiten und Freiheiten vermissen, die ihr andere Systeme bieten und genau um diese Perspektive geht es. Die bekommt man nicht, wenn man mit Apple-Hardware aufwächst und nichts anderes kennt.

  2. Re: Mal wieder eine neue Form der Sklaverei

    Autor potter 21.01.12 - 12:07

    tl;dr

  3. Re: Mal wieder eine neue Form der Sklaverei

    Autor el3ktro 21.01.12 - 16:05

    NeverDefeated schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Angesichts der Tatsache, dass ein iPad aufgrund des reinen
    > Fingertouch-Displays weder zum ernsthaften Verfassen von Texten und erst
    > recht nicht zum schnellen Eingeben von mathematischen Formeln und
    > Zeichnungen/Skizzen taugt, ist es in der Schule maximal als besserer
    > E-Book-Reader zu gebrauchen.

    Zeichnungen und Skizzen kann man auf einem Touchscreen wunderbar anfertigen, mathematische Formeln kann man mit einer angepassten Tastatur ebenfalls sehr schnell eingeben.

    > Vielmehr sollten sich die Schulbuchverlage mal zusammensetzen um eine
    > einheitliche, offene Plattform zu schaffen, die das Kaufen und Arbeiten mit
    > Lehrbüchern auf diversen Betriebssystemen möglich macht. Eine proprietäre
    > Lösung wie die von Apple ist grundsätzlich abzulehnen, da sie Schülern eine
    > Markenorientierung und zusätzlich ein nicht optimal für den Unterricht
    > geeignetes Gerät aufzwingt.

    Die Schulbuchverlage hatten jahrelang Zeit das zu tun ...

    > Selbst als reiner "iBook-Reader" ist das iPad wegen seines fest eingebauten
    > Akkus nicht uneingeschränkt zu empfehlen.

    Immer dieses Argument mit dem Akku. Ich kann's nicht mehr hören. Ich habe noch nie davon gehört dass der fest verbaute Akku des iPads irgendwo in der Praxis ernsthaft mal ein Problem dargestellt hätte.

    > Ist der leer kann er eben nicht
    > in zehn Sekunden gegen einen geladenen aus der Schultasche gewechselt und
    > danach im Unterricht mit einem elektronischen Lehrbuch weitergearbeitet
    > werden, wie bei einem Notebook

    Genau, die Schüler die mit dem Notebook in die Schule kommen haben alle einen Ersatzakku im Rucksack stimmt's?

    > und ein leerer Akku eines iPads führt dann notgedrungen dazu,
    > dass ein Schüler kein Buch mehr hat bis er sein iPad wieder irgendwo
    > geladen bekommt.

    Oder man lädt das iPad abends einfach auf (so wie das Notebook ja auch) und kann dann tagelang damit arbeiten.

    > Hinzu kommen Datensicherungs- und Verfügbarkeitsprobleme: Was ist z.B. bei
    > einem Defekt eines iPads? Ist dann kein Arbeiten mehr möglich bis das Teil
    > ersetzt/repariert ist und was ist mit den darauf gespeicherten Büchern und
    > eventuellen Notizen zu diesen Büchern? Bei einem konventionellen Notebook
    > kann man die gesamte Festplatte z.B. auf einer externen USB-Festplatte
    > sichern.

    USB-Festplatte? Die runterfallen und kaputt gehen kann? Mit Kabel dran? Man, iPads machen vollautomatisch ein Backup in der iCloud und fertig.

    > Die Sicherung eines iPads über iCloud und iTunes ist jedenfalls langsam,
    > sichert nur bestimmte Daten und kein ganzes funktionsfähiges System

    Das ist falsch. Es wird alles gesichert. Verliert man sein iPad kann man ein neues nehmen und es aus dem iCloud-Backup 100% so wiederherstellen wie es davor war.

    Und ich habe noch nie erlebt dass eine iCloud-Sicherung auf meinem 32GB-iPad mehr als eine Minute gedauert hat. Ganz abgesehen davon dass sie sowieso im Hintergrund stattfindet und ich davon gar nichts mitbekomme.

    > Die Praxis zeigt, dass alleine eine langsame
    > Sicherung den meisten Menschen schon so unbequem ist, dass sogar die
    > meisten erwachsenen Leute auf regelmäßige Backups verzichten.

    Deswegen geschieht das j auch vollautomatisch, ohne dass ich dafür irgendwas machen muss. Das einzige mal dass ich was mit den Backups meines iPhones und meines iPads zu tun hatte war, als ich die Backupfunktion eingeschaltet habe. Seitdem machen sie seit Wochen jeden Tag regelmäßig ein Backup, ohne dass ich mich drum kümmern muss.

    Die Probleme die du aufzählst kommen genau bei der Gerätekonfiguration vor, die du als so viel besser vorgeschlagen hast: Notebook plus externe Festplatte. Die muss man nämlich dabei haben, anschließen, das Backup starten usw. All das entfällt ja beim iPad.

    > Diese Schulbuchaktion ist ein Trick von Apple neue Kunden an sich zu
    > binden.

    Wie gemein von ihnen! Was für ein hinterhältiger Trick!

    > Wenn man an die simplifizierte Bedienoberfläche
    > von iOS gewöhnt ist, fällt es diesen Kindern, wie auch Erwachsenen, schwer
    > auf Unix, Linux, Solaris, Windows, FreeBSD oder andere Betriebssysteme
    > umzusteigen

    Ja genau, DAS ist der Grund warum niemand zu Linux und FreeBSD umsteigen will... ;)

    > Meine Tochter kann heute im Vorschulalter schon
    > mit Windows und Linux auf einem alten Tablet von mir umgehen.

    Sie kann mit Linux umgehen? Wow!

    > Sie spielt,
    > zeichnet und malt darauf und kann ihre "Kunstwerke" auch abspeichern und
    > wieder öffnen.

    Aha, sie kann also nicht Linux bedienen, sondern ein paar Programme die darauf laufen! Wenn deine Tochter mit ihrem Malprogramm herummalt, ist es da nicht scheißegal unter welchem OS das nun läuft???

    > Lesen lernt sie dabei mal eben nebenbei

    Unter iOS würde sie natürlich nicht nebenbei lesen lernen, schon klar ...

    > Sie wird dort nur die Möglichkeiten und
    > Freiheiten vermissen, die ihr andere Systeme bieten und genau um diese
    > Perspektive geht es.

    Deine Tochter kommt dann also her und fragt dich "Papa, wieso kann ich denn auf meinem iPad den Kernel nicht neu kompilieren?" oder wie darf ich mir das vorstellen? Welche "Perspektiven" konkret meinst du denn?

  4. Re: Mal wieder eine neue Form der Sklaverei

    Autor Peter Brülls 21.01.12 - 16:20

    el3ktro schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > NeverDefeated schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------

    > > Die Sicherung eines iPads über iCloud und iTunes ist jedenfalls langsam,
    > > sichert nur bestimmte Daten und kein ganzes funktionsfähiges System
    >
    > Das ist falsch. Es wird alles gesichert. Verliert man sein iPad kann man
    > ein neues nehmen und es aus dem iCloud-Backup 100% so wiederherstellen wie
    > es davor war.

    Das stimmt so nicht ganz. Alles, was ein Programm von selbst nachladen kann - Webseiten, Ebooks, Musik, Karten - wird nicht gesichert.

    Gesichert werden soll eigentlich nur user-generated content.

  5. Re: Mal wieder eine neue Form der Sklaverei

    Autor el3ktro 21.01.12 - 16:24

    Ja das stimmt, solche Dinge werden dann von den Apps selbst nachgeladen.

  6. Re: Mal wieder eine neue Form der Sklaverei

    Autor Peter Brülls 21.01.12 - 16:40

    el3ktro schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ja das stimmt, solche Dinge werden dann von den Apps selbst nachgeladen.

    In der Praxis funktioniert das auch ganz gut, aber im Gegensatz zum lokalen Backup ist ein vollständiges Backup eben nicht garantiert.

    Aber ich muss wirklich mal überlegen, ob ich mir das lokale Backup sparre, da ich eigentlich keine Daten auf dem iPad habe, die ich nicht aus IMAP, Dropbox. git reporsitories und ähnlichem wiederherstellen kann.

  7. Re: Mal wieder eine neue Form der Sklaverei

    Autor ruckeleric 22.01.12 - 07:48

    Ich orte da bei dir ein paar grobe Bildungslücken. Insbesondere deine Definition von Sklavenarbeit lässt tiefe Abgründe erkennen und verhöhnt geradezu die Opfer.
    Da kann man nur hoffen, dass der Einsatz von iPads im Bildungswesen schnell vorankommt.

  8. Re: Mal wieder eine neue Form der Sklaverei

    Autor Netspy 22.01.12 - 14:43

    Peter Brülls schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    >
    > Das stimmt so nicht ganz. Alles, was ein Programm von selbst nachladen
    > kann - Webseiten, Ebooks, Musik, Karten - wird nicht gesichert.

    Das ist so pauschal auch falsch. Der Entwickler legt mittels eines Flags selbst fest, ob bestimmte Daten gesichert werden sollen oder nicht. So können wichtige Daten auch dann im iCloud-Backup gesichert werden, wenn sie heruntergeladen wurden.

  9. Re: Mal wieder eine neue Form der Sklaverei

    Autor k2r 23.01.12 - 15:06

    > ein iPad aufgrund des reinen Fingertouch-Displays weder
    > zum ernsthaften Verfassen von Texten

    ...einfach nur in alberner Stimmung das iPad rausholen, und schon kann man seine Texte drauf schreiben.

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