Bereits im Mai erschien der dritte Teil der erfolgreichen Myst-Reihe in den USA, seit ein paar Tagen ist nun auch die deutsche Version käuflich zu erwerben. Die Erwartungen an den Titel waren dabei recht hoch, schließlich konnten die ersten beiden Titel seit 1994 weltweit millionenfach abgesetzt werden.
http://www.golem.de/0109/15922.html
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Jetzt mal ehrlich:
zu 1) Interaktion mit anderen Menschen:
Ok, ich gebe zu, es gibt vielleicht in allen Myst-Titeln zu wenig Interaktion mit Menschen, aber wer will denn - wie in vielen Rollenspielen z.B. üblich - dauernd hunderte "Menschen" fragen müssen, von denen man dann einen Auftrag erhält, oder die einen ständig mit denselben Phrasen zu müllen, wenn man sie anklickt??? Myst war und ist vom Konzept her schon immer eher eine Ich-muss-alleine-eine-Welt-erkunden-Aufgabe gewesen. Ich bin da ganz froh drum.
Aber für alle diejenigen, die superviel Interaktion mit Menschen brauchen, denen sei gesagt, dass Cyan an einem Myst-Multiplayer-Universum arbeitet, in dem gleichzeitig mehrere tausend Spieler in der gleichen Welt Abenteuer zusammen bestehen können (Code name: Mudpie)
(http://members.aol.com/mystsequel/).
zu 2) Statische Welt
Sagt mal, meine lieben Rezenseure bei GNN: Was soll das?
Ihr solltet Euch doch eigentlich mit Computerhardware, Renderingverfahren, momentanen Möglichkeiten der grafischen Darstellung etc. auskennen - oder?
Bitte, welches Game zur Zeit besitzt ebenso genial gerenderte Screens und bietet dabei noch so viel Interaktion? IHR müsstet doch wissen, dass beim Erreichen einer möglichst großen Zielgruppe eine bestimmte Hardware-Voraussetzung nicht überschritten werden darf. Wären die Welten in Myst III nämlich dynamisch, würde ich bei Euch lesen, dass Myst III ja katastrophal hardwarehungrig wäre und kein normaler Gamer dieses Spiel spielen könnte.
So etwas bekommen wir für den Heimanwender-Bereich wohl erst in drei bis vier Jahren zu sehen...
zu 3) Inventar
Wenn ich ehrlich bin, steige ich bei dem ganzen Gerümpel, das ich in anderen Games mit mir herumschleppe, manchmal gar nicht mehr durch. Nicht nur, dass ich fast ein Studium brauche, bis ich das Game überhaupt erst spielen kann ... Nein! Man kann bestimmte Dinge in seinem Inventory auch noch kombinieren! Klasse, das macht doch alles viel einfacher! Da kommen dann so Sachen raus wie "kombiniere Holzbein mit Affenschaukel".
Also, wer das Spielprinzip der Myst-Serie kennt, weiss, dass alles nur über Bücher und Verstand zu lösen ist. Also warum sollte ich mehr mit mir herumschleppen?
zu 4) Zu schwierige Rätsel für "eher unerfahrene Spieler"
Wer sich ein solches Spiel kauft, muss eigentlich nur klicken und seine Birne einschalten.
Dass Myst viel Grips erfordert, ist spätestens seit 1993 mit dem ersten Teil klar. Aber gerade das macht doch ein Adventure aus, dass man zur Lösung eines Problems kreativ sein muss, sich an einer Aufgabe auch die Zähne ausbeisst oder sich sogar manchmal "anderer Mittel" bedienen muss.
Oder wollt Ihr lieber Angeln gehen? Is auch nett.
Ich habe schon gehört, dass die gesamte Spielzeit von Myst III bei ca. 30-40 Stunden liegt, was nicht allzu lang für ein Adventure OHNE Lösungsbuch ist. Also scheinen die Rätsel wohl eher zu leicht zu sein ... In Myst I und Riven waren sie auf jeden Fall knüppelhart. Wenn ich mich da noch an die Aufzüge in Channelwood (Myst I) oder in die verschiedenen Holzkugeln mit den Symbolen darauf, die man auch noch verschiedenen Tönen zuordnen musste (Riven), erinnere ... *argh*
zu 5) Bedienung der Maus
Ok, meine lieben blinden Opies, wir bringen Myst III noch einmal heraus - diesmal mit Leuchtstreifen auf dem Boden und Lösungszetttel, angepinnt neben jedes Rätsel. Einverstanden?
Aber hat dann dieses Spiel, welches sich genau mit all diesen Fähigkeiten oder auch "Unfähigkeiten" herumschlagen muss, dann noch das Genre-Label "Adventure" verdient?
Und warum gehört es dann - genau mit diesem Spielprinzip seit Myst I !!! - zu den meisterkauftesten Games aller Zeiten?
Ich kann mich erinnern, in Monkey Island IV auch keine Leuchstreifen auf dem Boden gesehen zu haben ...
Fazit:
Wer also viel "menschliche Interaktion", dynamische Welte mit viel Action, ein großes Inventory (zumindest was Schusswaffen anbelangt) und stupide Rätsel sucht, der sollte Half-Life, Quake oder andere Baller-Soaps spielen! Nicht wahr, liebe Redaktion? ;-)
Myst III ist ein großartiges Spiel, das jeden Pfennig (Cent), dan man dafür ausgibt, auch wert ist. Es ist eine konsequente und sehr gut gelungene Nachfolge seiner beiden Vorgänger, Myst & Riven und bietet den Spielern wieder einmal ein geniales Adventure-Vergnügen mit einer spannenden Storyline, die einen in seinen Bann zieht ... und natürlich mit vielen Stunden Spaß.
Gruß
Daniel
PS: Leuchtsreifen auf dem Boden habe ich in Half-Life übrigens auch nicht gesehen ...
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Hallo Daniel, danke für Deine wirklich sehr ausführliche Kritik an meinem Test.
Recht geben kann ich Dir in den meisten Punkten allerdings nicht: Weder verlange ich "hunderte "Menschen" fragen zu müssen", noch will ich ein Inventar "voller Gerümpel". Aber gelegentliche Gespräche mit anderen virtuellen Charakteren, in die ich zumindest teilweise eingreifen kann, oder ein Inventar, das zumindest begrenzt Gegenstände aufnehmen kann, ist wohl kaum zu viel verlangt.
Und nein, Monkey Island hatte auch keine "Leuchtstreifen", ich wäre aber schon zufreiden mit eine mauszeiger, der seine Form verändert wenn man in eine bestimmte Richtung oder in ein bestimmes Gebäude gehen kann - bei den meisten guten Adventures ist das ganu hnd gäbe.
Und sicherlich ist die Grafik auch so beeindruckend, trotzdem hätte etwas mehr Leben den Szenarien durchaus gut getan - und dies hätte sich zweifellos auch ohne völlig ausufernde Hardwareanforderungen bzw. mit intelligenten Optionen im Grafikmenü realisieren lassen.
Aber um auf mein Fazit zurückzukommen: Myst hat schon seit Jahren Millionen von Spielern begeistert, und auch der neue Teil wird die bisherigen Anhänger sicher nicht enttäuschen, aber "perfekt" ist dieses Spiel nun wirklich nicht.
Gruss, tw (Golem.de)
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