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Sind Elektroautos wirklich für einen großen Teil der Gesellschaft praxistauglich?

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  1. Sind Elektroautos wirklich für einen großen Teil der Gesellschaft praxistauglich?

    Autor: elidor 29.06.20 - 13:41

    Wenn ich ein BEV (Battery Electric Vehicle) zu Hause oder im Büro laden kann, dann sind BEVs praxistauglich. Aber wer zur Miete in einer Wohnung lebt hat diese Möglichkeit zu Hause häufig nicht und Firmen mit Ladesäulen kenn ich nur sehr wenig.
    Ich wäre also auf öffentliche Ladesäulen angewiesen. Da habe ich die Wahl zwischen Schnellladern und denen, die mit Wechselstrom laden.
    Ausschließlich an Schnellladern zu laden ist soweit ich weiß auch bei aktueller Akkutechnologie noch problematisch (oder habe ich da etwas verpasst?). Wohingegen das Laden an AC-Ladern lange dauert, was zum Problem wird, wenn man das nicht zu Hause, oder bei der Arbeit machen kann.
    Dazu kommt noch, dass man sehr häufig liest, dass der Ladezustand zwischen 20 und 80% liegen sollte, was den Spielraum natürlich weiter verringert, wenn man wert darauf legt sein Auto zu schonen und es lange zu fahren.

    In wie weit sind BEVs in dieser Situation auch nur ansatzweise so alltagstauglich, wie ein Verbrenner, oder ein Wasserstoffauto?

  2. Re: Sind Elektroautos wirklich für einen großen Teil der Gesellschaft praxistauglich?

    Autor: Frank Wunderlich-Pfeiffer 30.06.20 - 15:29

    Eine Wasserstofftankstelle kostet über eine Million Euro und kann ein Brennstoffzellenauto in etwa 3 Minuten voll betanken, mit 500km Reichweite. Ladesäulen mit 250 kW können einen Akku in 12 Minuten mit 50 kWh beladen. Das reicht für rund 300 Kilometer fahrt. Es braucht etwas mehr Zeit, aber dafür kosten diese Ladesäulen nur etwa 100.000 Euro, teilweise auch weniger. Außerdem sinken die Kosten jedes Jahr deutlich, mit einer Halbierung alle 3-4 Jahre. Auch wenn das Laden des Akkus 5 bis 10 Minuten länger dauert, ist es damit eine deutlich alltagstauglichere Technik, weil sie eher bezahlbar ist.

    Der nötige Strom für eine bestimmte Fahrstrecke ist billiger als der Wasserstoff. Elektroautos mit Akku sind erheblich billiger als vergleichbare Brennstoffzellenautos. Eine Wasserstofftankstelle kostet im Bau sehr viel mehr, selbst wenn die nötige Technik zur Wasserstoffherstellung und -versorgung ignoriert wird. Es wird deshalb immer viel weniger Wasserstofftankstellen als Schnelllader geben.

    Die wenigen Minuten längere Ladezeit an der Schnellladesäule sind jedenfalls ein schlechter Grund einem Brennstoffzellenauto den Vorzug zu geben, das wegen seiner Ineffizienz den 3-fachen Energieverbrauch hat, viel teureren Treibstoff benötigt, auch in der Anschaffung teurer ist und bei all dem auch noch viel weniger Motorleistung hat.

    Es gibt auch schon 350kW Ladesäulen, die noch etwas schneller laden. Für die nächste Generation der Formel-E-Rennwagen wird derzeit übrigens eine Technik mit 600 bis 800 kW entwickelt, was dann einer Ladegeschwindigkeit von 10 bis 13 kWh pro Minute entspricht.

    Moderne Akkus können in dem Bereich bis etwa 80 Prozent Kapazität schadlos schnell geladen werden, wenn sie vorher für die kurze Zeit des Ladevorgangs ausreichend vorgewärmt wurden. (Vorsicht, das gilt nicht gerade für jedes Handy oder andere Gadgets. In den meisten Fällen ist ein warmer Akku beim Laden schlicht unvermeidlich und kein besonderes Feature.)

    Das übernimmt im Auto alles die Bordelektronik, inklusive dem Schutz vor zu tiefer Entladung. Wenn die Akkuanzeige auf 0% steht, ist der Akku nicht wirklich leer. Es gibt immer Reserven zum Schutz vor den schädlichen Ladezuständen. Die volle Ladung ist für den Akku auch weitgehend unproblematisch, auch da schützt ein guter Hersteller durch Reserven die von der Elektronik festgelegt werden. Entsprechend haben etwa die Zellen des Tesla 3 in der Praxis nur eine Energiedichte von 247 Wh/kg, obwohl die Technologie eigentlich 265-270 Wh/kg zulassen sollte.

    Es kann also die volle Kapazität des Akkus genutzt werden. Wegen der hohen Kosten der Brennstoffzellenautos ist es sogar so, dass Elektroautos mit ähnlichem Preis sogar eine höhere Reichweite haben können.

    Das eigentliche Problem ist eben der Preis der Elektroautos, der noch immer zu hoch ist. Allerdings sind Akkuzellen inzwischen so kostengünstig herstellbar, dass die Autopreise noch deutlich sinken können. Die Zellen in einem 50 kWh Akku, für etwa 300km Reichweite, kosten derzeit nur noch etwa 5000 Euro. Die Preise fallen noch immer. Gleichzeitig ersetzen die Elektromotoren den teureren Verbrennungsmotor mit den komplizierteren Getrieben und Kupplungen. Zur Preisparität ist also kein kostenloser Akku nötig und bezahlbare Elektroautos sind durchaus absehbar.

    Frank Wunderlich-Pfeiffer (Twitter: @FrankWunderli13) - als freier Journalist bei Golem.de unterwegs - Countdown Podcast zur Raumfahrt @countdown_pod oder https://countdown.podigee.io/

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