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Jeder schimpft über Legacy-Systeme, aber wirklich ändern will es niemand

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  1. Jeder schimpft über Legacy-Systeme, aber wirklich ändern will es niemand

    Autor: Netzweltler 12.02.21 - 19:52

    Schon das im Artikel beschriebene Verhalten (Einfügen von ein paar neuen Code-Zeilen) führt doch auch mit zu dieser Situation. Denn es bleibt nicht bei dieser einen 'harmlosen' Änderung, Über die Zeit kommen nach und nach immer wieder neue kleine Änderungen hinzu, über die irgendwann jeder den Überblick verliert (auch weil beteiligte IT'ler irgendwann das Unternehmen verlassen haben).

    Dazu kommt, daß auch der Aufwand für ein neues Ersatzsystem hoch ist:
    - Die mit der Zeit entstandenen Querbeziehungen/-abhängigkeiten sind aufzulösen.
    - Einführung eines neuen Systems schlägt in den einzelnen Abteilungen hohe Wellen
    - Die Geschäftsführung muß dem zustimmen und grummelt, weil das meist auch finanziellen Aufwand bedeutet.

    Da lassen dann viele dann die Finger von so einem heißen Eisen und frickeln dann lieber mit dem Status Quo weiter.
    Und das ist nur zu verständlich.

  2. Legacy Software in Industrie und Handwerk

    Autor: CptData 12.02.21 - 22:14

    Es wird noch was nicht angefasst im Artikel:

    Software zur Steuerung von Maschinen. Der absolute Klassiker: die Maschinen veralten langsamer als die Software dazu. In altmodischen Werkstätten stehen manuelle Fräs- und Drehmaschinen aus den 1950ern rum, die aber noch immer genauso tun wie vor 70 Jahren. Auf solchen Dingen lernen Lehrlinge ihr Handwerk, aber auch der knorrige alte Meister bleibt lieber bei den Oldtimern, weil er sie versteht und weil sie einfach funktionieren.

    Dem entsprechen im Wesentlichen die in den 1990ern und 2000ern in Betrieb genommenen moderneren Maschinen: die Software ist eben für Windows NT4 oder Windows 2000 konzipiert und läuft nicht mehr auf Windows 7, 8 oder 10. Der ursprüngliche Anbieter existiert vielleicht nicht mehr oder das Team, was einst die Software zur Maschine geschrieben hat, ist anderen Projekten zugewiesen oder ist aufgelöst worden und niemand, der noch im Unternehmen ist, will sich da mit beschäftigen. Oder aber man bekommt neue Software - zum Preis einer kompletten Werkzeugmaschine. Da wird kurz überlegt, gelacht - und es bleibt bei der Legacy-Software aus den frühen 2000ern.

    Ich vertrete gewiss eine "unpopuläre" Meinung hier: alte, nicht mit Software gesteuerte Maschinen fahren ein Menschenleben lang Betrieb. Seit es Softwareunterstützung gibt, hat sich die Lebenserwartung solch einer Maschine auf einen Bruchteil reduziert - und die einzige Option, die Maschine im Betrieb zu halten, heißt "Service" und der kostet saftig Geld. Was früher der firmeneigene Schlosser hat flicken können, kostet jetzt schonmal 2000,- Euro Anfahrtpauschale. Dann sitzt da 2 Tage ein Servicetechniker dran, die Maschine steht still, jede Stunde kostet nochmal 300,- Euro. Und alles nur, weil es eine neue Software braucht, für die aber vor Ort Anpassungen vorgenommen werden müssen. Aber dann hört das Grauen nicht auf: die eingespeicherten Parameter und Programme für die einzelnen Projekte sind nicht mehr kompatibel mit der neuen Software und eine Import-Funktion fehlt. Entweder also alles neu einspeichern - oder den Service anrufen und es machen lassen. Das kostet auch wieder böse Geld.

    Am Ende hat man also einen gewaltigen Kostenoverhead für den Erhalt der Funktion einer Maschine - den man NICHT (!) hätte, wenn man beim Oldtimer aus dem Jahr 1950 geblieben wäre. Klar, Meisterchen muss dann wieder selber ran und alles an den Stellrädern einstellen ... aber möglicherweise ist das sogar billiger, als die Serviceleistungen. Und auch wenn der alte 2000er Rechner an der Maschine ein Sicherheitsrisiko ist, um den man eine kleine Sicherheitsinfrastruktur basteln musste, nur um den Rest zu sichern - auch das mag billiger und schneller sein, als den Service zu bestellen und ein grundsätzlich funktionierendes System per Update erstmal vollkommen zu zerschießen.

    Im Grunde also müsste gerade im Industriebereich gelten: never change a runnig system. Und dann hilft nur, Software zu pflegen und auf maximale Kompatibilität auszulegen. Das bedeutet dann eben auch, dass ein 1998 parametriertes Programm auch 2021 noch importiert werden können muss ... und sei's damals im 16-Bit-Texteditor zusammengeklöppelt worden mit 20 Basisbefehlen, statt heute mit 6000 möglichen Parametern ... die Frage, ob diese große Breite an Funktionen überhaupt jemand braucht, wird ja selten gestellt und wenn, dann antwortet nicht etwa der Arbeiter an der Maschine, sondern irgendein Betriebswirt, der nur wissen will, wieviele Euro man mit der Funktionserweiterung später sparen kann.

    Die Featuritis gepaart mit fehlender Abwärtskompatibilität UND dem enormen Kostenfaktor sind einfach eine extrem giftige Funktion. Soll sich also die Kultur rund um die Legacy-Software ändern, muss die Devise lauten: das Update ist die sicherere und günstigere Alternative, als das alte System weiter zu fahren.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 12.02.21 22:22 durch CptData.

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