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Rechtlich relativ einfach

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  1. Rechtlich relativ einfach

    Autor: Dakkaron 05.07.22 - 20:40

    Erstmal, es geht hier um GPL, nicht um MIT. MIT und ähnliche Lizenzen erlauben jegliche Verwendung. Da gibt es auch keine Probleme mit Copilot.

    GPL sagt aus, dass alle von GPL-lizensierten Werke ebenfalls GPL-lizensiert werden müssen.

    Also die erste Frage: Ist Copilot unter dem Copyright ein Werk? Die Antwort darauf ist eindeutig ja. Es ist selbst durch Copyright schützbar und eindeutig ein Werk.
    Im Gegensatz dazu ist ein menschlicher Programmierer, der von GPL-Code lernt, kein Werk, kann nicht durch Copyright geschützt werden, und ist damit auch kein abgeleitetes Werk.

    Zweite Frage: Ist Copilot von GPL-Code abgeleitet?

    Das kann man relativ leicht mit der folgenden Frage checken: Wenn man allen GPL-Code aus dem Trainingsset entfernen würde, wäre der Copilot deutlich anders raus gekommen?

    Da GitHub zu fast 22% aus GPL-Repos besteht, wäre es naiv zu glauben, dass der GPL-Code keinen Unterschied machen würde.

    Das heißt, es ist relativ sicher, dass Copilot ein abgeleitetes Werk von GPL-Code ist, und damit selbst unter GPL gestellt werden müsste.


    Noch ein kurzer Seitenhieb zur Schöpfungshöhe: Die betrifft nur die Frage, ob ein Werk kreativ genug ist, um durch Copyright geschützt zu werden. Ist ein Werk geschützt, darf man auch nicht ohne Weiteres Teile verwenden, die allein genommen die Schöpfungshöhe nicht erreichen. Dazu kommt, dass "Schöpfungshöhe" üblicherweise sehr gering ist.
    Als Beispiel: bei Queen vs Vanilla Ice waren 7 Noten (davon 6x der gleiche Ton) genug für eine erfolgreiche Klage.


    Da hört das Problem nicht auf: wenn Copilot GPL-geschützten Code repliziert, dann fällt der auch unter Copyright-Schutz, und das Projekt, in dem er verwendet wird, muss auch unter GPL gestellt werden. Selbst wenn dem Programmierer nicht klar ist, dass es sich um GPL-Code handelt.

    Das ist konsistent mit z.B. Oracle vs Google, wo ein ehemaliger Oracle-Angestellter bei seinem neuen Arbeitgeber Google eine triviale, kleine Funktion aus dem Gedächtnis noch mal gleich implementiert hat.

    Das alleine sollte eigentlich dafür sorgen, dass es jeder Firma zu heiß wäre, den Copilot für irgendwas zu verwenden.


    Und jetzt das große Caveat zu dem Thema:
    Der Unterschied zwischen den Beispielen, die ich gebracht habe, und der FOSS-Bewegung ist das Geld. Musiklabels und große Konzerne haben Geld und Anwälte genug für große legale Kriege. Die FOSS-Bewegung nicht.

    Deswegen wird es wahrscheinlich zu keinen Klagen (oder zumindest zu keinen Erfolgreichen) kommen. Hätte MS hierfür Oracle-Code eingelesen, dann hätte der Rechtskrieg jetzt schon begonnen.

  2. Re: Rechtlich relativ einfach

    Autor: lunarix 05.07.22 - 21:32

    Dakkaron schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Erstmal, es geht hier um GPL, nicht um MIT. MIT und ähnliche Lizenzen
    > erlauben jegliche Verwendung. Da gibt es auch keine Probleme mit Copilot.
    >
    > GPL sagt aus, dass alle von GPL-lizensierten Werke ebenfalls GPL-lizensiert
    > werden müssen.
    >
    > Also die erste Frage: Ist Copilot unter dem Copyright ein Werk? Die Antwort
    > darauf ist eindeutig ja. Es ist selbst durch Copyright schützbar und
    > eindeutig ein Werk.
    > Im Gegensatz dazu ist ein menschlicher Programmierer, der von GPL-Code
    > lernt, kein Werk, kann nicht durch Copyright geschützt werden, und ist
    > damit auch kein abgeleitetes Werk.
    >
    > Zweite Frage: Ist Copilot von GPL-Code abgeleitet?
    >
    > Das kann man relativ leicht mit der folgenden Frage checken: Wenn man allen
    > GPL-Code aus dem Trainingsset entfernen würde, wäre der Copilot deutlich
    > anders raus gekommen?
    >
    > Da GitHub zu fast 22% aus GPL-Repos besteht, wäre es naiv zu glauben, dass
    > der GPL-Code keinen Unterschied machen würde.
    >
    > Das heißt, es ist relativ sicher, dass Copilot ein abgeleitetes Werk von
    > GPL-Code ist, und damit selbst unter GPL gestellt werden müsste.

    Warum ist Copilot ein abgeleitetes Werk, wenn es Code analysiert? Demnach wäre jeder Linter oder jedes Tool zur Code-Analyse ein abgeleitetes Werk und müsste sich den Lizenzbedingungen der jeweiligen Programmiersprache unterwerfen.

    Rechtlich einfach ist das nur für juristische Laien. Ich gehe mal nicht davon aus, dass Du Jura studiert hast?



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 05.07.22 21:34 durch lunarix.

  3. Re: Rechtlich relativ einfach

    Autor: rslz 06.07.22 - 04:38

    Schonmal von Fair-Use gehört?

  4. Re: Rechtlich relativ einfach

    Autor: Dakkaron 06.07.22 - 07:45

    lunarix schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Warum ist Copilot ein abgeleitetes Werk, wenn es Code analysiert? Demnach
    > wäre jeder Linter oder jedes Tool zur Code-Analyse ein abgeleitetes Werk
    > und müsste sich den Lizenzbedingungen der jeweiligen Programmiersprache
    > unterwerfen.
    >
    > Rechtlich einfach ist das nur für juristische Laien. Ich gehe mal nicht
    > davon aus, dass Du Jura studiert hast?

    Verändert sich der Linter denn durch die Analyse des Codes? Und, wenn der Linter den Code nicht analysiert hätte, würde er bei Verwendung andere Ergebnisse liefern?

  5. Re: Rechtlich relativ einfach

    Autor: Dakkaron 06.07.22 - 07:47

    rslz schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Schonmal von Fair-Use gehört?

    Jup, natürlich. Fair Use erlaubt Zitate und Parodien auf urheberrechtlich geschützte Werke.

    Was genau hat das mit dem Copilot zu tun?

  6. Re: Rechtlich relativ einfach

    Autor: Magdalis 06.07.22 - 10:09

    Dakkaron schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Erstmal, es geht hier um GPL, nicht um MIT. MIT und ähnliche Lizenzen
    > erlauben jegliche Verwendung. Da gibt es auch keine Probleme mit Copilot.
    >
    > GPL sagt aus, dass alle von GPL-lizensierten Werke ebenfalls GPL-lizensiert
    > werden müssen.
    >

    Ich beschäftige mich mit Softwarelizenzen nur soweit, wie es für mich als Softwareentwickler unbedingt nötig ist.
    Aber eins sehe ich sofort: Dein Kommentar trieft von oben bis unten von völliger Ahnungslosigkeit:

    1.) Rechtlich ist nie etwas einfach, auch nicht relativ
    2.) Das beim Lernprozess auch GPL-lizenzierter Code genutzt wurde, ist bestenfalls eine Vermutung. Auf der Copilot-Seite steht davon nichts, und mir ist auch keine anderweitige Verlautbarung seitens Github bekannt, die das näher ausführen würden.
    3.) Es ist genau definiert, was unter "abgeleitetes Werk" zu verstehen ist, und was nicht.
    Eine Quelle dafür ist zum Beispiel https://ifross.org/wann-muss-eigenentwickelte-software-unter-gpl-lizenziert-werden. Am ehesten (und selbst das nur mit Vorbehalten) passt noch
    d) "Sofern GPL-Softwaretools als Hilfsmittel zur Erstellung eines Programms verwendet werden", was Deiner Argumentation widerspricht.
    e) Soweit ich das Statement überflogen habe, ist das auch gar nicht das Problem, dass man bei der SFC sieht. Die haben ein generelles Problem mit "proprietary". Da stellt sich mir vor allem die Frage, warum die nicht auch ein Problem mit IBM/Redhat, Google oder Oracle haben, die kräftig an GPL-Erzeugnissen verdienen, auch mit "proprietary" Tools.

  7. Re: Rechtlich relativ einfach

    Autor: blbm9 06.07.22 - 10:21

    Dakkaron schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Im Gegensatz dazu ist ein menschlicher Programmierer, der von GPL-Code
    > lernt, kein Werk, kann nicht durch Copyright geschützt werden, und ist
    > damit auch kein abgeleitetes Werk.

    Man könnte Menschen als selbstextrahierende EXEs sehen. Denn die produzieren ja in dem gewählten Szenario den Code, den sie vorher gesehen und somit in irgendeiner Form einverleibt hatten.

    Nach gängiger Auffassung führt die Erstellung von Archiven wie ZIP-Dateien noch zu keinem Derivat, sondern das ist erstmal eine Werksammlung. Ebenso gängige Auffassung ist, dass das Erstellen eines Programmes mit Einverleibung der Werkteile zum Derivat führt.

    Und die spannende Frage wäre jetzt: wie werden selbstextrahierende EXE-Archive bewertet?



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 06.07.22 10:23 durch blbm9.

  8. Nicht einfach, aber herleitbar

    Autor: yumiko 06.07.22 - 17:09

    Magdalis schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > 1.) Rechtlich ist nie etwas einfach, auch nicht relativ
    Da der Staat jedem mündigen Bürger auferlegt die Gesetze einzuhalten, ist es hinreichend einfach. Denn es darf nich tvon jemanden verlangt werden, was er nict leisten kann, das wäre nach unserem Rechtsstaat "sittenwiedrig".

    > 2.) Das beim Lernprozess auch GPL-lizenzierter Code genutzt wurde, ist
    > bestenfalls eine Vermutung. Auf der Copilot-Seite steht davon nichts, und
    > mir ist auch keine anderweitige Verlautbarung seitens Github bekannt, die
    > das näher ausführen würden.
    Das ist zumindest die Behauptung, welche im Artikel wiedergegeben wird.
    Auch wurde einige Berichten zufolge Copilot dazu gebracht 1:1 GPL Code zu reproduzieren (müsste man mal selbst konkret prüfen, nutze aber kein MS Kram, ich kan nschon selbst programmieren).

    > 3.) Es ist genau definiert, was unter "abgeleitetes Werk" zu verstehen ist,
    > und was nicht.
    > Eine Quelle dafür ist zum Beispiel ifross.org Am ehesten (und selbst das
    > nur mit Vorbehalten) passt noch
    > d) "Sofern GPL-Softwaretools als Hilfsmittel zur Erstellung eines Programms
    > verwendet werden", was Deiner Argumentation widerspricht.
    > e) Soweit ich das Statement überflogen habe, ist das auch gar nicht das
    > Problem, dass man bei der SFC sieht. Die haben ein generelles Problem mit
    > "proprietary". Da stellt sich mir vor allem die Frage, warum die nicht auch
    > ein Problem mit IBM/Redhat, Google oder Oracle haben, die kräftig an
    > GPL-Erzeugnissen verdienen, auch mit "proprietary" Tools.
    Dann bitte auch ganz lesen, wenn du die Seite schon zitierst.
    Nach a) "Wird eine unter der GPL lizenzierte Software so geändert, dass bestehende Dateien mit eigenem Code erweitert werden oder bestehender Code ersetzt wird, darf dieser Code stets nur unter der GPL vertrieben werden." wäre Copilot selbst nur per GPL zu vertreiben, da Copilot praktisch eien Code-Mapping/Ersetzungsmaschine ist.
    Damit wäre auch mit Copilot erzeugter Code per GLP geschützt: "Sofern GPL-Softwaretools als Hilfsmittel zur Erstellung eines Programms verwendet werden und kein Code dieser Werkzeuge in die so erzeugte Software eingefügt wird, müssen diese auch nicht der GPL unterstellt werden."

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