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Qualität bei Netflix (Black Mirror Spoiler)

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  1. Qualität bei Netflix (Black Mirror Spoiler)

    Autor: pythoneer 03.06.21 - 10:21

    Achtung der Text könnte Spoiler zu Black Mirror - San Junipero enthalten

    Ich habe auch ein eher gemischtes Gefühl was die Produktionsqualität auf Netflix angeht. Auf der einen Seite ist sie schon sehr beeindruckend und hat nachhaltig verändert in welcher (guten) Qualität wir Inhalten konsumieren (werden). Es ist aber nicht alles besser geworden. Ein Beispiel wo mir das äußerst negativ aufgefallen ist betrifft die Übersetzung. Generell schaue ich das meiste für mich auf Englisch. Dann wollte ich einer Freundin die Serie Black Mirror ans Herz legen und ihr vorgeschlagen, dass wir die Folge "San Junipero" mal gemeinsam gucken. Diesmal aber auf Deutsch, sie kann nicht so gut Englisch. Ich war ja regelrecht entsetzt wie schlecht das Übersetzt worden ist. Ich hatte ja gedacht, weil die gesamte Produktionsqualität im allgemeinen so gut ist wird das natürlich ebenso gut sein. Ich kann mich aber nicht mehr daran erinnern jemals eine so schlechte Übersetzung erlebt zu haben (bei einer sonst guten Produktion). Ich meine man ist es ja gewohnt, dass Sprichwörter, Witze etc. einfach schwierig sind und dann ist es der künstlerischen Auslegung der Übersetzung überlassen. Aber von so "komplizierten" Fällen rede ich gar nicht. Ganz einfache Sätze die jeder Anfänger der Sprache übersetzen könnte sind völlig verdreht und – ganz besonders schlimm – einfach falsch übersetzt. Das kann mal passieren aber das Problem bei San Junipero ist, dass es in fast jedem Satz passiert. Die Folge davon ist, dass zentrale Schlüsselstellen und wichtige Weltbildende Sätze komplett falsch und sinnverfälschend sind. So sehr, dass ich behaupten möchte, dass es sehr schwierig ist der Handlung richtig zu folgen.

    Ich möchte mal zwei Beispiele bringen.

    Es gibt am Anfang eine Barszene indem die zwei Protagonistinnen versuchen einen Typen abzuwimmeln. Dabei denkt sich die eine aus zu behaupten, dass die andere todkrank ist und sie sich alleine unterhalten wollen. Im Original (aus dem Gedächtnis) "she has only five months to live" die Übersetzung "Sie ist seit fünf Monaten krank". Nicht nur, dass hier temporal was falsch läuft hier wird auch der implizierte Sinn verfälscht. Es wurde vorher nämlich nicht etabliert, dass Sie todkrank ist. Das einzige Indiz was man als Zuschauer (und auch der abzuwimmelnde Typ) hat ist, dass Sie nach "nur noch fünf Monaten zu leben" eben tot sein wird. Wenn man aber lediglich sagt, dass sie seit fünf Monaten krank ist – dann hat das eben nicht die Implikation, dass sie sterben wird. Denn sie könnte ja auch einfach einen Schnupfen haben.



    Noch schlimmer wird es später in der Folge. Dort gibt es dann einen Satz wie (Gedächtnis) "she will pass away". Die Bedeutung ist logisch und eine korrekte Übersetzung wäre "Sie wird von uns gehen". In der Szene wird halt versucht jemandem behutsam deutlich zu machen, dass eine Person sterben wird darum auch nicht sowas wie "she will die" oder ähnlich "trockene" Formulierungen. In der deutschen Übersetzung hören wir dann sowas wie "Sie wird nach Hause fahren". Es ist unmöglich hieraus das Sterben der Person abzuleiten – WTF Netflix?!





    4 mal bearbeitet, zuletzt am 03.06.21 10:38 durch pythoneer.

  2. Re: Qualität bei Netflix (Black Mirror Spoiler)

    Autor: Prypjat 03.06.21 - 10:47

    Beim ersten Punkt gebe ich Dir recht. Das ist Sinnverfälschend, aber bei zweiten fand ich es nicht so wild, weil ich als Zuschauer (der es auf Deutsch gesehen hat) durchaus wusste, dass es sich dabei um eine Metapher handelt.

  3. Re: Qualität bei Netflix (Black Mirror Spoiler)

    Autor: pythoneer 03.06.21 - 11:10

    Prypjat schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Beim ersten Punkt gebe ich Dir recht. Das ist Sinnverfälschend, aber bei
    > zweiten fand ich es nicht so wild, weil ich als Zuschauer (der es auf
    > Deutsch gesehen hat) durchaus wusste, dass es sich dabei um eine Metapher
    > handelt.

    Aus dem Deutschen kenne ich aber die Metapher (Nach Hause fahren -> wird sterben) eben nicht. Vielleicht ist das für anderen (aus anderen Regionen) vielleicht anders. Jetzt kann man argumentieren "wird man schon irgendwie verstehen". Aber ich finde, dass sollte nicht der Anspruch für so eine Produktion sein. Hier sind (hoffentlich) Leute beteiligt die sich jeden Satz genau überlegen. Und in der Originalproduktion kommt mir das auch so vor. Zur Verteidigung muss man sagen, dass es in nachfolgenden Sätzen dann klar wird. Aber was ich damit andeuten wollte war eben: warum tut man sowas oder besser wie kommt es überhaupt zu solchen Fehlern? Das einzige was ich mir vorstellen kann ist, dass die Sätze ohne Kontext einzeln von einer Agentur übersetzt werden und da keiner drüber geguckt hat ob die im Zusammenhang Sinn ergeben. Und dann gab es halt eine andere Firma die das fertige Script halt eingesprochen hat und selber halt keine Kontrolle darüber hatte was da gesagt werden soll. Ich kann nur vermuten, dass es hier keine Firma mit Erfahrung getroffen hat die mit der Übersetzung beauftragt worden ist. Ich hatte mir mal den Spaß gemacht und zum Film jeweils auch die Untertitel aktiviert. Jeweils in allen Kombinationen. Interessant in der deutschen Version ist dann auch, dass kein Satz aus dem deutschen Untertitel jemals im deutschen so gesprochen wird. Ja, es gibt immer mal unterscheide (gerade bei langen Formulierungen die dann verkürzt werden) aber hier ist wirklich jeder Satz anders. Interessanterweise sind die Übersetzungen für den Untertitel (gefühlt) besser als das was gesprochen wurde (ob die von mir aufgezeigten Beispiele besser – oder zumindest "richtig" – waren, weiß ich nicht mehr). Hier sind vielleicht auch wieder zwei unterschiedliche Firmen beteiligt gewesen.

  4. Synchronisierung und Untertitel

    Autor: katze_sonne 03.06.21 - 11:23

    Stimmt. Die Übersetzungsqualitäten sind teilweise echt mies. Bei Amazon Prime dasselbe.

    Oft wird zu ganzen Filmteilen nur mit Untertiteln gearbeitet, um deutlich zu machen, dass es sich um eine Fremdsprache (sei es Spanisch oder Arabisch) handelt. Hab ich in dem Ausmaß von "früher" im Fernsehen so nicht so arg in Erinnerung. (ich finde es anstrengend, bei einem Fünftel vom Film Untertitel lesen zu müssen)

    Aber selbst das ist noch irgendwo ok. Aber wenn dann in manchen Szenen (zwei - drei Wortwechsel) die Untertitel komplett fehlen, fragt man sich schon, was das jetzt soll. Vergessen? Absicht? Stilmittel, damit der Zuschauer nicht weiß, was kommt? Andererseits ist es - gerade bei Spanisch - doch gar nicht so unwahrscheinlich, dass der eine oder andere Zuschauer auch die Fremdsprache kennt.

    Ist mir zuletzt bei "Jack Ryan" (an sich echt super) aufgefallen. Aber auch schon anderswo bei Netflix und Prime. ("Narcos" bei Netflix ist ja sogar das Extrembeispiel, das besteht ja quasi nur aus Untertiteln)

  5. Re: Qualität bei Netflix (Black Mirror Spoiler)

    Autor: Prypjat 03.06.21 - 11:28

    Bei Untertiteln konnte ich das schon oft beobachten.
    Ob es jetzt die Deutsche Tonspur mit Untertitel ist oder die Englische Tonspur mit Untertitel, spielte dabei keine Rolle.
    Das gesagte Wort und das geschriebene Wort waren immer unterschiedlich und oft nicht mal im selben Kontext.

    Bei Untertiteln kann ich es mir nur damit erklären, dass man diese möglichst einfach halten möchte, damit der mitlesende Zuschauer auch noch etwas vom Film mitbekommt.

    Deine Theorie zu den unterschiedlichen Firmen könnte durchaus passen. Bei den meisten Video Games klappt es ja schließlich auch, dass das gesprochene Wort mit dem Untertitel übereinstimmt.

  6. Re: Synchronisierung und Untertitel

    Autor: narsah 03.06.21 - 12:06

    Bei Narcos oder zum Beispiel auch Breaking Bad würde ich sagen, dass die Originalsprache durchaus auch zur Atmosphäre beiträgt.

  7. Re: Qualität bei Netflix (Black Mirror Spoiler)

    Autor: Garius 03.06.21 - 12:27

    Tja... Die Zeiten von Synchrongrößen wie Arne Elsholtz sind vorbei. Heutzutage hat man manchmal das Gefühl, dass der Sprecher noch nicht Mal die Texte des Kollegen kennt, mit dessen Figur er eigentlich einen Dialog führt. Viel schlimmer finde ich es z.B. bei den neuen Disney Produktionen. Früher wurde sich echt Gedanken gemacht, wie die Lieder übersetzt werden um die Reimform beizubehalten, gleichzeitig aber der Sinn dahinter erhalten bleibt. Heutzutage wird stur übersetzt.

    Let it, let it go
    Can't hold it back anymore
    Let it go, let it go
    Turn away and slam the door.

    Ich lass jetzt los, lass jetzt los
    Die Kraft sie ist grenzenlos
    Ich lass los, lass jetzt los
    Und ich schlag die Türen zu.

    o.Ô

  8. Re: Qualität bei Netflix (Black Mirror Spoiler)

    Autor: pythoneer 03.06.21 - 12:59

    Wobei ich bei Liedern, Reimen und Gedichte wirklich eine Ausnahme mache. Prinzipiell müsste man Lieder – unter Umständen – völlig neu komponieren. Und dabei hat man dann das Problem, dass der Wiedererkennungswert der Melodie etc. unweigerlich verloren geht. In Filmen recht schwer, denn dafür müsste man eigentlich auch die Szenen für das Lied/Gedicht etc. neu drehen, weil zum Beispiel Tänze nicht mehr zur Melodie passen. Das liegt ganz einfach daran, dass man bestimmte Dinge einfach nicht von einer auf die andere Sprache übertragen kann – prinzipiell nicht. Man kann Shakespeare nicht ins französische übertragen ohne dabei das "hört sich wich wie Shakespeare" an zu verlieren.

    https://www.youtube.com/watch?v=dUnGvH8fUUc



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 03.06.21 13:01 durch pythoneer.

  9. Re: Qualität bei Netflix (Black Mirror Spoiler)

    Autor: Garius 03.06.21 - 13:54

    pythoneer schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Wobei ich bei Liedern, Reimen und Gedichte wirklich eine Ausnahme mache.
    > Prinzipiell müsste man Lieder – unter Umständen – völlig neu
    > komponieren. Und dabei hat man dann das Problem, dass der
    > Wiedererkennungswert der Melodie etc. unweigerlich verloren geht. In Filmen
    > recht schwer, denn dafür müsste man eigentlich auch die Szenen für das
    > Lied/Gedicht etc. neu drehen, weil zum Beispiel Tänze nicht mehr zur
    > Melodie passen. Das liegt ganz einfach daran, dass man bestimmte Dinge
    > einfach nicht von einer auf die andere Sprache übertragen kann –
    > prinzipiell nicht. Man kann Shakespeare nicht ins französische übertragen
    > ohne dabei das "hört sich wich wie Shakespeare" an zu verlieren.
    >
    > www.youtube.com
    Hat aber bisher immer sehr gut funktioniert. Man kann, wenn man sich die Mühe macht. Es muss auch nicht jede Textzeile exakt übersetzt werden, sondern nur im Kontext Sinn machen. Im obigen Beispiel ist ja beides nicht Mal der Fall. Kein 1:1 Übersetzung und keine Reimform.

    Ich lass los, lass jetzt los
    Nur so finde ich mein Glück
    Ich lass los, lass jetzt los
    Dreh mich um, schau nicht zurück.

    Geht und ging in der Vergangenheit eigentlich mühelos, ist dank Reimform vor allem für Kinder eingängiger und macht mehr Sinn im Kontext zum originalen Text.

  10. Re: Qualität bei Netflix (Black Mirror Spoiler)

    Autor: pythoneer 03.06.21 - 15:19

    Ich wollte damit auch gar nicht Ihre Aussage invalidieren. Natürlich kann man sich bei einigen Sachen mehr Mühe geben. Ich wollte damit nur sagen, dass es bei Liedern und Gedichten etc. einfach mehr Aufwand machen kann – bzw. man mit unschönen Ergebnissen rechnen muss die sich mitunter nicht vermeiden lassen. Das ist natürlich kein Freibrief um sich überhaupt keine Mühe mehr geben zu müssen.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 03.06.21 15:19 durch pythoneer.

  11. Re: Synchronisierung und Untertitel

    Autor: katze_sonne 04.06.21 - 21:28

    narsah schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Bei Narcos oder zum Beispiel auch Breaking Bad würde ich sagen, dass die
    > Originalsprache durchaus auch zur Atmosphäre beiträgt.

    Stimmt teilweise schon - ganz klar. Trotzdem fand ich das manchmal anstrengend. Und im normalen Linear-TV hätte es sowas niemals gegeben. (ich persönlich bin da ein wenig zwiegespalten und kann mich nicht entscheiden, was ich besser finde...)

  12. Re: Synchronisierung und Untertitel

    Autor: scrumdideldu 04.06.21 - 22:22

    Wo wäre es aber mit den heutigen technischen Möglichkeiten ein Problem dem Zuschauer einfach die Wahl zu lassen?

    Narcos habe ich abgebrochen weil mich das lesen der UT genervt hat und bei Breaking Bad waren einige Folgen für mich auch grenzwertig.

    Ich kann nicht verstehen wie Untertitel lesen zu einer Atmosphäre beitragen kann. Es ist ja ok wenn in einer Unterhaltung die Charakter dann z.B. kurz auf spanisch/russisch/... ausweichen weil deutlich werden soll dass ein Dritter nicht versteht was hier nun gesprochen wird.

    Aber keine halben Serienfolgen lang!

  13. Re: Synchronisierung und Untertitel

    Autor: Kein Kostverächter 14.06.21 - 11:59

    Naja, im Linear-TV, zumindest im ÖR, hat es das sehr oft gegeben, gerade wenn Filme oder Serien als schlecht übersetzbar galten - oft auch zurecht. Die Comedy-Serie Monty Python's Flying Circus wurde z.B. im ÖR nur mit Untertiteln gebracht, erst als RTL in den 90ern die Rechte übernommen hatte, wurde eine (grottige) Synchronisation gemacht. In den 80ern gab es noch viele Filme, die OmU gezeigt wurden. In den 90ern ließ das erst nach.
    Ich sehe mir Filme gerne im Original an, auch wenn ich die Sprache gar nicht verstehe. Ich kann schnell lesen, auch periphär, so dass ich durchaus lesen kann und gleichzeitig sehe, was passiert. Das kommt übrigens mit der Zeit alleine, OmU schauen muss man etwas üben.
    Gerade asiatische Filme kommen im Original oft ganz anders rüber als mit Sychronisierung, da die starken Unterschiede in der Sprachstruktur das Ganze recht seltsam wirken lassen.

    Bis die Tage,

    KK

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    Mach dir deine eigenen Götter, und unterlasse es, dich mit einer schnöden Religion zu beflecken.
    (Epikur, griech. Phil., 341-270 v.Chr.)
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