Abo
  1. Foren
  2. Kommentare
  3. Audio/Video
  4. Alle Kommentare zum Artikel
  5. › Golem.de guckt: Sturmtruppler…

Was hat die deutsche Filmkritik damals auf DAS DING eingekeilt!

  1. Thema

Neues Thema Ansicht wechseln


  1. Was hat die deutsche Filmkritik damals auf DAS DING eingekeilt!

    Autor: Charles Marlow 29.01.11 - 17:28

    Einer von den Filmen, die Herr Stefen von der BPjS damals mit Vorliebe (ausschnittsweise) in seinen "Greuelvideos" den dezent-entsetzten Zensur-Anwärtern und Jugendschutz-Gläubigen vorgeführt hat.

    Exkanzler "80 Millionen Spendenaffäre"-Kohl hat dank diesem und anderen fleissigen Helfern ja immer von der "geistig-moralischen" Bankrott... äh, Wende in seinem Wahlkampf fabuliert. Und die BPjS durfte bis zum Abgang Stefens besonders begeistert (im Geheimen) schnippeln, indizieren, beschlagnahmen und verbieten (lassen).

    Nene, das Ding unzensiert im TV war ein echtes No-No. Undenkbar.

    Das erste Mal habe ich den Film dann unzensiert auf ORF 1 gesehen. Kam irgendwann Mitte/Ende den 80er Jahren dort - (wie sich das gehört) zu einer Uhrzeit für Erwachsene auf einem Sender aus einem Land, das Erwachsene für erwachsen genug hält, so etwas unzensiert zu sehen.

    Übrigens bis heute eines der erfreulichsten Markenzeichen Österreichs, dass es dort keine BPjS oder vergleichbare Zensurstelle gibt. Dafür haben sie zwar Jörg Haider (ok, hatten) und die FPÖ/BZÖ, aber darüber kann man in Anbetracht von Bayern und der CSU bei uns locker hinwegsehen.

    Zurück zum DING... von vielen Dummschwätzern der deutschen Filmkritik damals als "frisch vom Schlachthof" verunglimpft, ist der Film - ebenso wie die makabre Horrokomödie TANZ DER TEUFEL (aka EVIL DEAD) - gar nicht mal soo blutrünstig und vor allem durch seine Stimmung, Story und die guten Schauspieler ein Klassiker.

    Im Gegensatz zum Schwarzweiss-Film aus den 50er Jahren, der heute vor allem durch seine Frauenfeindlichkeit und den besonders dummdämlichen wissenschaftsfeindlichen Unterton negativ auffällt und auch mehr oder weniger unverblümt vor einer Invasion der Sowjets warnt ("Keep watching the skies!"), ist das "Remake" eine nahezu wortgetreue Verfilmung der Kurzgeschichte von 1938 (!) WHO GOES THERE. Wer die noch nicht gelesen hat, unbedingt nachholen! Es gibt vom gleichen Autor John W. Campbell (jr.) auch noch eine Fortsetzung - allerdings keinen grossen Roman mit viel Action erwarten. Das bleibt den Romanen zum Film und natürlich dem ausgezeichneten Spiel überlassen.

    Carpenter hat immer dann die besten Filme gemacht, wenn er nicht zuviel Geld hatte, um sich einen abzuspinnen (wie z.B. bei ESCAPE FROM L.A.). Der blutjunge Rob Bottin (gerade mal 17 Jahre alt) hat damals die Effekte dafür gemacht.

    Apropos Rob Bottin. Ich plädiere auch heute noch dafür, jedem Menschen, der sich seinen Audiokommentar auf der S7VEN-DVD ohne Unterbrechung und Tobsuchtsanfall bis zum Schluss angehört hat ("you know"), das Bundesverdienstkreuz am Hosenband zu verleihen. Und wer den Orden noch gern in Gold und mit Diamanten im Eichenlaub und einem lebenslangen Vorrat an Valium verliehen haben möchte, darf sich dann mal einen Audiokommentar von Roland Emmerich "geben". "Don't ya! Like ya!" ;)

    Wo war ich? Wo ging's weiter? Achja, Carpenters Audiokommentare hingegen sind immer genial! Vor allem zusammen mit Kurt Russell. Fokussiert und informativ! Und "click" schon geht Russells Zippo, weil er sich die nächste Kippe anzündet. Wer DAS DING also mag, sollte sich unbedingt die unzensierte DVD davon zulegen und den AK anhören! Ihr werdet's nicht bereuen!

  2. Re: Was hat die deutsche Filmkritik damals auf DAS DING eingekeilt!

    Autor: Keridalspidialose 29.01.11 - 18:26

    Ich bin mir nicht sicher, aber auf Tele5 (das Tele5 von damals) kam der Film auch mal im deutschen Fernsehen unzensiert. Damals...

    Kann mich aber auch irren, da wir im osten Baden-Würtembergs ORF1 und ORF2 im Kabel hatten.

  3. Re: Was hat die deutsche Filmkritik damals auf DAS DING eingekeilt!

    Autor: Charles Marlow 29.01.11 - 19:38

    Keridalspidialose schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich bin mir nicht sicher, aber auf Tele5 (das Tele5 von damals) kam der
    > Film auch mal im deutschen Fernsehen unzensiert. Damals...
    >
    > Kann mich aber auch irren, da wir im osten Baden-Würtembergs ORF1 und ORF2
    > im Kabel hatten.

    Hm, soweit ich mich erinnere war der ORF schon 1986/87 dran. Tele 5 gab's aber erst ab 1988. Und dass die Fassung dann unzensiert war, wage ich zu bezweifeln.

  4. Re: Was hat die deutsche Filmkritik damals auf DAS DING eingekeilt!

    Autor: irata 29.01.11 - 22:23

    Charles Marlow schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > vor allem durch seine Stimmung, Story und die guten
    > Schauspieler ein Klassiker.

    Hab ihn neulich gesehen, im Original und unzensiert.
    Fantastisch, und besser als ich ihn in Erinnerung hatte.
    Mag auch daran liegen, dass ich damals kein großer Fans von Gummi-Effekten war ;-)
    Am besten hat meiner Meinung nach der Hund gespielt - kein Scherz!

    Den Original-Schinken mag ich allerdings auch recht gern, und von der "Frauenfeindlichkeit" ist mir nicht viel aufgefallen - eher im Gegenteil.
    Die Frau war überraschend und erfrischend "frech" in Anbetracht der gesellschaftlichen Frauenrolle der damaligen Zeit.
    Und die Szene wo das Ding umzingelt wird, und dafür ein paar Leute nach draußen geschickt werden, finde ich auch interessant - im Gegensatz zu den meisten Filmen wird tatsächlich kurz gewartet, damit die anderen auch Zeit genug haben zum Rausgehen.
    Ach ja, angeblich soll eines der vielen Nachahmer dieses Films - wo die Handlung einfach in ein Raumschiff versetzt wurde - sowas wie ein Vorgänger von Alien sein.

    Zum Thema Frauenfeindlichkeit bzw. versteckter Frauenfeindlichkeit kann ich nur die 70er Serie "Die Mädchen aus dem Weltraum" (Star Maidens) empfehlen. Da werden die klassischen Vorurteile einfach umgedreht - a la "Männer verstehen nichts von Technik" ;-)
    Hab das Juwel erst vor kurzem entdeckt, fällt wohl in die Kategorie "so schlecht das es wieder gut ist".
    Mit Pierre Brice ("Winnetou" und Sci-Fi!), Gareth Thomas ("Blake's 7", Pflicht für Sci-Fi Fans!) und Christiane Krüger usw.

  5. Re: Was hat die deutsche Filmkritik damals auf DAS DING eingekeilt!

    Autor: Damar 30.01.11 - 00:50

    lief mal auf SF1 ungekürzt.

  6. Re: Was hat die deutsche Filmkritik damals auf DAS DING eingekeilt!

    Autor: Charles Marlow 30.01.11 - 08:25

    Damar schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > lief mal auf SF1 ungekürzt.

    Ja, den Schweizern ist das auch zuzutrauen. :)

    Allerdings sollte man bei der Gelegenheit nicht von Salò und Pasolini sprechen. ;)

  7. Re: Was hat die deutsche Filmkritik damals auf DAS DING eingekeilt!

    Autor: Charles Marlow 30.01.11 - 08:49

    > Hab ihn neulich gesehen, im Original und unzensiert.

    Wurde auch Zeit, dass der nach fast 30 Jahren mal vom Index runterkommt.

    > Fantastisch, und besser als ich ihn in Erinnerung hatte.

    Die Cinematographie und auch die Musik sind sehr gut! Aber zu dem Zeitpunkt war Carpenter auch noch auf der sicheren Seite.

    > Mag auch daran liegen, dass ich damals kein großer Fans von Gummi-Effekten
    > war ;-)

    Der Film war ja nicht sehr teuer. Einige Effekte sind sogar nur Stop-Motion. Was aber nicht so sehr auffällt, da das Ding eben... ein Ding ist.

    > Am besten hat meiner Meinung nach der Hund gespielt - kein Scherz!

    Hehe. Ja, sehr subtil. Carpenter lobt auch ausdrücklich den Hundetrainer dafür.

    > Den Original-Schinken mag ich allerdings auch recht gern, und von der
    > "Frauenfeindlichkeit" ist mir nicht viel aufgefallen - eher im Gegenteil.
    > Die Frau war überraschend und erfrischend "frech" in Anbetracht der
    > gesellschaftlichen Frauenrolle der damaligen Zeit.

    Das ist ganz bewusst so gemacht. Nach dem Krieg waren die Frauen fast gleichberechtigt in der US-Gesellschaft, da die Männer ja als Soldaten nicht zuhause waren. Um dem ein Ende zu bereiten, hat man diesen selbstbewussten Typ Frau im Film ganz bewusst auflaufen lassen. Hier z.B. ist sie am Ende IMMER auf den Mann als Beschützer angewiesen! Die Geschlechterrolle wird wieder streng definiert, auch wenn die Frau noch "nützlich" sein darf.

    Und wieso man dort der Wissenschaft bzw. den Wissenschaftlern so feindselig gegenübersteht, hat auch damit zu tun, dass Fuchs den Sowjets damals gerade die Wasserstoffbombe zugespielt hatte. Darum vertraute man den "hehren" Wissenschaftlern nicht.

    > Und die Szene wo das Ding umzingelt wird, und dafür ein paar Leute nach
    > draußen geschickt werden, finde ich auch interessant - im Gegensatz zu den
    > meisten Filmen wird tatsächlich kurz gewartet, damit die anderen auch Zeit
    > genug haben zum Rausgehen.

    Howard Hawks ist auch eines der Vorbilder von Carpenter und ein überaus kompetenter Regisseur. Genial ist die Szene, wo sie das Schiff im Eis finden (wird im Remake auch "zitiert"). Minimalistisch aber effizient.

    > Ach ja, angeblich soll eines der vielen Nachahmer dieses Films - wo die
    > Handlung einfach in ein Raumschiff versetzt wurde - sowas wie ein Vorgänger
    > von Alien sein.

    Ähm. Hmm. Da muss man etwas unterscheiden. Es gibt auf der Storyseite Einflüsse auf die Entstehung von Alien. Da ist DAS DING definitiv wichtig - AAABER auch It! The Terror from Beyond Space (von 1958) (hat übrigens keinen deutschen Titel, evtl. gar nicht bei uns erschienen). Den meinst Du vermutlich.

    Es gibt aber noch einen Film mit einem viel direkteren Einfluss - sogar auf die Cinematographie - von Alien und das ist Mario Bavas Planet der Vampire (Terrore Nello Spazio)**. Den würde ich hiermit auch mal empfehlen, der ist erstaunlich gut. Die dummdämliche US-Fassung davon hängt noch ein dumm-dämliches Ende dran, also unbedingt die Version in der Originalfassung anschauen!*

    > Zum Thema Frauenfeindlichkeit bzw. versteckter Frauenfeindlichkeit kann ich
    > nur die 70er Serie "Die Mädchen aus dem Weltraum" (Star Maidens) empfehlen.

    Jaaaa! Daran erinnere ich mich noch GANZ dunkel. Der Planet Medora. ;)

    > Da werden die klassischen Vorurteile einfach umgedreht - a la "Männer
    > verstehen nichts von Technik" ;-)

    Die Serie ist witzig, wenn auch ziemlich vordergründig. Aber das deutsche Fernsehen hat ja auch mal sowas wie Raumpatrouille gestemmt. Lang ist's her!

    > Hab das Juwel erst vor kurzem entdeckt, fällt wohl in die Kategorie "so
    > schlecht das es wieder gut ist".

    Sehr zeitgenössisch. Wobei die 70er auch noch einiges an guten Fernsehproduktionen zu bieten haben.

    > Mit Pierre Brice ("Winnetou" und Sci-Fi!), Gareth Thomas ("Blake's 7",
    > Pflicht für Sci-Fi Fans!) und Christiane Krüger usw.

    Solide besetzt. Wie vieles damals.


    * Ein besonderer Tip, den viele SF-Fans nicht kennen, ist der tschechoslowakische Film IKARIE XB-1. Der nimmt in Story und Cinematographie z.T. schon 2001 vorweg (um 5 Jahre) und wird sicherlich auch ein direkter Einfluss auf Kubrick gewesen sein. Leider kriegt man den in der Langfassung nur aus der Tschechei. Aber immerhin mit englischen Untertiteln und ordentlich Extramaterial.

    Für eine detaillierte Besprechung empfehle ich den Review von Savant:

    http://www.dvdtalk.com/dvdsavant/s1867ikar.html

    Wer mal eine der besten Szenen aus diesem Film sehen will:

    http://www.youtube.com/watch?v=hyraLxGHgzo


    ** Besprechung: http://www.dvdtalk.com/dvdsavant/s385planet.html

  8. Re: Was hat die deutsche Filmkritik damals auf DAS DING eingekeilt!

    Autor: Damar 30.01.11 - 14:11

    Charles Marlow schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    >
    > > Den Original-Schinken mag ich allerdings auch recht gern, und von der
    > > "Frauenfeindlichkeit" ist mir nicht viel aufgefallen - eher im
    > Gegenteil.
    > > Die Frau war überraschend und erfrischend "frech" in Anbetracht der
    > > gesellschaftlichen Frauenrolle der damaligen Zeit.
    >
    > Das ist ganz bewusst so gemacht. Nach dem Krieg waren die Frauen fast
    > gleichberechtigt in der US-Gesellschaft, da die Männer ja als Soldaten
    > nicht zuhause waren. Um dem ein Ende zu bereiten, hat man diesen
    > selbstbewussten Typ Frau im Film ganz bewusst auflaufen lassen. Hier z.B.
    > ist sie am Ende IMMER auf den Mann als Beschützer angewiesen! Die
    > Geschlechterrolle wird wieder streng definiert, auch wenn die Frau noch
    > "nützlich" sein darf.
    >
    Heute ist das in horrorfilmen ganz anders. Da sind es immer die Frauen die überleben, das "Final Girl".
    Da bleibt bis zu letzt ein mann und ne frau übrig, und der mann muss sich heldenhaft opfern und liegt mit nem gequälten ausdruck im gesicht in der ecke, damit die frau, mutig, taff und blutverschmierte überlebt. fast wie in ner normalen scheidung
    >

  9. Re: Was hat die deutsche Filmkritik damals auf DAS DING eingekeilt!

    Autor: Charles Marlow 30.01.11 - 15:40

    > Heute ist das in horrorfilmen ganz anders. Da sind es immer die Frauen die
    > überleben, das "Final Girl".

    Von diversem Torture Porn einmal abgesehen. Habe mir erst neulich MARTYRS gegeben, den ich übrigens nicht für ein Meisterwerk halte. Provokation galore zwar, aber keine konkrete Aussage und dafür eine vage "Mythologie". Als der Regisseur dazu gefragt wurde, hatte er keine Antwort. Nicht sehr berühmt. Bisschen provozieren reicht wohl schon?

    > Da bleibt bis zu letzt ein mann und ne frau übrig, und der mann muss sich
    > heldenhaft opfern und liegt mit nem gequälten ausdruck im gesicht in der
    > ecke, damit die frau, mutig, taff und blutverschmierte überlebt. fast wie
    > in ner normalen scheidung

    Äh, auch das wäre klassisch, weil der Mann sich als Held für die Frau opfert. Anders wäre der Fall, wo nur die Frau als Heroin übrigbleibt und es kein Opfer gab. The Descent z.B. Oder auch schon Alien.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 30.01.11 15:41 durch Charles Marlow.

  10. Re: Was hat die deutsche Filmkritik damals auf DAS DING eingekeilt!

    Autor: irata 30.01.11 - 17:48

    Charles Marlow schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Am besten hat meiner Meinung nach der Hund gespielt - kein Scherz!
    >
    > Hehe. Ja, sehr subtil. Carpenter lobt auch ausdrücklich den Hundetrainer
    > dafür.

    Soll ja nicht heißen, dass die Schauspieler schlecht waren ;-)
    Die Szene wo der Hund kurz an der Tür stehen bleibt und lauscht, ohne hinzusehen.
    Da könnte manch ein Schauspieler noch was lernen ;-)


    > Die Geschlechterrolle wird wieder streng definiert, auch wenn die Frau
    > noch "nützlich" sein darf.

    Sehe ich jetzt nicht so schlimm - damals war die Frauenbewegung auch noch nicht so präsent.
    Wenn man bedenkt wie die Geschlechter-Klischees heutzutage im privaten TV hochstilisiert werden, ist das eher ein Rückschritt.
    Das Frauenbild in den Screwball Comedies der 30er/40er war schon sehr selbstbewusst. In diversen Komödien der 60er gab es auch die typischen schrecklichen alten Emanzen - zumindest war das Schema schon mal im öffentlichen Bewusstsein.
    Für Klischees und Zeitgeist der 60er kann man auch die Serie "Mad Men" sehr empfehlen. Frau hat eine Idee - "it's like watching a dog driving a car" ;-)


    > Und wieso man dort der Wissenschaft bzw. den Wissenschaftlern so feindselig
    > gegenübersteht, hat auch damit zu tun, dass Fuchs den Sowjets damals gerade
    > die Wasserstoffbombe zugespielt hatte. Darum vertraute man den "hehren"
    > Wissenschaftlern nicht.

    Ob das nun was mit Fuchs zu tun hat, weiß ich nicht.
    Ein wenig Skepsis gegenüber der Wissenschaft ist jedenfalls nicht so falsch.
    Interessant ist vor allem die Veränderung der Methoden für "böse Wissenschaft",
    anfangs war es die Elektrizität (Frankenstein), später natürlich Radioaktivität,
    und heute ist es meisten Gentechnik. Wie einfallsreich ;-)


    > Ähm. Hmm. Da muss man etwas unterscheiden. Es gibt auf der Storyseite
    > Einflüsse auf die Entstehung von Alien. Da ist DAS DING definitiv wichtig -
    > AAABER auch It! The Terror from Beyond Space (von 1958) (hat übrigens
    > keinen deutschen Titel, evtl. gar nicht bei uns erschienen). Den meinst Du
    > vermutlich.

    Das ist der Film. Die Aussage stammt übrigens von einem Kritiker, dessen Meinung ich nicht unbedingt teile ;-)
    Planet der Vampire hab ich zwar noch nicht gesehen, aber die Szene mit dem Alien-Skelett kenne ich. Sehr schön gemacht.
    Ich glaub, dass ist auch der Film, wo nur ein einziger künstlicher Fels für die Kulissen zur Verfügung stand, und den hat man je nach Einstellung immer anders platziert. Und viel Nebel um alles zu kaschieren.
    Toll gemachte billige Effekte sind oftmals reizvoller als schlecht eingesetzte High-Tech. Kamera auf Brett (Sam Raimi) sieht manchmal besser aus als Steadicam.
    Ein "Dark Star" gefällt mir auch viel besser als dünne CGI-Filme.


    > Jaaaa! Daran erinnere ich mich noch GANZ dunkel. Der Planet Medora. ;)

    Für mich ist das relativ neu, hab das damals wohl übersehen.
    Die Dialoge sind manchmal echte Kracher:
    "Ein Gerät um die Männer zu orten. Es ist zu kompliziert um es zu erklären. Nennen wir es einfach Männersucher" (heute wäre das wohl GPS?)
    "Ich möchte Raumpilotin werden! - Sie haben bestanden!"
    "Code ungenau"
    ;-)
    Ein kleiner Überblick für nicht Eingeweihte:
    http://www.youtube.com/watch?v=x4b2mg1Vd2A


    > Sehr zeitgenössisch. Wobei die 70er auch noch einiges an guten
    > Fernsehproduktionen zu bieten haben.

    Hab erst neulich wieder "Simplicissimus" (1975) gesehen. Weltklasse!
    Geht in eine ähnliche Richtung wie Forrest Gump (Naivling entdeckt die Welt), allerdings im 30jährigen Krieg, und mMn auch in einigen Punkten besser.
    "Das Millionenspiel" (1970) hat sehr viel Ähnlichkeit mit "Running Man".
    Oder "Welt am Draht" (1973), ein Virtual Reality Film aus den 70ern!
    In den 70ern waren die deutschen Produktionen noch wirklich interessant.
    Heute scheint mir wird sich zu sehr an US-Filmen und -Kultur orientiert. Schade.


    > * Ein besonderer Tip, den viele SF-Fans nicht kennen, ist der
    > tschechoslowakische Film IKARIE XB-1. Der nimmt in Story und
    > Cinematographie z.T. schon 2001 vorweg (um 5 Jahre) und wird sicherlich
    > auch ein direkter Einfluss auf Kubrick gewesen sein. Leider kriegt man den
    > in der Langfassung nur aus der Tschechei. Aber immerhin mit englischen
    > Untertiteln und ordentlich Extramaterial.

    Hab ich schon mal in einer "best of" Liste gesehen. Muss ich mir vormerken.
    Zwei "Vorläufer" von 2001 hab ich schon gesehen - "Conquest of Space" (1955) und "Destination Moon" (1950) - beides George Pal Produktionen.
    Nicht besonders empfehlenswert, aber technisch und historisch interessant ;-)

  11. Re: Was hat die deutsche Filmkritik damals auf DAS DING eingekeilt!

    Autor: Charles Marlow 30.01.11 - 19:48

    Vorsicht, lange Antwort! ;)

    > Soll ja nicht heißen, dass die Schauspieler schlecht waren ;-)
    > Die Szene wo der Hund kurz an der Tür stehen bleibt und lauscht, ohne
    > hinzusehen.
    > Da könnte manch ein Schauspieler noch was lernen ;-)

    Eigentlich ist das eher eine Szene, wo Regisseure von lernen sollten. Denn einerseits hat Carpenter das komplett als Storyboard umgesetzt. Und zum anderen muss man mit Schauspielern und Tieren richtig umgehen können. Was für George Lucas z.B. das grösste Problem ist.

    > Sehe ich jetzt nicht so schlimm - damals war die Frauenbewegung auch noch
    > nicht so präsent.

    Ahem. Du denkst jetzt an die militanten Emanzen a la Women's Lib aus den späten 60er Jahren? Nun, die gab es da sicherlich noch nicht, aber Suffragetten und die aufkommende Beatnik-Bewegung hatte auch Gleichberechtigungstendenzen (die wiederum aus dem spiessigen Backlash nach dem Krieg resultierten).

    > Wenn man bedenkt wie die Geschlechter-Klischees heutzutage im privaten TV
    > hochstilisiert werden, ist das eher ein Rückschritt.

    Unsere Zeit ist im Vergleich zu den späten 60er und frühen 70er Jahren eindeutig ein Rückschritt! Spiessiger, militaristischer und materialistischer.

    > Das Frauenbild in den Screwball Comedies der 30er/40er war schon sehr
    > selbstbewusst.

    Zurückzuführen auf gesellschaftliche Auswirkungen nach dem Ersten Weltkrieg, Weltwirtschaftskrise und dann natürlich die Kriegszeit bis 1945.

    > In diversen Komödien der 60er gab es auch die typischen schrecklichen alten
    > Emanzen - zumindest war das Schema schon mal im öffentlichen Bewusstsein.

    Je nachdem, wer diese Filme damals hat produzieren lassen.

    > Für Klischees und Zeitgeist der 60er kann man auch die Serie "Mad Men" sehr
    > empfehlen. Frau hat eine Idee - "it's like watching a dog driving a car"
    > ;-)

    Ist auch nett.

    > Ob das nun was mit Fuchs zu tun hat, weiß ich nicht.

    Natürlich. Die US-Politik misstraute damals der ganzen wissenschaftlichen Gemeinde - vor allem den Europäern, die massgeblich für die Entwicklung der Atombombe verantwortlich gewesen waren.

    > Ein wenig Skepsis gegenüber der Wissenschaft ist jedenfalls nicht so
    > falsch.

    Darum geht's nicht. In dem alten Film wird klar Position bezogen, dass man Wissenschaftlern nicht trauen kann. Und dass nur das Militär weiss, was "gut" ist. "Shoot first, ask questions later!"

    > Interessant ist vor allem die Veränderung der Methoden für "böse
    > Wissenschaft", anfangs war es die Elektrizität (Frankenstein), später
    > natürlich Radioaktivität, und heute ist es meisten Gentechnik.

    Stimmt. Die Themen variieren immer mit der Gesellschaft und Zeit der Entstehung des jeweiligen Films.

    Die Moderne hat immer auch eine starke Gegenreaktion ausgelöst. Langs Metropolis ist das beste Beispiel dafür - Technologie und Kybernetik und auf der anderen Seite religiöse Motivik, Endzeitstimmung und Gothik. Der Expressionismus wird ja auch gern als "Neogothik" bezeichnet.

    Die Motive selber variieren. Metropolis hat z.B. schon Automatisierung ("Moloch") und Kybernetik (Maria) als "böse" Auswüchse der Moderne.

    Frankenstein wiederum befasst sich weniger mit Elektrizität, sondern der Medizin, der Psychoanalyse und der rasanten Weiterentwicklung der Technik ("Schöpfung") und der Frage, welche Konsequenzen für die Menschen und Menschlichkeit daraus entstehen. Und, indirekt, war James Whale auch jemand, der damit seine WK 1-Erfahrungen verarbeitete. Dem ersten "industriellen" Krieg, der die gleichen Fragen wie Frankenstein aufwirft.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg kam dann die Atomenergie/-krieg (in Japan massgeblich durch die Godzilla-Filme verabeitet), dann die Raumfahrt als Thema in die Filme. Ebenso die Frage nach der Gesellschaft der Zukunft in diversen "utopischen" Filmen - zu denen sich später auch die James Bond-Reihe einreihte. Ebenso Star Trek ab den 60er Jahren.

    Seit den 70er Jahren rotiert das Rad dann mit dem explodierenden technologischen Fortschritt immer schneller. Und viele Themen wiederholen sich - Alien z.B. "Entfremdung" (engl. "alienation") mit der unmenschlichen "Corporation" mit ihrem willigen Handlanger dem Kunstmenschen (Ash) und das völlig fremdartige Wesen aus dem Unterbewusstsein (Gigers Kunst entspringt seinen (Alp-)träumen). Usw.

    > Planet der Vampire hab ich zwar noch nicht gesehen, aber die Szene mit dem
    > Alien-Skelett kenne ich. Sehr schön gemacht.

    Auch die Einstellungen des ausserirdischen Wracks in Bavas Film sind fast 1:1 in Alien wiederzufinden. Bava hat sowieso einen starken Einfluss auf Avantgardisten wie Kubrick und Scott gehabt.

    > Ich glaub, dass ist auch der Film, wo nur ein einziger künstlicher Fels für
    > die Kulissen zur Verfügung stand, und den hat man je nach Einstellung immer
    > anders platziert. Und viel Nebel um alles zu kaschieren.

    Der Film war sehr billig.

    > Toll gemachte billige Effekte sind oftmals reizvoller als schlecht
    > eingesetzte High-Tech.

    "In Camera"-optische Effekte. Vieles funktioniert auch nach heutigen Masstäben gut genug.

    > Kamera auf Brett (Sam Raimi) sieht manchmal besser aus als Steadicam.

    Raimi war mal völlig irre! Diese Ideen ("Shaky Cam")!

    > Ein "Dark Star" gefällt mir auch viel besser als dünne CGI-Filme.

    Das Beste ist die Besetzung - u.a. mit Dan O'Bannon (der das Script von Alien geschrieben hat). Die Namen der Charaktere sind sowieso Programm - Do-little, Boiler, Pin-back usw. Der einzig normale Mensch auf dem Schiff heisst Talby und darum ist auch sein Name normal. ;)

    > Hab erst neulich wieder "Simplicissimus" (1975) gesehen. Weltklasse!
    > Geht in eine ähnliche Richtung wie Forrest Gump (Naivling entdeckt die
    > Welt), allerdings im 30jährigen Krieg, und mMn auch in einigen Punkten
    > besser.

    Die Serien von Fritz Umgelter mit Matthias Habich. Genial! Schauspieler UND Serien.

    Ahem, aber ich empfehle Dir mal eine genauere Recherche über die Vorlage, da steckt nämlich ein bisschen mehr dahinter. ;)

    An die Serie erinnere ich mich auch noch. Dann gab es noch die hier:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Die_merkw%C3%BCrdige_Lebensgeschichte_des_Friedrich_Freiherrn_von_der_Trenck

    > "Das Millionenspiel" (1970) hat sehr viel Ähnlichkeit mit "Running Man".

    Kein Wunder! Die Story ist FAST DIESELBE! Ersteres ist nach einem Roman von Robert Sheckley als Das Millionenspiel bei uns adaptiert worden - und durfte aus Urheberrechtsgründen gleich nach der Aufführung für 30 Jahre im Giftschrank verschwinden. Running Man aber stammt von Stephen Kings Romanvorlage.

    > Oder "Welt am Draht" (1973), ein Virtual Reality Film aus den 70ern!

    Später noch mal als Floor 13 adaptiert. Auch das ein Roman aus den 60er Jahren - Simulacron-3 von Daniel Galouye.

    > In den 70ern waren die deutschen Produktionen noch wirklich interessant.

    Ohja! Auch die Erler-Filme waren sehr gut!

    > Heute scheint mir wird sich zu sehr an US-Filmen und -Kultur orientiert.
    > Schade.

    Heute will man lieber billigen Schrott oder reisserischen Müll produzieren. 50 Millionen für Effekte und 5 Euro für die Story.

    > Zwei "Vorläufer" von 2001 hab ich schon gesehen - "Conquest of Space"
    > (1955) und "Destination Moon" (1950) - beides George Pal Produktionen.
    > Nicht besonders empfehlenswert, aber technisch und historisch interessant
    > ;-)

    Pal ist für die damalige Zeit schon richtig gut (gut sind auch Die Zeitmaschine und The Power von ihm). Aber das SF-Genre genoss damals in den USA kein hohes Ansehen. Darum sind solche Filme wie THE DAY THE EARTH STOOD STILL und FORBIDDEN PLANET eher Ausnahmen.

Neues Thema Ansicht wechseln


Um zu kommentieren, loggen Sie sich bitte ein oder registrieren Sie sich. Zum Login

Stellenmarkt
  1. Alexander Bürkle GmbH & Co. KG, Freiburg
  2. Elektronische Fahrwerksysteme GmbH, Ingolstadt
  3. Industrial Application Software GmbH, Karlsruhe, Düsseldorf, Hamburg
  4. Flughafen Düsseldorf GmbH, Düsseldorf

Golem pur
  • Golem.de ohne Werbung nutzen

Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 29,95€
  2. (-8%) 54,99€
  3. 59,99€ mit Vorbesteller-Preisgarantie (Release 26.02.)
  4. 31,99€


Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Geforce GTX 1660 im Test: Für 230 Euro eine faire Sache
Geforce GTX 1660 im Test
Für 230 Euro eine faire Sache

Die Geforce GTX 1660 - ohne Ti am Ende - rechnet so flott wie AMDs Radeon RX 590 und kostet in etwa das Gleiche. Der klare Vorteil der Nvidia-Grafikkarte ist die drastisch geringere Leistungsaufnahme.

  1. Nvidia Turing OBS unterstützt Encoder der Geforce RTX
  2. Geforce GTX 1660 Ti im Test Nvidia kann Turing auch günstig(er)
  3. Turing-Grafikkarten Nvidias Geforce 1660/1650 erscheint im März

Operation 13: Anonymous wird wieder aktiv
Operation 13
Anonymous wird wieder aktiv

Mehrere Jahre wirkte es, als sei das dezentrale Kollektiv Anonymous in Deutschland eingeschlafen. Doch es bewegt sich etwas, die Aktivisten machen gegen Artikel 13 mobil - auf der Straße wie im Internet.
Von Anna Biselli


    Galaxy S10e im Test: Samsungs kleines feines Top-Smartphone
    Galaxy S10e im Test
    Samsungs kleines feines Top-Smartphone

    Mit dem Galaxy S10e bietet Samsung auch ein kompaktes Modell seiner neuen Oberklasse-Smartphone-Serie an. Beim Gerät gibt es zwar ein paar Abstriche bei der Hardware, es liegt aber fantastisch in der Hand und macht super Fotos - für uns der klare Geheimtipp der neuen Reihe.
    Ein Test von Tobias Költzsch

    1. Samsung Galaxy M20 kommt an drei Tagen nach Deutschland
    2. Smartphone Samsungs LPDDR4X-Speicher fasst 12 GByte
    3. Non-Volatile Memory Samsung liefert eMRAM aus

    1. Android: Google fragt Nutzer künftig nach bevorzugtem Browser
      Android
      Google fragt Nutzer künftig nach bevorzugtem Browser

      Die Strafen der EU-Kommission wirken sich weiter auf Googles Android-Geschäft aus: Künftig will das Unternehmen seine europäischen Nutzer fragen, welchen Browser und welche Suchmaschine sie auf ihrem Android-Smartphone verwenden wollen.

    2. Textworld: Microsofts Text-RPG trainiert KI-Software
      Textworld
      Microsofts Text-RPG trainiert KI-Software

      Microsofts Textworld ist ein textbasiertes Rollenspiel, das KI-Systeme trainieren soll. Darüber lassen sich viele zufallsgenerierte Szenarien erstellen. Die können die Entwickler auch selbst einmal ausprobieren.

    3. Osiris Rex: Asteroid Bennu wirft Material ab
      Osiris Rex
      Asteroid Bennu wirft Material ab

      Asteroid bewirft Sonde: Die Nasa-Sonde Osiris Rex hat festgestellt, dass der Asteroid Bennu größere und kleinere Partikel ausstößt. Die Forscher sind überrascht und zugleich ratlos.


    1. 11:52

    2. 11:42

    3. 11:32

    4. 11:22

    5. 11:09

    6. 10:59

    7. 10:44

    8. 10:27