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Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: cuthbert34 12.07.22 - 15:03
Ob das jemals in Deutschland oder im Privatmarkt ankommt... keine Ahnung. Aber am Ende läuft es doch darauf hinaus, das die Hersteller weitgehend ein Modell produzieren und der Kunde das Auto bei Auslieferung bzw. im Einsatz konfiguriert. Prinzipiell nachvollziehbar, preislich freilich auf den ersten Blick nicht attraktiv.
Im Geschäftskundenumfeld vermutlich aber mit mehr Perspektive. -
Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: Dwalinn 12.07.22 - 15:19
Kommt darauf an ob sich kosten senken lassen wenn man die Komplexität reduziert. Ich könnte mir vorstellen das das bei Basisversionen die ohnehin selten verkauft werden durchaus Sinn macht.
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Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: Andreas_L. 12.07.22 - 15:30
Mit Funktionen wie CarPlay, Navi-Abo etc. hat es schon längst begonnen. Ich hatte gerade die Tage eine Einladung einer Marktforschung zu dem Thema "Abo´s im Auto" - konnte aber leider nicht. Da das die Produktion vereinfacht, (jedes Teil, jede Variante,.. verursachen zusätzliche Kosten) ist es leider nur eine Frage der Zeit. Begeistert bin ich davon nicht.
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Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: MarcusK 12.07.22 - 15:40
Andreas_L. schrieb:
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> Mit Funktionen wie CarPlay, Navi-Abo etc. hat es schon längst begonnen. Ich
> hatte gerade die Tage eine Einladung einer Marktforschung zu dem Thema
> "Abo´s im Auto" - konnte aber leider nicht. Da das die Produktion
> vereinfacht, (jedes Teil, jede Variante,.. verursachen zusätzliche Kosten)
> ist es leider nur eine Frage der Zeit. Begeistert bin ich davon nicht.
das ist aber "Software" und kostet wirklich nichts beim Einbau. Aber eine Sitzheizung oder eine Anhängerkupplung muss ja wirklich verbaut werden. Es kostet Material und Zeit. -
Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: unbuntu 12.07.22 - 15:51
Bei Software machts ja Sinn aber meinst du es wäre sinnvoll, in jedem Auto eine Sitzheizung zu verbauen, auch wenn die nicht gewollt ist?
Linux ist das beste Betriebssystem, das ich jemals gesehen habe.
- Albert Einstein -
Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: goto10 12.07.22 - 15:53
> Sitzheizung oder eine Anhängerkupplung muss ja wirklich verbaut werden. Es
> kostet Material und Zeit.
Interessant ist auch, wie viele Teile werden produziert und nie gebraucht, also genau genommen: kostbare Ressourcen eingesetzt, Arbeitsaufwand und Energie und dann quasi neu in dem Müll geworfen.
Und wir sollen uns daran gewöhnen nichts mehr zu besitzen, nur noch zu mieten, ganz im Sinne des Great Reset von Klaus. -
Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: Andreas_L. 12.07.22 - 15:54
aber es kostet schon, wenn man einen Sitz mit und ohne Sitzheitzung hat. Da hängt dann einiges dran. Bspw. ob es den Knopf am Amaturenbrett/Sitz/oder wo auch immer .. gibt oder nicht. wenn nicht, dann gibt es eine Blende ... einmal muss ein Kabel zu dem Schalter gehen und es wird mit einer Sicherung abgesichert, einmal nicht. Das muss in die Doku ... in die Handbücher, die Logik muss in die Lieferkette einfließen, in der Produktionsstraße muss es berücksichtigt werden ... und und und
Weshalb wohl gibt es bei vielen Asiaten nur drei-vier Ausstattungspakete? Noch einmal Farbe innen und einmal außen wählen und vielleicht noch unterschiedliche Felgen... das war´s dann. -
Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: cuthbert34 12.07.22 - 15:56
Grundsätzlich ist das eine Frage, was den Ressourceneinsatz angeht. Aber aus Sicht des Herstellers ist die Reduzierung der Komplexität der Produktionsvarianten vermutlich interessanter. Sagen wir du bietest ein Fahrzeug mit 3 Sitzvarianten an: Standard-, Komfort- und Sportsitz. Dann brauchst du jedes Mal noch Untervarianten mit/ohne Sitzheizung. Jetzt bauen die halt nur noch Sitze mit Heizdrähten (kostet vermutlich pro Sitz überschaubar mehr). Schon hast du statt 6 Sitzkonfigurationen "nur" noch 3. Und ggfs. gibt es nur noch Standardsitze. Das Steuermodell und die Software ist eh immer gleich. Aktiviert wird die Sitzheizung über Sprache oder Touchscreen (sprich die Funktion wird angezeigt oder eben nicht). Mechanische Schalter hat man ja in dem Zusammenhang auch nicht mehr.
Schlagen 2 Herzen in meiner Brust. Aus Produktionssicht erscheint es nachvollziehbar. Aus Kundensicht wird es teurer über die Haltedauer. -
Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: MarcusK 12.07.22 - 16:02
cuthbert34 schrieb:
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> Grundsätzlich ist das eine Frage, was den Ressourceneinsatz angeht. Aber
> aus Sicht des Herstellers ist die Reduzierung der Komplexität der
> Produktionsvarianten vermutlich interessanter. Sagen wir du bietest ein
> Fahrzeug mit 3 Sitzvarianten an: Standard-, Komfort- und Sportsitz. Dann
> brauchst du jedes Mal noch Untervarianten mit/ohne Sitzheizung. Jetzt bauen
> die halt nur noch Sitze mit Heizdrähten (kostet vermutlich pro Sitz
> überschaubar mehr). Schon hast du statt 6 Sitzkonfigurationen "nur" noch 3.
> Und ggfs. gibt es nur noch Standardsitze. Das Steuermodell und die Software
> ist eh immer gleich. Aktiviert wird die Sitzheizung über Sprache oder
> Touchscreen (sprich die Funktion wird angezeigt oder eben nicht).
> Mechanische Schalter hat man ja in dem Zusammenhang auch nicht mehr.
aber das ist doch der Vorteil von Modular. Man muss nicht 6 Sitze vorhalten. Man muss nur 3 Stück und eine Heizung vorhalten. Wenn die Heizung gebraucht wird, wird sie in den Sitz geschoben.
Wenn man natürlich die Sitze schon incl, Heizung bei OEM kauft, muss man wirklich 6 Stück vorhalten. -
Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: EDL 12.07.22 - 17:01
cuthbert34 schrieb:
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> preislich freilich auf den
> ersten Blick nicht attraktiv.
Von Kundenseite ist das natürlich nicht attraktiv, denn damit treibt können Basis-Preise für Fahrzeuge höher angesiedelt werden. Der Hersteller bzw. Verkäufer kann dann argumentieren, dass man Features auch noch später dazukaufen bzw. -abonnieren kann. -
Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: EDL 12.07.22 - 17:20
MarcusK schrieb:
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> Andreas_L. schrieb:
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> das ist aber "Software" und kostet wirklich nichts beim Einbau. Aber eine
> Sitzheizung oder eine Anhängerkupplung muss ja wirklich verbaut werden. Es
> kostet Material und Zeit.
Eine Sitzheizung ist doch nichts. Ein paar Heizdrähte mehr oder weniger im Sitz - die zus. Kosten pro Sitz sind marginal und die Kabelbäume sehen es so oder so vor / sind bei allen Fahrzeugvarianten gleich. Nur weil bisher horrende Aufpreise für Extras verlangt worden sind, heißt das nicht, dass die Materialkosten dem entsprechend. Extras sind ein großes Geschäft - damit verdienen die Hersteller.
Das Vorhalten und individuelle Einbauen verschiedener Sitzvarianten (z.B. mit oder ohne Heizung) dagegen verursacht aber sicherlich einiges an Mehrkosten im Produktionsprozess.
Da eine Sitzheizung heute über Touchscreens o.ä. bedient wird und keine mechanischen Schalter mehr da sein müssen ... rechnet sich das herstellerseitig sicherlich. Ein Abo noch viel mehr ... und das ist auch ein schöner Grund, den Grundpreis der Fahrzeuge höher anzusiedeln. Zudem ist das ein praktisches Verkaufsargument: der Kunde kann Extras später haben und muss sich nicht ärgern. Warum im Sommer ein Fahrzeug mit Sitzheizung kaufen ... wenn man das doch erst im Winter braucht ...
Bei ner Anhängerkupplung wirds natürlich schwierig ... das ist etwas anderes.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 12.07.22 17:23 durch EDL. -
Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: /mecki78 12.07.22 - 19:36
Dwalinn schrieb:
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> Kommt darauf an ob sich kosten senken lassen wenn man die Komplexität
> reduziert.
Die Produktionskosten für unterschiedliche Modelle sind enorm hoch. CPU Hersteller stellen heute oft keine 6, 4 oder 2 Kern Variante her, sie stellen nur eine 6 Kern Variante her. Sind bei der am Ende 2 Kerne kaputt, wird die als 4 Kern verkauft, sind 4 kaputt, dann als 2 Kern. Was aber wenn mehr Leute die viel günstigere 2 Kern Variante haben als es kaputte CPUs gibt? Dann nimmt man die 6 Kern und macht absichtlich 4 Kerne unbrauchbar. Selbst das rechnet sich noch.
Der Grund dafür ist, dass die Produktionskosten am Ende gleich sind, der Unterschied ist nur, wie viele CPUs ich aus einem Wafer bekomme:
https://i.pinimg.com/originals/39/21/6b/39216b23441b74da1be2ffb03749c954.jpg
Je kleiner die CPU, desto mehr passen auf einen Wafer, die Kosten pro Wafer sind aber gleich. Aber will ich unterschiedliche CPUs fertigen, brauche ich unterschiedliche Produktionsstraßen und jede Produktionsstraße kostet ein Vermögen.
Bei Autos brauche ich nicht unterschiedliche Produktionsstraßen, aber ich muss je nach Kundenwunsch das Auto anders bauen und andere Teile einbauen. Das heißt ich muss Roboter unterschiedlich Programmieren oder brauche Menschen, die von Hand etwas einbauen oder eben nicht. Das ist teuer.
Sind alle Autos erst einmal gleich, dann spart das Unmengen an Personal, weil dann können Roboter viel mehr als bisher übernehmen, Teile als größere Module schon vorgefertigt werden beim Zulieferer (die muss man dann nur einbauen, das ist aber immer gleich) und jeder Roboter braucht nur eine Programmierung. Auch ist der Verwaltungsaufwand viel geringer, weil ich nicht jedem Auto eine Konfiguration mitgeben muss, die dann an jeder Station beachtet werden muss. Ich kann die Taktung dann kleiner wählen, es rollen mehr Autos in der gleichen Zeit vom Band, ich brauche weniger Fachpersonal, usw.
Trotzdem bleibt es unsinnig, denn faktisch würde der Hersteller auch Gewinn machen, wenn er immer alle Autos in der besten Konfiguration zum Preis der minimalen verkaufen würde. Es geht hier am Ende nur darum, die Schmerzgrenze des Kunden auszunutzen.
/Mecki -
Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: chseidel 12.07.22 - 20:16
/mecki78 schrieb:
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> Dwalinn schrieb:
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> > Kommt darauf an ob sich kosten senken lassen wenn man die Komplexität
> > reduziert.
>
> Bei Autos brauche ich nicht unterschiedliche Produktionsstraßen, aber ich
> muss je nach Kundenwunsch das Auto anders bauen und andere Teile einbauen.
Gerade deutsche Autohersteller sind dafür bekannt wahnsinnig viele Ausstattungsvarianten anzubieten.
(Und BMW ist dafür bekannt verschiedene Modellreihen auf der selben Fertigungsstraße durcheinander herstellen zu können. Ausnahmen waren i3 und i8. Aber das ist in der Diskussion hier egal. )
Auf einer Fertigungsstraße sind alle Wagen nach dem selben Schema aufgebaut.
Verschiedene Sitze sind für die Autohersteller ein Zuliefererproblem.
Auch in dem Sinne, daß der Zulieferer jetzt immer Sitze mit Sitzheizung zum niedrigeren Preis liefern muss. Auch für Märkte wo sowas nicht Standard sein sollte. (Gibt es die überhaupt?) -
Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: scrumdideldu 12.07.22 - 20:24
Gibt auch Hersteller die da sinnvolle Pakete anbieten!
Da kannst Du dann halt nicht den Rückfahrassistenten nehmen aber das Navi nicht.
Und wenn Klima dann eben auch automatisch andere Scheibenisolierung...
Ich habe in meine Auto einfach 2 Pakete rein genommen die dadurch preislich extrem attraktiv waren und habe eigentlich nur 1 von 9 oder 10 Features mit bekommen das ich falls es einzeln gegangen wäre vermutlich nicht mit genommen hätte.
Hätte ich das bei sowas wie VW gemacht häte ich für die 9 vermutlich 3x so viel bezahlt wie ich für alle 10. -
Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: berritorre 12.07.22 - 20:53
Das denke ich mir auch immer. Bis einer eben anfängt den Preisbrecher zu spielen um Marktanteile zu gewinnen. Einfach die Vollversion, die man ja sowieso ausliefert auch mit allen Funktionen freizuschalten und schon schaut die Konkurrenz doof aus der Wäsche. Die haben ja auch alles verbaut, sprich hatten auch die vollen Kosten schon.
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Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: berritorre 12.07.22 - 20:55
> Auch für Märkte wo sowas nicht Standard sein sollte. (Gibt es die überhaupt?)
Wenn mir hier in Brasilien ein Auto mit eingebauter Sitzheizung verkaufen will, dann würde ich erstmal lachen. Was will ich damit? Wenn er mir den Hintern kühlen würde, dann vielleicht. Aber die paar Wochen im Jahr wo es mal "kalt" ist (und wir sprechen hier nicht von Deutschland-Kalt, sondern eher so von (normalem) deutschem Sommer kalt... ;-) ), da brauche keine Sitzheizung. -
Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: berritorre 12.07.22 - 20:57
Wir hatten auch Kunden die das in unserem Markt austesten wollten. Das Feedback war nicht wirklich gut. Aber eben auch, weil sie Abos für Sachen anbieten wollten, die hier einfach nicht funktionieren bzw. uninteressant sind.
Also wenn es wirklich anfängt, dass man selbst im Auto für alles ein Abo abschliessen muss, dann kaufe ich glaube ich nur noch alte Autos. Sorry. Wenn ich ein Auto kaufe, dann will ich dafür kein Abo abschliessen. Gekauft ist gekauft. Fertig. -
Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: berritorre 12.07.22 - 20:59
Ja aber der deutsche Autofahrer will doch alles ganz genau auf sich zugeschnitten haben. Anders geht es doch nicht. ;-)
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Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: berritorre 12.07.22 - 21:08
Da komme ich mir aber dann verarscht vor, denn das Fahrzeug kann das ja alles schon, sprich ich hätte das Gefühl, das sowieso schon alles bezahlt zu haben, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kosten für diese zusätzlichen Features nicht schon im Verkaufspreis mit drin ist. Und dann nochmal extra dafür zahlen, eventuell sogar in einem Abo? Hmmmm, ich weiss nicht.
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Re: Erst herstellen dann "konfigurieren"?
Autor: thrust26 12.07.22 - 21:42
Wenn das Auto z.B. in China hergestellt wird, dann kann man die Autos auf Vorrat verschiffen. Dann muss der Kunde nur warten bis alles für ihn konfiguriert ist und kann es gleich mitnehmen.



