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Die Wahrheit ist eine Andere.

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  1. Die Wahrheit ist eine Andere.

    Autor: brotiger 14.01.17 - 17:55

    Man braucht in Deutschland kein ETCS, um autonom zu fahren, das geht alles schon mit etablierter Technik. Wenn man Absicht unterstellen wollte, könnte der Autor deswegen gerade das Beispiel "U-Bahn Nürnberg" weggelassen haben, denn deren autonome U-Bahnen fahren problemlos mit LZB ;)

    LZB kann im Prinzip schon alles, was ETCS Level 2 kann, sogar deutlich stabiler (Kabelschleifen im Gleis statt Mobilfunk und laufende Positionsbestimmung ohne Satelliten), weswegen die DB bislang extrem zurückhaltend mit dem ETCS-Ausbau war. Im Gegensatz zu Italien und der Schweiz hat man höchstens die grenzübergreifenden Strecken ausgerüstet und auf Neubaustrecken ein bisschen rumgeprobt, aber eigentlich wollte man erst mal höchstens ETCS Level 1 verbauen. DB Cargo etwa verfügt gar nicht über ausreichend mit ETCS ausgerüstete Fahrzeuge, um auf den paar ETCS-Strecken auch mit ETCS zu fahren. Jene ICE, welche in die Schweiz fahren, wurden auf Kosten der Schweiz (!) mit ETCS ausgestattet. Von den EU-Korridoren wollte man bis 2022 nur einen einzigen deutschen Abschnitt mit ETCS ausrüsten. Zum Vergleich: Bis 2022 hat nach aktuellem Stand "quasi die halbe Welt" ihre Netze schon mehr oder weniger vollständig auf ETCS umgerüstet.

    Woher also nun der plötzliche Aktionismus? Siehe:

    http://www.dvz.de/rubriken/landverkehr/single-view/nachricht/db-entdeckt-sparpotenzial-durch-etcs.html

    Die Bahn hat sowieso viele Milliarden Investitionsbedarf bei Stellwerken, Bahn-Mobilfunknetzen und so weiter. Wenn man jetzt "reduziert Verspätungen", "reduziert Kosten" und "kann man ja alles gleich kostensynergetisch zusammen erledigen" in den Raum wirft, das Ganze mit dem aktuellen Hype-Thema "Autonomes Fahren" garniert und ein paar Verbindungen zur EU (grenzüberschreitender Verkehr, Galileo) dazupackt, macht man es dem Bund und der EU halt leicht, die paar Milliarden auch rauszurücken.
    Wer wieder Absicht unterstellen will, könnte sogar auf die Idee kommen, dass man absichtlich nicht ausgebaut und absichtlich Verspätungen produziert hat, um jetzt eine möglichst große Wunschliste durchdrücken zu können.

    Man bemerkt es auch daran, dass da so Sachen wie "LTE-Bandbreiten reichen nicht aus" und "die Züge machen selbst untereinander aus, wer Vorrang hat" stehen. Auch bei ETCS kommunzieren Züge nie direkt miteinander, sondern das gesamte Netz wird weiter von Streckenzentralen kontrolliert, wie im Flugverkehr. Das ist alles Quatsch, Aber man kann einem Politiker halt mehr Geld aus dem Rücken leiern, wenn man behauptet, dass das akuelle Hype-Thema extrem komplex - folglich teuer - und nur zu haben ist, wenn gleichzeitig noch fünf andere Sachen mitfinanziert werden.

    Oh, und dass sich der Mobilfunk für die Passagiere verbesser ist auch eine Lüge. GSM-R läuft auf separaten Frequenzen.

    Oh, und der Artikel nennt irgendwie keinen Vorteil von ETCS gegenüber der aktuellen Technik. Nicht einen. Seltsam.

  2. Re: Die Wahrheit ist eine Andere.

    Autor: postb1 17.01.17 - 10:44

    brotiger schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Oh, und der Artikel nennt irgendwie keinen Vorteil von ETCS gegenüber der
    > aktuellen Technik. Nicht einen. Seltsam.

    Wie du ja selbst schon geäußet hast, ist die aktuelle Technik die LZB. Zuverlässig seit jahrzehnten, im Planbetrieb seit den 1970er Jahren glaub ich.

    Großes ABER bei der Sache:
    LZB wird von Ausnahmen mal abgesehen nur auf Strecken eingesetzt, die mit mehr als 160km/h befahren werden.
    Also: es kommt auf den meisten Strecken eben nicht zum Einsatz. Und eine Nachrüstung von Streckenabschnitten mit diesem leitungsebundenen System ist sündhaft teuer.
    ETCS kommt dagegen wesentlich günstiger, da die GSM-R Infrastruktur sowieso bereits nahezu flächendeckend vorhanden ist.

    Hat zwar nichts mit Selbstfahrbeirieb zu tun, trotzdem nebenbei: GSM-R kommt schon seit Jahren auch für die Datenübertragung für die Zugsicherung zum Einsatz. Auf Nebenbahnen, die im Zugleitbetrieb gefahren werden, sind mit AZB plus von FES sowie TuZ von Pintsch-Tiefenbach zwei technische Systeme zur Unterstützung dieser Betriebsart im Einsatz. Beide Systeme kommunizieren ausschließlich über GSM-R; auf Strecken die mit diesen Systemen ausgerüstet sind, wurde die konventionelle kabelgebundene Fernmeldetechnik längst entfernt.

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