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Und was ist mit der Infrastruktur?

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  1. Und was ist mit der Infrastruktur?

    Autor: Stepinsky 13.09.17 - 00:20

    Nun, man kann schon ein paar überschlägige Rechnungen machen, wie viel Strom du an einer Tankstelle oder Raste anliefern musst, um eine Auto in unter 15 min aufzuladen. Lade-Specs siehe Porsche. Dann überleg mal, wie viele Autos an einer Tankstelle gleichzeitig tanken. Ein Verbrenner tankt inklusive Bezahlen in ca. 5 min. Ein E-Auto wird mindestens 15 min brauchen. Ergo: man braucht deutlich mehr gleichzeitige Ladestationen als heute Zapfstellen. Ich habe es anhand der Porsche-Schnelllader vor kurzem durchgerechnet, finde aber die Zahlen nicht mehr. Es kam auf jeden Fall eine fette KW-Last zusammen, die eine üblichen Fern-Stromleitung bereits stark auslastet - und da handelt es sich um eine einzige Tankstelle. Und es sind noch keine Elektro-LKW berücksichtigt, die noch viel krassere Ströme ziehen werden.
    Keine Ahnung wie gut sich solche Leitungen ohne riesigen Neubauaufwand erweitern lassen. Autobahn-Rasten liegen dazu auch noch meist in der Pampa, wobei die innerstädtische Versorgung von Tankstellen mit sehr hohen Strömen vielleicht sogar noch schwieriger sein wird, da man nur unterirdisch versorgen kann.

    Angesichts der unglaublich langsamen Fortschritte beim Ausbau des Stromnetzes (alle wollen Strom verbrauchen, aber niemand will die Leitungen haben), sehe ich die Schwierigkeit beim Ausbau der Elektromobilität nicht in der Zahl der E-Autos oder der Ladestellen, sondern in der Infrastruktur für die Versorgung. Irgendwann werden wir für eine Weile mehr Fahrzeuge als Strom haben.
    Ich habe jedenfalls noch keine Studie oder Rechnung gesehen, in denen jemand die Versorgung eines ganzen Autobahnabschnitts durchgerechnet hat. Man scheint sich also nicht unbedingt viele Gedanken dazu zu machen.

    Bei uns im Stadtverkehr werden gerade Hybridbusse getestet. Nachdem ich ein Stück hinter einem hergeradelt bin, wünsche ich mir möglichst viel Elektromobilität. Wengier Abgase und der An- und Abfahrverkehr an der nahe gelegenen Bushaltestelle bei uns ums Eck wäre auch nicht mehr so laut. Und von der blöden Bundesstraße würde ich auch nicht mehr so viel hören. Aber ich fürchte, dass alles nicht so schnell voran gehen wird, weil vor lauter politischem und wirtschaftlichen Hype das nüchterne Rechnen und Planen wieder unter geht.

  2. Re: Und was ist mit der Infrastruktur?

    Autor: bernd71 13.09.17 - 18:38

    Stepinsky schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Nun, man kann schon ein paar überschlägige Rechnungen machen, wie viel
    > Strom du an einer Tankstelle oder Raste anliefern musst, um eine Auto in
    > unter 15 min aufzuladen. Lade-Specs siehe Porsche. Dann überleg mal, wie
    > viele Autos an einer Tankstelle gleichzeitig tanken. Ein Verbrenner tankt
    > inklusive Bezahlen in ca. 5 min. Ein E-Auto wird mindestens 15 min
    > brauchen. Ergo: man braucht deutlich mehr gleichzeitige Ladestationen als
    > heute Zapfstellen. Ich habe es anhand der Porsche-Schnelllader vor kurzem
    > durchgerechnet, finde aber die Zahlen nicht mehr. Es kam auf jeden Fall
    > eine fette KW-Last zusammen, die eine üblichen Fern-Stromleitung bereits
    > stark auslastet - und da handelt es sich um eine einzige Tankstelle. Und es
    > sind noch keine Elektro-LKW berücksichtigt, die noch viel krassere Ströme
    > ziehen werden.

    Benzin/Diesel kann man nur an Tankstellen tanken. E-Autos kann man "überall" wo es Strom gibt laden, z.B. Zuhause, Aurbeit, während des shoppens, Kino, etc. Im optimalen Fall musst du mit dem E-Auto nicht (oder selten) "tanken" fahren bzw- unterwegs "tanken".
    Zum benötigten Strombedarf einfach Anzahl PKWs mit durschnittlicher Kilometerleistung multiplizieren. Pro 100Km pauschal 15KWh ansetzen und dann mit dem totalem Strombedarf der Republik vergleichen. Man kann jetzt noch den nicht benötigten Strombedarf der Raffinerien, Tankstellen etc. abziehen. Dann fällt auf, ist gar nicht so schlimm.

  3. Re: Und was ist mit der Infrastruktur?

    Autor: Stepinsky 14.09.17 - 19:36

    Hmm, vielleicht hast du recht und es verteilt sich mehr. Aber entlang von Autobahnen kann ich mir nicht vorstellen, dass jetzt unzählige neue kleinere Einheiten entstehen werden. Damit wird kein rentabler Betrieb möglich sein. Raststätten wird es also weiterhin geben.
    Ich habe noch keine Rechnung gesehen, ob wir den massiven Anstieg des Stromverbrauch insgesamt stemmen können.
    Laut KBA gab es 2016 45.803.560 PKW in Deutschland. Nach einer flüchtigen Recherche liegt der reale Durchschnittsverbrauch von E-Autos zwischen 20-30kW/100km (TÜV Süd).
    Die Jahres-Kilometerleistung aller PKW in Deutschland betrug laut KBA insgesamt 625,5 Milliarden Kilometer in 2016.
    Nehmen wir einen Marktanteil von 15% E-Autos (knapp 7 Mio PKW). Dann hätten wir vereinfacht gerechnet eine Jahres-Kilometerleistung von 125,1 Milliarden Km.
    Nehmen wir einen niedrig angesetzten Durchschnittsverbrauch von 20kW an, ergibt das einen Stromverbrauch von 25.020GW, das heißt 68,5 GW pro Tag.
    Laut dem Fraunhofer Institut (https://www.energy-charts.de/power_de.htm?source=all-sources&month=8&year=2017) lag die Spitzen-Tagesproduktion in Deutschland an wenigen Tagen im August (mit hohem Solarstromanteil) bei ca. 80GW.

    Vielleicht findet jemand noch einen groben Rechenfehler (bin gerade zu müde zum Denken), würde nach meiner Rechnung bereits ein 15% Elektroauto-Anteil 85% unserer maximalen(!!!) Tagesproduktion verbrauchen.
    Es gab im August aber auch Tage, an denen die Tagesproduktion nur 50GW betrug, also sogar unter dem Tagesverbrauch einer angenommenen E-Flotte von 15% des heutigen Gesamt-PKW-Bestands.

    Hört sich irgendwie etwas desillusionierend an.
    Ziel muss also sein, die Effizienz der Fahrzeuge drastisch zu erhöhen. Und trotzdem werden wir nicht drum herum kommen, die Zahl der Autos drastisch zu reduzieren.

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