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"schließlich steht ein Auto die meiste Zeit des Tages"

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  1. "schließlich steht ein Auto die meiste Zeit des Tages"

    Autor: abufrejoval 06.06.19 - 08:24

    Genau da liegt ein großer Denkfehler der traditionellen Autohersteller: Das Nutzungsverhalten kann sich dramatisch ändern, sowie genügend Autonomie bei den Fahrzeugen zur Verfügung steht, um selbstständig von Benutzer zu Benutzer zu wechseln, oder zu parken/laden/speisen.

    Ein immer größerer Teil der Benutzer dürfte dann in den Carsharing-Modus wechseln und einen Mobilitätsservice einkaufen, statt sich den teuren Luxus eines eigenen Autos mit all seinen Risiken und Nebenwirkungen zu leisten. Damit dürfte aber die Auslastung stark steigen, gleichzeitig der "ruhende" Verkehr einerseits sinken, andererseits als Strompuffer eine zweite Aktivitätsform entwickeln.

    Damit ist eine Spezialisierung der Flotte je nach Einsatzgebiet denkbar (z.B. Kurzstrecke Stadt, Einkaufshelikopter) und vor allem Wechselbatterien mit deutlich geringerer Kapazität (und Gewicht). Ein Auto welches nach einem Fahreinsatz zum "Puffern" kommt, kann dann auch einen Batteriewechsel ausführen, um gleich wieder disponibel zu sein, während die Disponibilität der Batterie zum Puffern außerhalb des Autos eben auch erweitert ist.

    In Abhängigkeit von der Länge des gebuchten Fahrauftrages können auch Akkus mit weniger als 50% Nominalkapazität oder eben nicht vollständig geladene Akkus in den Fahrzeugen verwendet werden.

    Eine technisch deutlich aufwendigere Langstreckensänfte muß dann nicht mehr voll finanziert und dann doch nur zum Pendeln eingesetzt werden, sondern wird nur dann angefordert und bezahlt, wenn man sie braucht. Und wenn die tatsächlich noch mit Gas, Diesel oder Benzin betrieben wird, kauft man sich ein CO² Zertifikat zur Entlastung des Gewissens.

    Das große Problem beim Versuch die Zukunft vorherzusagen ist, daß man dazu neigt nur eine Variable zu ändern: Die Realität ist viel komplexer.

  2. Re: "schließlich steht ein Auto die meiste Zeit des Tages"

    Autor: SJ 06.06.19 - 08:58

    Ich denke nicht, dass autonomes Fahren viel ändern wird. Morgens müssen immer noch alle zur Arbeit und abends wollen immer noch alle zurück nach Hause. Solange diese Gleichzeitigkeit besteht, wird es dieselbe Masse an Fahrzeugen brauchen.

    Vielleicht aber ein paar weniger, weil gewissen Leute dann Fahrgemeinschaften bilden werden. Beim Grossteil sehe ich das nicht. Die wollen nicht warten, bis das Fahrgemeinschaftsfahrzeug endlich da ist oder wollen sich nicht um die HInterlassenschaften der Vor-Passagiere kümmern müssen.

    --
    Wer all meine Fehler findet und die richtig zusammensetzt, erhält die geheime Formel wie man Eisen in Gold umwandeln kann.

  3. Re: "schließlich steht ein Auto die meiste Zeit des Tages"

    Autor: abufrejoval 06.06.19 - 09:25

    Es hängt halt auch sehr davon ab, ob die Mobilitätsanbieter und der öffentliche Nahverkehr zueinander finden. Solange man wie heute fast doppelt zahlt, wenn man erst mit dem Auto zu den Öffentlichen fahren muß, ist man schnell geneigt einfach bis zum Ziel durchzufahren, falls der Parkplatz- und Stauhorror nicht allzu hoch ist.

    Mit einem Entfernungstarif, der gemeinsam benutzte Transportmedien (oder auch den e-Scooter) belohnt, kann das ganz anders aussehen und die Auto gefahrenen Strecken stark verkürzen und damit die Anzahl der Benutzer in der Stoßzeit steigern. Weniger Zeit im Auto ist sicher auch weniger Dreck und bei Tugend hilft eh funktionierende Sozialkontrolle am besten. Straßen-, U- und S-Bahnen sind auch keine rollenden Mülleimer, wenn Kultur und Logistik funktionieren. Teilweise werden sie ja eher zu rollenden Arbeitsplätzen, immer mehr Pendler stecken in der S-Bahn schon in der ersten oder auch letzten TelCo des Tages.

    Außerdem werden die Städte immer weniger bereit sein, dem Autoverkehr ohne Gegenleistung Fläche und Lebensqualität zu opfern.

    Solche Entwicklungen sicher nicht binär, genau so oder genau anders. Städte und Länder unterscheiden sich, aber es gibt eben auch Herdeneffekte und dann ändern sich Gewohnheiten ziemlich schneller als man denkt.

    Das Problem für die Autoindustrie ist aber, daß die schon bei 5% Umsatzeinbußen von einem staatsbedrohendem Blutbad reden werden, tatsächlich aber bei einem Durchschlag dieser Entwicklung vielleicht 80% Umsatz wegfallen könnten, ohne daß es zu einer Unterversorgung an Mobilität führen würde.

  4. Re: "schließlich steht ein Auto die meiste Zeit des Tages"

    Autor: SJ 06.06.19 - 10:06

    abufrejoval schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Es hängt halt auch sehr davon ab, ob die Mobilitätsanbieter und der
    > öffentliche Nahverkehr zueinander finden. Solange man wie heute fast
    > doppelt zahlt, wenn man erst mit dem Auto zu den Öffentlichen fahren muß,
    > ist man schnell geneigt einfach bis zum Ziel durchzufahren, falls der
    > Parkplatz- und Stauhorror nicht allzu hoch ist.

    Ich benutz aktuell wegen einem Projekt auch täglich ÖV und ich fände es so toll, wenn ich statt mit dem Auto zum Bahnhof zu fahren das mit einem Hoverboard oder Monowheel machen könnte. Denn das Hoverboard und Monowheel könnte ich auch am Zielbahnhof verwenden um zum Projektort zu kommen.

    --
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  5. Re: "schließlich steht ein Auto die meiste Zeit des Tages"

    Autor: abufrejoval 09.06.19 - 13:12

    Ich verbringe jede zweite Woche in Lyon und bin dort auch nur mit Straßenbahn und e-Scooter unterwegs. Da hätte ich die Scooter gern im Tarif mit drin und außerdem lieber nicht mit Vollgummireifen, aber man kann halt nicht alles haben.

  6. Re: "schließlich steht ein Auto die meiste Zeit des Tages"

    Autor: SJ 09.06.19 - 14:19

    na ja, ich wäre ja nur dafür, dass man das Strassenverkehrsgesetz so ändert, dass man auch mit Hoverboard, Monowheel und ähnlichen neuartigen Kleinstfahrzeugen sich im Verkehr/Bürgersteig fortbewegen darf.

    --
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  7. Re: "schließlich steht ein Auto die meiste Zeit des Tages"

    Autor: abufrejoval 09.06.19 - 16:05

    Monowheels sieht man in Lyon auch einige, aber die gibt es natürlich nur privat, weil die halt nicht "idiotensicher" sind, bzw. das erst mal üben muß. Für die Straßenverhältnisse sind sie wohl wegen des großen Rades ganz ok. Bei Hooverboards fürchte ich, daß die mit einer Radgröße wo Roller gerade noch zurecht kommen, nicht mehr sinnvoll benutzt werden können, Skateboards müssen oft aufgenommen und getragen werden.

    Monowheels sehen extrem cool aus, aber gleichzeitig habe ich mich schon durchaus unwohl gefühlt, wenn da einer mit Höchstgeschwindigkeit auf mich zu kam, um dann (um für die Kurve dahinter nicht bremsen zu müssen) nur wenige Zentimeter an mir vorbeizufahren. Ich wollte instinktiv den Arm heben, was mir den Arm und ihm ziemlich sicher das Leben gekostet hätte (Straßenverkehr mit Lastwagen dahinter).

    Die Fahreigenschaften all dieser Fahrzeuge sind anders und in Lyon teilen sich häufig alle die gleichen Trassen. Die sind teilweise großzügig, aber das Aufkommen ist ebenfalls groß und hat alles dabei: Fußgänger, auch Kinder oder Alte mit Stock, Rollstühle, Fahrräder (in allen Varianten und Geschwindigkeiten), Skateboards, Monowheels und jetzt eben haufenweise e-Scooter oder auch solche ohne Antrieb. Da wird es mitunter sehr schwer die Aktionen und Reaktionen von allen vorherzusehen und sich darauf abzustimmen bzw. einzustellen.

    Mit der Diversität steigt die Komplexität und damit das Risiko Fehler zu machen.

    Aktuell stehen überall so viele Scooter herum, daß es kaum Sinn macht ein privates Gerät mit sich herumzuschleppen. Das ist natürlich ein zweischneidiges Schwert, weil sie mitunter auch im Weg stehen, aber nur wenn sie wirklich jederzeit deutlich näher dran sind, als die nächste Station der Öffis, sind sie richtig attraktiv.

  8. Re: "schließlich steht ein Auto die meiste Zeit des Tages"

    Autor: SJ 09.06.19 - 17:49

    Ich kenn Lyon nicht :) Aber wenn tatsächlich soviele Scooter rumstehen, dann brauchts Hoverboard etc. wohl nicht wirklich. Hier siehts eben anders aus.

    --
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