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Aus meiner Berufserfahrung:

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  1. Aus meiner Berufserfahrung:

    Autor: honna1612 11.10.17 - 12:52

    Ich hatte schon viel mit robotik zu tun. Die rechengeschwindigkeit war noch nie wirklich das problem, eher dass man mit klassischer programmierung sehr schnell am ende steht weil:
    Man hat einen Roboter er soll von A nach B kommen.
    Jetzt hat man GPS, Gyroskop, 3D Kamera in 5 Richtungen, Infrarot, Radar.
    Zu jedem dieser Werte hat man ein float Array mit sehr vielen zahlen (R,G,B,z)

    Welche dieser Werte nimmt man und was passiert wenn die Kamera verdeckt ist? Bis heute hat man diese Probleme gelöst indem man die Umgebung perfekt kontrolliert - Also zb magnetstreifen am Boden und immer im Innenraum. Dann nimmt man zb. aus den 800x800 pixeln der 3D Kamera 5 durchschnittswerte heraus und macht damit etwas.

    Nun kann man beim autonomen fahren die Umgebung nicht kontrollieren und jeder Sensorwert ist unter umständen auch falsch. (Reflektion usw.)

    Das was man aktuell schafft ist spur halten, vordermann folgen, unfall ausweichen. Machbar durch klassische programmierung mit unterstützung durch neuronale netze.
    Vom echten autonomen fahren (Ampel benutzen, abbiegen, feldwege benutzen, keine spurmarkierung usw.) ist man noch sehr weit entfernt.

    Mehr rechenleistung löst keines der grundsätzlichen probleme. 1980 dachte man noch dass die starke KI automatisch kommt wenn die Rechenleistung steigt. Tut sie nicht.

  2. Re: Aus meiner Berufserfahrung:

    Autor: Dwalinn 11.10.17 - 13:23

    Wenn alles zu 99-100% Stimmen muss ist es wirklich noch ein ganz schönes Stückchen, aber es geht schon erstaunlich viel.

  3. Re: Aus meiner Berufserfahrung:

    Autor: LH 11.10.17 - 13:32

    honna1612 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Vom echten autonomen fahren (Ampel benutzen, abbiegen, feldwege benutzen,
    > keine spurmarkierung usw.) ist man noch sehr weit entfernt.

    Das ist so nicht korrekt. Natürlich haben die Autos heute noch Einschränkungen (die genannten Feldwege sind ein gutes Beispiel, wie auch unklare Baustellensituationen), allerdings können einige der Systeme sehr wohl bereits Ampeln erkennen, wie auch die Ausschilderung der Verkehrssituation korrekt deuten, wie auch selbstständig abbiegen.

    In normalen Verkehrssituation kommen die experimentellen Systeme heute bereits gut zurecht, wirklich Probleme bereiten die Ausnahmefälle. Und das wird sicher noch eine Weile so bleiben.

  4. Re: Aus meiner Berufserfahrung:

    Autor: chefin 11.10.17 - 14:13

    LH schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > honna1612 schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Vom echten autonomen fahren (Ampel benutzen, abbiegen, feldwege
    > benutzen,
    > > keine spurmarkierung usw.) ist man noch sehr weit entfernt.
    >
    > Das ist so nicht korrekt. Natürlich haben die Autos heute noch
    > Einschränkungen (die genannten Feldwege sind ein gutes Beispiel, wie auch
    > unklare Baustellensituationen), allerdings können einige der Systeme sehr
    > wohl bereits Ampeln erkennen, wie auch die Ausschilderung der
    > Verkehrssituation korrekt deuten, wie auch selbstständig abbiegen.
    >
    > In normalen Verkehrssituation kommen die experimentellen Systeme heute
    > bereits gut zurecht, wirklich Probleme bereiten die Ausnahmefälle. Und das
    > wird sicher noch eine Weile so bleiben.

    Ja, Autos erkennen einzelne Dinge auf die sie trainiert werden. Erinner dich mal an deine Fahrschule. Wieviel Dinge hast du in den 10 oder 20 Fahrstunden gelernt? Und wieviel Dinge sind im laufe der nächsten 10 Jahre Praxis dazu gekommen. Was machst du inzwischen anders als in der Fahrschule?

    Natürlich, dort wo alles klar ist, macht die KI keine Fehler. Aber schon beim 30 für LKws Stolpert die KI. Oder wie geht die Software damit um, wenn nur noch ein leerer Mast nach der Kreuzung steht, weil das Schild verbogen ist. Wir Autofahrer wissen, das hier das Speedlimit endet, die KI nicht. Wann fährt die KI also wieder schneller? Wie geht sie mit selbstgemalten Schildern um? Wir erkennen die, eine Ki erkennt die noch lange nicht. Wir erkennen auch, wenn das Scild nicht ordnungsgemäss auf dem Masten sondern an einem Holzgestellt befestigt ist und wissen das es keine solchen Schildermasten gibt.

    Die KI muss uns un Punkto Bildverarbeitung überholen. Jedes Kind kann nach kurzer Zeit die Mutter und andere Angehörigen optisch unterscheiden. Und zwar äusserst präzise. Wir lernen gerade gut getroffene Fotos für Gesichtserkennung zu analysieren und brauchen dafür schon heftig viel Rechenleistung.

    Ja, irgendwann haben wir genug Rechenpower um Bilderkennung so zu perfektionieren, das wir damit Autos steuern können. Aber bis dahin geht noch viel viel Zeit ins Land. Den wenigsten ist bewusst welche fantastische Rechenmaschine oberhalb ihrer Nase sitzt. Wer mal Lust hat das auszutesten, sollte sich mal Bogenschiessen als Sport raussuchen, und zwar nicht Scheibenschiessen mit Visier und Entfernungsmesser sondern sogenannte Traditionelles oder 3D-Schiessen. Bogen anlegen, ausziehen, Ziel anschauen, Treffen. Zielen kommt absichtlich nicht vor, das macht dein Kopf alleine. Wenn du mit den Augen zielen willst, triffst du nichts.

    Und wer nun das nicht glaubt, wer meint, so ein bischen zielt man ja doch mit den Augen mit, der soll mal selbst schiessen. Ich jedenfalls treffe nix wenn ich nur dran denke ob ich etwas höher oder tiefer zielen soll. ich denke nicht, ich schau nur das Ziel an, sonst nix und lasse die Sehne los.

    Es funktioniert und es zeigt mir, was da oben für eine Rechenpower steckt und wieso Menschen auf lange Zeit immer noch die besseren Autofahrer sind. Sie müssen nur lernen ihre Grenzen zu respektieren. Nix trinken, Luft lassen für Fehler und Worstcasescenarien und wissen wann man mal relaxen muss bevor man weiter fährt. Ausschliesslich das hat uns der Computer voraus. Er weis, wo seine Grenzen sind und reagiert konsequent drauf.

  5. Re: Aus meiner Berufserfahrung:

    Autor: Binary 11.10.17 - 15:00

    Dafür gibt es hochpräzise Karten. Das System muss aus den Umweltdaten nur halbwegs zuverlässig einige wenige Featueres erkennen, um seine Position auf wenige cm genau zu bestimmen. Geschwindigkeitslimits etwa, und ob die etwa nur für LKW gelten liefert das Kartenmaterial und nicht die Bilderkennung. D.h. das Fzg. selbst bewegt sich quasi in einer virtuellen Welt in der alle Statischen Daten zu 100% verfügbar sind. Die KI "muss dann nur noch" die dynamischen Daten, also vor allem andere Verkehrsteilnehmer bearbeiten.

    Edit: Das funktioniert schon fast so gut wie der erwähnte Roboter-Magnetstreifen in der Fertigungshalle. ;)



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 11.10.17 15:02 durch Binary.

  6. Re: Aus meiner Berufserfahrung:

    Autor: tristankobusch 11.10.17 - 18:21

    Das Problem ist, dass die Welt sich zu schnell dafür ändert.
    Da wird kurzfristig eine Baustelle eingerichtet. Irgendein Bauarbeiter stellt ein Schild auf und das war es. Da kommt doch niemand und aktualisiert sämtliche Kartendienste.
    Ich glaube allerdings nicht, dass die Schildererkennung das große Problem ist. Die sind ja glücklicherweise einheitlich, man sieht sie immer von vorne und sie sind relativ simpel.
    Schwieriger stelle ich mir die Fahrbahnerkennung vor. Gerade wenn es keine Markierungen gibt oder sie durch Baustellen geändert wurden.

  7. Re: Aus meiner Berufserfahrung:

    Autor: einglaskakao 11.10.17 - 20:29

    tristankobusch schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das Problem ist, dass die Welt sich zu schnell dafür ändert.
    > Da wird kurzfristig eine Baustelle eingerichtet. Irgendein Bauarbeiter
    > stellt ein Schild auf und das war es. Da kommt doch niemand und
    > aktualisiert sämtliche Kartendienste.
    > Ich glaube allerdings nicht, dass die Schildererkennung das große Problem
    > ist. Die sind ja glücklicherweise einheitlich, man sieht sie immer von
    > vorne und sie sind relativ simpel.
    > Schwieriger stelle ich mir die Fahrbahnerkennung vor. Gerade wenn es keine
    > Markierungen gibt oder sie durch Baustellen geändert wurden.
    Eben.
    Hier sind einige dabei, die sich die Welt schön reden.
    Hier in der Gegend wird der gesamte Verkehr in jeder Stadt einmal im JAhr sehr umständlich umgeleitet, inklusive geänderter Wegeführung über gelbe Fahrbanmarkierungen, verdeckte Umleitungsschilder, provisorische Einbahnstraßen und so weiter.

    Auch wird gern mal aus einem Tempo 30, Tempo 50 oder gar 70.
    Kreuzungen werden gerade häufig auf Kreisverkehr umgestellt, inklusive Radfahrern im Kreisverkehr und Zebrastreifen für Fußgänger und Zufahrt aus dem Kreisverkehr in eine Tankstelle und direkt hinter dem Kreisverkehr befindlicher Ampel, weswegen es schon mal in den Kreisverkehr abrupt rückstaut.

    Auch Fahrbanmarkierungen können sich überschneiden mit alten Markierungen, die nicht komplett entfernt wurden, weil man spontan einen "Radweg" auf die Fahrbahn gekleistert hat.

    Dann gibt es hier die um sich greifende Angewohnheit nicht zu blinken beim Abbiegen oder entgegengesetzt zu blinken.

    Das Kartenmaterial - zum Beispiel von Here Maps - kann da helfen, aber so dynamisch wie die echte Welt ist, ist es definitv nicht möglich dieses als Entscheidungsgrundlage für ein Fahrzeug zu nehmen.
    In den letzten drei Jahren gab es in unserer kleinen Stadt drei Neubaugebiete.
    Da sind komplett neue Stadtviertel entstanden, inklusive Umorganisation der Wegeführung und temporär während der Erschließung eingeführter Tempolimits, provisorischer Ampeln, fehlende Markierungen.

    Das alles braucht Intelligenz und nicht nur eine Karte und 5 Formeln im Zwischenspeicher. Da bedarf es deutlich mehr.

    So hatte ich zum Beispiel schon den Klassiker mit dem Ball, der auf die Straße rollte. Ich konnte rechtzeitig reagieren, weil ich die Kinder auf dem Gehweg neben dem parkenden Auto sah und die Bewegungen der sichtbaren oberen Hälfte ihrer Körper richtig deuten konnte.
    Auch habe ich Ohren, ich kann einen sich von hinten nähernden Krankenwagen relativ früh hören und sein Licht sehen. Ich kann in manchen Situationen auch ein sich näherndes Auto von der rechten, nicht einsehbaren Straße an einer Kreuzung möglicherweise wahrnehmen, weil ich den Motor oder die Reifen höre.

    Ein autonomes Auto muss besser sein als ein Mensch, 99% so gut wie ein durchschnittlicher menschlicher Fahrer reichen nicht aus.
    Der Mensch baut zu viele Unfälle, die Erwartungshaltung der Käufer und der anderen Verkehrsteilnehmer an autonome Autos ist, das diese besser sind als der Mensch, nicht "nahezu gleichwertig".

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