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"Hauptgläuber"

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  1. "Hauptgläuber"

    Autor: AllDayPiano 19.10.18 - 08:36

    ... ist im Insolvenzverfahren der Insolvenzverwalter, dann kommt der 8te Porsche, dann das Haus auf den Malediven, dann das schicke Collier für die Frau, dann die Privatschule für die Kinder, dann der Privatjet, dann kommt lange lange lange nichts, dann kommt ein paar Ausstehende Gehälter, dann kommt lange lange nichts, und dann kommt die Befriedigung der Gläubigerinteressen.

    Insolvenzverfahren sind ein Wildwuchs geworden, bei denen ausschließlich der Insolvenzverwalter Millionen mitnimmt, und alle anderen fast leer ausgehen.

    Faktisch könnte man sich das ganze Verfahren auch sparen, die Firma zusperren, und den Kuchen verlosen.

  2. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: HoffiKnoffu 19.10.18 - 08:48

    AllDayPiano schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > ... ist im Insolvenzverfahren der Insolvenzverwalter, dann kommt der 8te
    > Porsche, dann das Haus auf den Malediven, dann das schicke Collier für die
    > Frau, dann die Privatschule für die Kinder, dann der Privatjet, dann kommt
    > lange lange lange nichts, dann kommt ein paar Ausstehende Gehälter, dann
    > kommt lange lange nichts, und dann kommt die Befriedigung der
    > Gläubigerinteressen.
    >
    > Insolvenzverfahren sind ein Wildwuchs geworden, bei denen ausschließlich
    > der Insolvenzverwalter Millionen mitnimmt, und alle anderen fast leer
    > ausgehen.
    >
    > Faktisch könnte man sich das ganze Verfahren auch sparen, die Firma
    > zusperren, und den Kuchen verlosen.

    Das ist Blödsinn und ich denke das weißt Du :-)
    Wer als Einzelperson bei solchen zum Teil total unausgegohrenen Geschäftsideen mitbietet ist selber schuld, wenn er sein Geld in den Sand setzt. Wären diese Menschen wirklich pfiffig und hätten Grips, würden sie eine Glübigergemeinschaft gründen, um so als eine Geldgeber auftreten zu können. I.d.R. ist es so, dass nach Insolvenzrecht diejenigen am ehesten Geld bekommen, die am meisten Geld gegeben haben. Und da kommen halt Banken an forderster Front.

    Und warum sollte man sich das Verfahren sparen? Sollen auch die Banken auf ihr Geld zu 100% verzichten? Was würde das bringen? Letztendlich nur höhere Gebühren für die Kunden, also ggf. für Dich und mich...tolle Wurst....

    Nochmal: Wer so blöde ist und Geld gibt für Geschäftsideen, auf die noch kein 'Großer' gekommen ist oder umsetzt, der ist selber schuld. Es hat schon einen Grund, warum bestimmte Produkte/Dienstleistungen nicht angeboten werden. Gerade weil die Kundschaft zu klein wäre oder die Produktion zu teuer und der letztendlich das Produkt beim zu erwartenden Presi keinen Käufer fände.

    Außerdem: Das ist Risiko-Kapital! Man kauf auch kein Produkt, sondern unterstützt eine Idee. Nicht mehr, nicht weniger. Wenn die Idee scheitert....ist das Geld weg. Normal halt....



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 19.10.18 08:52 durch HoffiKnoffu.

  3. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: Tragen 19.10.18 - 09:06

    Fast richtig. Zuerst wird der Insolvenzverwalter bezahlt. Komplett.

    Und aus dem Restgeld wird eine Quote errechnet aus der alle Gläubiger bezahlt werden.
    Nicht nur die Hauptgläubiger.

    Und das mit dem Gehalt stimmt auch nicht. Der Insolvenverwalter kann sogar die letzten
    Gehälter von den Mitarbeitern zurück fordern was oft genug gemacht wird.
    Sonst könnte er sich ja sein Gehalt nicht bezahlen. ;)

  4. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: AllDayPiano 19.10.18 - 09:42

    Das Problem ist ja nicht Kickstarter. Dass man da sein Geld notfalls abschreiben muss, sollte klar sein.

    Das Problem ist, dass erstmal die falschen Interessen befriedigt werden. Es gibt genug Fälle, in denen Insolvenzverwalter - vollkommen legal - so viel Geld kassiert haben, dass Gläuber nur geringe Prozentsätze ihrer Geldbeträge erhalten haben.

    Ein Insolvenzverfahren ist schon wichtig, wenn es darin resultiert, die Firma wieder auf Kurs zu bringen. Dem Insolvenzverwalter ist das aber eigentlich egal, denn er bekommt sein Honorar - unabhängig von der Tatsache, ob abgewickelt wird, oder nicht.

    Diese Honorare gehören gedeckelt - und zwar auf mit rationalem Menschenverstand nachvollziehbare sätze.

    Da gab es eine wunderbare Doku im ÖR von einer Frau, die Bruch gefahren ist, und schlussendlich irgendwas um die 140.000 Euro über die Jahre von ihrem Lohn weggespart hat, um die damaligen Gläubiger auszuzahlen. Von den 140.000 Euro sind dann aber schlussendlich keine 20.000 Euro bei den Gläubigern angekommen, den Rest hat der Verwalter als Honorar einbehalten.

    Hätte die Frau das gewusst, hätte sie die 7 Jahre Privatinsolvent abgesessen. Tolle Botschaft, nicht?

  5. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: ibsi 19.10.18 - 10:20

    Tragen schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Und das mit dem Gehalt stimmt auch nicht. Der Insolvenverwalter kann sogar
    > die letzten
    > Gehälter von den Mitarbeitern zurück fordern was oft genug gemacht wird.
    > Sonst könnte er sich ja sein Gehalt nicht bezahlen. ;)
    Auf welcher Rechtsgrundlage sollte das gehen? Dem Mitarbeiter steht das Geld schließlich eher zu (schließlich hat er dafür gearbeitet und hat es auch schon bekommen) als dem Insolvenzverwalter.

  6. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: ad (Golem.de) 19.10.18 - 10:21

    ibsi schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Tragen schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Und das mit dem Gehalt stimmt auch nicht. Der Insolvenverwalter kann
    > sogar
    > > die letzten
    > > Gehälter von den Mitarbeitern zurück fordern was oft genug gemacht wird.
    > > Sonst könnte er sich ja sein Gehalt nicht bezahlen. ;)
    > Auf welcher Rechtsgrundlage sollte das gehen? Dem Mitarbeiter steht das
    > Geld schließlich eher zu (schließlich hat er dafür gearbeitet und hat es
    > auch schon bekommen) als dem Insolvenzverwalter.


    Unter bestimmten Voraussetzungen ist das so: https://www.dgbrechtsschutz.de/recht/arbeitsrecht/lohn/insolvenzverwalter-kann-lohn-zurueckfordern/

  7. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: notuf 19.10.18 - 10:25

    Zitat:

    Nach der Insolvenzrechtlichen Vergütungsverordnung (InsVV) erhält der Insolvenzverwalter bei einem Wert der Masse bei Beendigung des Verfahrens von 25.000 Euro oder weniger 40 % der Insolvenzmasse, mindestens aber 500 Euro (ab 2004: mind. 1.000 Euro, bei mehr als 10 Gläubigern erhöht sich der Betrag noch). Bei weiteren 25.000 Euro beträgt die Vergütung 25 %, bei weiteren 200.000 Euro 7 %, für die weiteren 250.000 Euro 3 %, für die weiteren 24.500.000 Euro 2 %, für die darüberhinausgehenden 25.000.000 Euro 1 % sowie für alle darüber hinausgehenden Mehrbeträge 0,5 %. Die Vergütung verteilt sich dabei anteilig auf die jeweiligen Staffeln. Die üblichen Geschäftskosten werden durch diese Vergütung abgedeckt, gesondert geltend gemacht werden können aber die Reisekosten etc. Mit Zustimmung des Gerichts kann der Insolvenzverwalter einen Vorschuss für seine Tätigkeit aus der Masse entnehmen.

    Zitat Ende. Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Insolvenzverwalter

  8. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: notuf 19.10.18 - 10:33

    Allerdings darf man nicht außer acht lassen, dass es so viele große Insolvenzverfahren gar nicht gibt, der Typ das laut der Quelle oft ausschließlich macht, im Grunde die Arbeit der Geschäftsführung durchführt und es viele Insolvenzverwalter gibt, die alle dann um die Verfahren bemüht sind.

    Der weitaus bessere Job ist der eines Notars, weil dieser bei jedem Pups benötigt wird. Ein Verein ändert seine Satzung: Notar, jemand kauft ein Grundstück/Haus: Notar kassiert.

    Nicht umsonst gelten Juristen zu den am besten bezahlten Berufsgruppen. Besser noch als Ärzte. Alles andere ist akademischer Pöbel oder akademisches Proletariat. Passt wieder irgendwie zu dem Artikel bei Heise: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Anthropologe-Menschen-verdienen-umso-weniger-je-nuetzlicher-ihr-Job-ist-4192979.html

  9. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: der_dude 19.10.18 - 10:35

    AllDayPiano schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Insolvenzverfahren sind ein Wildwuchs geworden, bei denen ausschließlich
    > der Insolvenzverwalter Millionen mitnimmt

    ...und Kickstarter :)

    Edit: sorry habe mich verlesen - dachte es geht noch um Startups und nicht um das Insolvenzverfahren an sich



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 19.10.18 10:37 durch der_dude.

  10. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: ibsi 19.10.18 - 10:40

    Unglaublich ... Besonders wenn man dann ließt dass das auch eine längere Zeitspanne sein kann.

  11. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: Muhaha 19.10.18 - 10:41

    notuf schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Nicht umsonst gelten Juristen zu den am besten bezahlten Berufsgruppen.
    > Besser noch als Ärzte. Alles andere ist akademischer Pöbel oder
    > akademisches Proletariat. Passt wieder irgendwie zu dem Artikel bei Heise:
    > www.heise.de

    Notare sind nicht unnütz. Ganz im Gegenteil. Dass das keine besonders anstregende Arbeit ist und man dafür auch kein Volljurist sein muss, ja, ist so. Wer nicht viel arbeiten will, keine großartigen Talente hat, keine Erfüllung im Job sucht und trotzdem ordentlich Asche haben möchte ... der sollte Notar werden. Aber die Tätigkeit als solche ist NICHT unnütz.

    Allerdings muss man auch beachten ... je mehr Notare es gibt, umso weniger fällt dann wieder für jeden ab :)

  12. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: notuf 19.10.18 - 10:44

    Ich habe nicht gesagt, dass Notare unnütz sind. Persönlich habe ich mich sehr gut beraten gefühlt durch den Notar. Dennoch finde ich, dass das Gehaltsgefüge sehr stark auseinander klafft in Deutschland.

  13. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: Muhaha 19.10.18 - 10:53

    notuf schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Ich habe nicht gesagt, dass Notare unnütz sind. Persönlich habe ich mich
    > sehr gut beraten gefühlt durch den Notar.

    Du verweist auf einen Artikel, in dem es darum geht, dass das Gehalt steigt, je unnützer der Job ist :)

    > Dennoch finde ich, dass das
    > Gehaltsgefüge sehr stark auseinander klafft in Deutschland.

    Keine Frage. Das liegt zum einen an den Mitarbeitern selbst, die ihren Preis nicht kennen und sich oft genug für VIEL ZU WENIG einstellen lassen. Und zum anderen an Strukturen, wo man nur den richtigen Stallgeruch mitbringen muss (die richtige Uni, die richtige Familie, die richtigen Seilschaften), um sich seine eigene Inkompetenz fürstlich bezahlen zu lassen.

    Ich habe erst lernen müssen bei Gehaltsverhandlungen richtig arschig aufzutreten, um meinen Preis einfordern zu können. Mit "lieb und freundlich" bekommst Du als Dank nur einen Arschtritt. Also tritt man zurück und oh Wunder, es funktioniert! Von daher ... die Gewerkschaften müssen wieder so richtig knallhart werden und massenhaft Betriebe lahmlegen, anstatt dass sich die Funktionäre gemütlich im Vorstand großer Firmen suhlen und mit an den Fleischtöpfen der Macht sitzen. Und die Gewerkschaften müssen ENDLICH lernen international zu agieren, denn Du kannst keine Firma unter Druck setzen, wenn diese einfach Teile der Arbeit auslagern kann.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 19.10.18 10:57 durch Muhaha.

  14. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: Oktavian 19.10.18 - 10:57

    > Unglaublich ... Besonders wenn man dann ließt dass das auch eine längere
    > Zeitspanne sein kann.

    Du hast aber schon die ganzen Randbedingungen gelesen, oder?

    Es geht hier im Fälle, in denen das Unternehmen und in der Regel leitenden Angestellte (die also Einblick in die Finanzlage haben) die Insolvenz hinauszögern und diesen Angestellten Gelder zuschanzen, die ihnen schon nicht mehr zustehen, mit der Absicht, andere Gläubiger zu benachteiligen.

    Man muss hier bedenken, dass Angestellten ja im Insolvenzfall der Lohnausfall zum Großteil ersetzt wird. Insofern wäre es für andere Gläubiger, die dieses Privileg nicht genießen, grob nachteilig, wenn der Insolvenzverwalter das Geld nicht zurückholt.

  15. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: Oktavian 19.10.18 - 11:11

    > ... ist im Insolvenzverfahren der Insolvenzverwalter,

    Natürlich werden die Ansprüche des Insolvenzverwalters zuerst bedient. Er steigt ja erst in den Auftrag ein, wenn das Unternehmen bereits insolvent ist. Warum sollte er das tun, wenn seine Ansprüche nachrangig wären? Der ist ja nicht die Heilsarmee.

    Man kann natürlich diskutieren, welche Vergütung ein Insolvenzverwalter bekommt. Bei wirklich großen Insolvenzen ist die schon üppig, da steigt der aber auch oft mit gleich mehreren Personen ein. Insgesamt ist sie aber gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen schon angemessen, und das macht einen Großteil der Insolvenzen aus.

    [...]

    > dann kommt ein paar Ausstehende Gehälter,

    Davor kämen noch Massekredite, das ist aber eher selten. Die werden auch in eine laufende Insolvenz hinein gegeben, wiederum verständlich, dass sie zuerst bedient werden, denn sonst würde es den Kredit nicht geben.

    Dann kommt erst mal das Finanzamt und die Sozialversicherungen. Auch das ist sinnvoll. Der Staat ist zum Schuldner geworden, ohne willentlich ein Risiko eingegangen zu sein. Zudem ist nicth einzusehen, warum einzelne Gläubiger, die wissentlich geschäftliche Risiken eingehen, ihr Geld vor der Allgemeinheit wiederbekommen sollen.

    Angestellte sind vergleichsweise gut abgesichtert durch das Insolvenzgeld.

    > dann
    > kommt lange lange nichts, und dann kommt die Befriedigung der
    > Gläubigerinteressen.

    Na in aller Regel ist dann nur noch wenig bis gar nichts mehr da.

    > Insolvenzverfahren sind ein Wildwuchs geworden, bei denen ausschließlich
    > der Insolvenzverwalter Millionen mitnimmt, und alle anderen fast leer
    > ausgehen.

    Du gehst wahrscheinlich von den paar Rieseninsolvenzen aus, die durch die Presse geistern. Aber nicht jedes kleine Unternehmen, das pleite geht, heißt Schlecker. In aller Regel kommt der Insolvenzverwalter auf Einnahmen, die denen einer anderen anwaltlichen Tätigkeit entsprechen. Zudem haftet ein Insolvenzverwalter für Fehler persönlich. Insofern, ich halte die Vergütung für angemessen.

  16. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: ibsi 19.10.18 - 11:40

    > Man muss hier bedenken, dass Angestellten ja im Insolvenzfall der Lohnausfall zum Großteil ersetzt wird. Insofern wäre es für andere Gläubiger, die dieses Privileg nicht genießen, grob nachteilig, wenn der Insolvenzverwalter das Geld nicht zurückholt.

    zum Großteil ja. Aber bekomme ich auch meine Arbeitszeit "zum Großteil" wieder? Nein. Und so lange steht mir das Geld komplett zu (so sehe ich das als Angestellter). Das der AG noch andere Dinge zu bezahlen hat, ist mir als Arbeitgeber, der direkt für das Unternehmen arbeitet, wichtiger.

    Klingt unfair für die anderen Gläubiger? Ja, kann gut sein. Aber man kann doch heute fast alles versichern.

  17. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: notuf 19.10.18 - 12:25

    ibsi schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > > Man muss hier bedenken, dass Angestellten ja im Insolvenzfall der
    > Lohnausfall zum Großteil ersetzt wird. Insofern wäre es für andere
    > Gläubiger, die dieses Privileg nicht genießen, grob nachteilig, wenn der
    > Insolvenzverwalter das Geld nicht zurückholt.
    >
    > zum Großteil ja. Aber bekomme ich auch meine Arbeitszeit "zum Großteil"
    > wieder? Nein. Und so lange steht mir das Geld komplett zu (so sehe ich das
    > als Angestellter). Das der AG noch andere Dinge zu bezahlen hat, ist mir
    > als Arbeitgeber, der direkt für das Unternehmen arbeitet, wichtiger.
    >
    > Klingt unfair für die anderen Gläubiger? Ja, kann gut sein. Aber man kann
    > doch heute fast alles versichern.

    Recht hast du. Die Lebenszeit gibt einen keiner wieder, die man in diesem Fall quasi geschenkt hat. Und das Insolvenzgeld ist auch gedeckelt. Es ist natürlich nett, dass man es bekommt. Leider oft erst, wenn der AG offiziell Insolvenz anmeldet. Solange er aber die Sozialversicherung zahlt, die Löhne aber nicht auszahlt, hat man schlechte Karten und lebt ersteinmal vom gesparten. Und ein Kündigungsgrund für eine außerordentliche ist das auch noch nicht. Wenn man das dann aber macht, gibt es vom Arbeitsamt eine Sperre, weil man ja selber gekündigt hat.

  18. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: Oktavian 19.10.18 - 12:31

    > zum Großteil ja. Aber bekomme ich auch meine Arbeitszeit "zum Großteil"
    > wieder? Nein. Und so lange steht mir das Geld komplett zu (so sehe ich das
    > als Angestellter). Das der AG noch andere Dinge zu bezahlen hat, ist mir
    > als Arbeitgeber, der direkt für das Unternehmen arbeitet, wichtiger.

    Siehst du, und dem Warenlieferanten, der auf Zahlung wartet, ist es wichtiger, dass seine ausstehenden Rechnungen bezahlt werden. Dem steht die Zahlung ebenso komplett zu wir Dir Dein Gehalt, denn ebenso wie Deine Arbeitszeit bekommst er seine Ware nicht wieder. Warum solltest Du besser behandet werden als die anderen?

    Wenn Du mit den Regelungen zum Insolvenzrecht als Arbeitnehmer nicht einverstanden bist, steht es dir selbstverständlich frei, kein Angestelltenverhältnis einzugehen. Ebenso steht es Lieferanten frei, nicht auf Rechnung zu arbeiten.

    > Klingt unfair für die anderen Gläubiger? Ja, kann gut sein. Aber man kann
    > doch heute fast alles versichern.

    Du kannst Dich als Arbeitnehmer selbstverständlich auch gegen den Insolvenzfall Deines Arbeitgebers versichern, so dass die Lücke zwischen Gehalt und Insolvenzgeld geschlossen wird. Man kann doch heute fast alles versichern.

    Du wirst eben eh schon deutlich besser gestellt als jeder andere Gläubiger im Insolvenzverfahren. Und tröste Dich, meist geht es da sehr fair zu, denn nach Befriedigung der vorrangigen Gläubiger ist meist eh nix mehr da zu verteilen. Zudem stellt es in aller Regel der Insolvenzverwalter der Belegschaft frei, fristlos gekündigt zu werden. Dann schuldet Dir der AG auch kein Gehalt mehr, da Du ja keine Arbeitszeit mehr leisten musst.

  19. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: Oktavian 19.10.18 - 12:35

    > Recht hast du. Die Lebenszeit gibt einen keiner wieder, die man in diesem
    > Fall quasi geschenkt hat. Und das Insolvenzgeld ist auch gedeckelt. Es ist
    > natürlich nett, dass man es bekommt. Leider oft erst, wenn der AG offiziell
    > Insolvenz anmeldet. Solange er aber die Sozialversicherung zahlt, die Löhne
    > aber nicht auszahlt, hat man schlechte Karten und lebt ersteinmal vom
    > gesparten.

    Dir steht es als AN natürlich frei, fristlos zu kündigen und das Gehalt einzuklagen.

    Zudem hast Du die Möglichkeit, für den AG den Insolvenzantrag zu stellen, falls ersichtlich ist, dass er zahlungsunfähig ist. Zudem könntest Du in so einem Fall auch der Staatsanwaltschaft einen Wink geben, Verdacht auf Insolvenzverschleppung. Im Fall der Insolvenzeröffnung wird Insolvenzgeld bei nicht gezahltem Lohn auch rückwirkend gewährt.

    > Und ein Kündigungsgrund für eine außerordentliche ist das auch
    > noch nicht. Wenn man das dann aber macht, gibt es vom Arbeitsamt eine
    > Sperre, weil man ja selber gekündigt hat.

    Man sollte sich natürlich schnell und aktiv um etwas neues bemühen. Aber das kann ja durchaus flott gehen. Immer dran denken, der AN ist pleite, da gibt es nicht so furchbar viele Optionen.

  20. Re: "Hauptgläuber"

    Autor: Tantalus 19.10.18 - 12:51

    notuf schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Und ein Kündigungsgrund für eine außerordentliche ist das auch
    > noch nicht. Wenn man das dann aber macht, gibt es vom Arbeitsamt eine
    > Sperre, weil man ja selber gekündigt hat.

    Ab drei ausstehenden Gehältern hast Du als AN das Recht auf ausserordentliche Kündigung und bekommst in diesem Fall auch keine Sperre vom Arbeitsamt. Hatte selbst diesen Fall vor ca. 15 Jahren (und ich glaube nicht, dass sich daran etwas geändert hat).

    Gruß
    Tantalus

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