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  5. › Commodore CDTV (1991): Als die Zukunft…

Der Untergang begann meiner bescheidenen Meinung nach schon mit Kickstart 2.0

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  1. Der Untergang begann meiner bescheidenen Meinung nach schon mit Kickstart 2.0

    Autor: motzerator 24.12.18 - 01:51

    Das erste Problem des CDTV war schon der hohe Preis. Warum sollte man sich so ein teures Teil kaufen, wenn es doch nur ein normaler Amiga mit CD Laufwerk war?

    Die Leute haben sich lieber einen Amiga 500 geholt und einen passenden Monitor, man wollte ja beim Computern am großen Fernseher nicht "rechteckige Augen" bekommen.

    Zu dem Amiga hätte man sich ein CD-Rom kaufen können, aber das machte auch wenig Sinn, weil es einfach keinen Grund dafür gab, es fehlte die nötige Software. Eine Konsole ohne System Seller ist aber einfach eine Totgeburt.

    Das zweite Problem waren die Konsumenten. Die waren es damals gewohnt, Computer zu kaufen und Spiele zu kopieren. Das Geld wanderte eher in Hardware und Leerdisketten, als in Originale. Auf der anderen Seite gab es auch sehr viel Schrott unter den angebotenen Games, die oftmals offensichtlich nur auf Spontankäufe aufgrund von tollen Covern setzten, ohne auch ein tolles Spiel zu bieten, auch wenn es dazwischen immer wieder einzelne Perlen wie etwa Populous oder Dungeon Master gab.

    Meiner Meinung nach hat Commodore auch die eigenen Kunden nie verstanden. Der Amiga war zwar zum einen ein toller Multimedia Computer für kreative Anwender, zum anderen aber war er für die breite Masse ein Homecomputer und somit vor allem ein Gerät zum Spielen.

    Die Probleme begannen meiner bescheidenen Meinung nach bereits mit dem Amiga 500 Plus, der den Umstieg von Kickstart 1.3 auf 2.0 brachte und dabei viele Inkompatibilitäten auslöste, was zu sehr vielen Reklamationen und unzufriedenen Kunden führte. Vor allem die Raubkopien machten dabei Probleme, vermutlich aufgrund von Änderungen in der Systemarchitektur und der sehr Hardwarenahen Programmierung vieler Demos, die damals eigentlich Standard waren, weil die Cracker damit zeigen konnten, was sie so drauf haben.

    Das sprach sich schnell herum und die Kiste hatte bald den Ruf, das man damit viele Probleme hat, obwohl manche neueren Modelle, etwa des Amiga 600, unter anderem mit integrierter Festplatte punkten konnten, was die Anwendung drastisch erleichterte, da man sich nicht mehr als "Diskjockey" betätigen musste.

    Zeitgleich machte sich die Konkurrenz auf den Weg, dem Amiga den Rang abzulaufen. Da war zum einen der IBM Kompatible PC, der damals bereits mit VGA Grafik punkten konnte, die eine deutlich bessere Qualität bot, als der Amiga. Die Intel Prozessoren wurden zudem immer leistungsfähiger und bekamen Konkurrenz von AMD und Cyrix, was für schnell steigende Leistung zu guten Preisen führte. Die Motorola 68000er konnten da nicht mithalten oder waren schlicht zu teuer, der Amiga 3000 und 4000 bewegte sich in sehr hohen Preisregionen. Hinzu kam DOS und Windows und die Vielfalt der dafür verfügbaren professionellen Programme.

    Auf der anderen Seite waren es die Spielkonsolen vor allem von Nintendo, die viel einfacher zu bedienen waren als ein Amiga und zudem deutlich günstiger waren und die sich vor allem durch ihre hochwertigen Spiele verkauften.

    Bereits das NES fand viele Freunde und war dabei sehr günstig. Es bereitete den Weg für des Super Nintendo, das mit einer großen Anzahl hervorragender Spiele aufwarten konnte und die Kunden vom Nutzen einer Spielkonsole überzeugten. Es war einfach besser, 120 Mark in ein tolles Spielmodus zu investieren, als sich dafür 100 Leerdisketten zu holen und diese mit vielen schlechten Spielen zu füllen.

    Das CDTV war eine sehr teure Spielkonsole mit Software, die zum Großteil für einen Homcomputer entwickelt wurde. Das Gehäuse machte als solcher aber einfach keinen Sinn. Für das Wohnzimmer war die Bedienung nicht geeignet, für den Schreibtisch passte die Form nicht und für das reine Grundgerät konnte ein Gamer sich eine SNES mit vielen tollen Spielen holen.

    Das CDTV war einerseits zu spät, weil sich der Markt damals in Konsolen Gamer einerseits und High End PC Gamer andererseits aufteilte und es irgendwie in keine der beiden Welten so richtig gepasst hat.

    Das CDTV war andererseits viel zu früh, denn Multimedia war damals noch gar nicht möglich und eher ein Werbeslogan als Realität. Es gab damals weder Musik im MP3 Format, noch gab es brauchbare Video Formate mit akzeptabler Qualität, von der nötigen Hardwareleistung mal ganz zu schweigen.

    Was übrig bleibt war ein sperriger Amiga mit sehr hohem Preis. Sicher ganz nett als Techdemo, aber praktisch kaum zu verkaufen.

    Das Hauptproblem vom Amiga war aber meiner bescheidenen Meinung nach ein ganz anderes und viel grundlegenderes: Die Hardware war nie darauf ausgelegt worden, für die Zukunft ordentlich zu skalieren. Es gab keine Treiber, die Hardware wurde direkt angesprochen. Daher war sein Ende im Prinzip schon bei der Entwicklung festgelegt. Das galt damals aber für alle Heimcomputer, die alle ausgestorben sind. Nur der PC hat überlebt.

    Etwa seit Kickstart 2.0 machten sich diese Probleme bemerkbar. Danach ging es mit dem Amiga bergab. Es war eine tolle Zeit, aber danach wurde er von besserem abgelöst, also sollte man nicht traurig sein. Das CDTV war nur eine Randnotitz in seiner Geschichte.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 24.12.18 02:08 durch motzerator.

  2. Re: Der Untergang begann meiner bescheidenen Meinung nach schon mit Kickstart 2.0

    Autor: Yo 24.12.18 - 09:20

    Natürlich ist man im Nachhinein immer schlauer. Betrachtet man jedoch die Zeiten damals lag es wohl eigentlich nur daran, dass die technische Entwicklung im Homecomputer-Bereich erst startete. Es war klar das, wenn der Hunger einmal geweckt wurde, immer noch leistungsfähigere Geräte gefragt waren.
    Viele Konzepte im Amiga OS sind bis heute einzigartig, aber es wurde halt verschlafen diese Konzepte so anzupassen das sie der enormen Entwicklungsgeschwindigkeit der Hardware schritthalten können - wenn dies überhaupt möglich gewesen ist?!?

    Der CDTV musste floppen - kam viel zu spät und hat die Kundschaft überhaupt nicht verstanden. Der Amiga lebte von Raubkopieen und der Verfügbarkeit von Gratis-Software/Spielen. Da es damals noch keine CD-Brenner gab wäre die Anschaffung eines CDTV eine Einbahnstrasse gewesen. So blöd waren die Kunden damals nicht.

    Die Umerziehung der Kundschaft begann erst mit der Einführung der App-Stores und den Pay-to-be-an-Idiot äh Pay-to-win Games bzw. In-App-Purchases. Spiele deren Spielprinzip eigentlich nur darin besteht den Spieler süchtig und in Gruppenzwang zu bringen um dann abzukassieren.
    Eine Raubkopierscene gibt es - soweit ich das beurteilen kann - schlichtweg nicht mehr. Kürzlich hat ja auch einer der Stores für Raubkopieen von gejailbraketen iOS Devices dich gemacht.
    Es hat zwar einige Generationen gebraucht, aber nun ist es soweit - die Leute sind zu bequem, zu Blöd und zu Gleichgerichtet um sich noch der Konsum-Indoktrination zu widersetzen.
    Ok, wer (raub)kopiert auch freiwillig diesen Schrott der da verfügbar ist?!?

    So, und jetzt kauft Schlumpfbeeren bis ihr pleite seid ;-)
    Frohes Fest! (fanta4)

  3. Re: Der Untergang begann meiner bescheidenen Meinung nach schon mit Kickstart 2.0

    Autor: serra.avatar 24.12.18 - 09:42

    Eine Raubkopierer Szene braucht es heute auch gar nicht mehr ... Dank Sales (STEAM; UPlay; Origin & Co.) GOG; HumbleBumble; GotY; GoG; Pyramide; RedPepper; und Wühltische in den GeizistGeil Pri***** Märkten ... bekommst du heute Spiel für das Geld was sie wirklich wert sind!

    Wer warten kann ist klar im Vorteil: Den Preis zum Echtwert der Ware, Bugbereinigt und alles inkl. keine DLC Extra Abzocke ... im GotY gleich komplett enthalten.
    Für den Preis den du damals für 10 Spiele hinlegtest bekommst du heute hunderte Spiele!

    Wer halt meint er müsse am Ersterscheinungstag zu den Mondpreisen der UVP kaufen ... tja Darwins Mühlen mahlen langsam!

    Wer heute noch Spiele raubkopieren (was für ein gehirngewaschenes Unwort) muss, ist im letzten Jahrhundert stecken geblieben.

    _________________________________________________________________
    Gott vergibt, ich nicht!



    5 mal bearbeitet, zuletzt am 24.12.18 09:53 durch serra.avatar.

  4. Re: Der Untergang begann meiner bescheidenen Meinung nach schon mit Kickstart 2.0

    Autor: Yo 24.12.18 - 11:07

    serra.avatar schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Eine Raubkopierer Szene braucht es heute auch gar nicht mehr

    Doch. Mehr denn je!

    > tja Darwins Mühlen mahlen langsam!

    Ja, das hast Du mit Deinem Kommentar bewiesen

    > Wer heute noch Spiele raubkopieren (was für ein gehirngewaschenes Unwort)
    > muss, ist im letzten Jahrhundert stecken geblieben.

    Ganz im Gegenteil. Du hast anscheinend überhaupt nicht begriffen worin die Herausforderung der Szene bestand. Naja, da ist Hopfen und Malz verloren.

  5. Re: Der Untergang begann meiner bescheidenen Meinung nach schon mit Kickstart 2.0

    Autor: chromax 24.12.18 - 12:00

    Sehe ich größtenteils genauso. Der Plan des Commodore-Vorstandes mit der CD die Raubkopierer-Szene auszutrocknen hat nicht funktioniert. Es war auch sehr vermessen einen A500 oder später 1200 in ein neues Gehäuse zu packen und zu denken das man damit abkassiert. Ich sehe da das Nokia-Syndrom des Größenwahns. Ich vermute da waren die Verkäufer am Werk, nicht die Visionäre, durch die der Amiga erschaffen wurde.

    Ich stimme dir nicht so ganz zu (oder sagen wir mal ich stelle Fragezeichen dran) das das NES so ein toller Konkurrent war. Das war sehr teuer und das SNES noch viel viel teurer. 100 Mark für ein Spiel war eine Hausnummer. Ich glaube ohne die Kopierer wäre der Amiga nie so berühmt geworden, ich hatte damals schlicht nicht so viel Geld für Spiele wie es die Konsolen gebraucht hätten.

    Und ich bin nicht der Meinung das der Amiga kompliziert war. Gerade dieses Hybrid-Konsolen-Computer System (Diskette rein, los gehts) war ein Teil des Erfolges. Man denke an config.sys und autoexec.bat, die reinste Hölle.

    Schade das diese interessante Diskussion neigt in die Polemik abzudriften. Ich merke nur an. Das Internet ist heute voller, voller, voller "Raubkopierer". Nur heute sind es GOG Spiele ohne Kopierschutz und die Spieler zahlen die 10 EUR für ein gutes Spiel. Daher nutzen diese Seiten wenig Leute. Ich zahle heute auch die paar EUR bei Steam und hab dafür immer alle Updates. Dafür bekommen gute Entwickler ihren Lohn. Heute sind die Preise einfach nicht diesselben wie früher, im Appstore oder Playstore genauso. "Cracken" ist gar nicht mehr nötig, und wo es nötig ist, da gibts CODEX oder FAIRLIGHT noch heute.

  6. Re: Der Untergang begann meiner bescheidenen Meinung nach schon mit Kickstart 2.0

    Autor: motzerator 24.12.18 - 15:43

    chromax schrieb:
    -----------------------------
    > Sehe ich größtenteils genauso. Der Plan des Commodore-Vorstandes
    > mit der CD die Raubkopierer-Szene auszutrocknen hat nicht funktioniert.

    Ich bin mir nicht mal sicher, das man das damit erreichen wollte. Ich
    glaube, Kickstart 2.0 diente eher dazu, den Amiga fit für die Zukunft
    zu machen und hatte halt Probleme mit hardwarenah programmierter
    Software zur Folge, das betraf ja nicht nur die Demos und Cracks.

    Mit Kickstart 2.0 kam ja auch ein verbesserter Chipsatz, der aber kaum
    genutzt wurde, weil die verbesserten Modi auf der Masse der Amigas
    nicht zur Verfügung stand.

    Der Amiga wurde halt noch vor dem großen Paradigmawechsel entwickelt.

    Er war ein klassischer Heimcomputer, es war damals nicht von Anfang an
    eingeplant, das man das System technisch aufrüsten wird. Es gab vor allem
    keinerlei Treiber. Wenn ein Schreibprogramm einen Drucker ansprechen
    wollte, musste es selber die Treiber mitbringen. Das war am PC ja unter
    DOS auch noch so, Word für DOS bestand damals noch zum Großteil aus
    Treiberdisketten für alle möglichen Drucker. Erst mit Windows änderte
    sich das, da gab es plötzlich ein Betriebssystem, das zwischen Programm
    und Drucker vermittelte über den Treiber des Druckers.

    > Ich stimme dir nicht so ganz zu (oder sagen wir mal ich stelle Fragezeichen
    > dran) das das NES so ein toller Konkurrent war. Das war sehr teuer und das
    > SNES noch viel viel teurer. 100 Mark für ein Spiel war eine Hausnummer. Ich
    > glaube ohne die Kopierer wäre der Amiga nie so berühmt geworden, ich hatte
    > damals schlicht nicht so viel Geld für Spiele wie es die Konsolen gebraucht
    > hätten.

    Das NES wurde anfangs nur einfach so nebenbei verkauft. Aber es war billig,
    wenn man bedenkt, das ein Grundgerät damals 199 Mark gekostet hat. Mit
    Mario 3 begann dann der schleichende Siegeszug der Konsolen.

    Das SNES war dann aber sehr erfolgreich und die Spiele waren das Geld für
    die teuren Cartridges auch wert.

    > Und ich bin nicht der Meinung das der Amiga kompliziert war. Gerade dieses
    > Hybrid-Konsolen-Computer System (Diskette rein, los gehts) war ein Teil des
    > Erfolges. Man denke an config.sys und autoexec.bat, die reinste Hölle.

    Die Benutzeroberfläche war aber komplizierter als die einer Spielkonsole,
    wobei viele der Raubkopien ja damals selbststartende Disketten waren,
    einlegen und Reset waren natürlich auch nicht Schwieriger als eine
    Cartridge einzulegen. Aber genau die machten bei Kickstart 2.0 ja oft
    Probleme.

    Das ein PC damals noch etwas komplizierter war, ist eine andere Geschichte.
    Ich wollte damit nur sagen, das eine Spielkonsole eine andere Oberfläche
    braucht als ein Heimcomputer. Maus, Tastatur sind eher zum Arbeiten am
    Schreibtisch gedacht, am großen Fernseher braucht man eine andere, dort
    einfacher zu bedienende Oberfläche.

    Was die Raubkopierer Diskussion betrifft: Die Situation war damals einfach
    so. Viele Gamer sind dann aber trotz der hohen Modulpreise auf Nintendo
    gewechselt, weil man dort für sein Geld auch tolle Spiele bekommen hat,
    das hat sich in meinen Augen mehr gelohnt, als das gleiche Geld in Disks
    und irgendwelchen kopierten Schrott zu stecken.

    Der Rest der Gamer wechselte derweil auf den PC, um dort das große
    Hardware-Rennen zu beginnen, mit Sachen wie Wing Commander.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 24.12.18 15:54 durch motzerator.

  7. Re: Der Untergang begann meiner bescheidenen Meinung nach schon mit Kickstart 2.0

    Autor: eidolon 24.12.18 - 15:43

    Yo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Doch. Mehr denn je!

    Für die Szene, aber nicht für Otto Normal, der die besten Spiele alle paar Monate im Sale für ein paar Euro bekommt.

  8. Re: Der Untergang begann meiner bescheidenen Meinung nach schon mit Kickstart 2.0

    Autor: motzerator 24.12.18 - 16:26

    Yo schrieb:
    -------------------
    > Natürlich ist man im Nachhinein immer schlauer. Betrachtet man jedoch die
    > Zeiten damals lag es wohl eigentlich nur daran, dass die technische
    > Entwicklung im Homecomputer-Bereich erst startete. Es war klar das, wenn
    > der Hunger einmal geweckt wurde, immer noch leistungsfähigere Geräte
    > gefragt waren.

    Das ist natürlich richtig. Es geht ja auch nicht um Schuldzuweisungen sondern
    um die Frage, warum sich das so entwickelt hat. An Skalierbarkeit hat damals
    doch niemand gedacht, das Ding wurde halt entwickelt und war das Beste, was
    man in den 80er Jahren bekommen konnte. Selbst sehr teure IBM Kompatible
    konnten damals nicht mithalten, weil Hercules, CGA und EGA Grafik halt ein
    Witz waren für Games.

    Das hat sich erst mit VGA geändert und da hat sich dann langsam gezeigt, das
    ein modulares System überlegen ist.

    > Viele Konzepte im Amiga OS sind bis heute einzigartig, aber es
    > wurde halt verschlafen diese Konzepte so anzupassen das sie
    > der enormen Entwicklungsgeschwindigkeit der Hardware
    > schritthalten können - wenn dies überhaupt möglich gewesen ist?!?

    Ich denke schon, das man den Amiga für lange Zeit hätte weiter führen
    können, wenn man die Technik von Anfang an dafür vorbereitet hätte.
    Das wurde aber nicht gemacht, weil keineswegs absehbar war, das die
    Technik immer weiter voran schreitet.

    > Der CDTV musste floppen - kam viel zu spät und hat die Kundschaft
    > überhaupt nicht verstanden. Der Amiga lebte von Raubkopieen und
    > der Verfügbarkeit von Gratis-Software/Spielen. Da es damals noch
    > keine CD-Brenner gab wäre die Anschaffung eines CDTV eine
    > Einbahnstrasse gewesen. So blöd waren die Kunden damals nicht.

    Das Problem mit dem Amiga 500 Plus und Kickstart 2.0 würde ich
    so einordnen, aber der Markt war damals ja auch bereit, Nintendo
    anzunehmen, also hätte ein CDTV zu einem niedrigen Preis und
    mit hochwertiger Software durchaus auch Chancen gehabt.

    Aber das CDTV war nun mal nur eine Machbarkeitsstudie eines
    möglichen Multimedia Systems. Das war damals ein Schlagwort,
    aber niemand war bereit, Unsummen für ein paar ruckelige
    Videos in einem Spiel auszugeben.

    Nintendo hingegen siegte mit einem günstigen Konsolenpreis
    (Das SNES kostete glaube ich Anfangs um die 299 DM) und
    hochwertigen Spielen.

    > Die Umerziehung der Kundschaft begann erst mit der Einführung der
    > App-Stores und den Pay-to-be-an-Idiot äh Pay-to-win Games bzw.
    > In-App-Purchases.

    Zwischen den wilden 80er Jahren, die von Raubkopien dominiert wurden
    und der heutigen Zeit mit ihren ganzen Auswüchsen lagen aber die 90er
    und 2000er Jahre, in denen die Spieler den Wert hochwertiger Originale
    schätzen und lieben gelernt haben, mal abgesehen von einigen CD-ROM
    Kopier-Orgienin den 90ern.

    Damals spielten Industrie und Kunden Hand in Hand, die einen haben
    tolle Software entwickelt und die anderen haben diese gerne gekauft.

    Im Prinzip war das aber nur ein kurzer Schulterschluss. Die Industrie
    fing dann mit dem Marketprice Skimming an, dem Kunden das Gefühl
    zu geben, das er ein Depp ist, wenn er Spiele gleich zum Release kauft.
    Gleiches galt auch bei Filmen auf DVD.

    Die Antwort der Kunden war dann, die Games erst spät zu erwerben,
    wenn sie im Preis gefallen sind, weil man keine Lust hat, 70 Euro für
    etwas auszugeben, das man ein halbes Jahr später für 30-40 Euro und
    ein Jahr Später für 20.- Euro kaufen kann.

    Die Module von Nintendo wurden nie verramscht, da hat man nicht
    drauf gezahlt, wenn man sofort bei Release gekauft hat und die Games
    waren dann auch fertig, man konnte ja noch keine Day One Patches
    hinterher flickschustern.

    Das immer mehr schlaue Leute halt ihre Spiele später kaufen, führt
    natürlich dazu, das man immer weniger mit den Games einnimmt
    und das hat dann zu der ganzen "Free to Play" Misere und inzwischen
    zu Lootboxen und Mikropayment und schlechten Spielen geführt,
    die nicht mehr auf das Vergnügen der Spieler optimiert sind sondern
    nur noch so gut sind, das man sie Spielen möchte, aber erst richtig
    Spaß machen, wenn man zusätzlich zahlt.

    > Spiele deren Spielprinzip eigentlich nur darin besteht den Spieler
    > süchtig und in Gruppenzwang zu bringen um dann abzukassieren.

    Der extreme Multiplayer Trend ist auch eine Folge des Skimmings,
    also der schrittweisen Preissenkung zur Abschöpfung von Markt-
    segmenten.

    Denn wenn man mit Homo Sapiens spielt, dann ist Verlieren verboten,
    ich zumindest hasse das wie die Pest. Dann wird aus einem lockeren
    Spiel purer Ernst mit echten Feinden und dann kommt es eben auch
    darauf an, möglichst schnell einzusteigen und aufzuleveln. Daher ist
    es auch normal, solche Spiele sofort beim Release zu kaufen.

    > Eine Raubkopierscene gibt es - soweit ich das beurteilen kann - schlichtweg
    > nicht mehr. Kürzlich hat ja auch einer der Stores für Raubkopieen von
    > gejailbraketen iOS Devices dich gemacht.

    Was sollen die auch kopieren, die meisten Multiplayer Spiele sind doch eh auf Server angewiesen und deren Codes bleiben natürlich streng geheim. Das ist ja der optimale Kopierschutz.

    Aber ich habe die Hoffnung, das nicht alles verloren ist, man muss sich nur leider von den meisten bisherigen Lieblingsherstellern verabschieden aber es gibt auch heute noch tolle Entwickler, die wissen, wie man Spiele macht.

    Ich nenne da mal Hello Games mit No Man's Sky, die zwar anfangs einen immensen Shitstorm hatten, weil sie zu viel (beziehungsweise viel zu früh) versprochen haben, die aber nachdem der Hauptumsatz längst im Kasten war kontinuierlich an ihrem Spielchen weiterfeilen, das man Offline und Online spielen kann und das in beiden Fällen Spaß macht.

    Die haben es geschafft, mein zweit liebstes Game dieser Konsolengeneration zu schaffen und das mit einem 12 Mann Team. Es besteht also noch Hoffnung auf schöne und faire Spiele.

    Vor allem aber gibt es viel Widerstand gegen Mikrotransaktionen, In Game Käufe und Mobilegames, die Gamer lassen auch nicht alles mit sich machen.

  9. Re: Der Untergang begann meiner bescheidenen Meinung nach schon mit Kickstart 2.0

    Autor: Hotohori 25.12.18 - 03:20

    Kickstart 3.0 war eh besser also 2.0. 2.0 war bei mir glaub damals nur kurz im Einsatz, 3.0 bzw. 3.1 viel länger.

    Das Problem neben CDTV und C32 war einfach auch der verschlafene Markt. Der Amiga 1200 war ein richtig guter Computer, dank eingebauter Festplatte, 68020 etc. Er ging auf jeden Fall in die richtige Richtung.

    Ich hatte am Ende ein 1200er im Tower Gehäuse mit Zorro 3 Board für entsprechende Zorro 3 Steckkarten und auch entsprechend dann eine Picasso (IV glaub) Grafikkarte drin, CD Brenner, 10 GB Festplatte und nen 68060 mit 50MB RAM. War ein echt super Grät (hing auch am INet), bis auf die Anfälligkeit zu Wackelkontakten und das das FastFile System Probleme mit so großen Festplatten hatte und regelmäßig die Daten verloren hat. Das war dann doch irgendwann zu nervig.

    Übrigens ist eine Sache von damals übrig geblieben, was bis heute auf meinem PC überlebt hat, also noch immer genutzt wird: Directory Opus (kurz DOpus). Damals auf dem Amiga noch als Directoy Opus Magellan II bekannt gewesen und hat den kompletten Amiga Desktop ersetzt und extrem aufgewertet, weil sehr stark an die eigene Wünsche anpassbar und das ist es auch heute noch, wenn auch kein Windows Desktop Ersatz, eher ein Explorer Ersatz und ein guter. ;)

    DOpus 12 kann übrigens noch heute diverse Amiga Fileformate öffnen.

    Das Beste ist, dass noch bis heute meine alte Amiga Installation von 1997 (da bin ich auf Win PC umgestiegen) noch immer als HDF Files auf meiner PC Platte liegen. :D

  10. Re: Der Untergang begann meiner bescheidenen Meinung nach schon mit Kickstart 2.0

    Autor: exxo 26.12.18 - 18:08

    Yo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    >
    > Die Umerziehung der Kundschaft begann erst mit der Einführung der
    > App-Stores und den Pay-to-be-an-Idiot äh Pay-to-win Games bzw.
    > In-App-Purchases. Spiele deren Spielprinzip eigentlich nur darin besteht
    > den Spieler süchtig und in Gruppenzwang zu bringen um dann abzukassieren.
    > Eine Raubkopierscene gibt es - soweit ich das beurteilen kann - schlichtweg
    > nicht mehr.

    Die Geschichten die du zum besten gibst, klingen wie altkluges Geschreibsel vom Gaming Opi.

    Leider ist fast alles falsch was du hier verkündet hast, siehe

    https://www.xrel.to/games-release-list.html

    Man sollte zumindest ein bißchen Ahnung von dem Zeug haben über das man schwafelt.

  11. Re: Der Untergang begann meiner bescheidenen Meinung nach schon mit Kickstart 2.0

    Autor: motzerator 06.01.19 - 19:02

    Hotohori schrieb:
    -----------------------------
    > Ich hatte am Ende ein 1200er im Tower Gehäuse mit Zorro 3 Board für
    > entsprechende Zorro 3 Steckkarten und auch entsprechend dann eine
    > Picasso (IV glaub) Grafikkarte drin, CD Brenner, 10 GB Festplatte und
    > nen 68060 mit 50MB RAM. War ein echt super Grät (hing auch am INet),
    > bis auf die Anfälligkeit zu Wackelkontakten und das das FastFile System
    > Probleme mit so großen Festplatten hatte und regelmäßig die Daten
    > verloren hat. Das war dann doch irgendwann zu nervig.

    Da warst Du aber sehr lange dabei, ich bin Anfang der 90er auf PC und
    Konsolen umgestiegen, etwa so zur Zeit als die 486er bezahlbar wurden
    und habe das auch nie bereut.

  12. Re: Der Untergang begann meiner bescheidenen Meinung nach schon mit Kickstart 2.0

    Autor: .zzZZ 18.01.19 - 23:45

    motzerator schrieb:

    > Er war ein klassischer Heimcomputer, es war damals nicht von Anfang an
    > eingeplant, das man das System technisch aufrüsten wird.

    Die Ax000er-Reihe war sehr aufrüstbar. Der Zorro-Bus wurde erst durch PCI übertroffen.

    > Es gab vor allem keinerlei Treiber. Wenn ein Schreibprogramm einen Drucker ansprechen
    > wollte, musste es selber die Treiber mitbringen.

    Nein, just die Modularität war eine Stärke von AmigaOS. TurboPrint und DataTypes...

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