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  5. › Commodore CDTV (1991): Als die Zukunft…

Konzept genial, Umsetzung auch bei den Nachfolgern lückenhaft (Teil 1)

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  1. Konzept genial, Umsetzung auch bei den Nachfolgern lückenhaft (Teil 1)

    Autor: 1st1 23.12.18 - 14:54

    allo allerseits, das Konzept des Commdore CDTV und des Philips CDi und all ihrer Nachfolger war schlicht genial. Aber die alles abspielende Multimediazentrale und Familiencomputer in einem im Wohnzimmer-kompatiblen Hifi-Format scheiterte immer an der Software.

    Und, ja, es gab durchaus Nachfolger des CDi und CDTV von anderen Herstellern, welches dieses Konzept weiter verfolgten. Und die haben die Idee durchaus weiter entwickelt. Ich will hier mal, soweit mir bekannt, einige Sachen vorstellen.

    Zunächst mal versuchte Microsoft dem Konzept eine eigene, durchaus interessante Note zu geben. Der Grundgedanke war, auf einem bestehenden Betriebssystem eine wohnzimmertaugliche Oberfläche überzustülpen. Die Idee war aber durchaus interessant, man versuchte von dem Fenster- und Dialogboxen-Konzept weg zu kommen, sondern bildete die Realität grafisch auf dem Monitor/Fernseher nach, man zeigte verschiedene Räume eines Hauses, z.B. das Wohn- und Arbeitszimmer, in denen das Klicken auf verschiedene Gegenstände dann Aktionen, sprich Programmstarts auslösten, z.B. wenn ma auf ein Kalenderblatt auf dem Schreibtisch klickte, öffnete sich ein Kalender-Programm mit den hoffentlich gepflegten Terminen. Das lag sicherlich daran, dass kein Hardwarehersteller zu dem Zeitpunkt das Thema aufgriff, und einen PC in eine Art CDTV-Gehäuse steckte. Erfolgreich war Microsoft Bob, welches auf Windows 3.x lief, auf jeden Fall nicht, Im Auge von Interessierten wurde Bob eher als Spielerei abgetan, mit dem man nichtmal die Verwendung der gänigen Windows-Oberfläche erlernen konnte. In Folge dessen fehlte auch weitere Software, die im Wohnzimmer auf dem Fernseher bedienbar war. Eine Maus auf dem grob aufgelösten Bild war auch nicht so wirklich der Bringer, wie ich später aus eigenen Experimenten lernte.


    Quellen und Bilder:
    - https://www.winhistory.de/more/bob.htm
    - https://de.wikipedia.org/wiki/Microsoft_Bob

    Teil 2 folgt sogleich...

  2. Re: Konzept genial, Umsetzung auch bei den Nachfolgern lückenhaft (Teil 2)

    Autor: 1st1 23.12.18 - 14:55

    Den nächsten ernsthaften Versuch gab es kurz später. Olivetti hat das CDTV und Bob miteinander vermischt, nutzte aber auf dem Envision nicht Bob, sondern das sehr ähnliche Olipilot, welches von einem britischen Softwarehaus eingekauft war. Der Envision ähnelte dem CDTV sehr und ließ sich wie dieser im Hifi-Turm stapeln. Es gab ihn wahlweise mit einer Intel 80486-DX4/100 oder Intel Pentium 75 CPU und man konnte zwischen einer Kabel-basierten und einer Infrarot-Tastatur wählen. Auch eine kleine Fernbedienung mit Play/Stop/Next/Prev/... lag bei. Auf den Installationsmedien sind zwar auch noch Windows 3.x Treiber drauf, aber soweit mir bekannt ist, wurden alle Envisions mit Windows 95 ausgeliefert. Hardwareseitig war das Konzept dem CDTV recht ähnlich, aber eben basierend auf PC-Hardware, was einige neue Möglichkeiten eröffnete. Der Prozessor wurde z.B. durch eine MPEG-Beschleuniger-Karte unterstützt und so konnte das System problemlos VCDs abspielen. Eine 56k-Modemkarte ermöglichte Internetzugang, die Verwendung des Envision als Anrufbeantworter und Fax-Gerät. Damit dafür der Rechner nicht dauernd laufen muss, hat ihm Olivetti einen Standby-Modus verpasst, der den Rechner auf Knopfdruck sofort in einen Schlafzustand versetzte und wieder aufwecken konnte. Das ging ratzfatz, weil der Arbeitsspeicher einfach weiter mit Strom versorgt wird. Genau wie das CDTV hatte der Envision an der Front diverse Funktionstasten für Multimedia-Funktionen (die gleichen wie auf der Fernbedienung) und ein Fluroszenz-Display, welches die Uhrzeit (auch im Standby) als auch einige Statusanzeigen (z.B. für den Anrufbeantworter und empfangene Faxe) anzeigen kann. Neben den sonstighen damals üblichen PC-üblichen Schnittstellen (seriell, parallel, Joystick, Tastatur, Maus, Soundkarte) waren sogar DIN-Buchen für MIDI In/Out vorhanden und noch zwei ISA/PCI-Slots frei. Die Onboard-Grafikkarte konnte 640x480 in 65K Farben oder 800x600 in 256 Farben, neben einem VGA-Anschluss ermöglichte SCART den Anschluss an den Fernseher. Einen Videorekorter konnte man an SCART-IN anschließen, der wurde dann durchgeschleift, sobalange der Envision aus oder im Standby ist. Aus damals wichtigen Gründen fand man neben dem CD-Laufwerk in der Front sogar noch ein (serienmäßig weißes) Diskettenlaufwerk hinter einer Klappe. Der Envision war so gesehen wesentlich runder und weiter als das CDTV. Ethernet und USB fehlte dem Envision, dafür erschien er wahrscheinlich etwas früh. Auch an eine TV-Karte hatte der Hersteller noch nicht gedacht, aber Nachrüstung war wegen der freien Slots prinzipiell möglich.

    Hinter der Bedienoberfläche Olipilot waren diverse Anwendungsprogramme für Heimzwecke installiert, unter anderem eine Textverarbeitung, Kalender, Adressbuch, Fax und ABB, Video- und Musikplayer (alles CD basiert, kein MP3), ein Noten-basierter Midi-Sequenzer, die aber allesamt nicht an das Bedienkonzept eines "Wohnzimmer-PCs" angepasst waren, außerdem konnte man hinter zahleichen weiteren Symbolen selbst Software "verstecken". Die Olipilot-Startoberfläche bestand aus einem Wohn-, einem Arbeits- und Kinderzimmer, in denen man die Programme thematisch "sortierte", im Flur konnte man generelle Sachen einstellen, oder das Programm in die normale Windows-95-Oberfläche verlassen.

    Leider war auch der Envision recht teuer, das Zielpublikum war noch nicht reif für das Konzept, und sobald man aus Olipilot irgendwelche Windows-Programme startete, wars vorbei mit der einfachen Bedienung, normale Windows-Programme passen da nicht wirklich.


    Mein eigener Envision P75 auf einem HomeCon-Treffen. Daneben das CDTV eines Vereinskollegen.
    Weiterführender Link: https://en.wikipedia.org/wiki/Olivetti_Envision
    Weitere Bilder von meinem Envision: http://forum.homecon.org/gallery/index.php/ImageList/86-HomeCon-37/

    Teil 3 folgt sogleich....



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 23.12.18 14:56 durch 1st1.

  3. Re: Konzept genial, Umsetzung auch bei den Nachfolgern lückenhaft (Teil 3)

    Autor: 1st1 23.12.18 - 14:57

    Als nächstes versuchte sich dann Fujitsu-Siemens an dem Konzept eines Wohnzimmer-PCs. Der FSC Multitainer wurde um 1999 auf der CeBit auf großer Fläche als das (eigene) Multimedia-Highlight vorgestellt, und aufbauend auf dem CDTV, CDi und Envsion hatte man sich wirklich ins Zeug gelegt. Die Fähigkeiten der auf Windows 98SE laufenden Oberfläche waren viel weiter als alles zuvor, recht einfach per Fernbedienung nutzbar, aber auch hier musste man für Anwendungen außerhalb dieser Oberfläche mit der Windows-Oberfläche leben. Das Gehäuse war sehr schick, aber auch der Multitainer war recht teuer. Aber er hatte zumindestens schon an der Front USB 1.1, was aber nicht so genannt wurde, sondern "Multilink" oder so und eine Analog- bzw. DVBs-TV-Karte war dafür auch schon erhältlich. Dieser Rechner wurde dann einst auf dem Gebraucht-Markt öfters auch von Wohnzimmer-PC-Bastlern für VDR ergattert.

    Weitere Infos:
    - http://www.vdr-wiki.de/wiki/index.php/Fujitsu_Siemens_Multitainer
    - https://www.golem.de/0112/17256.html

    Teil 4 kommt sogleich...

  4. Re: Konzept genial, Umsetzung auch bei den Nachfolgern lückenhaft (Teil 4)

    Autor: 1st1 23.12.18 - 14:57

    Auf der gleichen CeBit oder ein Jahr zuvor, ich weiß es nicht mehr, stellte auch MSI solch ein Gerät als Prototyp auf der CeBit vor, basierend auf dem Super-Sockel7, also alles vom Pentium MMX bis rauf zum AMD-K6-2, vor. Aber das Teil kam nie auf den Markt, ich habe einige Monate nach der CeBit von einem MSI-Kunden hier in Deutschland einen nicht mehr benötigten Prototypen bekommen. Mit dem habe ich mir dann für Privat meinen ersten HTPC aufgebaut, Win 98SE und diverse wohnzimmertaugliche Oberflächen ausprobiert, eine Hauppauge WinTV DVBs realisierte den digitalen Videorekorder, was ziemlich gut lief. Der MSI MS-5206 hatte aber weder einen schicken Namen noch war er sonderlich durchdacht, das integrierte Front-Display mit Hitachi-Controller konnte nur die Systemzeit und einen Scrolltext anzeigen, der Windows-Treiber ließ ansonsten keine Kommunikation zu, auch die Front-Tasten ließen sich nicht nutzen. Ich habe damals das Display über ein internes Kabel an den Parallelport umgehängt, wodurch dann die Ansteuerung mit irgendeiner Software aus der Community möglich war. Den 5206 habe ich auch noch, aber er funktioniert schon lange nicht mehr, zuletzt hatte ich darin eine AMD K6-III-CPU, das hielten aber die Spannungsregler auf dem Board nicht so lange aus.


    Mein MS-5206 Prototyp mit der zuhgehörigen Tastatur auf meinem heutigen HTPC...


    Da der nicht ganz geräuschlos war, habe ich den damals mit Kork gedämmt, was ganz gut funktionierte.

    Später, so um 2003 herum, kam MSI nochmal mit so Multimediabüchsen aus der MEGA Serie auf den Markt, man glaubte, mit dem Gehäuseformat von Shuttle X-PC (Schuhkarton) mehr Erfolg, das klappte auch einigermaßen als Multimedia-Heim-PC. Aber die waren aber vom Gehäuseformat nicht so wohnzimmerkompatibel, sie ließen sich nicht ins Hifi Rack stapeln. Die Megas hatten auch ein Frontdiaplay, das aber nur mit hauseigener Software funktionierte und im ausgeschalteten Zustand konnte das Ding noch als Radio-Empfänger genutzt werden. Die Darstellung der Displays war wegen vorgegebener Segmente ziemlich unflexibel. Zwei Generationen wurde um die Dinger als Heim-PC ein gewisser Marketing-Hype erzeugt, aber eine ganze Ecke besser war der kaum beachtete MSI Media Live MS-6421, der wieder ganz gut ins Wohnzimmer passte, der schon mit einer Athlon 64 CPU mit Windows XP, Vista und 7 laufen konnte, und somit konnte man auf dem auch das Windows Mediacenter (WMC) und XBMC/Kodi einsetzen. Der Media Live taugt auch heute sicher als Bastel-Grundlage.

    MSI Mega PC: https://www.google.com/search?client=firefox-b&biw=1366&bih=705&tbm=isch&sa=1&ei=ZoAfXOnXIIjIwQLgmKfQAg&q=msi+mega+pc&oq=msi+mega+pc&gs_l=img.3..0i19j0i30i19.462978.465787..466099...0.0..0.211.927.1j5j1......1....1..gws-wiz-img.......0j0i67j0i30j0i10j0i24j0i10i24.muP7Tt3wkBM
    MSI Media Live: https://picclick.de/MSI-Multimedia-PC-Media-Live-MS-6421-V1X-Media-183493371163.html (leider keine besseren Link gefunden)

    Etwa Zeitgleich mit den MSI Megas sah ich auf der CeBit einen Prototypen von Shuttle im Hifi-Format, auch das war ein Windows-Rechner, und das Gehäuse war sehr schick und futuristisch gestaltet, ein echter Hingucker war das, aber man wollte zu dem Gerät an normale Besucher nicht mit Details rausrücken. Auf den Markt kam das Teil scheinbar nie.

  5. Re: Konzept genial, Umsetzung auch bei den Nachfolgern lückenhaft (Teil 5)

    Autor: 1st1 23.12.18 - 14:59

    Später startete Fujitsu-Siemens mit der Activy Mediacenter Serie einen weiteren Versuch, der sogar recht erfolgreich war. Die erste Serie, Activy 200 wurde meistens über die Telekom an Kunden vertrieben und mit zusätztlichen Online-Angeboten , u.a. TV-Vision, usw. Welches Betriebssystem auf der 200er Serie lief, ist mir nicht bekannt, düfte aber ein Embedded Windows gewesen sein, genau wie bei der Activy 500 Serie, wo XP-Embedded drauf lief. Die 200er und 300er Activys hatten Celeron-CPUs, die 500er Serie nutze den Pentium 4, was einen ziemlichen Stromverbrauch nach sich zog. FSC hatte umfangreiches Zubehör rund um diese Geräte, diverse Tastaturen und Fernbedienungen, die für den 500er war sogar Windows Media Center kompatibel, usw. Die Activys waren von der Bedienung und Konzept kaum noch als PCs erkennbar, man kam auch nicht auf die gewohnte Windows-Oberfläche drauf, was andererseits den Nutzen der Geräte über die Vorgaben des Herstellers hinaus sehr beschränkte. Aber man konnte ja VDR installieren...

    Ich habe mir vor 2 Jahren ein Activy 570 Mediacenter besorgt, kurz die Originalsoftware ausprobiert, und wollte dann eigentlich Windows 10 drauf installieren, was aber an der CPU und der integrierten Grafikkarte scheiterte. Ich habe dann das Mainboard und vieles andere rausgeschmissen und nach leichter Gehäuseanpassung ein ASROCK Q1900M Pro3 Mainboard mit üfterlosen Atom-Pentium eingebaut. Seit dem läuft der unter Windows 10, das Front-Display konnte ich mit LCDHype ansteuern. Leider ist das LCDHype-Forum nicht mehr aufrufbar, deswegen ist der Treiber für das spezielle Futuba-Display und mein Ansteuerungsskript dort nicht mehr herunterladbar. Auf dem umgebauten Activy nutzt jetzt Win Mediacenter eine DVBS2-TV-Karte für TV-Aufnahmen, gelegentlich nutzt DVB-Viewer mit Kodi den zweiten SAT-Eingang, WinAMP tut seinen Dienst für die Musiksammlung, diverse Spiele tun es auch ganz gut (eine nVidia-Grafikkarte im Low-Profile-Format sorgt für etwas mehr Dampf). Dass ich parallel WMC und DVB-Viewer/Kodi nutze, liegt daran, dass ich mit Kodi noch nicht zufrieden bin, das kann zwar alles, aber es ist zu langsam, insbesondere beim Start und Beenden, und das finde ich über die eigentliche Benutzung hinaus ziemlich wichtig. Ich habe es auch geschafft, über LCDHype das spezielle Futuba-Display des Activy anzusteuern, es zeigt auf diversen Seiten viele Statis und Aktivitäten des PCs an, auch WinAMP, das WMC und DVBViewer-Recording-Service habe ich da eingebunden. Bedient wird mein Activy über Funktastatur, Gyration-Mediacenter-Fernbedienung, oder alternativ auch mal mit der auf dem Sofa rumgeschubsten Maus und einem drahtlosen Steam-Gamepad.


    Mein Activy 570 in der Umbauphase, hier gibts den kompletten Umbaubericht: https://www.kodinerds.net/index.php/Thread/51086-Umbau-Fujitsu-Siemens-Activy-570-Mediacenter/?postID=341396&highlight=activy#post341396

    Teil 6 kommt sogleich

  6. Re: Konzept genial, Umsetzung auch bei den Nachfolgern lückenhaft (Teil 6 - Schluss)

    Autor: 1st1 23.12.18 - 15:03

    Was bei der ganzen Wohnzimmer-PC Sache so fehlt, ist die Software-Seite. Eigentlich immer noch am Besten ist das Windows Mediacenter, welches unter Windows 10 offiziell nicht mehr zur Verfügung steht, aber über einen Hack immer noch nachinstalliert werden kann, auch wenn es immer schwieriger wird, und inzwischen ein paar Macken hat, insbesondere die Icon-Vorschau von Filmen auf der Festplatte. Kodi ist zwar eigentlich haushoch überlegen, aber mal eben schnell starten, ist nicht, das lädt erstmal ewig Plugins (auch wenn kaum welche installiert sind), muss erstmal TV-Sender-EPG Abgleich machen, usw., bis dahin ist man mit dem WMC schon am TV Gucken. Nur der Sat-Reciever ist noch schneller. Und Kodi beenden dauert auch ewig, ich muss es meistens mit dem Taskmanager abschießen, um endlich auf dem Activy was anderes machen zu können. Eine andere Sache, auf die ich einst große Hoffnung setzte, war Microsoft Side-View, was mit Windows Vista eingeführt wurde, das war gedacht, um kleine Zusatzdisplays über die Vista-Gadgets anzusteuern, und auf denen beliebige Informationen anzeigen konnte. Das wäre endlich mal ein Standard für Frontdisplays im Wohnzimmer-PC-Gehäuse werden können, wurde dann aber mit Windows 8 schon nicht mehr unterstützt. Die Alternativen wie LCDHype funktionieren unter Windows zwar im Prinzip, aber die ganze Geschichte ist inzwischen leider ziemlich eingeschlafen, ohne Forum ist das mehr oder weniger tot. Außerdem muss man sich selbst passende Scripte programmieren und erstmal herausfinden, wie/ob man an die darzustellenden Informationen aus den laufenden Programmen/Diensten heran kommt, ich habe da mehrere Wochen rumgebastelt, bis ich das Maximum rausgeholt habe.

    Außerdem fehlt den Wohnzimmer-PCs ein schlüssiges Eingabegeräte-Konzept, das auch im Wohnzimmer auf dem großen Fernseher aus ein paar Meter Entfernung mit beliebigen Anwendungen vernünftig funktioniert, es gibt zwar die HDI-Multimedia-Tasten, die mit Windows Media Center Fernbedienungen eingeführt wurden, aber jeder Hersteller kocht da bei den gesendeten Codes irgendwie sein eigenes Süppchen. Der Activy 570 hat solche Tasten an der Front, aber ohne Zusatzsoftware (HID-Plugin) reagiert nichtmal der Mediaplayer oder das Mediacenter auf deren Drücken. Auch Winamp reagiert nur auf diese Tasten und die Gyration-Fernbedienung, wenn dieses HID-Plugin eines russsischen Autors installiert wurde, und man die Tasten manuell in WinAmp und Mediaplayer separat angelernt hat. Der Standard von echten Mediacenter-Fernbedienungen (die mit dem grünen MCE-Knopf) funktionieren aber zumindestens in WMC ohne Bastelei. Ich habe eine schon länger nicht mehr erhältliche MCE-Fernbedienung von Gyration, die man in der Luft wumschnicken kann, um den Mauspfeil zu bewegen, mit ein bischen Übung klappt das ganz gut, sehr genial, aber inzwischen nicht mehr kaufbar. Man kennt dieses Prinzip von der WII-Remote, die auch den Sensor von Gyration nutzt.

    Das Eingabekonzept-Problem wurde für Wohnzimme-PCs nie richtg gelöst, erst für Touchscreen-PCs und Tablets gibts mit dem Windows Modern UI oder Android eine funktionierende Alternative für alle Anwendungen, aber sowas hat man auf dem Schoß, und nicht im inzwischen auch immer seltener werdenden Hifi-Turm. Das Modern UI verbessert aber am Fernseher kaum was, es gibt nicht mal ein einhaltliches Verhalten der Apps beim Drücken der Cursortasten, die auch von der Gyration unterstützt werden.

    Schade eigentlich, aber das Notebook, Smartphne oder Tablet beim Fernsehgucken ist das Konzept, was sich heute eher durchgesetzt hat, als das was mit CDi und CDTV einst begann. Mein Activy ist meistens "nur" ein sehr intelligenter digitaler Videorekorder, der automatisch EPG scannt und nach Stichworten automatisch oder auf spezielle Bedürfnisse zielgesteuert TV aufnimmt, die umfangreiche Musiksammlung abspielt, oder Online-Radio streamt, oder statt einer Spielekonsole für nicht High-End-Spiele genutzt wird. Surfen und solche Sachen tue ich damit überhaupt nicht, auf die Entfernung am fernseher ist das nicht so angenehm, wie mit dem Gerät auf dem Schoß.

  7. Re: Konzept genial, Umsetzung auch bei den Nachfolgern lückenhaft (Teil 1)

    Autor: gadthrawn 23.12.18 - 15:05

    Ich möchte die andere Richtung. Schneider hatte mal in einem PC Gehäuse benutzt alten 8088 zusammen mit nem Sega mega verwurstet. Umschaltbar.

    Übrigens... Denkst du nicht das mittlerweile Amazon für TV und Co die moderne Art der cdtv sind? Fernsehen, spielen und evtl etwas surfen.



    2 mal bearbeitet, zuletzt am 23.12.18 15:07 durch gadthrawn.

  8. Re: Konzept genial, Umsetzung auch bei den Nachfolgern lückenhaft (Teil 1)

    Autor: Kondratieff 23.12.18 - 15:18

    Danke für den informativen Beitrag!

  9. Re: Konzept genial, Umsetzung auch bei den Nachfolgern lückenhaft (Teil 1)

    Autor: 1st1 23.12.18 - 16:13

    Stimmt, diese Streaming-Boxen haben diese Funktionen teils übernommen, sei es Apple-TV, oder von Amazon oder Google und in Form von Smart-TV steckt der ganze Multimedia-Krempel inzwischen auch schon komplett in den Fernsehern. Ist aber alles nicht so flexibel wie es ein Wohnzimmer-PC mit Windows oder Linux heute sein könnte.

  10. Re: Konzept genial, Umsetzung auch bei den Nachfolgern lückenhaft (Teil 1)

    Autor: exxo 23.12.18 - 20:13

    Vielen Dank für dir sehr umfangreichen Beiträge.

    Für die Erstellung ist sicherlich fast der gesamte Vor- und Nachmittag für drauf gegangen.

    Es letztendlich 20 Jahre vom CDTV/CDI bis zum Smart TV oder Firetv gedauert.

    Ich kann mich noch bestens daran erinnern wie ich 2004 einen DVBT Stick und eine MCE Fernbedienung gekauft habe und anschließend für acht Jahre das Windows Media Center in einem WG Zimmer und meiner ersten kleinen Wohnung genutzt habe. MCE hatte so seine Macken, aber alle andern Lösungen hatten deutlich mehr Schwächen.

    Aber wie es so läuft, ist es sind die Heydays der HTPC (zum Glück) schon seit einigen Jahren vorbei.

    Als ich in 2013 ein Smart TV gekauft habe, war es schlagartig vorbei mit dem HTPC. Der Fernseher hat alles gemacht, was vorher das MCE geleistet hat.

  11. Re: Konzept genial, Umsetzung... | Kodi Performance

    Autor: bionade24 23.12.18 - 20:32

    Wie wärs damit, einfach mal Kodi auf Linux auszuprobieren? Dort hab ich nie Performance-Probleme gespürt, und bei so starken Kisten wie beschrieben sollte alles schnell laufen. Auch auf die Games müsst ihr nicht verzichten, Proton ist ja schon sehr weit, und auch nicht zwingend Steam-abhängig. Nvidia Treiber sind auch kein Problem mehr und was um LCDs anzusteuern wird man sicher schnell finden.

    Bitte BBCode nutzen und nicht einfach Links reinpasten, wir sind hier schließlich in einem IT-Forum!

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