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Wünsche viel Erfolg!

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  1. Wünsche viel Erfolg!

    Autor: demon driver 12.06.18 - 13:34

    Wenn so eine relativ junge Branche mit zumal auch tendenziell jüngerem Personal plötzlich den Gewerkschaftsgedanken aufgreift und in neuen Organisationen, zumal mit einer von vornherein als natürlich empfundenen internationalen Sicht, mit neuem Leben füllt, dann eröffnet das womöglich nicht nur Chancen für die Beschäftigten dieser Branche, sondern könnte auch dem Gewerkschaftsmodell generell neue Impulse geben

    Was gerade den etablierten Gewerkschaften nur gut tun könnte. Auch wenn die Realität nicht ganz so schlimm ist, bleibt doch allzuoft nur das Bild von fähnchenschwingenden Marschierenden in uniform bedruckten Plastiktüten haften, die für ein paar Prozentpunkte mehr Gehalt alle Jahre wieder auf die Straße gehen und sich dann wieder nur mit der Hälfte des Geforderten zufrieden geben müssen (was heutzutage nur dank der ungewöhnlich niedrigen Inflationsrate immerhin gelegentlich für den Inflationsausgleich reicht oder sogar ein bisschen mehr), und von Arbeitszeitverkürzung zu reden traut sich trotz immer weiter massiv fortschreitenden Produktivitätssteigerungen fast niemand mehr...

    Cheers,
    d. d.

  2. Re: Wünsche viel Erfolg!

    Autor: Muhaha 12.06.18 - 16:19

    demon driver schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Was gerade den etablierten Gewerkschaften nur gut tun könnte.

    Ja. Das tut Not. Diese sind mittlerweile selber so derart Bestandteil des Establishments, dass sie a) eigene Mitarbeiter nur miserabel bezahlen und selber ausbeuten, b) das Spitzenpersonal sich in lukrativen Vorstandspositionen suhlt, c) nur noch Besitzstandswahrung für diejenigen betreiben, die eh schon viel haben.

    Die Gewerkschaften heute kümmern sich NICHT um tariflose Zeitarbeiter, um Geringverdiener, um Praktikannten und scheissen noch mehr auf Arbeitslose als irgendein durchgeknallter FDP-Zahnarzt. Die Krise der SPD ist auch eine Krise der Gewerkschaften.

  3. Re: Wünsche viel Erfolg!

    Autor: demon driver 12.06.18 - 17:23

    Einerseits: Ja, da ist sehr viel dran – und im Grunde waren die deutschen Gewerkschaften schon immer ein systemtragendes, bloß reformerisches Anhängsel des politischen Apparats, im deutlichen Unterschied etwa zur viel rebellischeren französischen Gewerkschaftskultur. (Was die den Leuten in Frankreich heute noch bringt, in Zeiten der Sarkozys, Hollandes und Macrons, das sei jetzt mal dahingestellt.)

    Andererseits: Ganz so vernichtend würde ich das Urteil nicht ausfallen lassen. Zum einen gab es eine starke und durchaus einflussreiche Strömung in den Gewerkschaften, die den asozialen Rechtsruck der SPD unter Schröder missbilligte – seitdem gibt es keine Wahlempfehlungen für die SPD mehr, wie sie früher die Regel waren. Dass Hartz IV auch von Gewerkschaftsseite zugestimmt wurde, war fatal – ich habe jetzt keine Zahlen, aber die Ablehnung von Hartz IV in den Gewerkschaften halte ich eigentlich für ziemlich groß, und es gab und gibt immer wieder gewerkschaftliche Anstrengungen für eine Besserstellung Arbeitsloser...

    Und irgendwie ist der Zustand der Gewerkschaften im Grunde auch Ergebnis ihrer inneren, tendenziell demokratischen Entscheidungen (ver.di beispielsweise ist dezidiert basisdemokratisch organisiert) – und wie bei allen demokratisch verfassten Gremien gilt, wer sich als Gewerkschafter von seiner Gewerkschaft nicht vertreten sieht, soll sich einmischen und sich in die entsprechenden Gremien wählen lassen, und wer nicht Gewerkschafter ist und eine Gewerkschaft sucht, die ihn besser vertritt, der soll in die für ihn zuständige eintreten und sich einmischen. (Wiederum natürlich zugegeben: das müssten schon sehr, sehr viele sehr, sehr linke Individuen tun, damit sich der Kurs mittel- bis längerfristig spürbar ändern könnte...)

    Letztlich aber, und das trifft halt französische wie deutsche Gewerkschaften, haben Gewerkschaften in Zeiten, in denen hierzulande zwei Millionen Arbeitslose von der Politik als nahezu Vollbeschäftigung bejubelt werden und die Angst vorm Abstieg eine reale Grundlage hat, zumal die Langzeittendenz alles andere als eine weitere Abnahme von Arbeitslosigkeit andeutet, in Zeiten, in denen die Drohung mit Entlassungen eine zunehmend existenzielle ist, werden die Waffen der Gewerkschaften systematisch immer stumpfer.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 12.06.18 17:26 durch demon driver.

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