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Kreativität und Deadline-Management passen nicht zusammen.
Autor: CptData 22.05.23 - 15:25
Game Development ist eigentlich Kreativ-Geschäft, ähnlich wie bei Film, Fernsehen & co. Und immer dort wo's kreativ wird, sind knappe Deadlines Gift für das Projekt. Denn, sind wir ehrlich: Kreativität braucht seine Zeit.
Vor 20, 25 Jahren hab ich mir mal ausgemalt, in der Gaming-Branche Fuß fassen zu können. Hab damals an einem Mod-Projekt mitgewirkt und mit 3DSMax Erfahrungen gesammelt, programmieren konnte ich auch. Klassischer Nerd-Autodidakt.
Heute muss ich dankbar sein, dass ich was völlig anderes gemacht habe. Die Gaming-Branche reizt mich ehrlich gesagt nicht: die Bezahlung ist nicht sonderlich attraktiv, dafür gibt's eben die angesprochene Crunch-Phasen, die auch immer länger werden und sowohl die Qualität wie eben auch die Kreativität negativ beeinflussen. Die Platzhirsche in der Branche haben längst erkannt: Kreativität bringt weniger Geld als etablierte PIs - siehe FIFA, SIMS und CoD. Experimente gibt's bei den Großen kaum, da muss man bei den "Indys" nachschauen. Und auch da gilt: bei allem Potential zur Kreativität wird die Copycat gestreichelt und bewährte Spielprinzipien immer neu verpackt.
Also irgendwie ist das alles nimmer so wie's mal in den 1990ern war. Aber dafür gibt es immer mal wieder richtig gute Spiele zwischen all der kreativen Sterilität. Für mich fehlt da irgendwie die Erneuerung der Branche. Aber da geht die Gaming-Industrie den gleichen Weg wie die Film- und die Musikbranche: irgendwann ist Kreativität zu teuer, also wird auf Bewährtes gesetzt. Sequelitis, Prequelitis, Rebootitis ... irgendwann hat man alle Interpretationen von Batmans Herkunft durch. Fehlt eigentlich nur noch die Genderswap-Varinte um wirklich alle Geschmäcker zu bedienen ;-)
Ob's dann die Erneuerung aus Berlin gibt und ob's nur am Management liegt oder ob generell das Mindset neu bewertet gehört, überlass ich Insidern der Branche.



