-
Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: DerVorhangZuUndAlleFragenOffen 01.07.15 - 05:48
... als langjähriger nebenberuflicher Tutor (Uni) frischgebackener Vater kann ich diesem "mehr Technik im Unterricht" nicht viel abgewinnen. Gut, die Tageslichtprojektor-Folien aus meiner Schulzeit kann man natürlich relativ einfach durch einen Beamer ersetzen. Das Schulbuch als PDF auf einem Kindle ist auch ganz nett. Aber das ist jeweils nur eine andere Technik um das selbe zu bewerkstelligen. Sprich es wird nichts verbessert und nichts verschlechtert. Dagegen habe ich nichts. Aber Internet und internetfähige Geräte im Schulunterricht direkt verwenden und die Online-Recherche zum Maß der Dinge zu erheben halte ich für Blödsinn.
Ich sehe bei meinen jungen Studenten teilweise so eklatante Probleme was ganz einfache Sachen angeht. Viele können sich keine 5-10 Instruktionen oder Arbeitsschritte mehr merken. Wie ging das noch mit der Matrix Multiplikation, Statistik, etc.? Anstatt sich selber hinzusetzen und eine Skizze anzufertigen wird da gleich das Handy herausgezogen und die Lösung ge-Google-t. Dann wird das gesehene irgendwie in den Computer gehackt. 10 Minuten später ist es dann wieder aus dem Gedächtnis verschwunden.
Die Aufgabe von Schule ist es, Wissen vom Buch in den Kopf der Schüler zu kriegen und möglichst so zu verankern, dass es eine Leben lang bedarfsgerecht abgerufen werden kann. Moderne Technik stört da mehr als sie hilft. Ich sehe nicht wie man Minecraft ernsthaft für den Geschichtsunterricht nutzen kann. Um den grundlegenden "Rechnen"-Unterricht etwas aufzulockern sind Spiele wie Minecraft und Bridge-Builder ja ganz nett. Aber nur zur Verfestigung von zuvor gelehrtem. Nicht zum Lehren an sich. Und sobald der Schritt (ca. in der 9. Klasse) vom Rechnen zur Mathematik gemacht wird, ist Minecraft definitiv keine Option mehr. Für den Informatik-Unterricht kann Minecraft evtl. ein Gewinn sein. Wobei Lego-Mindstorms oder Microsoft Robotics Studio da wahrscheinlich die besseren Alternativen sind.
"Entwickeln Sie ein positives Verhältnis zu Daten und freuen sie sich wenn wir mehr wissen!" ~Angela Merkel (12.06.2015) -
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: Moe479 01.07.15 - 07:19
ka ob man soetwas wie matrix-multiplikation unbedingt auswendig wissen muss, ich hatte das auch alles gelernt, nun brauche ich es eher garnicht, und habe das meiste wieder vergessen, gerade vektor-mathematik und den dreisatz hab ich noch drauf, weil ich das öfter brauche, das wars in meinem derzeitigem täglichen leben, von anderem habe ich gehört und wüste zur not wo es steht.
wenn man nicht gleich in eine betrieb ankommt der den lehrplan geschrieben hat, nützt einem eigentlich nur, neben ein paar grundfertigkeiten, zu lernen wie man zügig lernt.
geschichtsunterricht mit fertigkeitsuntericht zu vergleichen ein wenig äpfel und birnen, während der eine dazu da ist zu lernen wie es mal war um daraus schlüsse für die zukunft zu ziehen, beschäftigt sich das andere mit dem klarkommen im jetzt.
was ich immer vermisst habe ist fachübergreifende wissensvermittlung, d.h. man vermittelt verfahren, erst dann, wenn sich z.b. auch im geschichtuntericht der entstehungs oder wiederentdeckungs kontext ergibt, oder/und einem anderem geignetem rahmen, das würde vieles an wissen besser verankern da es mehrerlei zugänge bekommt, dazu benötigt man natürlich universell gebildete vermittler um andere menschen möglichst universal bilden zu können!
ich kann mich noch an einen spruch von einer sehr tafelfixierten lehererin erinnern: "das müsst ihr doch sehen", was imho eine ungehörig fordernde, wenn nicht überhebliche einstellung war, das hat auch in der sache nichts gebracht, ausser dafür zu sorgen sich doch bitte mehr ausserhalb des unterichst mit dem fach zu beschäftigen. nun ist die zeit aber eine beschränkende sache, d.h. um sich mehr ausserhalb des unterichtes mit dem fach zu beschäftigen müsste man etwas anderes dafür vernachlässigen, auch andere fächer, das kann es doch nicht sein!
die kunst des lehrens ist imho, ein themen für möglichst viele intressant und möglichst leicht zugänglich zu gestalten, nicht stumpf 'buch in kopf' zu vermitteln, sondern wissen immer auch in kontexten mit erkennbarer relevanz zu präsentieren! -
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: BangerzZ 01.07.15 - 08:11
Mir persönlich ist es auch wichtiger zu wissen das es einen Lösungsweg gibt als ihn auswendig schritt für schritt u kennen.
Als Programmierer kenne ich nicht jedem Algorithmus auswendig, sondern nur für welche Problemstellung dieser eine Lösung bietet -
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: Garius 01.07.15 - 09:34
DerVorhangZuUndAlleFragenOffen schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> ... als langjähriger nebenberuflicher Tutor (Uni) frischgebackener Vater
> kann ich diesem "mehr Technik im Unterricht" nicht viel abgewinnen. Gut,
> die Tageslichtprojektor-Folien aus meiner Schulzeit kann man natürlich
> relativ einfach durch einen Beamer ersetzen. Das Schulbuch als PDF auf
> einem Kindle ist auch ganz nett. Aber das ist jeweils nur eine andere
> Technik um das selbe zu bewerkstelligen. Sprich es wird nichts verbessert
> und nichts verschlechtert. Dagegen habe ich nichts. Aber Internet und
> internetfähige Geräte im Schulunterricht direkt verwenden und die
> Online-Recherche zum Maß der Dinge zu erheben halte ich für Blödsinn.
Ist es ja auch. Deshalb tut es ja keiner.
> Ich sehe bei meinen jungen Studenten teilweise so eklatante Probleme was
> ganz einfache Sachen angeht. Viele können sich keine 5-10 Instruktionen
> oder Arbeitsschritte mehr merken. Wie ging das noch mit der Matrix
> Multiplikation, Statistik, etc.? Anstatt sich selber hinzusetzen und eine
> Skizze anzufertigen wird da gleich das Handy herausgezogen und die Lösung
> ge-Google-t. Dann wird das gesehene irgendwie in den Computer gehackt. 10
> Minuten später ist es dann wieder aus dem Gedächtnis verschwunden.
Aber als Pädagoge müsstest du dir doch dieses Verhalten erklären können. Es ist einfach der Weg des geringsten Widerstandes. Sei mal ehrlich und besinn dich auf deine Lehrjahre zurück. Was war da wichtiger? Die schnellste Lösung zu finden oder die, die dir am nachhaltigsten ist?
Natürlich googlen die sich das zurecht, weil sie es können. Hätte jeder von uns ein universelles Lösungsbuch in der Tasche gehabt hätten wir da auch schnell mal reingeguckt.
> Die Aufgabe von Schule ist es, Wissen vom Buch in den Kopf der Schüler zu
> kriegen und möglichst so zu verankern, dass es eine Leben lang
> bedarfsgerecht abgerufen werden kann. Moderne Technik stört da mehr als sie
> hilft. Ich sehe nicht wie man Minecraft ernsthaft für den
> Geschichtsunterricht nutzen kann. Um den grundlegenden "Rechnen"-Unterricht
> etwas aufzulockern sind Spiele wie Minecraft und Bridge-Builder ja ganz
> nett. Aber nur zur Verfestigung von zuvor gelehrtem. Nicht zum Lehren an
> sich. Und sobald der Schritt (ca. in der 9. Klasse) vom Rechnen zur
> Mathematik gemacht wird, ist Minecraft definitiv keine Option mehr. Für den
> Informatik-Unterricht kann Minecraft evtl. ein Gewinn sein. Wobei
> Lego-Mindstorms oder Microsoft Robotics Studio da wahrscheinlich die
> besseren Alternativen sind.
Das ist schön zu hören, dass ein Lehrer seine Aufgabe tatsächlich mal als solche versteht. Meine Erfahrung zeigt aber eher, dass Schüler und Lehrer hier in einen Teufelskreis geraten. Der Schüler ist verwirrt und teils überfordert wenn es darum geht, Lösungswege zu verstehen und anzuwenden. Der Lehrer ist so betriebsblind, weil er seit Jahren, teils Jahrzehnten, immer den gleichen Stoff vermitteln muss. Nun beginnt der Teufelskreis: Schüler versteht etwas nicht, aber kein anderer scheint sich zu melden. Wenn er trotzdem fragt, kommt vom Lehrer eine patzige Antwort und der Verweis, dass man das doch schon zwei mal durchgesprochen hätte (vieleicht sogar noch mit einer provokanten Spitze a la 'Wer das jetzt noch nicht verstanden hat...').
Minecraft ist ein Teil der Lebenswelten der Kinder/Studenten. Insofern kann ich nachvollziehen, dass man versucht, dies als Plattform zu benutzen um Wissen zu vermitteln. Die ganzen Mods und Erweiterungen die es für Minecraft gibt, lassen sich dafür hervorragend einbinden. Gerade für Schüler, deren Auffassungsgabe eingeschränkt ist.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 01.07.15 09:35 durch Garius. -
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: plutoniumsulfat 01.07.15 - 10:03
Gerade für die Informatik/Physik bietet sich alles rund um Redstone geradezu an, sogar ohne Mods.
-
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: Garius 01.07.15 - 10:16
Eben, soweit war ich nur noch gar nicht da ich berufsbedingt eher auf der Grund- und Oberschulschiene bin.
Man müsste nur als Lehrkraft auch mal kreativ werden. Den Schüler muss man mir mal zeigen, der es nicht cooler findet, die Cheops-Pyramide virtuell zu erkunden ;) -
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: plutoniumsulfat 01.07.15 - 10:17
Eben, oder auch berühmte Schlachten nachstellen, Geografie geht auch super...
-
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: Nemorem 01.07.15 - 12:38
DerVorhangZuUndAlleFragenOffen schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> Die Aufgabe von Schule ist es, Wissen vom Buch in den Kopf der Schüler zu
> kriegen und möglichst so zu verankern, dass es eine Leben lang
> bedarfsgerecht abgerufen werden kann.
Und genau das kann heute jedes Handy in 10 Sekunden - da fragt man sich doch, ob wirklich noch die richtigen Lernziele vermittelt werden. Aber die Diskussion ist so alt wie die Formelheftchen, das bezeichnendere Missverständnis ist meiner Meinung nach die Gleichsetzung von Minecraft mit einer Google Suche.
Google Suche ist Google Suche, da kann man dieser oder jener Meinung sein. Aber Minecraft ist die so häufig geforderte "spielerische" Auseinandersetzung mit teilweise komplexen Themen. Und das ist die Hürde an der doch leider viele Pädagogen scheitern - ein tatsächliches Verstehen eines Themenkomplexes, setzt im Umterrichtsalltag doch eher selten ein. Und hier könnte Minecraft die das ein oder andere AHA Erlebnis beisteuern - dank seiner unglaublich vielen großartigen Mods.
Von einfacher Programmierung (Turtle-Bots) oder simplen bis komplexen Atomreaktoren bis hin zu hochkomplexen Logik oder Logistik Netzwerken, Chemischen Elementen und sogar Quantenphysik mit Quantenverschiebung und Quantencomputern (qcraft) es gibt unglaub viel zu entdecken.
Manches ist etwas vereinfacht, einiges auch Science Fiction wie etwa der Tesserakt, aber häufig geht es erstaunlich wissenschaftlich zu und selbst der Tesserakt hat ja durchaus einen interessanten Hintergrund.
Sicher, Lego Mindstorm ist auch ganz nett, aber ganz ehrlich - die gemoddete Minecraft Welt ist ein vielfaches größer. -
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: DerVorhangZuUndAlleFragenOffen 01.07.15 - 12:48
plutoniumsulfat schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> Eben, oder auch berühmte Schlachten nachstellen, Geografie geht auch
> super...
Strategie und Taktik anhand historischer Schlachten sind zwei Themenbereiche die in DE an Schulen seit dem Ende des WK2 nicht mehr gelehrt werden. Geografie in Minecraft? Minecraft ist meilenweit von einer physikalisch korrekten Simulation (z.B. von Vulkanismus) weg.
"Entwickeln Sie ein positives Verhältnis zu Daten und freuen sie sich wenn wir mehr wissen!" ~Angela Merkel (12.06.2015) -
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: plutoniumsulfat 01.07.15 - 13:03
Warum dann noch überhaupt lernen? Einfach Google?
Es ist oft einfach besser, die Information in 0,05 Sekunden parat zu haben, anstatt alles zu googlen. -
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: plutoniumsulfat 01.07.15 - 13:07
Also mir wurde das noch gelehrt, wie die Schlachten abliefen. War z.B. auch bei römischer/griechischer Geschichte nicht unwichtig.
Geografie besteht nicht nur aus Vulkanismus, es geht ja auch in Richtung Stadtplanung, Länder und Grenzen, Biotope, Klimazonen....da geht einiges. -
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: DerVorhangZuUndAlleFragenOffen 01.07.15 - 13:13
Moe479 schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> ka ob man soetwas wie matrix-multiplikation unbedingt auswendig wissen
> muss, ich hatte das auch alles gelernt, nun brauche ich es eher garnicht,
> und habe das meiste wieder vergessen, gerade vektor-mathematik und den
> dreisatz hab ich noch drauf, weil ich das öfter brauche, das wars in meinem
> derzeitigem täglichen leben, von anderem habe ich gehört und wüste zur not
> wo es steht.
Ja und nein. Wie es genau funktioniert musst du dir nicht merken. Das kann man nachschlagen. Aber was du dir in jedem Fall merken sollen hättest ist, dass Matrix-Multiplikation nicht generell kommutativ ist. Das ist dann nämlich das blöde wenn man nach Matrix-Multiplikation Google-t, Google einem direkt ein Interface zur Eingabe der Matrizen gibt, aber dabei beflissentlich verschweigt (weil man ja nicht gefragt hat), dass man die Matrizen anders als bei Skalar-Multiplikation nicht einfach vertauschen kann.
> geschichtsunterricht mit fertigkeitsuntericht zu vergleichen ein wenig
> äpfel und birnen,
Der Artikel hat diese Fächer als Beispiele genannt.
> während der eine dazu da ist zu lernen wie es mal war um
> daraus schlüsse für die zukunft zu ziehen, beschäftigt sich das andere mit
> dem klarkommen im jetzt.
Ein klares Statement für die Pluralität im Schulsystem!
> was ich immer vermisst habe ist fachübergreifende wissensvermittlung, d.h.
> man vermittelt verfahren, erst dann, wenn sich z.b. auch im
> geschichtuntericht der entstehungs oder wiederentdeckungs kontext ergibt,
> oder/und einem anderem geignetem rahmen, das würde vieles an wissen besser
> verankern da es mehrerlei zugänge bekommt, dazu benötigt man natürlich
> universell gebildete vermittler um andere menschen möglichst universal
> bilden zu können!
Zustimmung!
> ich kann mich noch an einen spruch von einer sehr tafelfixierten lehererin
> erinnern: "das müsst ihr doch sehen", was imho eine ungehörig fordernde,
> wenn nicht überhebliche einstellung war, das hat auch in der sache nichts
> gebracht, ausser dafür zu sorgen sich doch bitte mehr ausserhalb des
> unterichst mit dem fach zu beschäftigen. nun ist die zeit aber eine
> beschränkende sache, d.h. um sich mehr ausserhalb des unterichtes mit dem
> fach zu beschäftigen müsste man etwas anderes dafür vernachlässigen, auch
> andere fächer, das kann es doch nicht sein!
Ich habe einige Zeit 2 Schülern (Mittelstufe) regelmäßig Nachhilfe in Mathematik gegeben. Was mir aufgefallen ist, ist dass die Lehrer oft vor lauter Details vergessen den Schülern den relevanten Teil zu vermitteln. Da wird ein etwas schwieriges Verfahren halbwegs an einer Aufgabe erklärt. Und bei den Übungs-Beispielen kommen dann dann kommen nur Aufgaben bei denen irgendwelche Spezialfälle zum Tragen kommen bei der man die Hälfte der Schritte wegfallen lassen kann. Vor den ganzen Spezialfällen sind die Schüler dann so verwirrt, dass sie den generellen Algorithmus nicht mehr sehen. Stattdessen versuchen sie dann irgendwie die Spezialfälle auswendig zu lernen. Das vermittelt auch die falsche Einstellung. Es ist besser ein Verfahren zu beherrschen das alle Fälle abdeckt und der besonders interessiert kann sich dann die Spezialfälle selber erarbeiten. Wenn man den generellen Weg kennt kann man die verwandten Verfahren relativ einfach einordnen. So habe ich einen Schüler in der 8. Klasse innerhalb von 15 Tagen von einer 4.2 im Halbjahresnote zu einer 1.5 im zweiten Halbjahr verholfen. Endnote war dann 2.3 weil das zweite Halbjahr schwerer gewichtet wurde.
"Entwickeln Sie ein positives Verhältnis zu Daten und freuen sie sich wenn wir mehr wissen!" ~Angela Merkel (12.06.2015) -
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: DerVorhangZuUndAlleFragenOffen 01.07.15 - 13:24
Garius schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> Aber als Pädagoge müsstest du dir doch dieses Verhalten erklären können.
Ich bin an der Uni beschäftigt. Ich sehe nur das Resultat der Pädagogik nach 2005.
> Es
> ist einfach der Weg des geringsten Widerstandes. Sei mal ehrlich und besinn
> dich auf deine Lehrjahre zurück. Was war da wichtiger? Die schnellste
> Lösung zu finden oder die, die dir am nachhaltigsten ist?
Nachhaltigkeit ist nicht das Wort, dass ich damals gebraucht hätte. Aber ich habe normalerweise (nach Klasse 8, davor war meine wilde Zeit; Null-Bock Generation) versucht die Sachen ordentlich zu lernen, weil ich ja wusste das ich es in der Prüfung auch nicht im Internet nachschlagen kann.
> Natürlich googlen die sich das zurecht, weil sie es können. Hätte jeder von
> uns ein universelles Lösungsbuch in der Tasche gehabt hätten wir da auch
> schnell mal reingeguckt.
Hier sind die Eltern gefragt. Sie müssen den Kindern beibringen, dass es wichtig ist Dinge zu beherrschen. Sie müssen den Kindern zeigen, wo genau die Grenze ist zwischen dem was man wissen muss und dem wo man wissen muss wo es geschrieben steht.
>
> > Die Aufgabe von Schule ist es, Wissen vom Buch in den Kopf der Schüler
> zu
> > kriegen und möglichst so zu verankern, dass es eine Leben lang
> > bedarfsgerecht abgerufen werden kann. Moderne Technik stört da mehr als
> sie
> > hilft. [...]
> Das ist schön zu hören, dass ein Lehrer seine Aufgabe tatsächlich mal als
> solche versteht.
Wie gesagt, ich bin kein Lehrer im eigentlichen Sinne.
> Meine Erfahrung zeigt aber eher, dass Schüler und Lehrer
> hier in einen Teufelskreis geraten. Der Schüler ist verwirrt und teils
> überfordert wenn es darum geht, Lösungswege zu verstehen und anzuwenden.
> Der Lehrer ist so betriebsblind, weil er seit Jahren, teils Jahrzehnten,
> immer den gleichen Stoff vermitteln muss. Nun beginnt der Teufelskreis:
> Schüler versteht etwas nicht, aber kein anderer scheint sich zu melden.
> Wenn er trotzdem fragt, kommt vom Lehrer eine patzige Antwort und der
> Verweis, dass man das doch schon zwei mal durchgesprochen hätte (vieleicht
> sogar noch mit einer provokanten Spitze a la 'Wer das jetzt noch nicht
> verstanden hat...').
Stimmt! Das habe ich auch schon beobachtet. Siehe den letzten Post von meinen Antwort-Post an Moe479.
> Minecraft ist ein Teil der Lebenswelten der Kinder/Studenten. Insofern kann
> ich nachvollziehen, dass man versucht, dies als Plattform zu benutzen um
> Wissen zu vermitteln. Die ganzen Mods und Erweiterungen die es für
> Minecraft gibt, lassen sich dafür hervorragend einbinden. Gerade für
> Schüler, deren Auffassungsgabe eingeschränkt ist.
Ich kann mir schwer vorstellen, dass der Netto-Output von 2 Stunden Minecraft und 2 Stunden klassischer Frontalunterricht mit Wortmeldungen miteinander vergleichbar sind. Ich bestreite nicht, dass man Minecraft nutzen kann. Ich glaube nur, dass es sehr uneffektiv ist.
"Entwickeln Sie ein positives Verhältnis zu Daten und freuen sie sich wenn wir mehr wissen!" ~Angela Merkel (12.06.2015) -
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: DerVorhangZuUndAlleFragenOffen 01.07.15 - 13:42
plutoniumsulfat schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> Also mir wurde das noch gelehrt, wie die Schlachten abliefen. War z.B. auch
> bei römischer/griechischer Geschichte nicht unwichtig.
Ja, dass die Römer eine Schildkröten-Formation hatten wurde gelehrt. Aber nicht in welchen Situation sie wie zum Einsatz kam und welche Synergie-Effekte es mit leichter und schwerer Kavalerie gab. Auch wurde nicht besprochen bei welchem Terrain und welcher Aufstellung von eigener und fremder Armee, welche Ergebnisse zu erwarten sind.
Natürlich wurde besprochen, dass die 6. Armee in Stalingrad eingeschlossen wurde und dass das am Ende die 6. Armee in eine sehr missliche Lage gebracht hat auch. Aber wurde auch besprochen, was wie ein Trampolin-Manöver funktioniert und welche strategischen Vorteile man sich von so einem Manöver erhofft? Nein.
Wie Schlachten von Cannes und Waterloo generell abgelaufen sind (also wer wie viele Soldaten hatte und wer verloren hat) hat man schon gelernt. Aber welche Einzelentscheidungen der jeweiligen Generalität welchen Einfluss auf den Schlachtverlauf hatte wurde nicht gelehrt.
> Geografie besteht nicht nur aus Vulkanismus, es geht ja auch in Richtung
> Stadtplanung, Länder und Grenzen, Biotope, Klimazonen....da geht einiges.
Und da hat Minecraft ökonomisch/ökologisch/biologisch/physikalisch halbwegs korrekte Modelle? Hab ich noch nicht gesehen. Es geht im Schulunterricht nicht darum rumzuwursteln und was hübsch anzusehendes zu bauen. Es soll etwas Hieb und Stichfestes gelernt werden, dass einen Bezug zur realen Welt hat. Ein sehr gutes Spiel in diesem Bereich ist das Spiel Capitalism von Enlight-Software, dass die Dynamik einer freien Marktwirtschaft realitätsnah zu simulieren.
"Entwickeln Sie ein positives Verhältnis zu Daten und freuen sie sich wenn wir mehr wissen!" ~Angela Merkel (12.06.2015) -
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: plutoniumsulfat 01.07.15 - 14:12
Schau dir die Biotope an, da kann man einiges draus lernen. Wäre dann vielleicht nichts mehr für's Abitur, aber weiter drunter gehts damit allemal.
-
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: Mixermachine 01.07.15 - 14:17
"Das Wissen aus dem Buch in den Kopf"
Leider wird genau das heute nicht mehr gewollt.
Heute sollen die Kinder alles selbst herausfinden. Selbst erarbeiten.
Friede Freude Eierkuchen.
Genau so verleitet man die Schüler eben zum Handy.
Bei meiner Schule waren die Lehrer, die Frontalunterricht ohne Buch betrieben haben, die Besten. Man konnte den Lehrer alles fragen, er konnte alles gut rüber bringen, weil er es selbst verstanden hat.
Dagegen versagten die Lehrer mit den "neuen" Lernmethoden und die, die ihren Stoff selbst nur aus dem Buch hatten, AUF GANZER LINIE.
Erfahrungen aus meinen zwei letzten Jahren.
Getter, Setter, Hashcode und Equals manuell testen in Java?
Einfach automatisieren: https://github.com/Mixermachine/base-test -
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: plutoniumsulfat 01.07.15 - 14:38
Ohne Buch ist gar nicht so verkehrt gewesen, muss ich zugeben.
-
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: DerVorhangZuUndAlleFragenOffen 01.07.15 - 16:50
Mixermachine schrieb:
--------------------------------------------------------------------------------
> "Das Wissen aus dem Buch in den Kopf"
> [...]
> Bei meiner Schule waren die Lehrer, die Frontalunterricht ohne Buch
> betrieben haben, die Besten. Man konnte den Lehrer alles fragen, er konnte
> alles gut rüber bringen, [...]
Ich sagte doch irgendwo: Frontalunterricht mit Wortmeldungen ist der richtige Weg
"Entwickeln Sie ein positives Verhältnis zu Daten und freuen sie sich wenn wir mehr wissen!" ~Angela Merkel (12.06.2015) -
Re: Ich weiß, dass hier viele Technikbegeisterte sind aber...
Autor: Dwalinn 13.07.15 - 10:58
Ich habe in der Schule auch nie mit Lego Spielen dürfen.... daher sehe ich auch nicht den Sinn dahinter Minecraft ins Klassenzimmer zu bekommen.



