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So so, händeringend suchen sie also Leute...
Autor: Dariusz 26.04.11 - 21:39
Die Spielebranche sucht nur deswegen händeringend "neue Talente" weil sie gnadenlos die alten verbrauchen und dann ausgebrannte 35-jährige Wracks in die Weltgeschichte setzen, die leider während der Crunch-Phase vergessen haben, daß es neben C++ und 3DS-Max noch sowas wie ein Leben gibt.
Und das wollen viele einfach nicht mehr mitmachen. Wenn die Arbeitsbedingungen wieder stimmen kommen auch die Leute - Wer will schon bei einer Firma anfangen, die zwei Monate nach Arbeitsbeginn die Mitarbeiter einer Sektion in die Kaffeeküche lädt um ihnen dann mitzuteilen, daß man leider ab sofort keine Arbeit mehr für sie hat weil das Projekt "nicht die projezierten Gewinnmargen in Aussicht" hat.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 26.04.11 21:40 durch Dariusz. -
Re: So so, händeringend suchen sie also Leute...
Autor: sermon83 27.04.11 - 07:52
Selbst Erfahrung damit gemacht? Oder wie kommst du darauf?
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Re: So so, händeringend suchen sie also Leute...
Autor: Endi 27.04.11 - 09:53
würde mich aber interessieren ob es wirklich so ist?
Bin derzeit am überlegen ob ich mich mal in der Spielbranche vorstelle.
Jobs sind da im moment wie Sand am Meer...
Frage ist halt ob man sich dadurch nicht wirklich kaputt macht wie oben beschrieben?
Grüße Daniel -
Re: So so, händeringend suchen sie also Leute...
Autor: Codemonkey 27.04.11 - 10:36
Es gibt leider genug Firmen die mies bezahlen.
"Leider" nicht mal weil sie Ausbeuter sind, sondern eher weil das Geld einfach vorne und hinten nicht stimmt.
Spieleindustrie kann man eigentlich keinem empfehlen, also falls du die Möglichkeit hast, mach etwas gescheites. -
Re: So so, händeringend suchen sie also Leute...
Autor: SharpCommenter 27.04.11 - 10:42
Endi schrieb:
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> würde mich aber interessieren ob es wirklich so ist?
Es gibt sicherlich auch positive Ausnahmen, aber im Allgemeinen ist es so wie beschrieben. Als Entwickler in der Spielebranche Anerkennung zu finden wird schwer, da die Firmen meisst nicht das Verständnis haben, eine Software zu machen, sondern eben ein Spiel. Da stehen Grafik, mehr oder weniger geistreiche Ideen und auch Musik im Vordergrund. Dementsprechend wirst Du in aller Regel auch nur ein Feature nach dem anderen umsetzen. Und wenn Du Pech hast (so wie ich es erlebte), zwischen Features hin- und herspringen dürfen. Heute Hü und morgen Hott.
Dafür kannst Du Dich bestens im Marketing austoben, wenn das Dein Ding ist. Aber da Du Dich hier rumtreibst, scheint mir das eher unwahrscheinlich zu sein ;-)
> Frage ist halt ob man sich dadurch nicht wirklich kaputt macht wie oben
> beschrieben?
Solange Du es nur als Job siehst, wirst Du Dich nicht kaputtmachen lassen, sondern früh genug wechseln. Problem ist nur: Wenn Du es "nur als Job siehst", dann bist Du momentan in der Spielebranche fehl am Platze.
Lass Dich nicht von Floskeln wie "freie Arbeitszeitgestaltung", "vielfältige Entspannungsmöglichkeiten", "freundschaftliche Arbeitsathmosphäre", etc. einlullen. Das Erste heisst "am Wochenende MUSS niemand arbeiten", das Zweite "Deine Freizeit verbringst Du bitte in der Firma" und das Dritte "Wir sagen Dir direkt ins Gesicht, wenn wir Dich Scheisse finden."
Mag sich hart anhören - und ist es auch. -
Re: So so, händeringend suchen sie also Leute...
Autor: Endi 27.04.11 - 16:11
Naja ich bin derzeit in der IT Distribution als Product Manager unterwegs...
wir haben kaum Kapital um uns wirklich auszutoben... Denke das ist in der Spielbranche was diesen Job angeht einfacher... will da aber auch keine Vorschnellen Schlüsse ziehen.
Aber anschauen werde ich es mir Trotzdem mal! Weil Boomen tut der Markt das ist Sicher!
Aber Entwickeln/Programmieren naja wäre sicherlich mal eine nette Abwechslung.
Mal schauen
Hat jemand selbst hierzu Erfahrungen gemacht? -
Re: So so, händeringend suchen sie also Leute...
Autor: Dariusz 28.04.11 - 12:03
Jup, ich habe nach sechs Jahren und etwa 7 Firmen (Das "etwa" steht da, weil man auch zwischenzeitlich mal häufiger den Namen, den Investor, die Büros oder 90% der Mitarbeiter gewechselt hat) den Absprung geschafft. Und meinem Leben hat das nicht schlecht getan.
Keine total unrealistischen Releasetermine, die wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Leute baumeln, keine medikamentenabhängigen Entwickler mehr, die ohne Pille keinen klaren Gedanken fassen können, keine Chefs, die noch nie was von Pointern gehört haben aber Featurerequests in Semicode abfassen und vor allem kein Fingerpointing mehr wenn das Kind mal in den Brunnen gefallen ist...
Aber - Wer einmal als Spieleentwickler gearbeitet hat, den kann wenigstens im normalen Arbeitsumfeld nichts mehr schocken. :) -
Re: So so, händeringend suchen sie also Leute...
Autor: Dariusz 28.04.11 - 12:30
Endi schrieb:
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> würde mich aber interessieren ob es wirklich so ist?
Nun ja, ich habe viel erlebt in der Zeit. Viele negative aber auch ein paar positive Dinge.
> Bin derzeit am überlegen ob ich mich mal in der Spielbranche vorstelle.
Schau dir bitte die Firma genau an, mach dort ggf. ein Praktikum und schau dir vor allem die Projekte an, die nicht so gut laufen oder bei denen Termindruck besteht. Und rede mit den Entwicklern. Wenn du dann das Gefühl hast, dass du da reinpasst - Prima (und wenn sie dich nehmen noch viel Primarer ;)
> Frage ist halt ob man sich dadurch nicht wirklich kaputt macht wie oben
> beschrieben?
Die erste Firma für die ich gearbeitet habe hatte ein wunderbares Arbeitsklima. Bis der Releasetermin kam, da wurde es fast unerträglich, und danach wurden wir alle zusammen auf die Straße gesetzt (Das geht übrigens ganz prima ohne Vorankündigung wenn die Firma einfach schließt - Und mittlerweile wird für jedes Projekt ja anscheinend ne neue Firma gegründet).
Bei der zweiten Firma hat man bei einer Nacht&Nebelaktion übers Wochenende einfach die Büros ausgeräumt, Montags standen wir dann in einem leeren Großraumbüro - Nicht mal Stühle waren noch da (Ok, das war in Amerika, das ist ja bekanntlich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten). Ich trauere noch immer meinen persönlichen Habseligkeiten in meinem Schreibtischcontainer hinterher...
In der dritten Firma gings ganz gut, bis sie zur vierten Firma umfirmierte und der Hauptentwickler sich umgebracht hat. Bei der fünften Firma habe ich in der Crunchphase mit dem Schlafsack unterm Schreibtisch gepennt und es hat gerochen wie im Iltiskäfig - Dafür waren die Leute echt super.
Ich habe während der Zeit viele gute Freunde gefunden, bin persönlich ruhiger geworden und nicht mehr so angreifbar durch angebliche Katastrophen (kann heute herzhaft über Dinge lachen wegen denen ich früher die Leute wohl eher angemault hätte). Persönlich hat mich die Zeit stärker gemacht - Ich habe aber auch Leute gesehen die an dem Stress letztendlich zugrunde gegangen sind.



