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Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: dl01 11.06.15 - 19:16
Vor allen Dingen sollte es nicht nur eine Zielvorgabe zu Bandbreiten geben, sondern auch der Technik auf der sie realisiert wird.
Sonst läuft das ganze Spiel ab, wie auch bisher: Im städtischen Bereich kommt die x-te Evolution von Kupfer-DSL (Vectoring, G.Fast, XG.Fast, ...) zum Einsatz - mit allen bekannten Nachteilen.
Im ländlichen Bereich findet entweder gar kein Ausbau statt oder allenfalls mittels 4G und später 5G. Natürlich stets von der Gemeinde bezuschusst und auch eher halbherzig, so dass (wie aktuell) ländliche Sendestationen in reichweitenstarken, aber durchsatzschwachen Bändern funken. Dann müssen sich halt 500 Einwohner die 50 MBit/s einer LTE 800-Zelle teilen, wobei die niedrig priorisierten "Festnetz"-Anschlüsse noch einmal mit den höher priorisierten Smartphones konkurrieren. Auf dem Papier ist dieses Gebiet natürlich trotzdem mit 50 MBit/s erschlossen.
Generell: So lange sich die Telkos beim Ausbau in nobler Zurückhaltung üben, bis die (Kabel-)Konkurrenz im eigenen Revier auftaucht, wird das nichts. -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: nille02 11.06.15 - 19:26
dl01 schrieb:
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> Sonst läuft das ganze Spiel ab, wie auch bisher: Im städtischen Bereich
> kommt die x-te Evolution von Kupfer-DSL (Vectoring, G.Fast, XG.Fast, ...)
> zum Einsatz - mit allen bekannten Nachteilen.
Die Technik ist egal. Aber du kannst ja mal den Nachteil nennen, den ich bei 100Mbit VDSL mit Vectoring habe gegenüber 100Mbit FTTH. FTTH, welches zum Einsatz kommt, ist wie DSL oder DOCSIS ebenfalls Asyncron und wie DOCSIS ein Shared Medium.
Ersteres kann günstiger und schneller in der Fläche ausgebaut werden und man muss sich nicht Privatleuten auseinander setzen. -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: dl01 11.06.15 - 19:34
Einmal davon abgesehen, dass es Unsinn ist, solche Bandbreiten über einen vollkommen ungeeigneten, unisolierten Klingeldraht zu schicken, gibt es etliche Nachteile:
- Vectoring erfordert exklusiven Zugriff auf das Kabelbündel. Es darf also kein Mitbewerber einen weiteren DSLAM betreiben.
- Vectoring kann nur wenige 100 Meter überbrücken und ist somit für den Ausbau auf dem dünn besiedelten Land uninteressant. LWL schaffen etliche Kilometer.
- Die Geschwindigkeit beim Vectoring ist terminal. Möchtest du höhere Raten, brauchst du automatisch neue Technik auf beiden Seiten und vermutlich auch direkt einen neuen DSLAM wegen Grund 2.
- Es wird ein unverhältnismäßiger technischer Aufwand betrieben, um ein untaugliches Medium fit für solche Bandbreiten zu machen. -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: nille02 11.06.15 - 19:44
dl01 schrieb:
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> - Vectoring erfordert exklusiven Zugriff auf das Kabelbündel. Es darf also
> kein Mitbewerber einen weiteren DSLAM betreiben.
Dank GPON ist ftth ein Shared medium wie DOCSIS und somit für Mitbewerber geschlossen. Es gibt höchstens Bitsreamzugänge.
> - Vectoring kann nur wenige 100 Meter überbrücken und ist somit für den
> Ausbau auf dem dünn besiedelten Land uninteressant. LWL schaffen etliche
> Kilometer.
Die Reichweite von LWL spielt keine Rolle, da die für Vectoring der Verteiler in der Straße eh mit LWL angeschlossen wird.
Bei Gfast mit FTTdp ist es genauso.
> - Die Geschwindigkeit beim Vectoring ist terminal. Möchtest du höhere
> Raten, brauchst du automatisch neue Technik auf beiden Seiten und
> vermutlich auch direkt einen neuen DSLAM wegen Grund 2.
Und ist bei GPON nicht anders.
> - Es wird ein unverhältnismäßiger technischer Aufwand betrieben, um ein
> untaugliches Medium fit für solche Bandbreiten zu machen.
Was sollte daran unverhältnismäßig sein oder untauglich sein? Es erfüllt seinen Zweck sehr gut und der Aufwand den TAL gegen einen LWL zu ersetzten ist wesentlich höher. Sonst würde man das schon lange angehen.
Es gibt auch keinen Rechtlichen Rahmen, wo die Telekom ein recht darauf bekommt, den TAL gegen einen LWL zu ersetzen. Auch die Mitbewerber die gerne Glasfaser schreien, bauen auch lieber VDSL aus.
Warum der Klingeldraht nun Unsinnig genutzt wird oder ungeeignet sein soll, hast du auch nicht genannt. Du verlangst Glasfaser, weißt aber nicht warum du es willst. Bezahlen möchtest du es vermutlich auch nicht ...
Das man früher oder Später LWL bis in das Haus/die Wohnung benötigen streitet auch keiner ab, das ganze erfolgt aber in gewissen Schritten.
Und wie Südkorea, USA oder Japan können wir die Leitungen auch nicht einfach auf Masten hängen. Die, die nach LWL schreien sind vermutlich dann mit die ersten die gegen die Masten protestieren.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 11.06.15 19:54 durch nille02. -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: dl01 11.06.15 - 20:24
> Dank GPON ist ftth ein Shared medium wie DOCSIS und somit für Mitbewerber geschlossen. Es gibt höchstens Bitsreamzugänge.
Schwieriges Feld. ;-)
Erst einmal: Während das Übersprechen bei Kupferleitungen eine physikalisch begründete Erscheinung ist und sich somit wohl kaum vermeiden lassen wird, ist diese Einschränkung bei GPON eine reine Design-Entscheidung und somit nicht technisch begründet.
Im Falle einer zentralisierten Infrastruktur, wie sie vor einigen Jahren noch etabliert war, ergibt sich das Problem nicht: Eine Leitung führt zu einem Kunden. In dem Sinne ist der VDSL-Ausbau sogar kontraproduktiv: Die frisch aufgestellten O-DSLAM wollen bis zu ihrer vollständigen Abschreibung auch verwendet werden, womit GPON dann "alternativlos" wird.
>Die Reichweite von LWL spielt keine Rolle, da die für Vectoring der Verteiler in der Straße eh mit LWL angeschlossen wird.
> Bei Gfast mit FTTdp ist es genauso.
In der Stadt mag es (momentan) keine Rolle spielen. Spätestens bei XG.Fast mit Raten von > 1 GBit/s muss die TAL eine Länge von 100 Metern deutlich unterschreiten - und das wird selbst in der Stadt schwierig. Auf dem Land wirst du selbst mit dem ollen VDSL2 schon Probleme bekommen.
> Und ist bei GPON nicht anders.
Das ist vermutlich bei keiner Technik anders. Nur leistet die heute verfügbare Technik Datenraten, die für die nächsten 10 Jahre vermutlich mehr als ausreichend sind. Vectoring stößt mitunter gestern schon an seine Grenzen.
>Was sollte daran unverhältnismäßig sein oder untauglich sein? Es erfüllt seinen Zweck sehr gut und der Aufwand den TAL gegen einen LWL zu ersetzten ist wesentlich höher. Sonst würde man das schon lange angehen.
unisolierte Kupferleitungen und elektrische Leitungen im allgemeinen haben nun einmal Nachteile bezüglich des Übersprechens und der Dämpfung. Dem muss mit einem immensen technischen Aufwand entgegengewirkt werden. Es mag funktionieren, es bleibt aber trotzdem Unsinn.
Ich gebe dir allerdings Recht, dass Hauseigner und ihre Wünsche ein unkalkulierbares Risiko beim FTTx-Ausbau sind. Vielleicht sollte man sich aber davon verabschieden, den Übergabepunkt in Form einer Wanddose in das Haus zu verlegen. Stattdessen könnte man eine Variante des FTTC anwenden, bei der ein Schacht kurz hinter der Grundstücksgrenze installiert wird, in dem die Übergabe stattfinde. Alles dahinter ist dann Sache des Eigentümers. Im wesentlichen entspräche das also einem FTTdp-Ausbau, bei dem man sich hinsichtlich der "letzten Meile" nicht dem Willen des Providers aussetzen müsste.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 11.06.15 20:26 durch dl01. -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: Dumpfbacke 11.06.15 - 21:19
dl01 schrieb:
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> - Vectoring kann nur wenige 100 Meter überbrücken und ist somit für den
> Ausbau auf dem dünn besiedelten Land uninteressant. LWL schaffen etliche
> Kilometer.
Das Ziel von Vectoring sind die letzten 100Meter vom Verteiler zum Haus.
Dadurch ist es für kleine Ortschaften noch interessant, aber nicht mehr für einzelne Bauernhöfe. Per LWL zum DSLAM und von dort per Vectoring an ein paar Häuser.
Dadurch werden momentan die Kosten zum Aufreißen der Straße eingespart. Bei dem Tempo, wie sich alles entwickelt, ist die Technik für min. die nächsten 10 Jahre brauchbar.
Alte Meldung von 2010: https://www.golem.de/1010/78889.html
mfg -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: dl01 11.06.15 - 21:43
> Dadurch ist es für kleine Ortschaften noch interessant, aber nicht mehr für einzelne Bauernhöfe.
Richtig, für Vorstädte/Vororte und Dörfer ist dann spätestens bei VDSL Schluss. Leitungslängen von unter 100 Metern erreichen wohl nur eine Handvoll Häuser in der Umgebung des DSLAM.
1 mal bearbeitet, zuletzt am 11.06.15 21:57 durch dl01. -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: Kleba 12.06.15 - 07:40
nille02 schrieb:
> Die Technik ist egal. Aber du kannst ja mal den Nachteil nennen, den ich
> bei 100Mbit VDSL mit Vectoring habe gegenüber 100Mbit FTTH.
Wenn die FTTH-Leitung liegt, ist es recht einfach auf höhere Bandbreiten upzugraden. Dabei ist es dann eher eine Kapazitätsfrage des Anbieters, als eine physikalische Begrenzung. Die LWL-Leitung kann problemlos auf >1 Gbit/s gebracht werden. Bei der Kupferleitung muss man schon einiges an Technik-Kung-Fu machen um solche Datenraten zu erreichen (s. G-fast, Vectoring, u.ä.).
Ich hab zu Hause FTTH (Hamburg / wilhelm-tel) und habe beim Provider mal angefragt, ob es denn ein Upgrade geben wird. Leider gibt es bis jetzt nur die Aussage, dass es ein Upgrade geben wird, aber noch nicht wann. Aber ich bin zuversichtlich, dass die aktuell 100/20-Mbit/s Leitung, dann vielleicht 500/100 oder ähnliches bieten wird :-) -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: nille02 12.06.15 - 09:48
Kleba schrieb:
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> nille02 schrieb:
> > Die Technik ist egal. Aber du kannst ja mal den Nachteil nennen, den ich
> > bei 100Mbit VDSL mit Vectoring habe gegenüber 100Mbit FTTH.
>
> Wenn die FTTH-Leitung liegt, ist es recht einfach auf höhere Bandbreiten
> upzugraden. Dabei ist es dann eher eine Kapazitätsfrage des Anbieters, als
> eine physikalische Begrenzung.
Daher ist die Forderung nach LWL, am besten schon Gestern, ja so überzogen. Was nutzen einem X Gbit an möglicher Bandbreite, wenn das Netz dahinter diese Last nicht bewältigen könnte.
> Die LWL-Leitung kann problemlos auf >1
> Gbit/s gebracht werden. Bei der Kupferleitung muss man schon einiges an
> Technik-Kung-Fu machen um solche Datenraten zu erreichen (s. G-fast,
> Vectoring, u.ä.).
Das streitet auch niemand ab, aber man muss immer eine Kosten-Nutzen Rechnung aufstellen. Bei der verliert FTTH noch komplett. Ein Austausch des TAL wäre heute ein gewaltiger Technologiemix der den Betrieb noch teurer macht. -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: dl01 12.06.15 - 10:26
> Daher ist die Forderung nach LWL, am besten schon Gestern, ja so überzogen. Was nutzen einem X Gbit an möglicher Bandbreite, wenn das Netz dahinter diese Last nicht bewältigen könnte.
Aktuell sieht es so aus, dass der xDSL-Ausbau zu Lasten von FTTx forciert wird. Die FTTH-Ausbaugebiete der Telekom kannst du an einer Hand abzählen. Selbst neu erbaute Häuser werden mit Kupfer angeschlossen.
Es geht auch gar nicht darum, dass jedem Nutzer heute Bandbreiten von 1 GBit/s synchron zur Verfügung stehen. Der Bedarf ist aktuell zum Großteil nicht vorhanden, wird aber sicherlich bald kommen.
Wenn es dann so weit ist, werden die Telkos mit ihren Kupferstrippen wieder das Nachsehen haben und die nächste Brückentechnologie installieren, die eine noch höhere Komplexität besitzt, noch teurer ist und noch mehr Einschränkungen mit sich bringt. Natürlich findet auch dieser Ausbau wieder erst mit Jahren Verzögerung und nur in dichtbesiedelten Innenstädten statt.
Es wird dann immer ein Ausbau voran getrieben, bei dem heute schon klar ist, dass er den Anforderungen von morgen nicht mehr genügen wird.
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die ganzen Brückentechnologien in der Summe günstiger sind, als das einmalige Verlegen von Fasern. -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: Jolla 12.06.15 - 10:28
nille02 schrieb:
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>
> Die Technik ist egal. Aber du kannst ja mal den Nachteil nennen, den ich
> bei 100Mbit VDSL mit Vectoring habe gegenüber 100Mbit FTTH.
Mein FTTH Provider kann mir auf Knopfdruck mehr Bandbreite geben. Dein Vectoring Provider erst mal nicht. Also die Technik ist schon entscheidend weil sie unterschiedlich gut skaliert. -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: nille02 12.06.15 - 10:44
dl01 schrieb:
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> Aktuell sieht es so aus, dass der xDSL-Ausbau zu Lasten von FTTx forciert
> wird.
> Die FTTH-Ausbaugebiete der Telekom kannst du an einer Hand abzählen.
So ist es nur nicht. FTTH wird einfach nicht nachgefragt. Die Leute sind nicht bereit dafür zu Bezahlen bzw. lassen die Telekom nicht die Leitungen legen. Viele Testgebiete wurden mangels Interesse nie weiterverfolgt. -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: Arystus 12.06.15 - 11:16
nille02 schrieb:
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> So ist es nur nicht. FTTH wird einfach nicht nachgefragt. Die Leute sind
> nicht bereit dafür zu Bezahlen bzw. lassen die Telekom nicht die Leitungen
> legen. Viele Testgebiete wurden mangels Interesse nie weiterverfolgt.
Ich frag mich ja immer wo diese Test gebiete sind, wenn ich den Durchschnittsdeutschen mit 40-60 Jahren nehme (u.a. mein Vater), dem würde auch teilweise eine 1000der DSL leitung reichen (was er auch hatt) weil er nichts im Netz macht.
Aber warscheinlich bräuchten wir auch erstmal ein Angebot das eine nachfrage entsteht. An vielen schulen wird ja nicht mal IT Unterricht als "Arbeitsgruppe/Auswahlfach" angeboten und von selbst gibt es kaum Kidis die sich für IT interesieren (Server aufsetzen, HP bauen etc nicht Zocken oder Office).
Die Meisten IT Ideen in deutschland, sind meist auf nicht so Datenintesive Services ausgerichtet. Währe eine Infrastrucktur da die Datenintesive services ermöglicht und das zu für Startups aus eigener Tascher bezahlbar (max 100¤/Monat) denke ich gäbe es auch ein Deutsches Youtube oder Twitch etc.
Es heist zwar eine Nachfrage generiert ein angebot, aber manchmal muss erst etwas angeboten werden das sich eine Nachfrage generiert, gerade im Internet ist das meistens so. -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: dl01 12.06.15 - 11:37
> So ist es nur nicht. FTTH wird einfach nicht nachgefragt. Die Leute sind nicht bereit dafür zu Bezahlen bzw. lassen die Telekom nicht die Leitungen legen. Viele Testgebiete wurden mangels Interesse nie weiterverfolgt.
Das ist richtig.
Wenn du einem Eigentümer die Wahl lässt, LWL für einige Tausend Euro zu verlegen oder eine Brückentechnologie mit (aktuell) selber Datenrate "für lau" zu installieren, dann wird die Wahl wohl meistens auf Option 2 fallen.
Ausschlaggebend dürfte wohl auch das Verhältnis zur Technik sein. Während der Durchschnittsbürger der Generation Ü50 den PC hauptsächlich für Spiegel Online nutzt, in den nächsten 10 Jahren keine Anwendung für 100 MBit/s sieht und damit die kostengünstige Variante präferiert, wird ein "Digital Native" wohl anders entscheiden.
Trotzdem stehen die oben getätigten Aussagen in keinem Widerspruch dazu: Statt LWL auszubauen, wo sich die Gelegenheit dazu bietet, wird lieber Kupfer verlegt, welches wegen genannter Gründe keines Zukunft hat. Außerhalb der Stadt kommst du mit Kupfer und Datenraten jenseits der 50 MBit/s ohnehin auf keinen grünen Zweig mehr. ;-) -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: Icestorm 12.06.15 - 13:10
nille02 schrieb:
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> dl01 schrieb:
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> > Aktuell sieht es so aus, dass der xDSL-Ausbau zu Lasten von FTTx
> forciert
> > wird.
> > Die FTTH-Ausbaugebiete der Telekom kannst du an einer Hand abzählen.
>
> So ist es nur nicht. FTTH wird einfach nicht nachgefragt. Die Leute sind
> nicht bereit dafür zu Bezahlen bzw. lassen die Telekom nicht die Leitungen
> legen. Viele Testgebiete wurden mangels Interesse nie weiterverfolgt.
Dafür mag es zwei Gründe geben:
Kosten
Gerätezwang
Stünde ich vor der Wahl, den bestehenden Kabelanschluss oder mit gehörigen Mehrkosten Glasfaseranschluss zu wählen, stünde meine Entscheidung fest, die gebotenen 200 MBit von KD zu nehmen.
Der Telekom muss die Hoheit über die Leerrohre genommen werden, dann kommt der Markt in Fahrt. -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: Kleba 12.06.15 - 20:31
nille02 schrieb:
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> Daher ist die Forderung nach LWL, am besten schon Gestern, ja so überzogen.
> Was nutzen einem X Gbit an möglicher Bandbreite, wenn das Netz dahinter
> diese Last nicht bewältigen könnte.
Naja, dann könnte man aber auch fragen, warum jetzt noch viele Hundert Millionen in G.fast, Vectoring, o.ä investiert werden, wenn es eh früher oder später ersetzt werden muss.
Und im Zweifel so machen, wie es einige regionale Provider (meiner z.B.) schon machen: Glasfaser bis ins Wohnzimmer und einen Anschluss mit 100/20 Mbit/s anbieten. In nicht allzu ferner Zukunft wird es wohl ein Upgrade geben, damit mehr als 100/20 Mbit/s möglich sind - die Leitung selbst limitiert hier ja nicht.
So kann der Provider schon mal für die Zukunft die Leitungen legen und wenn er meint, dass der Rest des Netzes das nicht aushält solange den Anschluss noch "limitieren" (wobei eine 100/20 Mbit/s-Leitung sich nicht wirklich nach "Limitierung" anfühlt).
> Das streitet auch niemand ab, aber man muss immer eine Kosten-Nutzen
> Rechnung aufstellen. Bei der verliert FTTH noch komplett. Ein Austausch des
> TAL wäre heute ein gewaltiger Technologiemix der den Betrieb noch teurer
> macht.
Das kommt drauf an wie man rechnet, denke ich. Wenn man auf einen Zeithorizont von <= 5 Jahren rechnet, verliert FTTH bestimmt. Wenn man aber mit einem Horizont >= 10 Jahren rechnet, verlieren mit ziemlicher Sicherheit Vectoring, G.fast und Konsorten. Da in >= 10 Jahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kaum ein Weg um LWL vorbei führt, hat man jetzt trotzdem noch die Investitionen in Ablösetechnologien (die man sich mit LWL teilweise sparen könnte).
LG
Kleba -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: Ovaron 13.06.15 - 21:26
Kleba schrieb:
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> nille02 schrieb:
> > Die Technik ist egal. Aber du kannst ja mal den Nachteil nennen, den ich
> > bei 100Mbit VDSL mit Vectoring habe gegenüber 100Mbit FTTH.
> Wenn die FTTH-Leitung liegt, ist es recht einfach auf höhere Bandbreiten
> upzugraden.
Richtig. Aber irrelevant, denn es ging um die 100 Mbit die beide können.
>Dabei ist es dann eher eine Kapazitätsfrage des Anbieters, als
> eine physikalische Begrenzung. Die LWL-Leitung kann problemlos auf >1
> Gbit/s gebracht werden.
Problemlos? Nein. Problemlos war das aufspielen Vectoring-fähiger Firmware in meine Fritzbox die bis dahin "nur" VDSL2 konnte. Das Aufrüsten der LWL-Leitung erfordert den Austausch von Komponenten an beiden Enden, kostet also Geld.
>Bei der Kupferleitung muss man schon einiges an
> Technik-Kung-Fu machen um solche Datenraten zu erreichen
Das Aufrüsten der Kupferleitung erfordert also den Austausch von Kompnenten an beiden Enden, kostet also Geld.
Merkst Du was? Der praktische Unterschied besteht auf absehbare Zeit nur in von Dir vermuteten höheren Kosten bei Kupfer. Das die Kosten tatsächlich höher sind steht aber noch gar nicht fest (gleichwohl ich es ebenfalls annehme).
Der theoretische Unterschied, die potentiellen Vorteile *irgendwann einmal* wenn *möglicherweise* die notwendigen und bezahlbaren Bitraten die des Kupferkabels übersteigen (die mit VDSL2 mit SuperVectoring im Mittel bei irgendwas um 200/100 Mbit liegen dürften) ist zu nebulös um jetzt schon alle Karten darauf zu setzen.
Wäre die theoretische Aufrüstmöglichkeit ein Argument hätten Vier Alle bereits vor Jahren angefangen bei der Renovierung Glasfaserkabel statt Cat5/Cat6 zu verlegen. Haben wir aber nicht, auch uns sitzt das Hemd näher als die Hose und fällt es nicht ein jetzt Geld auszugeben für etwas das möglicherweise in 10 Jahren Vorteile bringt.
> Ich hab zu Hause FTTH (Hamburg / wilhelm-tel) und habe beim Provider mal
> angefragt, ob es denn ein Upgrade geben wird. Leider gibt es bis jetzt nur
> die Aussage, dass es ein Upgrade geben wird, aber noch nicht wann. Aber ich
> bin zuversichtlich, dass die aktuell 100/20-Mbit/s Leitung, dann vielleicht
> 500/100 oder ähnliches bieten wird :-)
Ich bin mir sicher, das sowohl BER als auch Stuttgart21 vorher fertig sind. Du überschätzt die Nachfrageentwicklung (bei Deinen Nachbarn/Mitmenschen, nur für Dich rüsten die nicht auf) m.E. gewaltig. -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: dl01 14.06.15 - 20:51
> Richtig. Aber irrelevant, denn es ging um die 100 Mbit die beide können.
Ein alter Fiat schafft die 100 km/h ebenso, wie ein Porsche 911. Möchtest du aber mehr, so bekommst du mit dem Fiat vermutlich Probleme. Der Witz an der Sache ist, dass man sich hier nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner festlegt.
> Problemlos? Nein. Problemlos war das aufspielen Vectoring-fähiger Firmware in meine Fritzbox die bis dahin "nur" VDSL2 konnte. Das Aufrüsten der LWL-Leitung erfordert den Austausch von Komponenten an beiden Enden, kostet also Geld.
Das Aufrüsten der Kupferleitungen auf G.Fast und Nachfolger erfordert die gleichen Maßnahmen und dazu in vielen Fällen teure Bautätigkeiten vor Ort, weil der DSLAM noch näher an den Kunden rücken muss. -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: Ovaron 14.06.15 - 22:22
dl01 schrieb:
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> > Richtig. Aber irrelevant, denn es ging um die 100 Mbit die beide können.
> Ein alter Fiat schafft die 100 km/h ebenso, wie ein Porsche 911.
Hm. Sind wir schon wieder bei Autos? Na gut, ich versuchs mal.
Der alte Fiat wäre das ADSL(2). Inzwischen sind wir beim neuen Fiat. Der schafft die 150, ebenso wie ein Porsche 911. Und witzigerweise könnte der Porsche zwar theoretisch auch 220 fahren - außer "Freude am Fahren" würde ihm das aber kaum was bringen, denn die Durchschnittgeschwindigkeit liegt eh deutlich drunter und die Strecken wo er mal V.max testen kann sind rar gesät. Bitte nicht als Wertung verstehen, bei freier Wahl würde ich den Porsche nehmen. ;-)
> Das Aufrüsten der Kupferleitungen auf G.Fast und Nachfolger erfordert die
> gleichen Maßnahmen und dazu in vielen Fällen teure Bautätigkeiten vor Ort,
> weil der DSLAM noch näher an den Kunden rücken muss.
Die Bautätigkeit wäre aber nicht zusätzlich sondern nur verzögert die gleiche die beim FTTH-Anschluß auch anfällt. Da die Komponenten für optische Systeme noch teuer sind und noch sehr große Preisbewegungen nach unten machen ist für mich nicht offen ersichtlich wieviel mehr das kostet.
Ob G.Fast als FTTB oder FTTdp kommt ist nebenbei noch nicht raus. -
Re: Nicht nur Übertragungsraten regulieren, sondern auch die Technik
Autor: dl01 14.06.15 - 23:33
> Der alte Fiat wäre das ADSL(2). Inzwischen sind wir beim neuen Fiat. Der schafft die 150, ebenso wie ein Porsche 911. Und witzigerweise könnte der Porsche zwar theoretisch auch 220 fahren - außer "Freude am Fahren" würde ihm das aber kaum was bringen, denn die Durchschnittgeschwindigkeit liegt eh deutlich drunter und die Strecken wo er mal V.max testen kann sind rar gesät. Bitte nicht als Wertung verstehen, bei freier Wahl würde ich den Porsche nehmen. ;-)
An dieser Stelle passt der Autovergleich dann leider nicht mehr. ;-)
Während der Durchschnittsmensch vermutlich auch in den nächsten 30 Jahren mit den 150 km/h seines neuen Fiats glücklich wird, ist das beim Datendurchsatz nicht so.
100 MBit/s ist eine Größe, die momentan als sehr üppig gelten kann. In 5 Jahren sieht das anders aus. Bis dahin werden sich dann Anwendungen, wie 4K-Streaming, Fernzugriff auf das NAS (aka Cloud) oder Spiele-Streaming etabliert haben.
Die "Luft nach oben" wird dann wieder zusehend knapper. Nur leider ist man mit dem FTTH-Ausbau kein Stück weiter, da Vectoring (und co) ihn eben nicht ergänzen, sondern verdrängen. Das kann allenfalls kurzfristig zum Erfolg führen.
Jede weitere Iteration bedeutet dann wieder mehr Kosten und mehr (im Sinne von: ansteigend) Aufwand, den man sich beim direkten Ausbau von FTTx hätte sparen können.
Ganz nebenbei hocken die Menschen in unzähligen kleineren und größeren Orten auf ihrer DSL 6000 RAM-Leitung. Von VDSL, Vectoring oder G.Fast kann man dort nur träumen - das lässt die Physik nicht zu.
Umso unverständlicher ist es, dass man Zeit und Geld mit Flickschusterei vergeudetet, um einige "lukrative" Gebiete kurzfristig passabel anzubinden, während das Land in der Fläche auf einem Stand der frühen 2000er Jahre stehen bleibt.
Anekdote aus meiner Gegend: Ein Wohngebiet im Einzugsbereich von Kabel Deutschland erhielt innerhalb kürzester Zeit ein Upgrade von ADSL auf VDSL auf Vectoring, während die Menschen in Sichtweite (aber ohne Kabelanschluss) ohne Aussicht auf Besserung auf einer 6000er RAM-Leitung sitzen.
> Die Bautätigkeit wäre aber nicht zusätzlich sondern nur verzögert die gleiche die beim FTTH-Anschluß auch anfällt. Da die Komponenten für optische Systeme noch teuer sind und noch sehr große Preisbewegungen nach unten machen ist für mich nicht offen ersichtlich wieviel mehr das kostet.
Nunja, sollte G.Fast als FTTB oder FTTdp kommen, dann hast du recht. Allerdings mache ich mir da bei der Telekom recht wenig Hoffnung. Die werden die Technik wieder in einem O-DSLAM installieren, weil es auf kurze Sicht günstiger ist.
Wenn die TAL für G.Fast zu lang ist, dann wird der Ausbau dort einfach unterlassen (siehe oben) oder ein weiterer (unter unzähligen) O-DSLAM aufgestellt. Dass die Heerscharen an O-DSLAM mit teurer Aktivtechnik in ihren diversen Ausbaustufen und die dazu passende Hardware beim Kunden so sehr viel günstiger als ein direkter FTTx-Ausbau ist, kann ich mir nicht so recht vorstellen.



