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Blinder Aktionusmus

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  1. Blinder Aktionusmus

    Autor: tg-- 15.06.19 - 19:50

    Die Aktion ist wieder typischer Aktionismus, an der Realität vorbei.
    Vorweg: ich habe nichts gegen Verstaatlichung und finde es prinzipiell in Ordnung, wenn der Staat in Besitz von Infrastruktur ist.

    Aber nun zu den Problemen:
    1. Mobilfunknetzbetreiber machen Netzplanung. Ein gut geplantes Netz hat nicht einfach irgendwo Türme, sondern da wo sie gebraucht werden und sich gut ins Netz integrieren.
    Die Betreiber suchen Standorte nicht irgendwo in der Gegend, sondern an passenden Standorten in einem limitierten Gebiet.

    2. Mobilfunknetzbetreiber haben keine Probleme damit da Türme zu bauen wo sie gebraucht werden. Türme sind teuer, aber nicht exorbitant teuer. Die Probleme liegen darin passende Grundstücke zu finden - und die sind selten in Bundesbesitz, sondern in Privat- oder Kommunalbesitz.

    3. Türme werden bereits zwischen allen Betreibern und diversen anderen Firmen geteilt. Die großen Betreiber, Deutsche Funkturm (Telekom Tochter, soll veräußert werden), Vodafone (wird seine Türme entweder dieses oder nächstes Jahr an einen Investor veräußern) und American Towers (US Konzern) haben kein Interesse anderen Platz auf den Türmen vorzuenthalten; das würde nur die Finanzierung bremsen und die Bilanz verschlechtern.
    Unter den Mitbenutzern sind neben den Mobilfunknetzbetreibern unter anderem: BDBOS (Feuerwehr, Polizei und Co.), Radiosender, LoRaWAN-Betreiber, private Richtfunkstrecken, WLAN-Richtfunk von Vereinen, Amateurfunker und viele mehr.

    4. Die Betreiber der Türme machen mehr als nur die Türme zu bauen. Sie kümmern sich um Infrastruktur (Stahlbau, Strom, Stellflächen, Racks, jährliche Wartungen), die Statik, Sicherheitseinrichtungen und Koordination aller Mieter.
    Das in einem Bundesunternehmen für deutlich weniger Standorte zu replizieren kann nur ineffizient und teuer sein.

    5. Dem Bund ist völlig bewusst dass es keine geeigneten Grundstücke im Bundesbesitz gibt um die echten weißen Flecken, also den ländlichen Raum, zu versorgen.
    Es geht hier also in erster Linie um die Bundesautobahnen.

    Es ist schon ironisch, dass die Architekten umfassender Privatisierung - und das gilt nicht nur für die große Welle der 1990er wie Bundespost, sondern auch für absolut aktuelle Privatisierungen wie Stromnetze, Autobahnen und viele andere staatliche Infrastruktur - nun mit solchem Unsinn ankommen.

    Und dabei könnte es so simpel sein: der Gesetzgeber der nun Infrastruktur für Privatunternehmen aufbauen will könnte schlicht ein Gesetz erlassen, das Kommunen zwingt bei Anfrage eines Turmbetreibers binnen 12 Monate ein geeignetes kommunales Grundstück zur Miete anzubieten.

    Und statt eigene Türme an den Bundesautobahnen zu bauen könnte man schlicht auch dort den Grund an die Betreiber der Funktürme vermieten - Status quo ist, dass der Bund hier keinen Grund vermietet und die Betreiber zwingt Standorte auf Privat- oder Kommunalgrund 5 Meter abseits der Autobahn anzumieten um einen Autobahnstandort zu bauen.

  2. Re: Blinder Aktionusmus

    Autor: senf.dazu 15.06.19 - 22:13

    Na zumindest weiß man inzwischen wo die Mobilfunker gern mal ne Lücke lassen ?

    Und das mit den willigen Kommunen abzuarbeiten - hilft vielleicht auch Glasfaser (Backbone bis Funkmasten) an die weißen Flecken heran zu kriegen - ist aber erstmal weniger aufwendig als ein voller FTTC oder FTTH Ausbau.

    Letztlich frag ich mich sowieso ob nicht für autonomes Fahren nicht sogar eh eine derartige (V2x) Infrastruktur in irgendeiner Form an allen (!) Verkehrswegen gebraucht wird - mit Eigentumsverhältnissen die eher denen der Verkehrswege entsprechen weil sich anders die volle Abdeckung nicht garantieren läßt. Ich seh jedenfalls nicht wie das langfristig ohne Glasfaser an wirklich allen Verkehrswegen entlang gehen soll. So ein m Leerrohr mit Glasfasern je m Straße dürfte die Straßenkosten auch nicht nennenswert erhöhen - lohnt sich also auch nicht über andere langfristige Lösungen nachzudenken.

    Aber ich bin mal gespannt ob der Bund seinen Schwerpunkt nun auf Bahn, Gewässer oder Gemeinden setzt.



    6 mal bearbeitet, zuletzt am 15.06.19 22:23 durch senf.dazu.

  3. Re: Blinder Aktionusmus

    Autor: Sarcas Mus 15.06.19 - 22:40

    Schön Ihr kindlicher Glaube dass es privatwirtschaftliche Unternehmen schon richten würden wenn man ihnen nur Genehmigungen verschafft :-)
    Infrastruktur hat grundsätzlich NICHTS in privater Hand verloren denn dann ist das Interesse automatisch und ausschließlich der Gewinn. Und ansonsten, wie man ja jetzt sieht, verlässt man sich darauf dass es am Schluß der Steuerzahler richtet.
    Wenn ich bei Ihnen lese dass die Betreiberfirmen der T<rme jatzt alle an "Investoren" verhökert werden dann ist es nur noch eine Frage der Zeit bis die Infrastruktur marode ist.

  4. Re: Blinder Aktionusmus

    Autor: lucky_luke81 15.06.19 - 23:19

    In Brandenburg kenne ich keine Autobahn die 20km von Berlin entfernt noch Internet bietet, egal ob Richtung Ostsee oder Richtung Polen. Tote digitale Straßen.

    Maximal Edge und das reicht unterwegs nicht mal für WhatsApp, geschweige denn für Google maps oder andere ähnliche Dienste. In Polen, Spanien, Indien habe ich solche Probleme nie, dort bin ich beruflich unterwegs.

    Wäre schön, wenn das bei uns außerhalb von ballungsräumen auch endlich mal funktioniert.

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