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  5. › Streit um Stream On: Die Telekom spielt…

Wollt ihr jetzt Netzneutralität oder nicht?

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  1. Wollt ihr jetzt Netzneutralität oder nicht?

    Autor: /mecki78 18.12.17 - 14:10

    Liebe Fans der Telekom und Befürworter von Stream-On,

    ihr müsst euch endlich mal im klaren sein, was ihr wollt. Ihr könnt nicht auf der einen Seite immer nach Netzneutralität schreien und Kampagnen dafür unterstützen und dann aber auf der anderen Seite befürworten, dass jetzt die Telekom genau dieses Regeln umgehen darf. Entweder ihr seit dafür oder ihr seit dagegen, ein "Ich bin nur solange dafür, solange es nicht zu meinem Nachteil ist. Sobald es zu meinen Nachteil ist, bin ich dagegen" gibt es nicht, genauso wenig wie ihr euch aussuchen könnt an welche Gesetze ihr euch jetzt halten wollt und an welche nicht. Wenn ihr auf die FCC schimpft, weil sie in den USA jetzt die Netzneutralität um jeden Preis abgeschafft hat, dann denkt immer daran, das hat sie getan, um genau solche Angebote wie Stream-On dort wieder ermöglichen zu können.

    Ich habe damals in der Debatte immer wieder davor gewarnt, das ein zu viel an Netzneutralität auch im Nachteil des Kunden sein kann und der Kunde am Ende der Leittragende sein wird. Das wollte aber keiner hören oder es war einfach nur jedem egal, weil jeder dachte, das betrifft mich persönlich doch sowieso nicht. Und jetzt, jetzt wo es die ersten betrifft, jetzt ist das Geweine auf einmal groß oder wie? Ich bin immer wieder schockiert wie wenig Leute da draußen die Konsequenzen ihres Handelns bzw. ihrer Forderungen überdenken. Das ist wie in der Politik, wo jede zweite Forderung Katastrophale Nebenwirkungen nach sich zieht, die aber die aber die Leute nicht sehen oder nicht sehen wollen. Gerade in der Politik habe ich das Gefühl, dass jede zweite Idee nur komplett einseitig betrachtet wurde (was kann sie gutes bewirken; die hundert Negativen Seiten, die sie bewirken kann, an die denkt kein Mensch).

    Ihr alle wolltet die Neutralität. Und obwohl die EU sogar gar nicht Neutralität um jeden Preis eingeführt hat (wofür sie auch noch Kritik von euch bekommen hat!), hat sie dennoch grundsätzliche Neutralität gefordert, d.h. ihr habt auch bekommen was ihr wollt. Und jetzt, jetzt spürt ihr eben die Auswirkung eurer Forderung und diese wird sein, das Stream-On entweder extra kosten wird oder langfristig keine Zukunft hat. Und wer für Netzneutralität ist, der muss das so gut finden und hat IMHO kein Recht sich jetzt darüber zu beschweren, aber so gar kein Recht.

    Wenn der Staat dem Einzelhandel Vorschriften macht, welche Produkte er wie und zu welchen Preis zu verkaufen hat, dann schränkt das den Einzelhandel in seinen Möglichkeiten ein. Mag sein, dass man damit gewissen Missbrauch auch verhindern kann, aber man verhindert damit eben dann auch bestimmte Angebotsformen. Und nichts weiter ist hier passiert, nur dass es eben nicht um Einzelhandel, sondern um Telekommunikationsanbieter geht. Ich bin ja persönlich immer kein Freund davon von vornherein Möglichkeiten zu beschränken.

    Ich sage immer: Lasst so viele Möglichkeiten offen wie möglich. Missbrauch bekämpft man viel besser, indem man eben identifiziert was Missbrauch ist, diesen dann verbietet und Zuwiderhandlung unter Strafe stellt. Etwas grundsätzlich zu verbieten, nur weil es missbraucht werden kann, ist Unfug. Wenn wir so denken, dann müssen wir Autos, Küchenmesser, Werkzeuge, Rattengift und sogar Computer verbieten, denn natürlich kann man alles das auch missbrauchen. Statt also Netzneutralität mit aller Gewalt zu erzwingen, hätte ich es für besser gefunden den Missbrauch von Drosselung und Priorisierung zu verbieten und unter Straße zu stellen. Frei nach dem Motto: Du darfst tun und lassen was du willst, aber wenn du damit dem Verbraucher, der Konkurrenz, den Wirtschaftsstandort Deutschland oder der Entwicklung des Internets nachweislich einen Schaden zufügst, dann kriegst du ein Problem mit uns. Und alles was es dazu braucht sind klare Regeln, damit eben Rechtssicherheit geschaffen wird.

    Aber ihr wolltet, dass man Anbietern von vorn herein Auflagen macht und das ist geschehen und diese Auflagen müssen dann auch befolgt werden und die Telekom befolgt sie in diesem Fall eindeutig nicht. Und das hat nichts damit zu tun, dass sie Stream-On Datenverkehr nicht in Rechnung stellt (das ist erlaubt laut EU Verordnung und nennt sich Zero Rating), sondern damit, dass

    1) Stream-On nicht automatisch für jeden Streaming Dienst gilt. Laut EU Verordnung müssen gleiche Dienste auch gleich behandelt werden. Ein Videostream ist ein Videostream, ob der von YouTube, Netflix oder sonst jemanden stammt, das darf keinen Unterschied spielen.

    2) Stream-On die Videoqualität künstlich beschränkt. Damit haben Stream-On Video eine künstlich schlechtere Qualität als die anderer Anbieter und das ist auch nicht erlaubt. Die schlechtere Qualität wird durch Drosselung erreicht und die EU Verordnung erlaubt nur ganz bestimmte Formen der Drosselung und ganz sicher keine, die nur bei Videostreams von bestimmten Anbietern greift.

    3) Die EU Verordnung erlaubt zwar Zero Rating, aber nicht selektives Zero Rating. Das also der selber Datenstrom, der sonst beim Kunden nicht gezählt wird, auf einmal nicht mehr Zero Rating ist und gegen sein Freivolumen gerechnet wird, wenn man ihn per Roaming abruft, das ist so nirgendwo erlaubt worden.

    Das die Telekom bei Stream-On auch Stream-On kompatible Dienste drosselt, sobald man sein monatliches Datenvolumen aufgebraucht hat (was ja nur passieren kann mit nicht Stream-On Diensten), das ist BTW auch eine direkte Folge der EU Verordnung und soweit aber korrektes Verhalten. Denn würde sie das nicht tun, dann würde sie ja Stream-On Dienste anders behandeln (nicht drosseln) als den Rest (der wird ja nach Datenverbrauch gedrosselt) und das darf sie nicht machen. Selektiv drosseln ist nicht erlaubt. Selektiv in Rechnung stellen hingegen ist erlaubt.

    /Mecki

  2. Re: Wollt ihr jetzt Netzneutralität oder nicht?

    Autor: basil 18.12.17 - 14:28

    > Selektiv drosseln ist nicht erlaubt. Selektiv in Rechnung stellen hingegen ist erlaubt.

    Eben. Netzneutralität ist ein ideologisierter Wunschgedanke, welcher mit Realität nicht zu vereibaren ist, wie zB Mietpreisbremse oder BGE.

  3. Re: Wollt ihr jetzt Netzneutralität oder nicht? Nein.

    Autor: EdwardBlake 18.12.17 - 14:32

    Der einzige Grund warum sich irgendjemand um Netzneutralität schert ist Panikmacherei, und die Debatte ist dominiert von Unwissenheit und Angst (alles wird teurer, Internetabieter werden uns diskriminieren 111).
    Wer sich über Korporatismus Sorgen macht sollte sich fragen warum die Größten Internetfirmen, Google, Facebook, Microsoft und Apple, Netzneutralität befürworten. Seltsame Verbündete im Kampf gegen Machtmisbracuh von Konzernen

  4. Re: Wollt ihr jetzt Netzneutralität oder nicht?

    Autor: Paule 19.12.17 - 08:42

    /mecki78 schrieb:
    -------------------------------------------
    > 1) Stream-On nicht automatisch für jeden Streaming
    > Dienst gilt.

    Wie denn auch "automatisch"?

    Es gibt quasi beliebig viele mögliche Streamingprotokolle und Streamingquellen.
    Wie sollte also "automatisch" erkannt werden ob ein Datenstrom ein Stream ist, ohne in alle Datenströme hineinzuschnüffeln? Und das würde ja dem Datenschutz wiedersprechen!

    Da eine automatische Erkennung nicht möglich, aber die Option auf Streams eingeschränkt sein soll, bleibt für StreamOn nur die Möglichkeit einer Anmeldung der Streaming Anbieter.

    > 2) Stream-On die Videoqualität künstlich beschränkt.

    Ja, aber ganz genau das ist doch der Zweck der kostenlosen StreamOn Option.

    Damit das dem Endkunden kostenfrei angeboten werden kann, muss bei der benötigten Bandbreite möglichst viel gespart werden. Ein 4k Stream verbraucht halt ca. 25x so viel Netzressourcen wie ein SD Stream mit max. 1 MBit/s.
    Wenn die Qualität beliebig gut sein darf, dann kann es die StreamOn Option auf keinen Fall mehr kostenfrei für den Endkunden geben.

    Zudem entscheidet sich der Endkunde freiwillig für StreamOn. Es wird keiner dazu gezwungen.

    > 3) Die EU Verordnung erlaubt zwar Zero Rating, aber
    > nicht selektives Zero Rating. Das also der selber
    > Datenstrom, der sonst beim Kunden nicht gezählt
    > wird, auf einmal nicht mehr Zero Rating ist und
    > gegen sein Freivolumen gerechnet wird, wenn
    > man ihn per Roaming abruft, das ist so nirgendwo
    > erlaubt worden.

    Beim Roaming müsste die Telekom nur die laut EU Verordnung zulässige fair-use Regelung aktivieren. Bei der Regelung gibt es eine Formel mit der sich berechnet wie viel Roaming Datenvolumen mindestens kostenfrei sein muss (in Abhängigkeit vom Vertragspreis). Darüber hinausgehendes Datenvolumen darf der Provider dann per Mbyte abrechnen.

    Damit könnte die Telekom die ihr durch StreamOn entstehenden Roamingkosten zumindest deckeln.

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