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Sehr gute Nachrichten
Autor: Bermuda.06 11.03.22 - 18:30
Wenn chinesische Hersteller sich aus dem russischen Markt zurückziehen (müssen da unrentabel), verliert China ordentlich Geld. Und was china gar nicht mag ist geld verlieren.
Vielleicht üben die dann mal mehr druck richtung putin aus.
Und der innenpolitische druck wächst auch wenn sich demnächst in Russland kaum noch jemand ein handy leisten kann -
Re: Sehr gute Nachrichten
Autor: Harryhh 11.03.22 - 19:06
Bermuda.06 schrieb:
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> Und der innenpolitische druck wächst auch wenn sich demnächst in Russland
> kaum noch jemand ein handy leisten kann
Es wird viel teurer werden in Russland ein Handy zu kaufen, aber der Schwarzmarkt löst solche Probleme in der Regel.
Die Umwelt freut es, wenn wenigstens in Russland zukünftig die maximale Nutzungsdauer von Smartphones in der Regel vollständig ausgereizt wird vor einer Neuanschaffung... :) -
Re: Sehr gute Nachrichten
Autor: ForumIpsum 12.03.22 - 02:11
Bermuda.06 schrieb:
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> Wenn chinesische Hersteller sich aus dem russischen Markt zurückziehen
> (müssen da unrentabel), verliert China ordentlich Geld. Und was china gar
> nicht mag ist geld verlieren.
>
> Vielleicht üben die dann mal mehr druck richtung putin aus.
>
Wohl kaum. Die Chinesen lehnen sich entspannt zurück und lassen die russische Wirtschaft in Ruhe ausbluten. Da in absehbarer Zeit kein westliches Unternehmen mehr in Russland investieren wird, ist die russische Wirtschaft der chinesischen bereits komplett ausgeliefert.
Eher dürfte man erbost sein, dass Putin mit seinem sinnlosen Angriffskrieg die für den Herbst geplante Invasion Taiwans wohl komplett versaut hat. Da kann der Westen jetzt nämlich erstmal nicht so einfach wegschauen, wie er es im Falle Hong Kongs getan hat. -
Re: Sehr gute Nachrichten
Autor: ForumIpsum 12.03.22 - 02:13
Harryhh schrieb:
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> Bermuda.06 schrieb:
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> > Und der innenpolitische druck wächst auch wenn sich demnächst in
> Russland
> > kaum noch jemand ein handy leisten kann
>
> Es wird viel teurer werden in Russland ein Handy zu kaufen, aber der
> Schwarzmarkt löst solche Probleme in der Regel.
> Die Umwelt freut es, wenn wenigstens in Russland zukünftig die maximale
> Nutzungsdauer von Smartphones in der Regel vollständig ausgereizt wird vor
> einer Neuanschaffung... :)
Nur blöd, wenn das Schwarzmarkt-Smartphone in ein paar Monaten einfach garnichts mehr wert ist, weil es nur mit dem echten Internet zusammenarbeiten will und noch nichts vom Russland-Intranet weiß, in dem es sich dann befinden wird. -
Re: Sehr gute Nachrichten
Autor: cuthbert34 12.03.22 - 11:08
Und an dem Punkt verstehe ich Putins Regierung nicht. Als Laie betrachtet vermisse ich jede Form von Strategie. Russland lebt vom Verkauf von Rohstoffen. Aber sie zwingen den Westen dazu so wenig wie möglich in Zukunft aus russ. Quellen zu kaufen und die totale Abhängigkeit von China und Indien zu riskieren. Kann sein, dass das funktioniert. Vielleicht haben sie auch gedacht die Europäische Union ist so zerstritten und verängstigt, dass gerade Deutschland keine weitreichenden Sanktionen mitträgt, aber die aktuelle Situation sieht doch für mich als Laie katastrophal für die russische Gesellschaft aus.
Wenn jetzt der Handel mit China noch ins Stöcken gerät, dann gute Nacht. Aber vielleicht will China den innenpolitischen Kurswechsel in Russland ja ebenso unterstützen. -
Re: Sehr gute Nachrichten
Autor: ForumIpsum 12.03.22 - 16:30
cuthbert34 schrieb:
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> Und an dem Punkt verstehe ich Putins Regierung nicht. Als Laie betrachtet
> vermisse ich jede Form von Strategie. Russland lebt vom Verkauf von
> Rohstoffen. Aber sie zwingen den Westen dazu so wenig wie möglich in
> Zukunft aus russ. Quellen zu kaufen und die totale Abhängigkeit von China
> und Indien zu riskieren. Kann sein, dass das funktioniert. Vielleicht haben
> sie auch gedacht die Europäische Union ist so zerstritten und verängstigt,
> dass gerade Deutschland keine weitreichenden Sanktionen mitträgt, aber die
> aktuelle Situation sieht doch für mich als Laie katastrophal für die
> russische Gesellschaft aus.
>
> Wenn jetzt der Handel mit China noch ins Stöcken gerät, dann gute Nacht.
> Aber vielleicht will China den innenpolitischen Kurswechsel in Russland ja
> ebenso unterstützen.
So wie ich es momentan verstehe, wurde ein klassischer Blitzkrieg angestrebt, mit dem man mehrere Ziele erreichen wollte:
- die bestehende Regierung um Zelenskyy in Kiew umzustürzen bzw. gefangen zu nehmen und zu einem Kurswechsel zu zwingen
- die EU mit dem Überraschungseffekt überrumpeln und überfordern, also quasi ihre ausgedehnte Bürokratie nutzen, um mit dem schnellen Überfall Zwietracht zu sähen und die verschiedenen Lager gegeneinander aufreiben. Der Plan war wohl ungefähr, die Ukraine übernommen zu haben, noch bevor die EU sich einheitlich positionieren konnte
- parallel maximale Aggression ausstrahlen, um die NATO-Bündnispartner und andere europäische Länder zu verunsichern ("alle, die sich einmischen, werden mit nie dagewesenen Reaktionen rechnen müssen")
Diese Pläne wurden wohl u.a. unter folgenden Prämissen aufgestellt:
- das russische Heer sei technisch bestens gerüstet für diesen Blitzkrieg und würde mit dem Wissen, gegen vermeintliche Nazis vorzugehen, mit hoher Moral in die Ukraine einmarschieren
- die ukrainische Wehrhaftigkeit wäre nach der massiven Dekonstruktion des Militärs durch den Strohmann Janukowytsch bis 2014 noch immer sehr start eingeschränkt
- viele Ukrainer, vor allem im Osten, wären den Russen dankbar für diese "Befreiung"
- die EU wäre so abhängig von russischen Ressourcen (Öl, Gas, Nickel, Weizen, ...), dass sie niemals in dieser kurzen Zeit des Blitzkriegs ernsthaft wirtschaftlich gegen Russland vorgehen würde
- der Westen würde weiterhin ausschließlich auf diplomatischem Wege versuchen, die Situation zu beruhigen
- der Westen würde die Ukraine als notwendiges Bauernopfer sehen, um eine größere Eskalation mit ihrem engen Handelspartner Russland zu vermeiden
- man würde sich darauf einigen können, wohl mindestens die östlichen Regionen für mindestens unabhängig von der Ukraine erklären zu können und evtl. entmilitarisierte Zonen aushandeln zu können, wodurch der ukrainische Sicherheitsapparat sehr stark geschwächt wäre
Hätten alle diese Punkte zugetroffen, wäre es durchaus eine rationale Entscheidung gewesen, in die Ukraine einzumarschieren. Während man damit nach innen und außen militärische Stärke demonstriert hätte, wäre die EU weiter destabilisiert worden und man hätte die Ukraine mit ihren wertvollen Böden zumindest teilweise behaupten können.
Tatsächlich scheint es aber so zu sein, dass Putin bei all diesen Prämissen zumindest teilweise falsch lag:
- die gesamte Ukraine wehrt sich erbittert gegen den Einmarsch. Fast das gesamte Volk hat Russland die Annexion der Krim nie verziehen und verabscheut den russischen Staat und seine Handlungen ggü. der Ukraine
- die ukr. Regierung hat von Anfang an klar gemacht, dass man sich bis aufs Blut gegen die Invasion wehren wird. Ich glaube, insbesondere die mediale Präsenz von Zelenskyy ab Kriegsbeginn hat entschieden dazu beigetragen, die Moral der ukr. Bevölkerung so hoch zu treiben und gleichzeitig der EU klarzumachen, dass die Ukraine ihre Rolle als Bauernopfer niemals annehmen wird
- viele junge Ukrainer sind nach den Maidan-Protesten mit der Waffe vertraut gemacht worden, man hat seitdem wohl stark daran gearbeitet, die Zivilbevölkerung wehrhaft zu machen
- nachdem die Ukraine die erste Welle des Blitzkriegs für alle internationalen Beobachter erstaunlich stark abwehren konnte, ist die russische Strategie in sich zusammengebrochen. Haufenweise westliche Staaten haben damit begonnen, die Ukraine zumindest "passiv" durch Waffenlieferung und logistische Hilfestellung zu unterstützen. Man hat im Westen erkannt, dass der geplante Blitzkrieg in seiner ursprünglichen Form gescheitert ist und es jetzt auf einen langen, zähen Krieg hinausläuft
- der Westen hat erkannt, dass dieser Krieg auf militärischem Wege nicht zu gewinnen ist, ohne einen dritten Weltkrieg zu riskieren. Man ist also dazu übergegangen, die Zivilbevölkerung möglichst zügig abzuziehen und die militärischen Streitkräfte der Ukraine mit Waffenlieferungen zu unterstützen
- gleichzeitig hat insb. die EU sich erstaunlich zügig und einheitlich zu Sanktionen entschlossen, die die Wirtschaft Russlands sehr schnell erheblich beeinträchtigen. Man hat es geschafft, Russland durch diese zweite Front, einen "wirtschaftlichen Blitzkrieg", wenn man so will, enorm in Bedrängnis zu bringen
- Putin kann es sich innenpolitisch nicht leisten, ein Scheitern einzugestehen. Es musste also eine massive faschistische Kampagne Kampagne her, um die hinter dem Einmarsch stehende Bevölkerung nicht vollständig zu verlieren. Gleichzeitig wurde alles auf eine Karte gesetzt und die Signale der Aggression nach außen soweit wie möglich erhöht, um die Verhandlungsposition Russlands vermeintlich zu verbessern
Es scheint so, als wäre Putin einfach massiven Falschinformationen aufgesessen, die sich systematisch begründen lassen: ein Machtsystem, das vorallem auf der Angst davor basiert, bei Misserfolgen oder rational berechtigten Einwänden, die gegen das Narrativ stehen, einfach ausgetauscht zu werden, führt langfristig dazu, dass man eine Schaar an Ja-Sagern unter sich ansammelt. Es kristallisiert sich immer mehr hinaus, dass im russischen Machtapparat systematisch falsche Informationen nach oben gemeldet wurden. Wenn unrealistische oder unmögliche Anforderungen nicht eingehalten werden können, gibt es für die betroffenen Personen lediglich die Optionen 1) Scheitern einzugestehen und entfernt zu werden (Karriereende) oder 2) lügen, was das Zeug hält und die Einhaltung der Vorgaben lediglich zu simulieren. Putin hat sich scheinbar auf diese falschen Informationen verlassen und sehr lange auf seiner ursprünglichen Strategie beharrt, obwohl die Geschehnisse in der Realität klar eine andere Lage gezeigt haben. So langsam bemerkt auch er, dass irgendetwas an seiner Strategie grundlegend falsch gewesen sein muss, und er beginnt damit, sich mit dem russischen Sicherheitsapparat (Auslands- und Inlandsgeheimdienst) anzulegen. Wie das ausgeht, werden wir sehen... -
Re: Sehr gute Nachrichten
Autor: artem_stetsenko 12.03.22 - 22:30
Bermuda.06 schrieb:
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> Wenn chinesische Hersteller sich aus dem russischen Markt zurückziehen
> (müssen da unrentabel), verliert China ordentlich Geld. Und was china gar
> nicht mag ist geld verlieren.
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> Vielleicht üben die dann mal mehr druck richtung putin aus.
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> Und der innenpolitische druck wächst auch wenn sich demnächst in Russland
> kaum noch jemand ein handy leisten kann
Russland wird zum Vasallen Chinas. Ein Nordkorea 2.0. Aber Putin interessiert sein Volk nicht, die einzige Frage die bleibt ist wohin er sich mit dieser Fehlgeburt einer Aktion retten möchte.



