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Ich kenne den Grund

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  1. Ich kenne den Grund

    Autor: martin28 12.06.18 - 13:29

    Der Grund liegt in den Förderbedingungen wonach die günstigste Ausbaumethode zu wählen ist mit der 50 Mbit/s, mindestens aber 30 MBit/s erreicht werden können.

    50 MBit/s erreicht man nun einmal auch mit Kupfer. Da vorhandene Kupferleitungen u. ggf. Ausbau der Verteiler mit neuen Karten günstiger ist als das Neulegen von Glasfaser sind die Städte und Gemeinden verpflichtet Kupfer statt Glasfaser auszubauen. Ansonsten verstoßen sie gegen die Förderbedingungen u. erhalten ihre Investitionen nicht aus Fördermitteln zurück.

    Seit neuestem ist hinzugekommen, dass die Politik verstanden hat das Glasfaser besser als Kupfer ist und fordert Glasfaser statt Kupfer auszubauen. Die Förderbedingungen wurden aber nicht angepasst, so dass gerade die totale Verwirrung herrscht.

    Die Städte u. Gemeinden sind völlig verunsichert was unter den Förderbedingungen verlegt werden darf und bis zur Klärung sitzen die das erst mal aus.

  2. Re: Ich kenne den Grund

    Autor: sneaker 12.06.18 - 13:42

    martin28 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Der Grund liegt in den Förderbedingungen wonach die günstigste
    > Ausbaumethode zu wählen ist mit der 50 Mbit/s, mindestens aber 30 MBit/s
    > erreicht werden können.
    Nein, 50 Mbit/s bzw. 30 Mbit/s sind nur die Minimalforderung, die die Gemeinde/der Kreis ausschreiben muß, damit er Bundesförderung bekommen kann. Er kann aber auch z.B. 100 Mbit/s symmetrisch ausschreiben. Gibt ja im Norden etliche Kreise, die nur FTTB/FTTH bauen. Das wäre sonst gar nicht möglich, da sonst wegen der Wirtschaftlichkeit größtenteils FTTC gebaut werden müßte.

  3. Re: Ich kenne den Grund

    Autor: Steff87 12.06.18 - 13:43

    vollkommen richtig. Dazu noch ein bisschen öffentliches Vergaberecht, ein Land/Bund was wiederum ihre Spezies darauf ansetzt haargenau auf Fehler bei der Umsetzung (Baubeginn vor Fördermittelfreigabe ect.) zu achten um Fördermittel streichen/kürzen zu können und schon wundert sich der gemeine Pöbel warum denn die blöde Kommune/Stadt/Gemeinde zu faul ist auszubauen, wo es das doch quasi vom Land umsonst gibt.

  4. Re: Ich kenne den Grund

    Autor: postb1 12.06.18 - 13:51

    sneaker schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > martin28 schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Der Grund liegt in den Förderbedingungen wonach die günstigste
    > > Ausbaumethode zu wählen ist mit der 50 Mbit/s, mindestens aber 30 MBit/s
    > > erreicht werden können.
    > Nein, 50 Mbit/s bzw. 30 Mbit/s sind nur die Minimalforderung, die die
    > Gemeinde/der Kreis ausschreiben muß, damit er Bundesförderung bekommen
    > kann. Er kann aber auch z.B. 100 Mbit/s symmetrisch ausschreiben. Gibt ja
    > im Norden etliche Kreise, die nur FTTB/FTTH bauen. Das wäre sonst gar nicht
    > möglich, da sonst wegen der Wirtschaftlichkeit größtenteils FTTC gebaut
    > werden müßte.
    Die Gemeinde kann auch 50Mbit ausschreiben.
    Im kleinen abgelegenen Ortsteil mit kaum 10 Häusern wird der Anbieter trotzdem, obwohl nicht ausdrücklich von der Gemeine gefordert, lieber freiwillig FTTB ausbauen. Ist dort billiger als teure Aktivtechnik für VDSL.

  5. Re: Ich kenne den Grund

    Autor: sneaker 12.06.18 - 13:54

    postb1 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Die Gemeinde kann auch 50Mbit ausschreiben.
    > Im kleinen abgelegenen Ortsteil mit kaum 10 Häusern wird der Anbieter
    > trotzdem, obwohl nicht ausdrücklich von der Gemeine gefordert, lieber
    > freiwillig FTTB ausbauen. Ist dort billiger als teure Aktivtechnik für
    > VDSL.
    Ja, zum Teil ist FTTB/FTTH wirtschaftlicher als FTTC. Das würde aber nicht ganze Landkreise betreffen, sondern nur einen Teil.

  6. Re: Ich kenne den Grund

    Autor: postb1 12.06.18 - 14:02

    sneaker schrieb:

    > Ja, zum Teil ist FTTB/FTTH wirtschaftlicher als FTTC. Das würde aber nicht
    > ganze Landkreise betreffen, sondern nur einen Teil.
    Sieht man hier in Bayern deutlich. Je weiter der auszubauende Ort am "Arsch der Welt" gelegen und je kleiner er ist, desto sicherer bekommen alle dort FTTB, selbst wenn nur technikneutrale 50Mbit von der Kommune ausgeschrieben wurde.
    Größere Landstriche sind freilich nur mit der Forderung "100Mbit symmetrisch für alle" auf FTTB zu biegen. Auch dafür fließen Fördergelder - aber der prozentuele kommunale Eigenanteil steigt dann eben etsprechend ins fast unermessliche - bzw. zumindest ins schmerzhafte Mehrfache, was oft zuviel ist für die meist klammen Gemeindekassen.
    Da werden größere Orte dann lieber erstmal mit FTTC/VDSL ausgebaut. Ist ja trotzdem nachhaltig, weil dafür die GF auch in den Ort kommen muß - spätere Erweiterung der GF bis zum Kunden nicht ausgeschlossen....wenn denn die entsprechenden Geschwindigkeiten wirklich nachgefragt werden.

  7. Re: Ich kenne den Grund

    Autor: Prokopfverbrauch 12.06.18 - 14:18

    postb1 schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------

    > Da werden größere Orte dann lieber erstmal mit FTTC/VDSL ausgebaut. Ist ja
    > trotzdem nachhaltig, weil dafür die GF auch in den Ort kommen muß - spätere
    > Erweiterung der GF bis zum Kunden nicht ausgeschlossen....wenn denn die
    > entsprechenden Geschwindigkeiten wirklich nachgefragt werden.

    Du verschweigst hierbei aber ein kleines Detail. Das ganze funktioniert dann nur über den, der die Subvention für eben dieses FTTC Netz erhalten hat. Da die Telekom ihr eigenes FTTC Netz und die Technik die damit verbunden ist auf keinen Fall kannibalisieren will, wird sie bis auf einzelne lukrative Gewerbekunden wohl kaum eigenwirtschaftlich FTTB/H anbieten. Sie hat ja auch idR einen Vertrag mit der Gemeinde über 7 Jahre.

    Wenn FTTB kommen soll, dann geht das nur noch über die TKOM, und da sie ja logischerweise nun noch näher am Kunden ist (durch öffentliche Subvention), ein Wunder, kann sie die Hand aufhalten - es gibt ja keine Konkurrenz.

    Aus technologischer Sicht (ansatzweise) nachhaltig aber nicht aus volkswirtschaftlicher Sicht.

  8. Re: Ich kenne den Grund

    Autor: Prokopfverbrauch 12.06.18 - 14:27

    sneaker schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > martin28 schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Der Grund liegt in den Förderbedingungen wonach die günstigste
    > > Ausbaumethode zu wählen ist mit der 50 Mbit/s, mindestens aber 30 MBit/s
    > > erreicht werden können.
    > Nein, 50 Mbit/s bzw. 30 Mbit/s sind nur die Minimalforderung, die die
    > Gemeinde/der Kreis ausschreiben muß, damit er Bundesförderung bekommen
    > kann. Er kann aber auch z.B. 100 Mbit/s symmetrisch ausschreiben. Gibt ja
    > im Norden etliche Kreise, die nur FTTB/FTTH bauen. Das wäre sonst gar nicht
    > möglich, da sonst wegen der Wirtschaftlichkeit größtenteils FTTC gebaut
    > werden müßte.


    Ganz so leicht und einfach ist bzw. war das am Anfang nicht.

    Vom Grundsatz startete es damit, dass die wirtschaftlichste Variante 50 Mbit/s zu erreichen genommen werden musste bzw. sollte. Sonst wäre man eben auch in dem mittlerweile abgeschafften Scoring einfach durchgefallen, da man im Vergleich einfach pro Anschluss viel mehr Mittel brauch als bei FTTC.

    Und beim Deckungslückenmodel wurde dann halt das zum Standard "50 Mbit/s musst du erreichen, Technologieneutral und so günstig wie möglich -> FTTC"

    Das hat sich jetzt nur mit der wandelnden Politikrichtung und der Tatsache, dass es noch bei weitem genug Mittel gibt, geändert.

    Zu sagen "Die Wahl lag immer schon klar bei den Kommunen" ist nicht zutreffend

  9. Re: Ich kenne den Grund

    Autor: sneaker 12.06.18 - 14:47

    Prokopfverbrauch schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das hat sich jetzt nur mit der wandelnden Politikrichtung und der Tatsache,
    > dass es noch bei weitem genug Mittel gibt, geändert.
    Wann war für Dich "jetzt"?

  10. Re: Ich kenne den Grund

    Autor: Prokopfverbrauch 12.06.18 - 14:51

    sneaker schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Prokopfverbrauch schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Das hat sich jetzt nur mit der wandelnden Politikrichtung und der
    > Tatsache,
    > > dass es noch bei weitem genug Mittel gibt, geändert.
    > Wann war für Dich "jetzt"?

    Natürlich ungenau, den Zeitraum kann ich jetzt nicht genau definieren ich würde mal sagen Anfang 2017 ?! Die meisten Förder und Planungsverfahren begannen ja aber schon kurz nach Veröffentlichung der Förderung Oktober 2015, und Anträge wurden dann 2016 größtenteils eingereicht.

  11. Re: Ich kenne den Grund

    Autor: spezi 12.06.18 - 20:27

    Prokopfverbrauch schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Vom Grundsatz startete es damit, dass die wirtschaftlichste Variante 50
    > Mbit/s zu erreichen genommen werden musste bzw. sollte. Sonst wäre man eben
    > auch in dem mittlerweile abgeschafften Scoring einfach durchgefallen, da
    > man im Vergleich einfach pro Anschluss viel mehr Mittel brauch als bei
    > FTTC.

    Sie wären nicht "einfach" durchgefallen. Sondern sie hätten womöglich eine geringere Punktzahl erreicht und hätten gegebenenfalls das Nachsehen gegenüber Projekten mit höherer Punktzahl gehabt.

    Allerdings: Die Kosten pro Anschluss machen nur 10 Punkte (10%) im Scoring aus. Bis zu 5 Punkte gibt es umgekehrt, wenn mindestens 80% der Anschlüsse in Zukunft mit mindestens 100 Mbit/s versorgt werden. 7 Punkte gibt es dafür, dass Gewerbegebiete grundsätzlich mit 1 Gbit/s versorgt werden.

    https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Anlage/Digitales/breitbandfoerderung-scoring-modell.pdf?__blob=publicationFile

    Da sollte man den Einfluss des Scorings als "FTTH-Verhinderer" nicht überbewerten. Es gibt ja doch etliche FTTH-Projekte im Rahmen des Bundesförderprogramms, gerade z.B. auch in Mecklenburg-Vorpommern, das schon zum ersten Förderaufruf sehr aktiv war.

    Wie viele Anträge wurden überhaupt aufgrund des Scorings abgelehnt?

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