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Jeder ist seine Glückes Schmied...

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  1. Jeder ist seine Glückes Schmied...

    Autor: yoboo 21.10.19 - 13:03

    Selbst bin ich nach vielen Jahren bei einem europäischen IT-Dienstleister in den öffentlichen Dienst gewechselt - und es geht auch anders.
    ....mir kommt der Bericht eher so vor, als hätte da jemand nicht einmal versucht links und rechts zu schnuppern, oder es nicht gelernt, auch mit "Negativerfahrungen" umzugehen...
    Ja - viele Bereiche des öffentlichen Dienstes sind Verwaltung - und oft hat man es auch mit sehr verstaubten Ecken zu tun; jedoch das zu generalisieren, ist lächerlich:
    Das Zauberwort heist "Interessensbekundung" - damit wechselt man im Hause einfach mal den Fachbereich - oder man geht von Kommune zu einer anderen, oder innerhalb des Landes zu einer anderen Landeseinrichtung, oder innerhalb des Bundes zu einer anderen Bundeseinrichtung ---
    Alles kein Problem und genau so wie in einem Multinationalen großen Konzern.
    Wer hat schon in einer kleinen "Frickelbude" die Möglichkeit, mit einem RAC zu "spielen", mit "dickem" Storage z.B. in einem Ceph-Verbund, oder hundert(e) von Servern in einem Windows/Unix-Mischumfeld zu administrieren, hinter denen mindestens so viele verschiedenartige Keyuser stehen...?
    Im öffentlichen Dienst gibt es etliche Ecken in denen man Verantwortung übernehmen und auch immer etwas neues lernen kann - wenn man es denn will - und sei es die Interaktion mit Mitmenschen und "wie bekomme ich das Team und das Umfeld so strukturiert, damit wir ordentlich arbeiten - und ich vielleicht auch mal besser organisiert so eine Stufe höher komme" -- selbst als "kleiner Wicht" geht das von innen heraus...
    Die Vorteile des öffentlichen Dienstes nebenbei z.B. Schulungen zu besuchen oder sich noch ein zweites Studium finanziell und zeitlich zu leisten, die hat man im privaten Sektor oft eher nicht; genau so wie regelmäßige Gehaltsrunden, Weihnachtsgeld, Gesundheitsvorsorge, Jobtickets, Altersvorsorge, ...
    Dort wird nach dem Studium die Leistungskurve des Mitarbeiters voll ausgeschöpft - und wenn er dann genug CashCow war, dann man lässt ihn keine Schulungen mehr besuchen, oder lässt ihn auf einer Position versauern, setzt ihn beim Kunden 100 Kilometer weiter ein - da gibt es immer genug verdeckte Möglichkeiten, die den Mitarbeiter so weit aus der Komfortzone zu holen, dass er keinen Spaß mehr am Job hat und freiwillig die Segel streicht...
    Kurzum: Der öffentliche Dienst hat sicherlich auch Nachteile, aber so dramatisch wie in dem Bericht geschildert - nein - so schlimm ist es nicht, wenn man sich nur ein wenig selbst um sein (Arbeits-)Umfeld bemüht.

  2. Re: Jeder ist seine Glückes Schmied...

    Autor: .02 Cents 21.10.19 - 13:10

    > Dort wird nach dem Studium die Leistungskurve des Mitarbeiters voll
    > ausgeschöpft - und wenn er dann genug CashCow war, dann man lässt ihn keine

    Ebenso wenig wie es fair / objektiv ist, alle Behörden über einen Kamm zu scheren, ist das bei Privatunternehmen angebracht, selbst wenn mas dan nur auf irgendwelche IT Dienstleister beschränkt.

  3. Re: Jeder ist seine Glückes Schmied...

    Autor: plastikschaufel 21.10.19 - 14:13

    Dennoch ist man viel zu oft von Faktoren abhängig, auf die man keinen Einfluss hat, daher ist diese Redensart auch nicht mehr das, was sie mal war.

  4. Re: Jeder ist seine Glückes Schmied...

    Autor: yoboo 21.10.19 - 14:25

    Plastikschaufel: Egal ob ÖD oder freie Wirtschaft: Es zählen nach wie vor die Hard- and Softskills... und die sollte man auch handfest belegen können. Es liegt an einem selbst, seinen jährlichen Bildungsurlaub und gar Zuschüsse zu nutzen, für Fort- und Weiterbildungen privat ein wenig was zu investieren und sich kontinuierlich "fit" zu halten -
    bzw. das ggf. mit einem Zertifikat oder ähnlichem belegen zu können...
    Nach Feierabend in jungen Jahren immer nur Party zu machen läuft schon lange nicht mehr.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 21.10.19 14:27 durch yoboo.

  5. Purer Calvinismus

    Autor: demon driver 21.10.19 - 21:48

    plastikschaufel schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Dennoch ist man viel zu oft von Faktoren abhängig, auf die man keinen
    > Einfluss hat, daher ist diese Redensart auch nicht mehr das, was sie mal
    > war.

    Der OP hat in vielem recht, aber die Redensart hat ja noch nie was getaugt. Die sagt unmittelbar: Ich habe mit [whatever] Erfolg, also muss das auch für andere gelten. Und implizit: Wer als Tellerwäscher anfängt und nicht Millionär wird, hat sich bloß nicht genug angestrengt. Und folglich: Er hat sein Tellerwäscherdasein verdient. Ziemlich ekelhaft, aber genau die Ideologie, die die Leistungs- und Ausbeutungsgesellschaft und ihre Profiteure bei den Ausgebeuteten am liebsten sehen.

  6. Re: Purer Calvinismus

    Autor: yoboo 22.10.19 - 09:17

    Calvin hat da mal rein garnichts mit zu tun -
    Aber Richtig - Erfolg besteht aus drei Buchstaben: t-u-n

    Wenn jemand lieber Party macht, oder den ganzen Tag mit seiner Playsi oder seinem Handy daddelt, anstatt des Abends seinen Abschluss nachzuholen, sorry - dann hat jemand tatsächlich seinen low-Job *verdient*... denn er hätte durchaus die Chance (gehabt) etwas für sich und seine Familie verantwortungsvoll zu tun -
    was nicht bedeutet, dass ich den Menschen schlecht behandeln muss, nur weil er vielleicht einen nicht so tollen Job hat -
    Es gibt nämlich genug verantwortungsvolle Tellerwäscher die ihr Studium z.B. für die ersten Jahre des Kindes erst einmal auf Eis gelegt haben, um das Geld "heran zu schaffen".
    Aber ich persönlich werde dafür niemanden "bedauern".

    Es gibt genug Menschen die kostenlos Nachhilfe anbieten, sogar Praktika vermitteln, Business-Paten die sogar ausbilden und jemanden für einen Karrierestart übernehmen, etc. pp. - aber dann müsste man sich eingestehen, etwas falsch gemacht zu haben und für seine Misere selbst verantwortlich zu sein, als sich auch auf den Hintern setzen -
    und das können wohl leider die wenigsten...



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 22.10.19 09:19 durch yoboo.

  7. Re: Purer Calvinismus

    Autor: demon driver 22.10.19 - 09:30

    yoboo schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Calvin hat da mal rein garnichts mit zu tun -

    Falsch. Viele, die ihn verinnerlicht haben, wissen es bloß nicht.

    > Aber Richtig - Erfolg besteht aus drei Buchstaben: t-u-n

    Du hörst dich an wie einer dieser Motivationstrainer, die hauptberuflich von Steuergeldern für die Arbeitsagentur Langzeitarbeitslosen was vom Pferd erzählt, nicht wie ein IT-ler, der eigentlich Sachverhalte, mit denen er sich zu befassen hat, inhaltlich und logisch umfassend und korrekt erfassen muss. Das gelingt dir hier nämlich nicht. Stattdessen badest dich in der Arroganz dessen, der etwas erreicht hat, ob verdient oder unverdient, egal wieviel Glück dabei war, und erklärst alle anderen, die's nicht schaffen, vielleicht weil ihnen eben nur das Quentchen Glück fehlt, zu dummen, antriebslosen Versagern. Dabei hält dich selbst in deinem eigenen Job vielleicht nur der Umstand, dass aufgrund der zeitweise bestehenden arbeitsmarktlichen Ausnahmesitutation der IT dort immer noch mancherorts jeder eingestellt wird, der einen PC anschalten kann? Wäre prinzipiell alles möglich, und du kannst uns viel erzählen.

    > Wenn jemand lieber Party macht, oder [...]

    Danke, deine Haltung, dass Leben keinen Spaß machen darf, hatten wir schon verstanden und abgehakt. Aber erzähl ruhig noch mehr von dir!

  8. Re: Purer Calvinismus

    Autor: Trockenobst 22.10.19 - 17:26

    demon driver schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    >Stattdessen badest dich in der
    > Arroganz dessen, der etwas erreicht hat, ob verdient oder unverdient, egal
    > wieviel Glück dabei war, und erklärst alle anderen, die's nicht schaffen,
    > vielleicht weil ihnen eben nur das Quentchen Glück fehlt, zu dummen,
    > antriebslosen Versagern.

    Ich finde die Klassendiskussion albern. Ein Pärchen das ich kenne, hat sich früh gegen Kinder und viel Arbeit entschieden. Jetzt sind fast 50 und haben zwei Hunde, ein abbezahltes Haus im Grünen und konnten der Arbeit hinter her reisen. Wo immer sie ist.

    Das Leben ist eine Kette von vielen kleinen persönlichen Entscheidungen.

    Es gibt eben systemische "Vorgaben" oder "Wertigkeiten", etwa ich brauche zwei Kinder, zwei Autos, zweimal großer Urlaub im Jahr, Oma kriegt auch noch etwas etc. Jeder möchte sich ständig verbessern und optimieren. Nur: wenige Hinterfragen warum das alles so sein muss, nur wenige Hinterfragen ihre Lebenseinstellungen und Erwartungshaltungen. Dass dann Leute die sich mit ach und krach ein Haus leisten "mussten", eben 15 Jahre nicht in den Urlaub fahren konnten, war sicherlich das Problem der bösen Eliten.

    Früher war ich selbst Arbeiterkind. Meine Wohnung ist Superminimalistisch eingerichtet. Mich interessiert der Trashurlaub auf Malle nicht und ich habe auch nicht in jedem Zimmer einen großen Fernseher. Ich habe schon vor 10 Jahren mit kleinem Geld investiert (weniger als 5000¤ im Jahr). Jetzt kann ich die richtigen Entscheidungen genießen.

    30% des modernen Lebens werden nicht in der Schule und nicht an der Uni gelernt werden. Deswegen sind 95%(!) aller "Armen" Lottogewinner die um eine Million gewonnen haben, nach drei Jahren in der Privatinsolvenz(!). Wie kann das sein, das man eine Million in drei Jahren verpulvert UND noch Schulden macht?

    Fakt ist, du kannst mit einer Million und einem Investitionsmix dein restliches Leben im Durchschnitt ~50.000¤ im Jahr/Nach Steuern durch Investments raus holen. Das ist eben NICHT der Ferrari, das ist eben nicht 2 Jahre Party am Strand für 1000¤ am Tag. Das ist ganz trockene Mathematik und sich zusammen zureißen. Kaum einer kann das.

    Jeder legt selbst fest was ihn Glücklich macht. Als Freelancer habe ich immer Phasen, nach harten Monaten und Jahren, wo ich einfach ein Quartal frei mache. Das ist "mein" Luxus. Wenn ich mir einen großer Fernseher kaufe verstehen das alle. Wenn ich mir drei Monate frei nehme, bin ich merkwürdig, wahrscheinlich Drogendealer oder Eltern reich. Bullshit.

    Wer in solchen Kategorien denkt, wird einfach nicht glücklich. Und man sollte ganz arme Leute im unteren Drittel nicht mit dem CxU/FDP/AfD(/Grüne) wählenden Mittelstand in einen Topf werfen. Die einen können vielleicht wirklich nichts für ihre Lebensumstände (Stichwort: Gelbwesten). Die anderen sehr wohl, aber dann muss es doch der neue Betrugsgolf sein, weil Nachbar hat ja auch einen. Voll gezwungen, natürlich. Skoda kommt da nicht ins Haus.

  9. Re: Purer Calvinismus

    Autor: demon driver 22.10.19 - 20:42

    Trockenobst schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > demon driver schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > >Stattdessen badest dich in der
    > > Arroganz dessen, der etwas erreicht hat, ob verdient oder unverdient,
    > egal
    > > wieviel Glück dabei war, und erklärst alle anderen, die's nicht
    > schaffen,
    > > vielleicht weil ihnen eben nur das Quentchen Glück fehlt, zu dummen,
    > > antriebslosen Versagern.
    >
    > Ich finde die Klassendiskussion albern. Ein Pärchen das ich kenne, hat sich
    > früh gegen Kinder und viel Arbeit entschieden. Jetzt sind fast 50 und haben
    > zwei Hunde, ein abbezahltes Haus im Grünen und konnten der Arbeit hinter
    > her reisen. Wo immer sie ist.
    >
    > Das Leben ist eine Kette von vielen kleinen persönlichen Entscheidungen.
    >
    > Es gibt eben systemische "Vorgaben" oder "Wertigkeiten", etwa ich brauche
    > zwei Kinder, zwei Autos, zweimal großer Urlaub im Jahr, Oma kriegt auch
    > noch etwas etc. Jeder möchte sich ständig verbessern und optimieren. Nur:
    > wenige Hinterfragen warum das alles so sein muss, nur wenige Hinterfragen
    > ihre Lebenseinstellungen und Erwartungshaltungen. Dass dann Leute die sich
    > mit ach und krach ein Haus leisten "mussten", eben 15 Jahre nicht in den
    > Urlaub fahren konnten, war sicherlich das Problem der bösen Eliten.
    >
    > Früher war ich selbst Arbeiterkind. Meine Wohnung ist Superminimalistisch
    > eingerichtet. Mich interessiert der Trashurlaub auf Malle nicht und ich
    > habe auch nicht in jedem Zimmer einen großen Fernseher. Ich habe schon vor
    > 10 Jahren mit kleinem Geld investiert (weniger als 5000¤ im Jahr). Jetzt
    > kann ich die richtigen Entscheidungen genießen.
    >
    > 30% des modernen Lebens werden nicht in der Schule und nicht an der Uni
    > gelernt werden. Deswegen sind 95%(!) aller "Armen" Lottogewinner die um
    > eine Million gewonnen haben, nach drei Jahren in der Privatinsolvenz(!).
    > Wie kann das sein, das man eine Million in drei Jahren verpulvert UND noch
    > Schulden macht?
    >
    > Fakt ist, du kannst mit einer Million und einem Investitionsmix dein
    > restliches Leben im Durchschnitt ~50.000¤ im Jahr/Nach Steuern durch
    > Investments raus holen. Das ist eben NICHT der Ferrari, das ist eben nicht
    > 2 Jahre Party am Strand für 1000¤ am Tag. Das ist ganz trockene Mathematik
    > und sich zusammen zureißen. Kaum einer kann das.
    >
    > Jeder legt selbst fest was ihn Glücklich macht. Als Freelancer habe ich
    > immer Phasen, nach harten Monaten und Jahren, wo ich einfach ein Quartal
    > frei mache. Das ist "mein" Luxus. Wenn ich mir einen großer Fernseher kaufe
    > verstehen das alle. Wenn ich mir drei Monate frei nehme, bin ich
    > merkwürdig, wahrscheinlich Drogendealer oder Eltern reich. Bullshit.
    >
    > Wer in solchen Kategorien denkt, wird einfach nicht glücklich. Und man
    > sollte ganz arme Leute im unteren Drittel nicht mit dem CxU/FDP/AfD(/Grüne)
    > wählenden Mittelstand in einen Topf werfen. Die einen können vielleicht
    > wirklich nichts für ihre Lebensumstände (Stichwort: Gelbwesten). Die
    > anderen sehr wohl, aber dann muss es doch der neue Betrugsgolf sein, weil
    > Nachbar hat ja auch einen. Voll gezwungen, natürlich. Skoda kommt da nicht
    > ins Haus.

    Komisch, die Sätze, die sich gegen eine vermeintliche "Klassendiskussion" und "sicher die bösen Eliten" (wo hat das jemand gesagt oder gemeint?) ausgenommen, kann ich dir in vielem zumindest im Ansatz zustimmen, wenn auch noch eine Menge Diskussionbedarf dabei ist, aber eben auch eine ganze Reihe potezieller, schöner Diskussionsthemen. Manches ist aber halt auch bei dir leider "ich, ich, ich", mit einer gewissen Arroganz in Form der Defaultannahme, nur weil man selbst einen bestimmten Weg gegangen ist, müssten andere den so oder so ähnlich jederzeit auch gehen können. Das ist nicht so.

  10. Re: Purer Calvinismus

    Autor: Trockenobst 23.10.19 - 13:59

    demon driver schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Defaultannahme, nur weil man selbst einen bestimmten Weg gegangen ist,
    > müssten andere den so oder so ähnlich jederzeit auch gehen können. Das ist
    > nicht so.

    Es gibt ein paar Gründe für eine Klassendiskussion, spezifisch an den ganz oberen und ganz unteren Rändern. Natürlich sucht der Mensch Sicherheit, diese wird durch die meist starre Festanstellung angeboten. Diese Sicherheit wird als Hebel "Missbraucht", etwa durch Millionen von (unbezahlten) Überstunden. Diskutiert wird das Thema, aber wirkliche Lösungsansätze sind eher die Ausnahme.

    Wenn ein vielleicht mittelmäßiger ITler mit 52 Feststellt, dass "das System" ihm bei 100 Absagen keine Chance mehr gibt und dann beschließt in die Pampa zu ziehen wo man ihm sofort einen Job gibt (bei 20% weniger Gehalt aber mehr Freiheiten) wird dies natürlich als Sonderfall abgetan. "Sollte" nicht die Regel sein. Was ist denn die Regel, wenn das eine Ausnahme ist?

    Ich habe 30 Jahre lang in irgendeinem Viertel gelebt, und dann kam die Gentrifizierung und ich hab's lange ausgehalten, aber dann wurden mir die Mieten und teure Kaffe vom Großinvestor-Biomarkt zu teuer. Die Preis/Leistung hat mir nicht mehr gefallen, es war nicht mehr "mein" Stadtteil. Ein paar harren noch aus, der Vater arbeitet nun am Samstag. Die Samstagsarbeit, ist die Verzweiflung. Das ist Verlust der Kontrolle, der Sicherheit. Nur hat er in 10 Jahren keine einzige Gehaltserhöhung verlangt. Seine Frau ist in einem 2/3 Job, historisch, über das letzte Drittel wird nicht geredet. Die Kinder leben in einem Spielparadies und sind in drei Vereinen. Usw.

    Einige können wirklich für wenig in ihrem Leben. Die Welle der Veränderung schwappt über sie.
    Bei den anderen scheitert es schon häufig an der ehrlichen, belastbaren Situationsanalyse.
    Wir sind dann nicht mal in der Nähe von Optionserarbeitung und Lösungssuche. Das wird dann auch noch durch Ängste und Wut überlagert, und das hilft dann auch nicht.

    Die Schuldnerberatung hier ums Eck hat inzwischen eine Wartezeit von 6 Monaten. Hauptgrund der Überschuldung: verzweifelter Versuch ein Mittelstandsleben zu führen vs. nicht das Einkommen zu haben die das ermöglicht. Man kann lange über die Gründe diskutieren, aber am Ende sind das alles Einzelentscheidungen, die sehr häufig in die falsche Richtung gehen.

  11. Re: Purer Calvinismus

    Autor: demon driver 23.10.19 - 14:26

    Trockenobst schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > demon driver schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > > Defaultannahme, nur weil man selbst einen bestimmten Weg gegangen ist,
    > > müssten andere den so oder so ähnlich jederzeit auch gehen können. Das ist
    > > nicht so.
    >
    > Es gibt ein paar Gründe für eine Klassendiskussion, spezifisch an den ganz
    > oberen und ganz unteren Rändern. Natürlich sucht der Mensch Sicherheit,
    > diese wird durch die meist starre Festanstellung angeboten. Diese
    > Sicherheit wird als Hebel "Missbraucht", etwa durch Millionen von
    > (unbezahlten) Überstunden. Diskutiert wird das Thema, aber wirkliche
    > Lösungsansätze sind eher die Ausnahme.
    >
    > Wenn ein vielleicht mittelmäßiger ITler mit 52 Feststellt, dass "das
    > System" ihm bei 100 Absagen keine Chance mehr gibt und dann beschließt in
    > die Pampa zu ziehen wo man ihm sofort einen Job gibt (bei 20% weniger
    > Gehalt aber mehr Freiheiten) wird dies natürlich als Sonderfall abgetan.
    > "Sollte" nicht die Regel sein. Was ist denn die Regel, wenn das eine
    > Ausnahme ist?

    Die Frage ist halt, dem einen gelingt's, muss es deswegen auch anderen gelingen, ist es als Empfehlung geeignet? Ok, speziell in der IT kann man's sicher als Vorschlag nehmen...

    Nur müssen wir ja doch zugeben, in einer privilegierten Situation zu sein, egal wo wir hingehen, und auch wenn's lange nicht mehr so ist wie vor ca. drei Jahrzehnten (wo man zum Teil wirklich einen Job bekam, wenn man nur den Rechner anschalten konnte, und manche mit ein paar Jahren Selbständigkeit genug verdienten, um danach nie wieder arbeiten zu müssen), haben andere ja noch ganz andere Probleme – wie du ja selbst auch im Folgenden schilderst...

    > Ich habe 30 Jahre lang in irgendeinem Viertel gelebt, und dann kam die
    > Gentrifizierung und ich hab's lange ausgehalten, aber dann wurden mir die
    > Mieten und teure Kaffe vom Großinvestor-Biomarkt zu teuer. Die
    > Preis/Leistung hat mir nicht mehr gefallen, es war nicht mehr "mein"
    > Stadtteil. Ein paar harren noch aus, der Vater arbeitet nun am Samstag. Die
    > Samstagsarbeit, ist die Verzweiflung. Das ist Verlust der Kontrolle, der
    > Sicherheit. Nur hat er in 10 Jahren keine einzige Gehaltserhöhung verlangt.
    > Seine Frau ist in einem 2/3 Job, historisch, über das letzte Drittel wird
    > nicht geredet. Die Kinder leben in einem Spielparadies und sind in drei
    > Vereinen. Usw.
    >
    > Einige können wirklich für wenig in ihrem Leben. Die Welle der Veränderung
    > schwappt über sie.
    > Bei den anderen scheitert es schon häufig an der ehrlichen, belastbaren
    > Situationsanalyse.
    > Wir sind dann nicht mal in der Nähe von Optionserarbeitung und
    > Lösungssuche. Das wird dann auch noch durch Ängste und Wut überlagert, und
    > das hilft dann auch nicht.
    >
    > Die Schuldnerberatung hier ums Eck hat inzwischen eine Wartezeit von 6
    > Monaten. Hauptgrund der Überschuldung: verzweifelter Versuch ein
    > Mittelstandsleben zu führen vs. nicht das Einkommen zu haben die das
    > ermöglicht. Man kann lange über die Gründe diskutieren, aber am Ende sind
    > das alles Einzelentscheidungen, die sehr häufig in die falsche Richtung
    > gehen.

    Auch hier: ich kann da sehr weit mitgehen (und mitfühlen). Kein Widerspruch.

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