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Wertesystem ist immer (!) bereits vorhanden

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  1. Wertesystem ist immer (!) bereits vorhanden

    Autor: Whitey 14.03.17 - 14:20

    Die Frage, ob in die Architektur des Internets ein Wertesystem eingelassen sein soll, stellt sich mMn. in diesem Sinne gar nicht, da ein bestimmtes System von Werten immer grundlegend in diese Debatte (und das Internet) eingelassen ist. Auch der Anspruch/Wert, dass ein solches System 'keine' Werte besitzen soll, ist bereits ein Wert und erhebt damit einen bestimmten Anspruch (nämlich auf vermeintliche 'Neutralität). Dieser Anspruch ist dabei aber natürlich selbst als ein bestimmter Wert zu sehen, weshalb er an_sich natürlich nicht 'neutral' sein kann.

    Insofern stellt sich nicht die Frage 'ob' eine Internetarchitektur mit 'Werten' versehen werden soll oder nicht, sondern eher 'mit welchen' Werten diese versehen werden soll.

    Dieser Umstand erscheint mir insofern wichtig, als dass die 'Wertedebatte' durch diese Erkenntnis auf einer völlig anderen Grundlage geführt wird, weil sie die Behauptung vermeintlicher 'Neutralität' oder 'Objektivität' einer angeblich 'wertefreien' Architektur als das entlarvt was sie ist: eine Illusion. Akzeptiert man, dass man immer irgendwelchen Werten diesbezüglich folgt und die Frage in Richtung 'welcher' Werte verschoben wird, dann kann man mMn. sehr viel besser darüber diskutieren, in welche Richtung sich die Architektur des Netzes letztlich bewegen soll bzw. nicht bewegen soll.

  2. Re: Wertesystem ist immer (!) bereits vorhanden

    Autor: Muhaha 14.03.17 - 14:49

    Whitey schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Die Frage, ob in die Architektur des Internets ein Wertesystem eingelassen
    > sein soll, stellt sich mMn. in diesem Sinne gar nicht, da ein bestimmtes
    > System von Werten immer grundlegend in diese Debatte (und das Internet)
    > eingelassen ist. Auch der Anspruch/Wert, dass ein solches System 'keine'
    > Werte besitzen soll, ist bereits ein Wert und erhebt damit einen bestimmten
    > Anspruch (nämlich auf vermeintliche 'Neutralität). Dieser Anspruch ist
    > dabei aber natürlich selbst als ein bestimmter Wert zu sehen, weshalb er
    > an_sich natürlich nicht 'neutral' sein kann.
    >
    > Insofern stellt sich nicht die Frage 'ob' eine Internetarchitektur mit
    > 'Werten' versehen werden soll oder nicht, sondern eher 'mit welchen' Werten
    > diese versehen werden soll.
    >
    > Dieser Umstand erscheint mir insofern wichtig, als dass die 'Wertedebatte'
    > durch diese Erkenntnis auf einer völlig anderen Grundlage geführt wird,
    > weil sie die Behauptung vermeintlicher 'Neutralität' oder 'Objektivität'
    > einer angeblich 'wertefreien' Architektur als das entlarvt was sie ist:
    > eine Illusion. Akzeptiert man, dass man immer irgendwelchen Werten
    > diesbezüglich folgt und die Frage in Richtung 'welcher' Werte verschoben
    > wird, dann kann man mMn. sehr viel besser darüber diskutieren, in welche
    > Richtung sich die Architektur des Netzes letztlich bewegen soll bzw. nicht
    > bewegen soll.

    Korrekt!

  3. Re: Wertesystem ist immer (!) bereits vorhanden

    Autor: chefin 15.03.17 - 08:23

    naja, das mündet in die Diskussion ob Atheisten nicht auch an etwas glauben. Tun sie scheinbar und selbst wenns nur der Glaube dran ist, das es keinen Glauben gibt.

    Aber ansonsten ist das Internet wertefrei. Ein TCP Paket könnte den Auslösebefehl für eine Atombombe haben und würde vor dem Paket mit der "hab dich lieb" Msg in Whatsapp und nach dem Tweet von Trump transportiert, wo er Obama als N.... bezeichnet. Nichtmal eine Priorität ist im Protokoll verankert. Jedes Paket wird einfach so wie es kommt verarbeitet. Stösst man an physikalische Grenzen, wird alles was kommt einfach gelöscht. Egal was es ist.

    Aber ja, bewertet wird die Ankunftzeit. Atheistenmodus eben. Zeit ist also das einzige Kriterium. Wer zuerst kommt wird zuerst transportiert. Ich würde sowas aber nicht als Wertesystem bezeichnen.

  4. Re: Wertesystem ist immer (!) bereits vorhanden

    Autor: bombinho 15.03.17 - 23:40

    chefin schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Aber ja, bewertet wird die Ankunftzeit. Atheistenmodus eben. Zeit ist also
    > das einzige Kriterium. Wer zuerst kommt wird zuerst transportiert. Ich
    > würde sowas aber nicht als Wertesystem bezeichnen.
    Soweit die Theorie. In der Praxis wird nach Adresse, Protokoll etc. bewertet und Zeit spielt nur im allerletzten Notfall noch als Ausschlusskriterium eine Rolle. Spaetestens wenn Fehlerkorrektur und Zugangsberechtigung Bestandteil des Protokolls sind, ist Schluss mit Wertefreiheit. Dann kommen noch QoS und Loadbalancing hinzu usw. .
    1. Wer kriegt was?
    2. Welches Protokoll?
    3. Wer kriegt was nicht?
    4. Wer es hat, muss es wem weiterreichen?
    ...
    Hilfe, es wird mir zuviel!
    ...
    x. Was kann ich auf spaeter verschieben?
    y. Was kann ich mit geringen Nebenwirkungenunter den Tisch fallen lassen?
    ...
    Hilfe, ich kann nicht mehr!
    z. was zuletzt rein kam, merke ich mir nicht mehr.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 15.03.17 23:46 durch bombinho.

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