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Simulationshypothese = moderne Religion

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  1. Simulationshypothese = moderne Religion

    Autor: ms 16.09.19 - 15:50

    Ich muss das mas so deutlich sagen: dieser Artikel, und die "Simulationshypothese" ist nichts weiter als eine moderne Religion, die sich von "traditionellen" Religionen nur dadurch unterscheidet, dass sie auf einem unvollständigen Verständnis des aktuellen naturwissenschaftlichen Standes beruht, und nicht auf dem von vor 2000 Jahren. Warum?

    Also: Wie jede Schöpfungsgeschichte erklärt "wir leben in einer Simulation" überhaupt gar nichts, weil sich dann die Frage nach der Entstehung und den Eigenschaften des "umgebenden" Universums stellt. Diese Frage ist dann umso komplizierter, wenn nicht gar unmöglich zu beantworten, da wir dafür aus unserer Simulation ausbrechen müssten. Grundsätzlich ist die Annahme "wir leben in einer Simulation" nicht falsifizierbar (ähnlich wie die Annahme "der christliche Gott hat dieses Universum erschaffen") und ist unnötig kompliziert. Sie bringt daher keinerlei Erkenntnisgewinn und wäre aus philosphischer Sicht mit Verweis auf Ockhams Rasiermesser zu ignorieren.

    Es geht aber weiter, denn die Simulationshypothese offenbart auch ein gewisses Unverständnis für die moderne Physik (wie auch schon die alten Religionen nicht mal auf dem naturwissenschaftlichen Stand von vor 2000 Jahren waren...):
    Die quantenmechanische Unschärfe ist keineswegs dafür geeignet, die nötige Rechenpower für eine Simulation zu begrenzen. Im Gegenteil, in der Quantenmechanik wird der Zustand eines einzelnen Elektrons z.B. bereits durch eine Wellenfunktionen, also einen Vektor in einem unendlich-dimensionalen Vektorraum beschrieben. In der klassischen Mechanik reicht dagegen ein Vektor in einem 6-dimensionalen Raum (drei Raumkoordinaten und die Geschwindigkeiten in die drei Richtungen). Dazu kommt noch, dass durch den Effekt der Verschränkung die Komplexität eines quantenmechanischen Systems mit n Teilchen exponential mit n wächst, die Komplexität eines klassischen Systems aber nur linear. Das hat ganz harte Konsequenzen für Simulationen von quantenmechanischen Systemen (die es natürlich jetzt schon gibt, z.B. um komplexe Moleküle besser zu verstehen):
    Solche Simulationen sind enorm schwer und rechenaufwändig. Nebenbei: Quantencomputer sind aus naturwissenschaftlicher Sicht deshalb so interessant weil sie derartige Simulationen vereinfachen könnten, und sie lassen sich durch klassische Computer nur schlecht simulieren (sonst müsste man sie ja nicht unbedingt bauen), weil ihre Komplexität eben so hoch ist.
    Irgendwelche Gedanken vonwegen "die Quantisierung der Physik kommt von der Quantisierung der Zustände in einem Computer" sind ähnlich falsch.

    Wann immer ich über diese Simulationshypothese lese habe ich auch den Eindruck, dass die Leute sich das so vorstellen dass die Zeit die wir erfahren so etwas ist wie die Zeit im "umgebenden" Universum oder die Anzahl von "Simulationsschritten" oder so, auch wenn das hier nirgendwo explizit so steht. Das macht aber keinen Sinn, die Zeit ist ein Teil unseres Universums und in der speziellen und allgemeinen Relativitätstheorie eng mit dem Raum verknüpft. Eine phyikalisch korekte Simulation unseres Universums müsste schlichtweg unser Universum zu allen Zeiten und an allen Orten simulieren, unsere Erfahrung einer versteichenden Zeit und einer Zeitrichtung müssen innerhalb dieser Simulation entstehen.

    Der Artikel stellt auch die Frage nach der Triebkraft hinter dem Streben zu höherer Intelligenz und damit höherer Komplexität. Diese Triebkraft ist bekannt: Evolution. Die Suggestion dass da etwas "außerhalb unserer Simulation" dahintersteckt ist ein typisch religiöser Gedanke, ähnlich wie "Gott kümmert sich um uns": Dies wäre ein Eingriff von "außen" in dieses Universum, also eine Verletzung der Naturgesetze. Nichts derartiges konnte jemals belegt werden. Aufgrund dessen (und ähnlicher Dinge) halte ich die Simulationshypothese auch für ähnlich wissenschaftsfeindlich wie traditionelle Religionen. Die letzte Seite, "sind Informatiker vom Universum gewollt?" muss ich in dem Zusammenhang wohl nicht extra kommentieren.

    Bleibt zuletzt noch die Überlegung von den Simulationen in den Simulationen und dem daraus folgenden Wahrscheinlichkeitsargument: Es ist doch offensichtlich dass wir auf einem Computer innerhalb unseres Universums, auf endlichem Raum in endlicher Zeit und mit begrenzter Energie, nur ein kleineres "Universum" simulieren können als diesen Computer, da wir nur
    endlich viele Zustände und endlich viele ausführbare Rechenoperationen haben. Die Simulationen in den Simulationen in den Simulationen können also allenfalls eine Kette immer weniger komplexer Universen sein. Damit bricht das ganze Wahrscheinlichkeitsargument in sich zusammen, wobei ich eine derartige Wahrscheinlichkeitsargumentation schon mal grundsätzlich für fragwürdig halte da es sich bei "leben wir in einer Simulation" um die Frage nach einem einmaligem Fakt handelt, nicht um ein wiederholbares Experiment. Die einzigen "Wahrscheinlichkeiten" für ein einmaliges Ereignis sind aber die aus einem statistischen Modell (da so eine "Wahrscheinlichkeit" eben nicht real durch relative Häufigkeiten in einem Experiment angenähert werden kann). Wenn dann kein statistisches Modell präsentiert wird ist eine Aussage wie "muss mit hoher Wahrscheinlichkeit xyz passieren" nichts anderes als "denke ich dass xyz richtig ist".

  2. Re: Simulationshypothese = moderne Religion

    Autor: egal 18.09.19 - 19:44

    Ohne jetzt auszuschweifen, ich sehe es weitestgehend ähnlich. Die ganze Wahrscheinlichkeitsdenke ist eh immer lustig, so nach dem Motto: "Da muss es was Höheres geben, die Wahrscheinlichkeit ist ja ansonsten so gering, so viele Dinge mussten hinhauen, das kann kein Zufall sein. Ich sage nur: "Egozentrisches Weltbild"
    Schönes Buch zum Thema: Monod, Jaques – Zufall und Notwendigkeit

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