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Ein paar Hintergrundinfos

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  1. Ein paar Hintergrundinfos

    Autor: twothe 11.12.19 - 13:37

    Da ich längere Zeit mal in der IT einer Bank gearbeitet habe, hier mal ein paar Hintergrundinformationen die man als normal denkender Mensch so nicht für möglich hält:

    - Das Protokoll zur Übertagung von Finanzdaten (Buchungen, Abhebungen, usw) stellt man sich vielleicht als hoch-komplexes, gut gesichertes System vor, faktisch ist es aber ein völlig zusammen gestammeltes Text-Format ohne jegliche Korrekturmaßnahmen oder Prüfungen, das ganz offensichtlich nicht aus der Feder eines Informatikers stammt.

    - Nahezu alle Banken implementieren das Protokoll falsch. Einerseits weil es sinnlos komplex ist, andererseits weil die Fehler erst später aufgefallen sind und man dann die bestehenden Systeme nicht mehr einfach updaten konnte (Entwicklungsmethode: Monolitischer Block). Dementsprechend muss für die Kommunikation unter den Banken fast immer ein Übersetzungs-Modul dazwischen geschaltet werden.

    - Die IT von Banken ist primär auf Sicherheit getrimmt, praktisches Denken kommt da höchstens an 4. Stelle. Das ist u.A. den regelmäßigen Pflicht-Prüfungen der IT-Sicherheit geschuldet, andererseits aber auch dem Faktum, das Bänker im Regelfall höchst konservativ sind, und lieber Uraltsoftware die sich bewährt hat weiter betreiben, als mal auf den neusten Stand zu updaten. Hinterher geht dann irgendwas nicht mehr...

    - Informatiker die hip, agil und zukunfsorientert denken arbeiten im Regelfall nicht bei einer Bank. Dort sitzen eher ältere Herren die bei Einführung von Ideen wie beispielsweise GIT mit der Stirn runzeln, fragen wo das jetzt Vorteile gegenüber SVN haben soll und insgeheim hoffen das man wieder zu ClearCase zurück wechselt, dann früher war in der IT bekanntlich alles besser. Moderne Konzepte wie Microservices stoßen da auf jede Menge Widerstand.



    1 mal bearbeitet, zuletzt am 11.12.19 13:38 durch twothe.

  2. Re: Ein paar Hintergrundinfos

    Autor: Ingwar 11.12.19 - 13:53

    Ich behaupte das ist nicht nur im Bankwesen so, sondern in jedem größeren Unternehmen, wo das Gremium welches Entscheidungen fällen kann, älter, männlicher und meistens auch konservativer ist. Es gibt Ausnahmen, aber im Grunde hab ich mir vor allem das mit dem Protokoll genau so vorgestellt..

  3. Re: Ein paar Hintergrundinfos

    Autor: Sharra 11.12.19 - 14:06

    Ich stelle fest, ich bin nach deiner Definition nicht normal. Denn genau das war mir eigentlich so klar. Natürlich auch deswegen, weil Banken sich gegenseitig die Butter auf dem Brot nicht gönnen, und daher wird nur beim allerkleinsten Nenner irgendwie kooperiert.
    Ausserdem bekommt man ja durchaus hier und da mal mit, dass Prozesse intern noch wie zu Kaisers Zeiten laufen, während man nach aussen möglichst modern wirken will.

    Allerdings hätte ich vor ein paar Jahren durchaus noch damit gerechnet, dass Überweisungen deswegen so lange dauern, weil Abends einer alles auf Diskette kopiert, in den bankeigenen Jet steigt, und die Daten dann über Nacht überall abgibt. Und da die Postbank grundsätzlich zu arm für einen Jet ist, hatte man dort nur Fahrräder... (Anders kann man sich bis zu 2 Wochen für eine Überweidung einfach nicht erklären.)

  4. Microservices im Bankwesen???

    Autor: r3bel 11.12.19 - 14:13

    Warum sollte eine Bank Microservices verwenden? Gerade Banken kaufen sich doch dadurch nur Nachteile ein. Die meisten Systeme dort müssen nicht massiv hoizontal skalieren um super Performance zu bieten (Überweisungen können auch mal eine paar Minuten dauern etc.) und Dinge wie "eventual consistancy" machen bei meist transaktionalen Vorgängen auch keinen Spaß.

  5. Re: Ein paar Hintergrundinfos

    Autor: bofhl 11.12.19 - 14:21

    twothe schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Da ich längere Zeit mal in der IT einer Bank gearbeitet habe, hier mal ein
    > paar Hintergrundinformationen die man als normal denkender Mensch so nicht
    > für möglich hält:
    >
    > - Das Protokoll zur Übertagung von Finanzdaten (Buchungen, Abhebungen, usw)
    > stellt man sich vielleicht als hoch-komplexes, gut gesichertes System vor,
    > faktisch ist es aber ein völlig zusammen gestammeltes Text-Format ohne
    > jegliche Korrekturmaßnahmen oder Prüfungen, das ganz offensichtlich nicht
    > aus der Feder eines Informatikers stammt.

    Überleg mal wie alt dieses Protokoll ist und wie viele damit verbunden sind! Da was zu ändern stellen sich nur Leute ohne Erfahrung einfach vor...

    >
    > - Nahezu alle Banken implementieren das Protokoll falsch. Einerseits weil
    > es sinnlos komplex ist, andererseits weil die Fehler erst später
    > aufgefallen sind und man dann die bestehenden Systeme nicht mehr einfach
    > updaten konnte (Entwicklungsmethode: Monolitischer Block). Dementsprechend
    > muss für die Kommunikation unter den Banken fast immer ein
    > Übersetzungs-Modul dazwischen geschaltet werden.

    Komplett falsch - die Banken implementierten eine Version des Protokolls - und dann auch nur die Teile, die damals von deren nationalen Vorgaben gefordert wurden! Erst viel später kamen Teile dazu - weil z.B. auf einmal der Moloch EU mit deren EZB daher kam und auf andere Dinge bestand als die lokale Politik.

    >
    > - Die IT von Banken ist primär auf Sicherheit getrimmt, praktisches Denken
    > kommt da höchstens an 4. Stelle. Das ist u.A. den regelmäßigen
    > Pflicht-Prüfungen der IT-Sicherheit geschuldet, andererseits aber auch dem
    > Faktum, das Bänker im Regelfall höchst konservativ sind, und lieber
    > Uraltsoftware die sich bewährt hat weiter betreiben, als mal auf den
    > neusten Stand zu updaten. Hinterher geht dann irgendwas nicht mehr...

    "never ever change a running system"

    >
    > - Informatiker die hip, agil und zukunfsorientert denken arbeiten im
    > Regelfall nicht bei einer Bank. Dort sitzen eher ältere Herren die bei
    > Einführung von Ideen wie beispielsweise GIT mit der Stirn runzeln, fragen
    > wo das jetzt Vorteile gegenüber SVN haben soll und insgeheim hoffen das man
    > wieder zu ClearCase zurück wechselt, dann früher war in der IT bekanntlich
    > alles besser. Moderne Konzepte wie Microservices stoßen da auf jede Menge
    > Widerstand.

    Ich würde mal sagen, dass nur weil etwas heute einen neuen, hippen Namen bekommen hat ist es nicht automatisch besser!
    Und dein Beispiel vom GIT - SVN - Clearcase mag für junge, sich für DIE Supperstars der Programmierung haltende Entwickler lustig klingen, ist blos nicht! Es weißt nur auf eine fehlende Erfahrung in all diesen Version-Control-Systemen hin (und warum GIT eine "Idee" sein soll?) - wobei Clearcase nicht wirklich nur ein solches darstellt, es ist schlicht weit mehr!


    PS: wer mal richtig mit CC gearbeitet hat und auch mit GIT der merkt sehr schnell, was bei GIT alles nicht geht, zu kompliziert ist oder schlicht unsinnig ist!

  6. Re: Microservices im Bankwesen???

    Autor: bofhl 11.12.19 - 14:22

    r3bel schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Warum sollte eine Bank Microservices verwenden? Gerade Banken kaufen sich
    > doch dadurch nur Nachteile ein. Die meisten Systeme dort müssen nicht
    > massiv hoizontal skalieren um super Performance zu bieten (Überweisungen
    > können auch mal eine paar Minuten dauern etc.) und Dinge wie "eventual
    > consistancy" machen bei meist transaktionalen Vorgängen auch keinen Spaß.

    Das verstehen blos die jungen Programmierer so nicht! Die meisten wollen Dinge mit (den) neuen Namen nutzen bzw. einbauen...

  7. Re: Microservices im Bankwesen???

    Autor: ZeldaFreak 11.12.19 - 14:32

    Warum soll Git besser sein als SVN? Immerhin hat man eine Versionskontrolle. Kommt natürlich auf die Arbeitsabläufe an und ob es passt. SVN würde nur in einem kleinen Team funktionieren, wo man mal eben dem Entwickler eins über die Rübe ziehen kann, wenn er wieder teile vergessen hat einzuchecken. Jemand der PRs überprüft ist zwar sicherer, ist aber erheblicher Mehraufwand, den sich kleine Firmen nicht leisten können.

    Nach der Zeit wächst alles Historisch und wenn man von Anfang an kaum Struktur drin hatte, wird es später auch schwer da welche rein zu bringen. Neu machen kosten Geld und man muss alles neu testen. Der Transfer ist dann auch nicht so leicht zu bewältigen. Irgendwann wird es nötig sein, weil Neuerungen dann so viel Zeit fressen, weil sich die Leute erstmal ewig einlesen müssen.

    Für sauberen und übersichtlichen Code braucht man dann einen Kontrolleur der genau hin guckt und ein PR ablehnt, wenn es nicht Tutorial Qualität hat. Perfekten Code zu schreiben kostet aber auch wieder sehr viel Zeit. Der Code wird dadurch nicht besser laufen und bis etwas unleserlich wird, dauert es etwas.

  8. +1 und xkcd Kommentar

    Autor: trinkhorn 11.12.19 - 14:35


    title text: And I can't believe some places still use fax machines. The electrical signals waste so much time going AROUND the Earth when neutrino beams can go straight through!

    source: https://xkcd.com/1891/

  9. Re: Ein paar Hintergrundinfos

    Autor: Eheran 11.12.19 - 14:49

    >älter, männlicher und meistens auch konservativer ist.
    Was hat das denn mit männlich zu tun?
    Als ob ältere Mitarbeiterinnen ständig alles verändern wollen - die sind ebenso konservativ und wollen alles beim Alten belassen.

  10. Re: Ein paar Hintergrundinfos

    Autor: elknipso 11.12.19 - 16:28

    twothe schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > - Die IT von Banken ist primär auf Sicherheit getrimmt, praktisches Denken
    > kommt da höchstens an 4. Stelle. Das ist u.A. den regelmäßigen
    > Pflicht-Prüfungen der IT-Sicherheit geschuldet, andererseits aber auch dem
    > Faktum, das Bänker im Regelfall höchst konservativ sind, und lieber
    > Uraltsoftware die sich bewährt hat weiter betreiben, als mal auf den
    > neusten Stand zu updaten. Hinterher geht dann irgendwas nicht mehr...

    Diesen Grundsatz hast Du in jeder größeren Firma.
    Es hat schon seinen Grund warum quasi alle Großkunden zum Beispiel vertraglich regeln, dass sie für einen festen Zeitraum mit zuvor geprüfter Hardware in genau dieser Konfiguration beliefert werden und keine neuen Produkte da so einfach rein kommen.

  11. Re: Ein paar Hintergrundinfos

    Autor: quineloe 11.12.19 - 16:39

    twothe schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > - Informatiker die hip, agil und zukunfsorientert denken arbeiten im
    > Regelfall nicht bei einer Bank. Dort sitzen eher ältere Herren die bei
    > Einführung von Ideen wie beispielsweise GIT mit der Stirn runzeln, fragen
    > wo das jetzt Vorteile gegenüber SVN haben soll und insgeheim hoffen das man
    > wieder zu ClearCase zurück wechselt, dann früher war in der IT bekanntlich
    > alles besser. Moderne Konzepte wie Microservices stoßen da auf jede Menge
    > Widerstand.

    Ich kenne mehrere Informatiker <35, die bei der ingdiba bzw der Santander arbeiten. Weil sie Geld mögen. Denn das schütten die Banken aus.
    Es lohnt sich einfach nicht, IT im IT sektor zu machen.

    Verifizierter Top 500 Poster!

  12. Re: Ein paar Hintergrundinfos

    Autor: Genie 11.12.19 - 17:11

    bofhl schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Überleg mal wie alt dieses Protokoll ist und wie viele damit verbunden
    > sind! Da was zu ändern stellen sich nur Leute ohne Erfahrung einfach
    > vor...

    Das ist natürlich Quatsch. Es ist überhaupt kein Problem, das Protokoll zu erneuern. Alleine die enormen Vorteile, die das hätte, überwiegen bei Weitem den Aufwand. Die großen Zentralbanken müssen sich hier einfach nur mal hinzusetzen und es definieren.

    Warum das von den ganzen Banken nicht gewollt ist, kann man sich ja denken. Schon eine "Live-Überweisung" wäre ja eine Katastrophe...

  13. Re: Ein paar Hintergrundinfos

    Autor: Sandeeh 11.12.19 - 21:48

    Genie schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > bofhl schrieb:
    > ---------------------------------------------------------------------------
    > -----
    > > Überleg mal wie alt dieses Protokoll ist und wie viele damit verbunden
    > > sind! Da was zu ändern stellen sich nur Leute ohne Erfahrung einfach
    > > vor...
    >
    > Das ist natürlich Quatsch. Es ist überhaupt kein Problem, das Protokoll zu
    > erneuern. Alleine die enormen Vorteile, die das hätte, überwiegen bei
    > Weitem den Aufwand.

    Wo auch immer du diese Erfahrung gesammelt hast?! Aus der Luftfahrtbranche kann ich dir aber sagen, das da Spezifikationsänderungen sehr, sehr aufwendig sein können: schon die Erweiterung eines Feldes von 40 auf 100 Zeichen kann eine Herausforderung sein, wenn sich Anpassungen durch SAP-Systeme, Data Marts, Business Intelligenz Applikationen und externe Interfaces auswirken: das kann locker 6 Monate dauern, bis da mal was als Release Candidate auf dem Tisch liegt - und nein: mit SCRUM geht's auch nicht viel schneller :-P

    Grüße, Sandeeh

  14. Re: Ein paar Hintergrundinfos

    Autor: twothe 12.12.19 - 00:38

    Das Protokoll zu ändern wäre in der Tat sehr einfach, man könnte ja problemlos beide Protokolle nebeneinander laufen lassen. Es geht aber im Kern dann doch ums Geld: Banken haben null Interesse zu interagieren, das kostet nur Zeit und bringt nichts ein. Die Gebühren die man an Automaten zahlt haben überhaupt nichts mit Umständen zu tun die damit finanziert werden müssen, sondern ist einfach nur der Wille der Banken die Kunden zwangs zu binden.

    Das gleiche gilt für Instant-Überweisungen: das wäre schon vor Jahren problemlos möglich gewesen, Banken hatte aber überhaupt kein Interesse das zu tun, denn sie konnten ja ohne Instant-Überweisung von den Kunden Geld für eine schnellere Überweisung fordern. Die Umstellung bei der Bank bei der ich gearbeitet habe auf Instant-Payment hat rund ein halbes Jahr gedauert, davon sind mindestens 3 Monate für Rumstümpern und sinnlose Meetings drauf gegangen. Effektive 3 Monate hätte so eine Umstellung also gekostet, und die Software-Änderungen waren dabei der kleinste Teil.

    Microservices haben einen Vorteil gerade für Banken, weil sie super wartbar sind. Wenn sie richtig angefertigt werden hat man ein Stück Software für genau ein Einsatzgebiet, dass erst dann wieder angefasst werden muss, wenn es Änderungen in genau diesem Gebiet gibt. Zudem kann sie leicht getestet werden, man kann also eine Funktion garantieren. Die Skalierbarkeit ist ein netter nebenbei-Vorteil, aber dieses write-once-and-forget ist genau das, was die Banken sehr gerne tun würden aber nicht können, weil sie lieber einen monolitischen Block produzieren, der jedes mal wenn man ihn an fasst mehr Bugs bekommt.

    Nachdem so was in der Bank wo ich war vorgestellt wurde, ging der Dialog dann ca. so:
    "Ok... aber was wenn das nicht funktioniert?"
    "Ja, am besten lassen wirs."
    Und damit war die Idee vom Tisch. Fachlichkeiten haben da überhaupt keine Rolle gespielt, es war eine schlichte Abneigung gegenüber Neuem.

    Der selbe Bänker hatte übrigens ein paar Jahre zuvor noch groß getönt, dass die Zeit des Internets eh bald vorbei ist und die Kunden dann zurück zur Papierüberweisung gehen werden. Und mit so einem Typen an der Spitze wundern die sich das die IT so mäßig läuft...

  15. Re: Ein paar Hintergrundinfos

    Autor: /lib/modules 12.12.19 - 01:12

    Genie schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Das ist natürlich Quatsch. Es ist überhaupt kein Problem, das Protokoll zu
    > erneuern.
    Das mag sein.
    > Alleine die enormen Vorteile, die das hätte, überwiegen bei
    > Weitem den Aufwand. Die großen Zentralbanken müssen sich hier einfach nur
    > mal hinzusetzen und es definieren.

    Haha. Genau. mehrere Unternehmen an einen Tisch bringen um ein funktionierendes Protokoll durch ein neues und besser strukturiertes zu ersetzen. Und dann im Finanzsektor.

    Ja genau, die müssen gezwungen werden damit man überhaupt halbwegs neue Techniken rein bringt und du denkst die würden von selbst Sachen anfangen die nicht mal normale, konkurrierende Firmen schaffen? :D

  16. Re: Ein paar Hintergrundinfos

    Autor: johnripper 12.12.19 - 07:39

    Ich habe seit Jahren in der Wirtschaftsprüfung mit Schwerpunkt Finanzindustrie und kenne diverse nationale und internationale Institute.

    Und bei denen habe ich so viel gesehen, dass ich heute nur jedem Verantwortlichem raten würde, ein Kernbankensystem nur im aller nötigsten Notfall abzulösen.

    Ein internationales Insitut hatte den Versuch gewangt um sein Kernbankensystem weltweit auf ein einheitliches, stabiles und modernes System umzustellen und das Projekt bei einem Kostenstand von ca. 140 Mio Euro abzubrechen. Die Komplität war einfach nicht bescherbar, die Risiken unüberschaubar und dass das alles läuft konnte und wollte eigentlich keiner garantieren.
    Alleine für die deutsche Einheit bestanden mehrere hundert Schnitstellen.

    Nur wer so etwas mal gesehen hat versteht es wirklich.

  17. Re: Ein paar Hintergrundinfos

    Autor: MainframeX 12.12.19 - 07:58

    twothe schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Da ich längere Zeit mal in der IT einer Bank gearbeitet habe, hier mal ein
    > paar Hintergrundinformationen die man als normal denkender Mensch so nicht
    > für möglich hält:
    >
    > - Das Protokoll zur Übertagung von Finanzdaten (Buchungen, Abhebungen, usw)
    > stellt man sich vielleicht als hoch-komplexes, gut gesichertes System vor,
    > faktisch ist es aber ein völlig zusammen gestammeltes Text-Format ohne
    > jegliche Korrekturmaßnahmen oder Prüfungen, das ganz offensichtlich nicht
    > aus der Feder eines Informatikers stammt.

    Was meinst du hier genau? Übertragung innerhalb der Bank? Übertragung zwischen den Banken? Welches Protokoll?
    Ich arbeite seit mehreren Jahren im Zahlungsverkehr und weis, dass es da doch mehre Möglichkeiten gibt und einige davon erfüllen ihren Zweck gut und sicher.

    > - Die IT von Banken ist primär auf Sicherheit getrimmt, praktisches Denken
    > kommt da höchstens an 4. Stelle. Das ist u.A. den regelmäßigen
    > Pflicht-Prüfungen der IT-Sicherheit geschuldet, andererseits aber auch dem
    > Faktum, das Bänker im Regelfall höchst konservativ sind, und lieber
    > Uraltsoftware die sich bewährt hat weiter betreiben, als mal auf den
    > neusten Stand zu updaten. Hinterher geht dann irgendwas nicht mehr...

    Meine Erfahrung sagt, es gibt solche und solche, zumal Banken auch gerne externe beschäftigen bei denen genug Leute gibt, die sicher und pragmatisch denken können. Und ja, Sicherheit steht numal an erster Stelle, wäre sonst auch blöd wenn die Bank sagen müsste ' Ja, schade Geld ist weg ...'. Grundlage, auch von unbaren Zahlungsverkehr ist zu einem großen teil Vertrauen

  18. Re: Ein paar Hintergrundinfos

    Autor: XYoukaiX 12.12.19 - 08:44

    Kann auch zumindest zum teil so bestätigen wie der themen ersteller schreibt.
    Wir haben auch probleme durch die Banken aufsichtsbehörde die teilweise absurde vorderungen stellt durch die wir keine Zeit haben wichtigere dinge an zu gehen, zusätzlich gibt es noch die Interne Revision die auch immer gern was zu meckern hat.

    Aktuell versuchen wir unsere 2003er Server los zu werden inklusive einem alten Programm aus der Steinzeit welches kein mensch mehr versteht und welches auch nicht sonderlich sinnvoll arbeitet ...

    Ein halbes jahr und "nur" 2 Millionen Euro später sind wir zwar auf dem Stand das es die neue Hard und Software soweit gibt aber es noch immer nicht so läuft als das man es Produktiv nutzen könnte ... das wird vermutlich noch ein paar monate und diverse Euros kosten und wir sind relativ klein.
    Ich will gar nicht wissen wie Teuer und wie viel aufwand das bei einer großen Bank ist.

  19. Re: Ein paar Hintergrundinfos

    Autor: gentux 12.12.19 - 08:49

    twothe schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > lieber
    > Uraltsoftware die sich bewährt hat weiter betreiben, als mal auf den
    > neusten Stand zu updaten. Hinterher geht dann irgendwas nicht mehr...

    Deshalb findet bei meiner Bank wohl auch fast jede Woche eine "Wartung" am E-Banking statt. Das lässt sich offensichtlich nicht so einrichten, dass man diese gestaffelt machen kann und die Wartung dem Kunden nicht auffallen würde.

    > die bei
    > Einführung von Ideen wie beispielsweise GIT mit der Stirn runzeln, fragen
    > wo das jetzt Vorteile gegenüber SVN haben soll und insgeheim hoffen das man
    > wieder zu ClearCase zurück wechselt, dann früher war in der IT bekanntlich
    > alles besser.

    Aber das ist nicht nur bei Banken so. Meine Firma setzt noch Visual SourceSafe (sic) ein, seit bald 14 Jahren nicht mehr gepflegt, das sieht sogar alt aus, jeder der es öffnet merkt's sofort. Aber es gibt zwei MA die 50+ sind, die sich erfolgreich gegen jegliche Migrationsversuche wehren, deshalb gibt es noch mindestens 3 andere Source-Control-Systeme auf denen nur ein oder zwei Projekte liegen. Wunderschön!

    Microservices wollen sie zwar, aber nur wenn sie dafür kein Bit an der Konfiguration unserer Software umdrehen müssen, denn schliesslich müsse alles noch genau so laufen wie früher nur besser.

  20. Re: Microservices im Bankwesen???

    Autor: tomatentee 12.12.19 - 08:58

    r3bel schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Warum sollte eine Bank Microservices verwenden? Gerade Banken kaufen sich
    > doch dadurch nur Nachteile ein. Die meisten Systeme dort müssen nicht
    > massiv hoizontal skalieren um super Performance zu bieten (Überweisungen
    > können auch mal eine paar Minuten dauern etc.) und Dinge wie "eventual
    > consistancy" machen bei meist transaktionalen Vorgängen auch keinen Spaß.

    Deine Geundannahme stimmt nicht: Bestimmte Überweisungstypen müssen binnen 2sek verarbeitet sein. Google mal SEPA Instant Payment.
    Darüber hinaus kannst du eine Microservice-Archtektur ja, wie jedes andere Pattern auch, auf Konsistenz und Verfügbarkeit ausrichten. Ist nur nicht der Normalfall.

    Viele Banken haben ein gigantisches Konglomerat an Sibgle-Points-of-failures. Dass da in der Infrastruktur noch so wenig schief geht lässt mich staunen. Hier würde eine robuste, Fehlertolerante und selbstheilende Architektur enorme Vorteile bringen.

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