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... skaliert halt ÜBERHAUPT nicht...

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  1. ... skaliert halt ÜBERHAUPT nicht...

    Autor: Wiggy 15.06.16 - 14:49

    ... für die ersten 5000 Stück für die Funder mag das gehen bei einem Durchsatz von 250 Stück am Tag. Aber wenn die mit dem Ding mal groß werden wollen, geht das so nicht mehr.

    Spätestens, wenn sie nochmal von einem größeren Investor Geld haben wollen, dann will der sehen, dass es einen Plan gibt, ne ordentliche Massenfertigung aufzuziehen, damit der Ertrag pro Stück größer wird; dann is nix mehr mit Fertigung in Berlin...

    Für Serien dieser Größe ist es auch heutzutage nicht selten, sondern fast schon üblich, dass in Deutschland gefertigt wird.

    Wie ja auch im Artikel steht: Nach China geht man i.d.R. erst mit deutlich größeren Stückzahlen, weil das nunmal initial mit beträchtlichem Aufwand verbunden ist. Für einen Aussenstehenden ist es nämlich alles Andere als trivial, für ein halbwegs komplexes Produkt den passenden, seriösen Hersteller in China zu finden. Man schickt da nicht per Email Fertigungsunterlagen und hat dann irgendwann das fertige Produkt im Briefkasten. Da braucht man wegen "kultureller Unterschiede" oft einen ganzen Sack Iterationen, bis sich beide Seiten absolut klar sind, was genau gewünscht ist und bis das Ergebnis den Erwartungen entspricht. Das kann ein langwieriger und kostspieliger Prozess sein, deshalb tut man sich das für gewöhnlich für Kleinserien oder Prototypen nicht an.
    Wie es eben im Artikel steht: es ist im Zweifelsfall einfacher, den Platinenfertiger in Kassel anzurufen als mit dem zuständigen Typen in Shenzen in Kontakt zu treten, wenn irgendwas unklar ist.

    Verkürzen kann man das, wenn man von früheren Produkten bereits bestehende Kontakte hat, oder man holt sich einen Berater ins Boot, der die Anbieter drüben genau kennt (der läßt sich das aber ordentlich bezahlen), oder man fliegt selbst hin und macht sich ein Bild (kostet, dauert).

    Und ja, ich spreche aus Erfahrung. :)

    Beispiel für "Kulturelle Unterschiede":
    Bekanntes Platinenlayout, Nullserie wurde in Deutschland gefertigt. Jetzt sollte die Großserie losgehen, also wurden die Fertigungsunterlagen an einen Fertiger in China gesandt. Die produzierten Platinen waren leider unbrauchbar, der Fertiger hatte statt FR4 als Material Restbestände von irgendeinem anderen Zeug verwendet, dass er noch im Lager rumliegen hatte, weswegen alle Impedanzen falsch waren.

    Kostenerstattung gab's keine, da wir nirgends explizit FR4 als Platinenmaterial spezifiziert hatten, also hat er halt IRGENDWAS verwendet. Klar, ein Fehler unsererseits; ein Fertiger in Deutschland wäre aber nie auf die Idee gekommen, jemals ein anderes Material als FR4 zu verwenden; das ist nunmal der Standard und alles andere ist die große Ausnahme. Und wenn er sich nicht sicher gewesen wäre, hätte er halt kurz nachgefragt ("Leute, da is nix spezifiziert, darf ich auch was Anderes als FR4 verwenden?").

    Sowas in der Art passiert immer wieder. Es wird absolut NUR das gemacht, was eindeutig spezifiziert ist, alles andere wird IRGENDWIE gemacht. Es wird nie nachgefragt, es wird nie hinterfragt, ob irgendetwas sinnvoll oder tatsächlich so gewollt ist.

    Klar kann man argumentieren: "Selber Schuld, schlampiges Pflichtenheft!". Aber es gibt einfach Dinge, von denen man nicht im Traum erwarten würde, dass man das bei der Bestellung explizit spezifizieren muss. Wir hatten beispielsweise eine Charge stark durchgebogener Boards. Sehr unschön, wenn man das dann nur mit Gewalt in die Mechanik hineinbekommt und dann Spannungen drauf hat... Die vorgegebenen Toleranzen waren bei der Fertigung eingehalten, aber die Dinger wurden schlecht verpackt. Bei der nächsten Bestellung musste man also extra dazusagen, dass man bitteschön das nächste Mal die Boards so verpackt, dass sie sich auf dem Transportweg nicht exorbitant verbiegen; dass sich unsere Vorgabe zwecks Durchbiegung auf die Boards bezieht, die bei uns ankommen. Auch das ist was, wo man nicht denken würde, dass man das noch explizit erwähnen muss. Die Firma macht doch den ganzen Tag nichts Anderes als Boards in die Welt zu verschiffen, die müssen doch in der Lage sein, die Dinger reproduzierbar ordentlich und sicher einzupacken?
    Oder dass die Boards, die in der Fabrik als "defekt" getestet wurden, doch bitte auch entsprechend markiert werden, damit wir das dann auch wissen... Da wurden zwar in der Fabrik elektrische Tests gemacht und diverse defekte Boards gefunden, aber dann trotzdem unmarkiert in denselben Karton geschmissen wie die funktionierenden. Auf die Idee, wenigstens eine Liste mit den Seriennummern der defekt getesteten Boards beizulegen, kam niemand... Also man beauftragt einen elektrischen Test der Boards, muss aber dann nochmal explizit drauf hinweisen, dass man das Ergebnis dieses Tests dann auch mitgeteilt bekommen möchte. Das ist dann schon leicht strange...

    Auf jeden Fall ist das ein Lernprozess. Bis man mit dem Fertiger soweit klarkommt, dass alles läuft, dauert eine Weile, zumindest beim ersten Projekt, das man miteinander macht... Und deshalb macht man das i.d.R. auch erst für deutlich größere Stückzahlen als die 5000 im Artikel.

  2. Re: ... skaliert halt ÜBERHAUPT nicht...

    Autor: Mithrandir 15.06.16 - 16:29

    Wiggy schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > ... für die ersten 5000 Stück für die Funder mag das gehen bei einem
    > Durchsatz von 250 Stück am Tag. Aber wenn die mit dem Ding mal groß werden
    > wollen, geht das so nicht mehr.

    Wenn man sich eine gewisse Exklusivität erhalten möchte, sollte man es tunlichst vermeiden, in riesen Stückzahlen zu produzieren. ;)

    Und bis solche Controller hier auf dem Massenmarkt angekommen sind, dauert es vermutlich noch.

  3. Re: ... skaliert halt ÜBERHAUPT nicht...

    Autor: Danse Macabre 15.06.16 - 17:17

    Erfahrungen diesbezüglich hat eine große Firma im Bereich Haushaltselektronik auch mal machen dürfen: zwei oder drei Lkw-Ladungen voll mit Platinenmaterial aus China für Leistungselektroniken mit zu dünner Kupferlage.

  4. Und weiter?

    Autor: Kondom 15.06.16 - 18:06

    Denkst du ernsthaft die sind so dumm und wissen nicht, dass eine Massenfertigung so nicht möglich ist?

    Den Leuten dort ist bewusst, dass sie klein sind und man vorher genau abgewogen (also ausgerechnet) wie/wo man produziert.

    Hier ein Blogeintrag zum Nachlesen:

    https://blog.senic.com/made-locally-5f495a822d44#.p0jk0x5nl

    Dazu kommt auf jeden Fall noch Werbung, und wahrscheinlich viele andere Gedanken die in dem kurzen Blogbeitrag nicht erwähnt worden sind.

  5. Re: Und weiter?

    Autor: Wiggy 16.06.16 - 17:32

    Kondom schrieb:
    --------------------------------------------------------------------------------
    > Denkst du ernsthaft die sind so dumm und wissen nicht, dass eine
    > Massenfertigung so nicht möglich ist?

    Wer hat denn das behauptet? Wo in meinem Post steht irgendwo, dass die Leute von Senic "dumm" sind? Ganz im Gegenteil ist die Entscheidung, bei diesen Stückzahlen das "von Hand" und vor Ort zu machen, absolut richtig und verständlich; die Gründe hab ich ja auch nochmal genannt und ausführlicher dargelegt als das im Artikel steht.

    Ich finde nur den ganzen Aufmacher des Golem-Artikels Unsinn. Da wird so getan, als ob jegliche Elektronik heutzutage ausschließlich und immer in China gefertigt wird und in Deutschland überhaupt nichts mehr. Schon der Titel des Artikels impliziert, dass die Jungs und Mädels in Kreuzberg beweisen, dass man mit ein wenig Ehrgeiz und Kickstarter-Support den großen Fertigern in Shenzen auch hierzulande Konkurrenz machen kann. Und DAS musste man meiner Ansicht nach noch etwas deutlicher graderücken, das stimmt nämlich einfach nicht.

    Das was die Leute von Scenic machen, ist bei den angepeilten Stückzahlen "normal" und erwartbar und gängige Praxis, nicht nur in Berlin sondern in ganz Deutschland. Ich hab sicher schon mit einem Dutzend Fertigern in D zusammengearbeitet, die für Serien dieser Größe und noch kleiner genau das anbieten, was die Scenic-Leute jetzt auch machen; ist halt etwas teurer als das von ein paar Berliner Studenten machen zu lassen. Aber der Punkt ist: das gibt es auch in Deutschland, das ist keine dahinsiechende oder nicht-existente Branche.
    Von daher ist ein Shenzen-Vergleich einfach mehr als hinkend.

    Nichtsdestotrotz ist der Artikel natürlich interessant und die Arbeit der Scenic-Leute auch definitiv einen Artikel wert. Das Thema ist auch definitiv für Golem-Leser eine Bereicherung, da die meistens mit sowas sicher wenig Kontakt haben. Serienfertigung ist IMMER eine Herausforderung wegen Materialwirtschaft, Traceability, Aufrechterhalten der Qualität, Testen uvw.; sowas aufzuziehen ist kein Pappenstiel, so oder so; verdient definitiv Respekt.

    Nur die Prämisse, dass die da etwas leisten, was sonst nur in China geht, stimmt halt nicht. Wäre gescheiter gewesen, den Artikel als "Blick hinter die Kulissen" oder dergleichen aufzuziehen und nicht Click-Bait-mäßig darzustellen, als wäre es eine "Revolution" oder irgendwie außergewöhnlich, darum geht's mir.

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